Spätburgunder Cup 2026: Die 13 Siegerweine


Der besondere Reiz des Feinschmecker-Spätburgunder Cups liegt in der Vielfalt wie in der Unvorhersehbarkeit. Nancy Großmann, mehrfach ausgezeichnete Sommelière im Berliner „Grill Royal“, brachte es bei der Aufdeckung der Siegerweine auf den Punkt: „Das ist genau die Mischung, die nicht nur für uns Profis, sondern vor allem auch für Hobby-Weintrinker interessant ist.“ Denn ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen punktgleich (bis auf die letzte Dezimalstelle) sowohl ein bekannter Klassiker (der 2023er Eichberg Großes Gewächs aus dem Haus Franz Keller in Baden) sowie ein Rotwein, den die Jury noch gar nicht auf dem Radar hatte: der 2023er Steinreinacher Hörnle „vom Stein“ des Weinguts Maier aus Württemberg.
Die Verkündung dieses bisher eher unbekannten Siegers aus dem Remstal zauberte Juror Maximilian Wilm vom Hamburger „Kinfelts“ ein Lächeln ins Gesicht, hatte er diesen so zugewandten, trinkfreudigen und charmanten Spätburgunder doch schon in der Vorprobe besonders gelobt.
Rund 150 Weingüter waren dem Aufruf des Feinschmeckers gefolgt und hatten jeweils einen Spätburgunder des Jahrgangs 2023 zur Blindverkostung eingesandt. Im vergangenen Jahr hatte das Magazin diesen Wettbewerb wieder aufleben lassen, um die Entwicklung der roten deutschen Rebsorte zu würdigen. 49 Weine rückten nach der Vorrunde vor in die anspruchsvolle Blindverkostung des Finales. Ausgesucht wurde die Top 13 – traditionell (wie beim Riesling Cup) angelehnt an die 13 deutschen Weinanbauregionen.
1. Platz (geteilt): Weingut Franz Keller, Baden

2023 Eichberg Spätburgunder Großes Gewächs
Der Eichberg liegt in der Gemeinde Oberrotweil und ist geprägt von schwarzem Vulkan, dem sogenannten Tephrit. Fritz Keller hat die Lage bereits im Jahr 1994 mit burgundischen Klonen bepflanzt. Der Pinot wurde 18 Monate lang in französischen Barriques mit 45 % Neuholzanteil von Friedrich Keller ausgebaut. Von allen Weinen des Finales wirkte dieser Wein am reifsten mit Anklängen von südlichen Rebsorten. Dicht verwoben, süß im Extrakt, saftig in der Frucht, „darunter dunkle Holzwürze, Nelke, Holzkohle“ (Jurorin Elisabeth Neumüller) und zudem „Säure, Frische und Mineralität – in sich stimmig und balanciert“ (Verkoster Christoph Raffelt). Ein Pinot, „der von einer warmen Lage und einem gleichzeitig sehr guten
Winzerhandwerk zeugt“ (Maximilian Wilm).
€ 70, auf Anfrage (Allokation) erhältlich, www.franz-keller.de
1. Platz (geteilt): Weingut Maier, Württemberg

2023 Steinreinacher Hörnle Spätburgunder „vom Stein“ trocken
Das Terroir des Steinreinacher Hörnle ist ein Ergebnis der Flurbereinigung in den 1980er-Jahren. Es ist geprägt vom typischen Remstaler Gipskeuper und rotem Sandstein. 2023 hat Michael Maier den Spätburgunder erstmals ohne Rappenanteile mit ganzen Trauben nach kühler Vorvergärung spontan und behutsam vergoren und dann in besonderen Tonneaux „mit Dauben wie beim großen Holzfass“ auf der Vollhefe ausgebaut. Juror Jens Priewe bescheinigt dem Spätburgunder eine „sehr klare saubere Nase mit kühler Frucht und viel Kirsche“ sowie eine „Punktgenauigkeit“ am Gaumen. Es ist ein feinfruchtiger Wein, der „vom zarten Holz getragen wird“, so Verkosterin Nancy Großmann, „der feingliedrig wirkt und eine warme Strahlkraft besitzt. Ein charmanter, kompletter und offenherziger Pinot Noir.“
€ 22, www.maier-weingut.de
2. Platz: Weingut Fritz Waßmer, Baden

