Riesling Cup 2025: Die 13 besten Weine

Riesling Cup 2025: Die 13 besten Weine

Beim Feinschmecker Riesling Cup 2025 steht Philipp Wittmanns Westhofener Morstein oben auf der Siegertreppe, das Weingut Gunderloch holt Bronze, aber auch Franken machte eine glänzende Figur. Guts- und Ortsweine ernteten ebenfalls Lorbeeren.
Datum07.01.2026

Philipp Wittmanns Westhofener Morstein setzt sich souverän auf Platz eins, dicht gefolgt von Max Müller aus Franken und seinem „Nachbarn“ Gunderloch.

250 Weingüter – 13 Gewinner

Jury Riesling Cup 2025: Gastgeber Maximilian Wilm („Kinfelts“, Hamburg, „Bester Sommelier Deutschlands 2019“), Katharina Iglesias (Winebank, Hamburg), Jens Priewe (Weinautor, München), Michael Quentel (Weinautor, Hamburg), Gabriele Heins (Feinschmecker-Chefredakteurin; stehend, v.l.). Caro Maurer (Master of Wine, Weinautorin, Bonn), Christoph Raffelt (Weinautor und -verkoster, Hamburg) und Florian Richter („ Bester Sommelier Deutschlands 2023“ und Wein-Consultant, Eltville; sitzend, v.l.) 

Der Spitzenwinzer aus Rheinhessen hat sich gegen rund 250 deutsche Weingüter durchgesetzt, die dem Feinschmecker-Aufruf gefolgt waren und jeweils ihren besten trockenen Riesling 2024 eingeschickt hatten. Jeder hatte eine Chance, vom Gutsriesling bis zum Großen Gewächs, alle Weine wurden von einer renommierten Jury in mehreren Durchgängen blind verkostet und nach dem 100-Punkte-Schema bewertet. Die Finalproben fanden im „Kinfelts“ statt. Traditionell kürt der Feinschmecker seit 2008 13 Rieslinge – angelehnt an die 13 Weinbauregionen Deutschlands. 

Der erste Platz geht an Philipp Wittmann

So gehört der Westhofener Morstein zu den besten Riesling-Lagen Deutschlands, geprägt von schweren Tonmergelböden mit Kalksteineinlagerungen in der oberen Schicht sowie wasserführenden Kalksteinfelsschichten im Untergrund. Wittmanns nutzen für ihr Gewächs drei Hektar im hochwertigsten Kernstück des Hangs. Der Wein wird nach der Handlese und einer sehr langsamen Pressung spontan vergoren und auf der Hefe im Doppelstückfass ausgebaut. „Herzlichen Glückwunsch zu dieser Schönheit“, so Caro Maurer MW. „Sie strahlt jetzt schon, ist aber ein Wein für die Zukunft“, meinte Jens Priewe. Nach 2006 gewinnt Philipp Wittmann zum zweiten Mal den Feinschmecker Riesling Cup mit diesem Wein, und das freut ihn besonders: „Das ist einfach schön, weil der Preis schon eine so lange Geschichte hat – und weil die Jury besonders gut besetzt ist.“ Die Trophäe erhielt er auf den WINE AWARDS im November.

Platz 1: Weingut Wittmann, Rheinhessen

2024 WESTHOFENER MORSTEIN RIESLING VDP.GROSSES GEWÄCHS
Die Familie Wittmann gehört zu den ersten Weinmachern in Rheinhessen, die konsequent auf biologischen Anbau gesetzt und dann auch die biodynamische Wirtschaftsweise mit einbezogen haben. Kaum irgendwo sonst findet man Weinberge in einem so perfekten Zustand. Das ist die Basis für dieses Große Gewächs, das Caro Maurer MW als „Role Model“ dafür sieht „wie gut knackige Säure eingebettet sein kann“. Philipp Wittmann erinnert der 2024er Jahrgang dabei an seinen 2002er, „gleichzeitig ist das aber auch ein Wein, wie ihn mein Vater in den 1990ern gemacht hat: unplugged, ohne Verstärker. Und er hat das, was als Begriff in den vergangenen 20 Jahren inflationär genutzt wurde, hier aber zutrifft: Der Wein strotzt nur so vor Mineralität.“

€ 79, www.wittmannweingut.com

Platz 2: Weingut Max Müller I, Franken

2024 ESCHERNDORFER „AM LUMPEN 1655“ RIESLING VDP.GROSSES GEWÄCHS
Die Müllers, die nicht mehr Max heißen, sondern Christian (r.), Jennifer, Rainer und Moni, haben im Jahr 2024 einen bild­ schönen Riesling „voller Harmonie und Balance“ (Maximilian Wilm) erzeugt. Geprägt von kühler Steinobst- und Zitrus­aromatik konnten sie den Jahrgang für ein gelungenes Spiel aus Säure und Süße nutzen. Laut Jens Priewe ein „straffer Riesling mit bester Substanz, Länge und fein ziselierter Frucht“.

