Aktuelle Restauranttests von Oslo über München bis Südtirol

Aktuelle Restauranttests
Neueröffnung des Monats: Verbena by Christian Scharrer, Oberbürgen

Mit dem „Verbena by Christian Scharrer“ startet auf dem Bürgenstock hoch über Luzern ein neues Restaurantkonzept. Spitzenkoch Christian Scharrer kehrt hier bewusst zu seinen kulinarischen Ursprüngen zurück – mit moderner Wohlfühlküche und besten Produkten.
Das von Stararchitekt Matteo Thun gestaltete Restaurant im Waldhotel verbindet elegantes Design mit spektakulärem Panoramablick. Gemeinsam mit seiner Frau Nathalie, die den Service leitet, setzt Scharrer auf raffinierte Klassiker statt Degustationsmenüs.
Auf der Karte stehen unter anderem Kalbsmaultaschen nach badischer Art, Zwiebelrostbraten vom Schweizer Luma-Beef oder Alpen-Zander mit Orange-Beurre-blanc. Auch das Dessert von Chefpatissier Damian Carini interpretiert die Schwarzwälder Kirschtorte zeitgemäß neu.
Fazit: Heimatküche“ auf hohem Niveau in elegantem Design.

Bollenpiepe, Berlin

Im ehemaligen Vereinsheim der Garten- und Siedlergemeinschaft Einigkeit e.V. in Berlin-Rosenthal hat Marcus Kümmel mit dem „Bollenpiepe“ einen charmanten Rückzugsort geschaffen. Liebevoll renoviert, mit Holzmöbeln und viel Gartenflair, trifft hier entspannte Atmosphäre auf kreative Küche.
Der frühere Küchenchef des veganen „Koops“ setzt auf Gemüse als Mittelpunkt der Karte, ergänzt auf Wunsch um Fisch, Fleisch oder Wild. Besonders beliebt: das „Bollenpiepe Knoblauchbrot“ mit frischen Kräutern und veganer Knoblauch-Mayonnaise sowie die Bulette nach Rezept seiner Rosenthaler Oma. Auch gebackene Bete mit Birne und Rinderbrust oder der Schwedenbecher im Blumentopf überzeugen.
Dazu gibt es Fassbier von Berliner Berg oder Spitzwegerich-Tee als Absacker.
Fazit: Sympathisch, gut und unaufgeregt – ein Ort, der erdet.
Villa Marburg, Heigenbrücken (Spessart)

Nach zwölf Jahren in der Auberge de Temple sind Nicole und Ludger Helbig in die Villa Marburg im Hochspessart gezogen. Das historische Anwesen verbindet heute urbanen Chic mit ländlichem Charme – und bleibt kulinarisch ganz der Handschrift Helbigs treu.
Im Fine-Dining-Restaurant setzt der Küchenchef auf hochwertige Produkte und kreative, teils asiatisch inspirierte Aromenküche. Gerichte wie frittierter Pulpo mit Salzzitrone, Tristan-da-Cunha-Languste mit Kohlrabi und Apfel oder Salzwiesenlamm mit Polenta und Linsenjus zeigen sein Gespür für kontrastreiche Kombinationen.
Zum Dessert sorgen Ziegenquark-Eis mit Rhabarber und Windbeutel mit Lavendelcreme für einen gelungenen Abschluss. Ergänzt wird das Haus durch ein Parkrestaurant mit gehobener Gasthausküche.
Fazit: Spannende Aromenspiele in gediegenem Ambiente.
Atelier, München

Mit Kevin Romes übernimmt ein in der Schweiz gefeierter Küchenchef das Gourmetrestaurant im Bayerischen Hof in München. Der FC-Bayern-Fan bringt nicht nur Erfahrung aus Spitzenhäusern mit, sondern auch eine klare kulinarische Handschrift: puristisch, präzise und produktfokussiert.
Schon die ersten Gerichte zeigen sein Niveau. Die Forelle aus der Fischzucht Birnbaum serviert Romes als feine Nocke, umhüllt von gepickeltem Rettich und Kräutervinaigrette – optisch wie geschmacklich ein Volltreffer. Auch der nach japanischem Vorbild gegarte bretonische Wolfsbarsch überzeugt durch perfekte Technik und Klarheit.
Hochwertige Produkte wie Tristan-da-Cunha-Languste oder Jack’s-Creek-Wagyu ziehen sich durch das Menü. Begleitet wird es von einer starken Weinbegleitung mit Positionen vom Südtiroler Gewürztraminer bis zum südafrikanischen Chenin Blanc.
Fazit: Ein großes Talent und eine Bereicherung für München
HIO, Pilsach (Oberpfalz)

