Neue Restauranttests von Zürich bis Berlin

Restauranttests von Berlin über Zürich bis nach Polen

Von Köln bis Zürich, von München bis Belgien: Neue Genussadressen zwischen unkomplizierter Bistroküche, kreativen Fischkonzepten und ambitioniertem Fine Dining – serviert in urbanen Bars, Boutiquehotels und historischen Gemäuern.
Datum07.10.2026

Neueröffnung des Monats: Villa Florhof, Zürich

Rund 600 Jahre Geschichte und ein viel beachteter Neuanfang: Im 15. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, später Sitz renommierter Seidenhändler und ab 1907 beliebtes Hotel für Künstler und Literaten, gilt der Florhof als Zürcher Institution. Nach aufwendiger Renovierung haben die neuen Besitzer um Lalique-Eigentümer Silvio Denz das denkmalgeschützte Haus als Boutiquehotel wiedereröffnet.

In ruhiger Lage unweit des Kunsthauses bietet es unter Leitung der Schweizer Top-Hotelière Tanja Wegmann nur 13 Zimmer und Suiten. Dezente Beige- und Grautöne sowie Lalique-Kristall als Leuchten, Bad-Details oder Dekor verleihen dem Haus eine elegante, private Atmosphäre.

Nach dem überraschenden Abgang des designierten kulinarischen Leiters Christian Jürgens kurz vor der Eröffnung startete zunächst die ganztägig geöffnete Brasserie mit Gartenterrasse. Küchenchef John Schiffmann, zuvor im renommierten „Buech“ am Zürichsee, serviert hier zeitgemäße Bistroküche mit Schwerpunkt auf Schweizer Produkten. Zu den Highlights zählen Ceviche vom Swiss Lachs mit Cantaloupe, Roter Bete und Peperoncini sowie Cannelloni mit zweieinhalb Tage geschmorter Schweizer Black-Angus-Rinderschulter, Pfifferlingen und Gruyère-Sauce.

Das Gourmetrestaurant im ersten Stock soll Ende des Jahres eröffnen. Ein weiteres Highlight ist der historische Weinkeller. Besitzer Silvio Denz, selbst Weinliebhaber und Eigentümer mehrerer französischer Weingüter, bietet eine Weinkarte mit 3000 Positionen; 80 davon sind derzeit in der Brasserie erhältlich.

Fazit: Stilvoller Rückzugsort mit zeitgemäßer Küche.

Dae Mon, Berlin

Von der Straße kaum auszumachen, entfaltet das „Dae Mon“ am Monbijoupark beim Eintreten seine besondere Atmosphäre. Dunkle Erdtöne bilden die Kulisse für großformatige Fotografien der Berliner Künstlerin Tina Winkhaus. Auch die AK Gallery bespielt die Wände bis zur offenen Küche – gute Kunst liegt Inhaber und Eventmanager Stefan Reinhardt besonders am Herzen.

Für die Küche zeichnet der Tiroler Samuel Haas verantwortlich, der 2022 nach Berlin kam. Seine „Open-Minded Cuisine“ verbindet asiatische und mediterrane Elemente mit Aromen seiner Heimat. Zarten Oktopus kombiniert er mit Kartoffelvariationen, roter Bohnenpaste, süßlicher Unagi-Sauce und Tiroler Speck. Ein Cut vom mindestens zehn Jahre alten spanischen Txogitxu-Rind wird mit Aprikose, Haselnuss und Pfifferlingen serviert. Überraschend beim Dessert aus Sauerkirsch-Eis, Chili, Olivenöl und dunkler Schokomousse: unreife Koriandersamen, die im Mund wie Kaviarperlen platzen.

Sommelier Orpheas Papagiannakopoulos-Zwiky begleitet mit Weinen deutscher Topgüter und aromatischen Cold Brew Teas; auch eine Cocktail-Begleitung wird angeboten. Zum Jahresende verbindet „Queens & Cuisine“ an den Adventssonntagen das Menü mit flamboyanter Dragqueen-Kunst von Miss Ivanka T.

Fazit: Ein stimulierender Ort, der die Sinne erweitert.

Bar Brio, Köln

Am Brüsseler Platz hat Jakob Erdsiek nach internationalen Stationen mit der „Bar Brio“ sein eigenes Gastrokonzept eröffnet. Mittags stehen wechselnde Pasta-Gerichte auf dem Programm, abends folgt eine kompakte Sharing-Karte mit 13 Positionen, bei der Gemüse erfreulich viel Raum bekommt.

Kartoffelkroketten mit Zitronen-Aioli und Austern mit Chili eignen sich bestens zum Auftakt. Auch Burrata mit gegrillter Zucchini, Erbsen und Pistazien sowie die frisch-säuerlich marinierte Sardine überzeugen. Bei den warmen Gerichten gefallen rosa gebratene Entenbrust mit Radicchio und Kirschfond sowie Aubergine mit Romesco und Brombeere. Höhepunkt ist der glasig gebratene Adlerfisch mit Fregola Sarda und aromatischer Fischsauce. Eine warme Brioche mit Langres-Käse und Aprikose bildet einen gelungenen herzhaften Abschluss.

