Neue Restauranttests von Berlin bis an die französische Mittelmeerküste

Aktuelle Restauranttests
Neueröffnung des Monats: Hotel Hohenhaus, Herleshausen

Der größte Luxus unserer hektischen Zeit? Ruhe und Exklusivität. Im nordhessischen Ringgau, eingebettet in ein grünes Tal, finden Gäste genau diese Mischung. Nach zweijähriger Renovierung präsentiert sich das Hotel Hohenhaus in neuem Glanz: Neben den klassisch eleganten Zimmern in der Residenz entstanden im benachbarten Schloss großzügige Suiten, darunter drei Spa-Suiten mit privater Sauna, Doppelbadewanne und Blick in die Natur. Auch der Wellnessbereich wurde modernisiert und umfasst nun einen beheizten Pool im Wintergarten sowie eine Sauna.
Kulturell setzt das Hotel mit Bibliotheken, Lesungen, Konzerten und Gesprächsreihen Akzente. Auch die Gastronomie wurde umfassend neu aufgestellt: Im Gourmetrestaurant „La Vallée Verte“ verbindet Küchendirektor Alexander Mayer französische Kochkunst mit asiatischen Aromen, während die Zutaten überwiegend aus der Region oder vom eigenen Gut stammen. Der „Hohenhaus Grill“ serviert klassische Landhausküche und Wildspezialitäten in rustikalem Ambiente. Abgerundet wird das Angebot durch eine hervorragend sortierte, fair kalkulierte Weinkarte mit deutschen und französischen Spitzenweinen.
Fazit: Das Hideaway im Grünen erfindet sich neu – Komfort und Kulinarik auf hohem Niveau.
Théodor Brasserie, Berlin

Mit klassisch französischen Gerichten wie Froschschenkeln, Weinbergschnecken, Gänsestopfleber oder geröstetem Markbein setzt die neue Brasserie Theo auf authentische Bistroküche. Hinter dem Restaurant steht Unternehmer Yoram Roth, der nach dem „Verônika by Fotografiska“ und dem „Luna D’Oro“ nun auch in Charlottenburg einen genussvollen Treffpunkt geschaffen hat. Das von Uli Hanisch gestaltete Interieur mit Wintergarten, roten Ledersofas und historischen Details vermittelt den Charme einer traditionsreichen Brasserie.
In der Küche verantwortet Michael Czernetzki die klassisch französisch geprägte Karte. Zu den Hauptgerichten zählen am Tisch filetierte Seezunge, glasierte Lammhaxe und Premium-Steaks, ergänzt durch kreative vegetarische Gerichte. Bei Jus und Saucen gibt es noch Luft nach oben. Sommelier José Jasso empfiehlt aus einer rund 100 Positionen umfassenden französischen Weinkarte mit vielen Bioweinen und gereiften Chablis. Gute Cocktails sowie der engagierte Service von Maître Gil Vernikovsky runden den Besuch ab. Frühstück und Lunch sind bereits geplant.
Fazit: Ein neuer Wohlfühlort mit mehr Potenzial.
Terroir, Bad Zwischenahn

Nach 45 Jahren wurde das traditionsreiche „Apicius“ im Jagdhaus Eiden neu ausgerichtet. Unter dem Namen „Terroir“ präsentiert die Gastronomenfamilie Zur Brügge ein leichteres, moderneres Konzept. Küchendirektor Tim Zur Brügge und Küchenchef Lukas Dirks setzen auf eine kompakte Karte mit Vier- oder Fünf-Gänge-Menü sowie vegetarischen Alternativen zu jedem Fisch- und Fleischgang.
Geblieben sind raffinierte Kleinigkeiten zum Auftakt, während der üppige Brotwagen hochwertigem Sauerteigbrot gewichen ist. Der herzliche Service wirkt frischer, auch weil die jungen Köche ihre Gerichte selbst servieren. Kulinarisch überzeugen unter anderem Kaisergranat-Tatar, das „Eiden-Ei“ von den eigenen Hühnern sowie ein außergewöhnliches Spitzpaprika-Sorbet. Auch der Maibock mit regionalen Zutaten zeigt präzises Handwerk und klare Aromatik. Die aufgeräumten Gerichte sind fair kalkuliert, die Weinkarte bleibt erstklassig, auch wenn die hauseigenen Weißweine noch Luft nach oben haben.
Fazit: Gelungener Neustart – leichter, frischer, lässiger.
1570, Aerzen