Mit Dennis Quetsch hat die Fine-Dining-Lounge „HIO“ im Landgasthof Meier prominente Verstärkung bekommen. Gemeinsam mit Küchenchef Domenico Gigliotti steht hier eine kreative Nova-Regio-Küche im Mittelpunkt – mit Zutaten direkt aus der Oberpfalz.
Gerichte wie grüner Spargel mit Gerstenrisotto und Miso-Hollandaise oder in Fischgarum gebeizter Saibling mit fermentiertem Spitzkohl zeigen präzises Handwerk und intensive Aromen. Gemüse, Fisch und Fleisch stammen fast ausschließlich aus der direkten Umgebung.
Auch die alkoholfreie Begleitung und die sorgfältig kuratierte Weinkarte ergänzen das Menü auf hohem Niveau.
Fazit: Hautnahes Frontcooking und hochspannende Teller im schicken Scandi-Ambiente.
Ratskeller, Esslingen

Der historische „Ratskeller“ in Esslingen startet unter neuen Pächtern als ambitioniertes Casual-Fine-Dining-Projekt. Philipp Enderle und Christian Koch, zuvor in Spitzenrestaurants wie dem „Top Air“ oder „L.A. Jordan“, setzen in der Fachwerkaltstadt auf eine moderne, bodenständige Küche.
Zum Auftakt überzeugt etwa Kohlrabi-Mairübchen-Carpaccio mit Apfel und Estragon-Vinaigrette. Auch die Körschtal-Forelle mit geräucherter Molke oder Duroc-Schwein und Schwertfisch mit saisonalen Beilagen zeigen präzises Handwerk und ein Faible fürs Fermentieren und Einwecken.
Das Dessert aus Kokos-Pannacotta, Ananas-Sorbet und gepufftem Buchweizen rundet den gelungenen Einstieg ab. Dazu gibt es eine Weinkarte mit rund 50 regionalen und internationalen Positionen.
Fazit: Solider Start für eine gehobene Küche mit Potenzial für mehr.
Credo, Oslo

Mit ihrem neuen „Credo“ in der Nationalbibliothek Oslo bringt Spitzenköchin Heidi Bjerkan die moderne norwegische Küche in die Hauptstadt. Die mehrfach ausgezeichnete Köchin aus Trondheim verbindet Nachhaltigkeit, Kreativität und regionale Produkte zu einem außergewöhnlichen Fine-Dining-Erlebnis.
Der Abend beginnt mit kleinen Tastings in der Bibliotheksbar, darunter Windbeutel mit norwegischem Sauermilchkäse und fermentierter Sanddornbrühe. Im modernen Restaurant folgen 21 filigrane Gänge aus der offenen Showküche – etwa glasierte Miesmuscheln aus Øygarden mit Topinambur, Kräutern und Pflaume aus dem eigenen Garten.
Dazu gibt es eine sorgfältig abgestimmte Wein- oder alkoholfreie Begleitung. Den Abschluss bilden knusprige norwegische Waffeln und kleine Berliner mit Ingwer-Pflaumencreme.
Fazit: Ein Fest der norwegischen Esskultur.
Ansitz Heufler, Südtirol

Mit dem historischen „Ansitz Heufler“ hat Starkoch Norbert Niederkofler einen besonderen Ort für seine regionale „Cook the Mountain“-Küche geschaffen. Das liebevoll erhaltene Jagdschloss aus dem 16. Jahrhundert verbindet Südtiroler Tradition mit stilvollem Ambiente.
Serviert wird gehobene Wirtshausküche mit besten Zutaten aus der Region – ohne Olivenöl, Zitrone oder Schokolade. Zum Menü gehören Tirtlan, ein „Stubentatar“ vom Rind, cremiges Graukäserisotto und Kalbskarree mit Wermutsauce. Auch Schlutzkrapfen in Butter oder die klassische Buchtel überzeugen mit kräftigen Aromen und großzügigen Portionen.
Die historischen Stuben mit Holzvertäfelung und Kachelofen machen den Besuch zusätzlich besonders.
Fazit: Ein Stück Wirtshauskultur, das man am liebsten in seiner Nachbarschaft hätte.
Bakan, Madrid

Direkt an der Plaza de la Independencia in Madrid verbindet das Restaurant „Bakan“ authentische mexikanische Küche mit französischen Einflüssen. Offene Küche, große Bar und Terrasse machen das Restaurant im Viertel Barrio Salamanca zu einem beliebten Treffpunkt.
Im Mittelpunkt stehen die berühmten blauen Tortillas aus seltenem mexikanischen Mais, dessen Mehl im Restaurant selbst gemahlen wird. Gerichte wie „Tetelas con 2 trufas“ mit französischem Trüffel oder das über Holz gegrillte Hirten-Hühnchen mit Ananas zeigen die kreative Handschrift von Küchenchef Sergio Suazo.
Dazu bietet „Bakan“ eine große Auswahl von rund 250 Tequilas und Mezcales. Der Service erklärt die Gerichte ausführlich und bringt Gästen die mexikanische Esskultur näher.
Fazit: Mexikanische Küche mit neuen Facetten entdecken.