€ 38, www.max-mueller.de

Platz 3: Weingut Gunderloch, Rheinhessen

2024 NIERSTEINER PETTEN­ THAL RIESLING VDP.GROSSES GEWÄCHS
Johannes Hasselbachs Pettenthal ist ein eleganter und in hohem Maße charmanter Riesling vom Roten Hang. Aktuell wirkt er schon erstaunlich offen und einladend, noch leicht reduktiv, aber voller Finesse und tänzelnder Leichtigkeit. „Unglaublich lang, sehr animierend, salzig, mundwässernd und balanciert zwischen Frucht und Mineralität“, so Jurorin Katharina Iglesias.

€ 44, www.gunderloch.de

Platz 4: Weingut Rudolf Fürst, Franken

2024 BÜRGSTADTER CENTGRAFENBERG RIESLING VDP.GROSSES GEWÄCHS
„Gibt viel, zeigt viel“, schreibt Caro Maurer MW zum Wein von Sebastian Fürst, den der Feinschmecker bei den WINE AWARDS 2025 zum „Winzer des Jahres“ kürte (s. S. 150). Es ist ein Wein mit „fili­ graner Textur, dichtem Körper und langem Abgang, mit viel Schmelz und langem Nachhall“, fasst es Juror Florian Richter treffend zusammen. Ein Riesling mit Schliff und viel reifer, zitrischer Frucht und Spannung. 
€ 59, www.gute-weine.de

Platz 5: Weingut Hain, Mosel

2024 PIESPORTER GOLDTRÖPFCHEN RIESLING GROSSES GEWÄCHS
Ein Wein mit klassischer Moselaner Riesling-Nase. Dabei zeigt der Wein durchaus breite Schultern, bietet süßen Extrakt und Exotik. Für Jens Priewe ein „mitreißender Riesling“, für Michael Quentel zudem „feinsaftig mit griffiger Struktur und Eleganz“. Ein Charakter mit viel Schmelz und ebenso mit Finesse und Frucht.
€ 27, weingut-hain.de

Platz 6: Weingut Ansgar Clüsserath, Mosel

2024 TRITTENHEIMER APOTHEKE RIESLING TROCKEN
Kräuterwürze, eine klare Frucht zwischen zitrischen Noten, Steinobst und einem Hauch von Exotik zeichnen den Riesling aus der Trittenheimer Apotheke ebenso aus wie „tolle Texturen, eine gute Substanz und viel Schliff“ (Jens Priewe). Das ist ein Moselaner mit einem „balancierten und intensiven Körper und griffiger Säure“ (Florian Richter), der schon jetzt viel Trinkfluss bietet.
€ 35 (ab März), www.weingutwittmann.de

Platz 7: Weingut Holger Alt, Nahe

2024 MONZINGER HALENBERG RIESLING TROCKEN
Holger Alt hat mit diesem Halenberg einen blütenduftigen und kräuter­betonten Riesling geschaffen, dessen Aromatik sich mit dem Duft von nassem Gestein verbindet. Die Frucht ist gestochen scharf, der Körper kraftvoll mit „recht viel Speck auf den Hüften“ (Caro Maurer MW), aber einer klaren, animierenden Säurestruktur und Salzigkeit.
€ 11, www.weingut-alt.de

Platz 8: Weingut Philipp Kuhn, Pfalz

2024 KALLSTADTER SAUMAGEN RIESLING VDP.GROSSES GEWÄCHS
Für Jens Priewe war das Fazit klar: „Ein begeisternder, toller, facettenreicher Wein mit viel Saft und viel Mineralität.“ Michael Quentel hatte die Sorge, „dass der Wein aufgrund seiner leisen Art nicht die ganz hohen Noten bekommt, doch wer Finesse und Harmonie liebt, wird hier reich beschenkt.“ Ein graziler, finessenreicher, eleganter Riesling. 
€ 42, www.weinshop-philipp-kuhn.de

Platz 9: Weingut Pfeffingen, Pfalz

2024 UNGSTEINER HERRENBERG RIESLING VDP.GROSSES GEWÄCHS
Jan Eymaels Lieblingsrebsorte ist die Scheurebe – ein bisschen davon spürt man auch in diesem Riesling. Es ist ein aromatisch dichter Wein voller Konzentration. Mandarine und Williamsbirne, Mango und Ananas hat man hier ebenso wie einen blütenduftigen Auftakt samt weißer Beeren. Am Gaumen hell, frisch, saftig, eigenständig mit druckvoller Säure und Mineralität, würziges Finale.
€ 35, www.pfeffingen.de

Platz 10: Weingut Fritz Haag, Mosel

2024 BRAUNEBERGER JUFFER RIESLING VDP.GROSSES GEWÄCHS
Ein klassischer Mosel-Riesling aus dem Weingut von Oliver Haag: Hier ist auch in extremen Jahren Verlass auf einen duftigen, schieferwürzigen Wein mit „vollem Körper und dichter Struktur“ (Florian Richter). Das „lässt die Zunge schnalzen“, schreibt Michael Quentel, „aufgrund dieser gelungenen Mischung aus Salzigkeit, saftiger Frucht, Steinigkeit, Grip und Würze.“ 
€ 32, fritzhaag.shop