Die überschaubare Weinkarte ist klug kuratiert, die Beratung kenntnisreich und der Service herzlich und aufmerksam.

Fazit: Ambitionierte und gleichzeitig unkomplizierte Küche für ein junges Publikum.

Limbach-Oberfrohna (bei Chemnitz), Ratsstube

Patron und Küchenchef Ronny Pester hat rund 20 Jahre Erfahrung in der bayerischen Gourmetgastronomie gesammelt, bevor er nach Sachsen zurückkehrte. Gemeinsam mit seiner Frau Antje als Restaurantleiterin und Tochter Emily im Service hat er die „Ratsstube“ zum Treffpunkt für Genießer gemacht. Dunkles Holz, Backsteinwände und gedämpftes Licht sorgen für eine gemütlich-elegante Atmosphäre.

Das Menü „Le Grand Voyage“ führt auf eine abwechslungsreiche kulinarische Reise. Nach der Auster überzeugt Kingfish mit feiner Säure und Schärfe, gefolgt von einer samtigen Vichyssoise. Wildfang-Steinbutt mit Erbsen und kräftigem Parmesan-Sud punktet mit klarem Geschmack. Ebenso gelungen ist der Rehrücken mit einer Praline von der Rehschulter, Pfifferlingen, Sellerie und Preiselbeeren. Hochalm-Bergkäse mit Wildkräutern sowie Erdbeeren mit Waldmeister, Basilikum, Frischkäse und altem Balsamico runden das Menü ab.

Das kenntnisreiche Service-Team begleitet die Gänge mit passenden Weinen oder alkoholfreien Alternativen. Der Keller bietet eine gute Auswahl zu fairen Preisen.

Fazit: Fine Dining in familiärer Atmosphäre – ein kulinarisches Highlight in der Region.

Johannesberg, Atelier de Temple

Im Fine-Dining-Restaurant „Atelier“ hoch über Aschaffenburg zeigen die jungen Küchenchefs Carlos Beckmann und Sascha Kurgan eine weltläufige Küche voller geschmacklicher Tiefe. Das sechs Gänge umfassende Menü – klassisch oder vegetarisch – wird von den Köchen selbst im stilvollen Zusammenspiel von modernem Ambiente und historischem Gemäuer serviert.

Die Küche setzt konsequent auf Umami und überraschende Kombinationen. Eine Weißbier-Croustade mit Waldorfsalat und Ibérico-Schinken eröffnet den Reigen, Taschenkrebs trifft auf Seeigel. Signature-Potenzial hat der fermentierte Kohlrabi mit Sonnenblumenkernen und Sonnenblumen-Beurre-blanc. Auch die dekonstruierte Kalbsweißwurst mit weißem Trüffel und Rochenflügel mit Zanderfarce, Bouchot-Muscheln und Curryschaum überzeugen. Besonders intensiv: Wagyu mit Sobrasada-Polenta und Süßkartoffel.

Zum Abschluss sorgen Pflaume mit Matcha und rotem Shiso sowie Pfirsich in verschiedenen Texturen für einen gelungenen Ausklang. Der Service ist äußerst zuvorkommend.

Fazit: Virtuose Geschmackserlebnisse in stilvollem Rahmen.

Regensburg, Storstad

Im „Storstad“ beginnt nach dem Abschied von Küchenchef Josef Weg ein neues Kapitel. Gastgeber Anton Schmaus überlässt die Küche nun Simone Kubitzek und Hella Eggers, die nach Stationen bei Sven Elberfeld und Tristan Brandt eine neue, aromatische Linie entwickeln.

Schon das Amuse-Bouche aus Aal, geräuchertem Schaum, Grapefruit und gegrillten Edamame verbindet Frucht, Rauch und Erdigkeit gekonnt. Die Küche zeigt sich klar, würzig und gerne asiatisch akzentuiert. Das confierte Ei mit verschiedenen Pilztexturen überzeugt ebenso wie der levantinisch inspirierte Lammrücken mit geschmorter Keule und kräftigen Aromen von Sumach, Paprika und Kreuzkümmel. Besonders stark sind die Desserts, etwa Kirschsorbet mit Schokolade sowie Mousse von fermentiertem Reis mit Kirschkompott, Sake und Rosenwasser.

Der Weinkeller umfasst rund 400 Positionen, vor allem aus Deutschland und Frankreich. Dazu kommen spannende hausgemachte alkoholfreie Begleitungen.

Fazit: Neue, animierende Gewürzküche im nach wie vor bezaubernden Scandi-Ambiente.

München, Das Fogosch

Mit dem „Fogosch“ erweitert Jürgen Wolfsgruber sein Münchner Gastro-Portfolio um ein Restaurant, das sich ganz Fisch und Krustentieren verschrieben hat. Küchenchef Sebastian Mundstock, zuvor unter anderem bei Jan Hartwig und Fisch-Spezialist Lukas Nagl, verbindet mediterrane Einflüsse mit österreichischen Akzenten.