Im Schlosshotel Münchhausen hat der erst 31-jährige Thor Formell Monforte die Leitung des Gourmetrestaurants übernommen, das nun den Namen „1570“ trägt – eine Anspielung auf das Gründungsjahr der Schlossanlage. Das historische Ambiente mit Park, Stuckdecken und holzvertäfelten Räumen bildet den stilvollen Rahmen für seine Küche.
Kulinarisch verbindet Monforte klassische Gourmetprodukte wie Steinbutt, Hummer und Wolfsbarsch mit modernen Akzenten. Neben französisch geprägten Gerichten wie Kalb mit Morcheln und Trüffeln finden sich Kreationen mit asiatischen Einflüssen, etwa Hamachi mit Ponzu oder Steinbutt mit Miso. Handwerk und Präsentation überzeugen bis ins Dessert, etwa bei einer kunstvoll gefüllten Rhabarber-Panna-cotta. Noch prägen klassische Aromen und vertraute Kombinationen die Karte, doch erste persönliche Akzente – etwa ein Hummus-Baiser mit Roter Bete und Granatapfel – lassen den eigenen Stil des Küchenchefs erkennen.
Fazit: Unkomplizierte Genießerküche, die noch an Profil gewinnen darf.
Leon, Pulheim

Jahrelang stand das Restaurant im Pulheimer Canishof leer, nun hat Leon Edery die historischen Räume mit seinem „Leon“ neu belebt. Zwischen Stuckdecken und moderner Kunst entstand ein stilvolles, entspanntes Restaurant. Nach Stationen im Kölner „MaiBeck“ und auf Schloss Loersfeld entwickelt Edery hier seine eigene Handschrift: Er interpretiert Klassiker modern und ergänzt sie mit feinen asiatischen Einflüssen.
Die Karte reicht von Pasta und Risotto bis zu Tafelspitz, Sauerbraten und Kalbsbäckchen. Besonders gelungen sind die aromatisch ausbalancierte Erdnuss-Kokos-Chili-Suppe, das neu interpretierte „Vitello Tonnato à la Leon“ mit Kalbfleisch, Thunfisch-Sashimi und Limettencreme sowie die Lammhaxe mit Sellerie-Risotto. Zum Dessert sorgt eine Piña Colada in der Ananas für einen verspielten Abschluss. Restaurantleiter Yasin Yesilmen führt den herzlichen Service, die von ihm kuratierte Weinkarte bietet rund 100 überwiegend europäische Weine zu fairen Preisen.
Fazit: Ein modernes, stilvolles Gasthaus mit Seele.
Dopamin Fine Dining by Erasmus, Saarburg

„Dopamin“ ist ein origineller Name für das neue Fine-Dining-Restaurant in der historischen Villa Keller direkt an der Saar. Niko Boesen hat das über 200 Jahre alte Gebäude zu einem stilvollen Boutiquehotel mit elf Zimmern umgebaut und historische Architektur mit modernem Design verbunden. Für die Küche zeichnet sein Bruder Axel Boesen verantwortlich, der bereits wenige Monate nach der Eröffnung mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde.
Der 27-Jährige verbindet regionale Produkte mit japanischen Techniken und nordischen Einflüssen. Seine reduzierte, umami-betonte Küche überzeugt mit kreativen Gerichten wie Goldforelle mit Rettich und Salzrhabarber-Granité oder einer originellen Ramen-Interpretation aus Shiitake-Pilzen. Auch das geschmorte Weideschwein mit Kalbsjus, Paprikasaft und Fichtensprossen zeigt seinen eigenständigen Stil. Die entspannte Atmosphäre und eine auf Saar und Mosel fokussierte Weinkarte runden das Erlebnis ab.
Fazit: In kurzer Zeit vom Geheimtipp zum Auftritt auf der großen kulinarischen Bühne.
Auerhahn, Schluchsee