2023 Steingrüble Bad Krozingen Spätburgunder
Ein Spätburgunder in klassisch deutscher Stilistik mit viel Holz und deutlicher Röstung, die sich aber angenehm in das große Ganze einbindet. „Säure
und Tanningerüst wirken harmonisch“ (Jurorin Stephanie Döring), die reife, teils getrocknet wirkende Frucht wird durch einen „Hauch von Kirsch-Lambic“ (Christoph Raffelt) beflügelt. „Eine sehr lebendige, eigenständige Struktur, die animiert und strahlt, ohne vom Holz überladen zu wirken“, merkt Verkosterin Nancy Großmann an.
3. Platz (geteilt): Weingut Rings, Pfalz

2023 Steinacker Kallstadt Spätburgunder Erstes Gewächs
Dieser Spätburgunder hat von der Jury die höchsten und die niedrigsten Noten unter den 13 Weinen erhalten. Das entspricht dem Stil des Hauses, denn Steffen (l.) und Andreas Rings zeigen Kante. Nach einem reduktiven Auftakt wird es „elegant und ätherisch“, so Juror Luca Beck. Für Maximilian Wilm hat der „Wein viel Druck und einen sehr gut integrierten Holzeinsatz, viele Facetten und viel Trinkfluss“; Testerin Elisabeth Neumüller notierte viele dunklen Noten und Anklänge von „trockenem Treibholz“.
€ 55 www.weingut-rings.de
(ab Weingut ausverkauft, online bei einigen Weinhändlern erhältlich)
3. Platz (geteilt): Weingut Philipp Kuhn, Pfalz

2023 Kirschgarten Pinot Noir Großes Gewächs
Ein Pinot Noir mit leicht reduktivem Auftakt, „sauberer, kühler Frucht, viel Frische“, sodass der Wein, laut Jens
Priewe, „sehr fein und überzeugend“ wirkt. Kuhn schafft es, dies in Einklang zu bringen mit einer Opulenz in der Frucht und einem süßen Extrakt. Ein kraftvoller Wein mit subtilem Beiwerk, „vital, modern, floral, straff. Ganz feinwürzig strukturiert, charmant wild“,
fasst es Nancy Großmann zusammen.
€ 48, www.weingut-philipp-kuhn.de
4. Platz (geteilt): Weingut Dr. Heger, Baden

2023 Ihringen Vorderer Winklerberg Spätburgunder Großes Gewächs
Ein Pinot mit viel roter, saftiger Frucht. Man merkt ihm die südliche Herkunft in Kraft und Opulenz deutlich an. Gleichzeitig wirkt das Große Gewächs dicht verwoben und kompakt. Auch wenn der Wein von allen Finalisten „am meisten Holzwürze repräsentiert“, so Nancy Großmann, „wirkt das nicht ermüdend. Vielmehr greifen die Tannine zart am Gaumen und hallen lange nach.“
€ 57 (ab September 2026), www.heger-weine.de
4. Platz (geteilt): Weingut Peter Stolleis, Pfalz

2023 Spätburgunder
Unsere Gastgeberin Stephanie Döring empfand diesen Wein als „frisch, knackig und saftig mit einer hohen, aber gleichzeitig gut eingebundenen Säure“. Es ist ein Exemplar, das auf die Jugend des Winzers schließen lässt, denn das leicht Reduktive, das Ätherische, der Druck am Gaumen und die betonte Frische sind Ausdruck einer neuen Generation.
€ 13, www.stolleis.com
5. Platz: Weingut Gebrüder Mathis, Baden