Zum Auftakt empfehlen sich puristischer Thunfisch mit Rettich, Taramas mit Roter Bete oder hochwertige Gamberi Rossi mit Zitrusfrüchten. Ein Muss ist die San-Sebastian-Fischsuppe. Bei den Hauptgängen überzeugen gegrillter Saiblingsbauch und butterzarte Calamari aus Portugal. Wer sich überraschen lassen möchte, wählt das fünfgängige „Ö-Makase“, das auch Gerichte abseits der Karte bereithält. Zum Dessert begeistern aromatische Mieze-Schindler-Erdbeeren mit Minzöl und Chantilly.

Der professionelle Service und die vielseitige Weinkarte mit Schwerpunkten auf Österreich, Burgund und Winzerchampagner runden das Erlebnis ab.

Fazit: Ein legerer Ort mit purer innovativer Fischküche.

Schin op Geul (Belgien), SUIS

Nach dem Abschied vom Hotel La Butte aux Bois startet Spitzenkoch Ralf Berendsen mit dem „SUIS“ ein neues Kapitel in seiner limburgischen Heimat. Östlich von Maastricht besinnt er sich auf seine Wurzeln in der französischen Küche und verbindet klassische Techniken mit modernen Akzenten.

Zum Auftakt treffen Nordseekrabbe und Gänseleber-Roulade auf Apfel und japanischen Myoga-Ingwer, begleitet von Krebs-Bisque und feinem Gänseleberschnee. Beim Wolfsbarsch sorgen Passionsfrucht, Sardinen, Tomate und Sauce Choron für ein spannendes Zusammenspiel. Höhepunkt ist das Kalbsbries mit schwarzem Trüffel, Erbsen, Kopfsalat und schäumender Beurre noisette. Ein Jasminreis-Soufflé mit Shiso, Rhabarber, Walderdbeere und Kombucha setzt den eleganten Schlusspunkt.

Der herzliche, präzise Service unter Leitung von Soumia Berendsen und eine europäisch geprägte Weinkarte mit 300 Positionen ergänzen das stilvolle Ambiente. Mit „Les Maisons Berendsen“ sind zudem eine Brasserie und Hotelzimmer geplant.

Fazit: Ein neues Ziel für Gourmets, kurz hinter der Grenze.

Niemcza (Polen), Uroczysko Siedmiu Stawowa

Nur 45 Minuten südwestlich von Breslau liegt das „Uroczysko Siedmiu Stawów“ inmitten einer sanften Hügellandschaft. Das aufwendig restaurierte Renaissanceschloss aus dem 16. Jahrhundert beherbergt heute 53 Zimmer und verbindet historischen Charme mit modernem Komfort.

Im Restaurant in den alten Gewölben interpretiert Küchenchef Damian Chajecki die polnische Küche zeitgemäß. Gemüse, Obst und Kräuter stammen aus dem eigenen Garten, auch darüber hinaus stehen regionale Zutaten im Mittelpunkt. Eine erfrischende Rote-Bete-Suppe mit Wachtelei, Dill und Radieschen überzeugt ebenso wie knuspriger Zander auf Kartoffelmus mit Lachskaviar und kräftiger Fischvelouté. Auch das rosa gebratene Lammfilet mit Pilzen gelingt hervorragend. Zum optischen Höhepunkt wird das Dessert in Form einer leuchtend gelben Zitrone mit luftig-fruchtiger Mousse.

Die empfehlenswerte Weinbegleitung überrascht auch mit Gewächsen polnischer Winzer.

Fazit: Genusserlebnis im romantischen Rahmen.

1 - 10 von 10
Auszeichnungen
Alle
Bewertung
Küche
Küchenstil
Geeignet für
Vegetarisch
Atmosphäre
Services
Esserlebnis
Zahlungsoptionen
Vegan
Restaurant
Bar Brio
Brüsseler Straße 68, 50674 Köln, DE
Restaurant
Suis
Strucht 77, 6305 AG Schin op Geul, NL
Die besten Restaurants 2026
Restaurant
Storstad
Watmarkt 5, 93047 Regensburg, DE
Französisch · Japanisch · Neue deutsche Küche · casual fine dining · Fusion · modern
Restaurant
Ratsstube
Rathausplatz 1, 09212 Limbach-Oberfrohna, DE
Restaurant
Das Fogosch
Amalienstraße 81, 80799 München, DE
Hotel
Villa Florhof
Florhofgasse 4, 8001 Zürich, CH
Restaurant / Bar
Restaurant
Dae Mon
Monbijouplatz 11, 10178 Berlin, DE
Restaurant
Uroczysko Siedmiu Stawow
Gola Dzierzoniowska 21, 58-217 Gola Dzierżoniowska, PL
Restaurant
Auberge de Temple
Hauptstraße 2, 63867 Johannesberg, DE
Europäisch · International · saisonal · klassisch · idyllisch · elegant
Hotel
Hotel
Restaurant
Restaurant