Im Ferienhotel Auerhahn am Schluchsee setzt Küchenchef Yann Bosshammer auf eine moderne, regional verwurzelte Küche. Viele Zutaten werden im Sommer für die kalte Jahreszeit haltbar gemacht – von eingelegten Holunderblüten bis zur hausgemachten Sojasauce auf Berglinsen-Basis. Geprägt wird seine Handschrift von regionalen Produkten und französischer Kochkunst, die er unter anderem in der „Schwarzwaldstube“ und im Mannheimer „Opus V“ vertiefte.
Das Menü überzeugt mit kreativen Kombinationen wie Gelbschwanzmakrele mit Sauerampfer-Vinaigrette, Sellerie-Röllchen mit hausgemachter XO-Sauce oder butterzarter Ochsenbacke nach dem Motto „Alle Teile vom Tier“. Den Abschluss bildet ein vielschichtiges Rhabarber-Dessert. Dazu passt eine engagiert zusammengestellte Weinkarte mit Schwerpunkt auf Baden, Deutschland und Frankreich.
Fazit: Zeitgemäße Küche fernab von Schwarzwaldklischees.
Zannier Île de Bendor, Bandol

Schon die Anreise zur „Île de Bendor“ vor Bandol ist besonders: Nach einer kurzen Bootsfahrt erreicht man die Privatinsel, die einst von Pastis-Erfinder Paul Ricard zum Künstler- und Intellektuellentreff entwickelt wurde. Nach Jahren des Stillstands haben sein Urenkel und Hotelier Arnaud Zannier das Eiland behutsam neu belebt. Historische Gebäude und ehemalige Fischerhäuser wurden restauriert und durch zwei stilistisch unterschiedliche Hotels ergänzt. Herzstück ist ein 1.200 Quadratmeter großer Spa mit Angeboten von Ayurveda bis Hammam.
Auch gastronomisch setzt die Insel Maßstäbe: Executive Chef Lionel Levy verantwortet acht unterschiedliche Konzepte – vom entspannten Café über mediterrane und panasiatische Küche bis zur französischen Brasserie „Delos Table“ mit modern interpretierten Klassikern. Im Gourmetrestaurant „Le Grand Large“ kocht saisonal ein wechselnder Gastchef, aktuell Lucas Antoniotti mit südfranzösisch inspirierter Küche.
Fazit: Eine ikonische Location wurde mit Inspiration wiederbelebt.
JAZ by Ana Roš, Poreč (Kroatien/Istrien)

Sloweniens gefeierte Küchenchefin Ana Roš hat mit dem „JAZ“ in Poreč einen kulinarischen Zweitwohnsitz eröffnet. Das Bistrorant ist Teil des stilvoll renovierten Jadran Heritage Hotels an der Uferpromenade und verbindet historisches Ambiente mit modernem Design. In entspannter Atmosphäre und mit Blick aufs Meer serviert das Team eine kreative Weltküche, die auf erstklassigen regionalen Produkten basiert.
Zu den Highlights zählen Limski-Fjord-Austern mit Leche de Tigre, Jakobsmuscheln aus Novigrad sowie Kvarner-Scampi-Tatar mit Tom-Yum-Spaghettini. Küchenchef Denis Bačani kombiniert regionale Zutaten mit internationalen Aromen, etwa istrisches Roastbeef mit geräuchertem Eigelb oder Steinbutt mit Beurre blanc und Ponzu. Auch die Desserts schlagen die Brücke zu Ana Roš’ slowenischer Heimat. Die Weinkarte setzt den Schwerpunkt auf Spitzenweine aus Slowenien und Kroatien, ergänzt durch ausgewählte Tropfen aus Bordeaux, Rioja und dem Piemont.
Fazit: Erfrischend innovative Weltküche in einem Boutiquehotel der besonderen Art.