Dieses Weingut macht seit einiger Zeit von sich reden und der „Hohrain“ unterstreicht die Aufmerksamkeit. Es ist ein moderner, wilder, junger und mit Reduktion spielender Stil. „Saftig, zugänglich und animierend“, beschreibt Juror Luca Beck diesen Pinot. Tipp von Jens Priewe und Elisabeth Neumüller: leicht gekühlt trinken, um die Frische noch stärker zu unterstreichen.
€ 35, www.gebrueder-mathis.de
6. Platz Weingut Jülg, Pfalz

2023 Schweigen Spätburgunder
Juror Maximilian Wilm bringt es in seinem Fazit auf den Punkt: „Eher Ortswein-Qualität, aber ein sehr ordentlicher Spätburgunder.“ Genauso ist es! Der Wein wirkt kräuterwürzig und leicht ätherisch mit einer ganz leichten Reduktion, am Gaumen saftig mit gutem Säuredruck und Grip. „Charming“, meint Verkosterin Elisabeth Neumüller.
€ 29, www.weingut-juelg.de
7. Platz: Weingut Rinck, Pfalz

„In der Nase erinnert der Wein schon ein wenig an Grenache“, meint Verkosterin Elisabeth Neumüller. Dazu kommen viel Holz mit einer „deutschen Röstung“ (so Christoph Raffelt), aber auch „ein frischer Gaumen, der dem Wein etwas von der Opulenz nimmt“, meint Maximilian Wilm. Es ist ein Wein mit guter Länge, vielleicht kein typischer Pinot, aber ein gelungenes Exemplar.
8. Platz (geteilt): Weingut Peter Kriechel, Ahr

2023 Ahrweiler Rosental Spätburgunder
Dies ist ein Wein mit einer „Balance zwischen Reduktion und Oxidation, Wärme und einer Mischung aus sehr reifer und noch knackiger Frucht“, notierte Juror Christoph Raffelt. Gleichzeitig findet man Anklänge von Rosenblättern und etwas grüner Paprika.
Ein kontrastreicher Wein mit animierender Säure und sehr würzigem Charakter.
€ 35, www.weingut-kriechel.de
8. Platz (geteilt) Weingut Paul Weltner, Franken

2023 Rödelseer Küchenmeister Erstes Gewächs
Dieser Spätburgunder wird dem typischen Stil von Paul Weltner gerecht. Ein Wein, der seine ganze Qualität erst mit den Jahren zeigen wird, zunächst vor allem vegetabil wirkt und doch „geradlinig, klar, stimmig, dabei von disziplinierter Fülle. Das hat Esprit“, freut sich Juror Jens Priewe. Luca Beck lobt den animierenden Charakter dieses Pinots.
€ 24, www.weltnerwein.de
9. Platz: Weingut Thörle, Rheinhessen

2023 Hölle Spätburgunder
Auch hier findet man Noten „am Rande der Reife“ (Christoph Raffelt) mit etwas
Brennnessel, Hagebutte und Sauerkirsche – ein kühler, kompakter, feinwürziger und auch feinkörniger Wein. Dazu schreibt Maximilian Wilm: „Stille Wasser sind tief, der Wein ist nicht laut, bringt aber viel Komplexität mit sich.“
€ 80, www.thoerle-wein.de

Die finale Verkostung mit 49 Spätburgundern Jahrgang 2023 fand (blind) statt im Hamburger Weinladen St. Pauli. Sommelière Stephanie Döring (Foto, gehend) führt die junge Weinbar mit Handel mit Fokus auf individuelle, handgemachte internationale Weine, Schaumweine und Getränke ohne Alkohol. www.weinladen.de
Die Jury der Vor- und Finalrunden: Luca Beck (Privat-Sommelier und Berater, Hamburg), Nancy Großmann (Sommelière „Grill Royal“, Berlin), Elisabeth Neumüller (Geschäftsführerin Wine Academy, Hamburg), Jens Priewe (Weinautor, München), Michael Quentel (Weinautor, Hamburg), Christoph Raffelt (Weinautor, Hamburg), Maximilian Wilm (Betriebsleiter „Kinfelts“, Hamburg) sowie Gabriele Heins und Kersten Wetenkamp (Der Feinschmecker).