Platz 11: Weingut Claes Schmitt Erben, Mosel

2024 TRITTENHEIMER APOTHEKE „SONNTHEILEN“ RIESLING TROCKEN
Gleich zweimal findet sich die Trittenheimer Apotheke unter den besten 13 Rieslingen des Cups. Das ist ein weiteres Novum in diesem Jahr. Bei Claes Schmitt Erben gibt es viel Substanz und viel Schmelz. Es ist, so Maximilian Wilm, ein „klassischer deutscher Riesling, mit viel Frucht aber auch mit Frische und Finesse“.
€ 16, www.claeswein.de, bestellung@claeswein.de

Platz 12: Weingut August Kesseler, Rheingau

2024 RÜDESHEIMER BERG ROSENECK VDP. GROSSES GEWÄCHS
Aus dem Weingut August Kessler stammt dieser spielerisch unbeschwerte, fruchtige Riesling mit feiner Säure. Ein Wein mit „schöner Frucht und feiner Balance. Mineralisch mit guter Säurestruktur, ein kraftvoller Körper mit langem Abgang“, so lobt Jurorin Katharina Iglesias.
€ 45, shop.august-kesseler.de

Platz 13: Weingut Theo Minges, Pfalz

2024 BURRWEILER SCHWÄER VDP. GROSSES GEWÄCHS
„Schäwer“ ist das Pfälzer Synonym für Schiefer, einem dort sehr seltenen Gestein. Der Riesling hat eine prägnante Salzigkeit, gepaart mit Trinkfluss, animierender Säure, Balance und mineralischem Abgang. Michael Quentel hebt die animierende Säure und viel Kräuterwürze hervor: „Das hat viel Zug, gute Länge, sehr stark!“
€ 30, www.weingut-minges.com

Analyse Riesling Cup

Große Gewächse auf den vorderen Rängen, aber auch Guts- und Ortsweine haben sich Lorbeeren verdient – so die Bilanz des Feinschmecker Riesling Cups 2025. Ganz oben auf der Siegertreppe: Philipp Wittmann aus Rheinhessen mit seinem 2024 Morstein Riesling Großes Gewächs! Dieser Wein zeigt auf beeindruckende Weise, dass eine penible, aufwendige und langjährige biologisch-biodynamische Arbeit im Weinberg auch in herausfordernden Jahren wie 2024 zu Spitzenergebnissen führen kann. Hier schmeckt man das, was gern als Terroir bezeichnet wird und sich zusammensetzt aus der Güte des Weinbergs, dem Mikroklima sowie dem Stil des Winzers. Dass man dies auch blind schmecken kann, hat Juror, Sommelier und Gastgeber unseres Wettbewerbs Maximilian Wilm („Kinfelts“, Hamburg) in seiner Probennotiz vermerkt: „Riesling in Perfektion! Riecht für mich nach Morstein, Wittmann vielleicht?“

Rheinhessen ist dabei zweifach unter den drei besten Rieslingen: Johannes Hasselbach vom Weingut Gunderloch erzielte mit dem 2024 Pettenthal Riesling Großes Gewächs den dritten Platz – im vergangenen Jahr kam er mit seinem Rothenberg auf Rang zwei. Nur hauchdünn lag dieser Wein vor dem Centgrafenberg Riesling Großes Gewächs vom Weingut Rudolf Fürst in Franken (Platz 4). Noch davor aber platzierte sich der 2024er Escherndorf Am Lumpen 1655 Riesling Großes Gewächs von Max Müller I., ebenfalls aus Franken. So ist auch das Anbaugebiet stark vertreten und beweist eindrucksvoll, dass der Riesling neben dem Silvaner dort eine echte Größe ist. Doch nicht nur die Granden des VDP, zu denen weitere Gewinnerbetriebe wie Philipp Kuhn, Pfeffingen, Fritz Haag, August Kesseler und Theo Minges gehören, haben in dem herausfordernden Jahrgang ausgezeichnete Arbeit geleistet. Glänzen konnte auch die Trittenheimer Apotheke von Philipp Wittmanns Frau Eva Clüsserath – wann gab es schon mal zwei Rieslinge aus zwei Weingütern derselben Familie unter den Top 13 des Cups!? Gelungene Überraschungen waren auch das Piesporter Goldtröpfchen von Hain, der Halenberg von Holger Alt und die Trittenheimer Apotheke „Sonntheilen“ des Weinguts Claes Schmitt Erben. Mit vier Weinen ist die Mosel damit besonders stark vertreten. Nach Spätfrösten und teils extremen Regenmengen ist das ein versöhnlicher Abschluss.

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