Von Berlin bis zum Arlberg: 8 aktuelle Restauranttests

Aktuelle Restauranttests
- Neueröffnung des Monats: Como Le Beauvallon
- Saint Farah, Berlin
- Restaurant Juwel, Kirschau
- Brasserie auf Burg Schwarzenstein, Geisenheim
- daisy, Frankfurt
- smith fine dining, Regensburg
- Waldhaus Deininger Weiher, Straßlach (bei München)
- Wirtschaft Traube, Klösterle am Arlberg
- Alle Adressen auf einen Blick
Neueröffnung des Monats: Como Le Beauvallon

Das 1914 eröffnete Grandhotel am Golf von Saint-Tropez hat unter dem Dach der Como-Gruppe wiedereröffnet. Aufwendig restauriert, verbinden die großzügigen Salons historische Eleganz mit moderner Kunst, lebhaften Farben und Antiquitäten. Durch den zum Meer abfallenden Park gelangt man zum Beach Club mit Sandstrand und restauriertem Pool, dessen Form und schimmernde Kacheln auf die 1920er-Jahre zurückgehen.
Gastronomisches Herz ist das „Beauvallon Sur Mer“, dessen Konzept Spitzenkoch Yannick Alléno prägt. Auf der Terrasse über dem Wasser trifft Riviera-Feeling auf französische und südostasiatische Inspiration. Ultrafrisches Ceviche von der Dorade Royale mit Kokosdressing, Tatar von der Gelbschwanzmakrele mit Erdnuss und Thaibasilikum-Eis sowie Spicy-Thai-Salat überzeugen mit präzise austarierten Aromen. Hauptgänge kommen vom Grill, etwa Wolfsbarsch mit intensiver Kampot-Pfeffer-Sauce. Desserts wie Île flottante mit Litchi und schwarzem Sesam interpretieren französische Klassiker zeitgemäß leicht. Sehr gute Weinkarte mit französischem Schwerpunkt; coole Cocktails.
Fazit: Gelungene Neuerfindung eines Klassikers; Yannick Alléno setzt kulinarische Akzente im lässigen Riviera-Stil.
Saint Farah, Berlin

Junges, schickes Publikum, ein Hauch von „Sex and the City“ liegt in der Luft, am schönsten sitzt man auf der Sonnenterrasse zwischen Olivenbäumen. Am Eingang zum Weinbergspark hat Nadav Kundel, zuvor Küchenchef in „Night Kitchen“ und „Papillon“, sein erstes eigenes Restaurant eröffnet. Szenig und modern geht hier ganz ohne Show.
Kundel kommt aus Tel Aviv, seine Großmutter Farah aus Bagdad. Ihre Lieblingsgerichte und -aromen ziehen sich durch die Karte. Irakischen Yaprakh, mit Lammhack, Reis und Kräutern gefüllte Mangoldröllchen, gibt Kundel mit Bete-Ketchup und Zitrone einen spritzigen Kick. Zum frischen Crudo von der Gelbschwanzmakrele passen grüne Olive, Liebstöckel und Sumak. Renner sind Hühnchen mit Tamarinden-Sauce, butterzarter Schweinebauch mit Karotten-Senf-Püree und Farahs Sambusak mit Kichererbsen und karamellisierter Zwiebel.
Ein Muss sind die Desserts von Star-Eismacherin Roni Shtriker wie Rice Crack Pie aus Puffreis und gesalzenem Karamell. Weine befreundeter Winzer zu fairen Preisen, gute hausgemachte Limonaden und Cocktails.
Fazit: Kreative Küche mit Bodenhaftung am Szenetreff, die Spaß macht.
Restaurant Juwel, Kirschau

Das „Juwel“, Gourmetrestaurant des Hotels Bei Schumann, bietet von allen 18 Plätzen Blick in den großen Garten. Küchenchef Robert Hauptvogel setzt mit seinem neuen Konzept auf saisonale Zutaten der Region, handwerkliche Präzision und klassisch-französische Einflüsse.
Zum Auftakt überzeugen in Sherry eingelegter Matjes mit Gurke und ein Sommergarten-Salat mit Sauerampfer-Vinaigrette. Gurken-Eis und -sud erfrischen den kräftigen Räucherlachs, es folgen cremige Erbsensuppe mit Apfel und Speck sowie Zucchiniblüte mit Ricotta und Buchweizen. Star des Menüs ist der perfekt zubereitete Maibock mit Fichtensprossen, Bohnen und Süßkirschen. Das federleichte Dessert kombiniert Basilikum und Erdbeeren.
Bemerkenswerte Champagnerauswahl, aufmerksamer und kompetenter Service.
Fazit: Ein Refugium der Ruhe und des Genusses im Süden der Oberlausitz.
Brasserie auf Burg Schwarzenstein, Geisenheim

Im eleganten Glaspavillon der Burg Schwarzenstein setzt man statt auf Auszeichnungen nun auf 25 Wohlfühlgerichte – Brasserie-Klassiker in sehr guter Qualität. Marco Stenger und sein kleines Team bereiten alles selbst zu.
Weinbergschnecken mit Kalbsjus, Kräuterbutter und Tomatenkompott werden zum köstlichen Ragout mit Kartoffelespuma. Entenleberterrine schmilzt auf der Zunge, ergänzt von Feigensorbet und frischen Feigen. Beim Jakobsmuschel-Carpaccio auf Pastinakenstampf sorgt Granny Smith für erfrischende Säure. Die kräftige, klassisch angesetzte Bouillabaisse ist mit Fisch und Meeresfrüchten üppig bestückt. Signature Dish ist „Choucroute Schwarzenstein“: acht Stunden in Riesling gezogenes Sauerkraut mit Schweinebauch und Pistazienwurst.
Crêpe Suzette wird vom freundlichen Service am Tisch flambiert, die Weinkarte setzt auf Rheingau und Riesling.
Fazit: Eine Brasserie, wie sie kulinarisch sein sollte, in außergewöhnlichem Ambiente.
daisy, Frankfurt

Wie gut eigenständige vegetarische und vegane Kochkunst funktionieren kann, zeigen Melanie und Thorben Schnadt Eickert in ihrem Fine-Dining-Restaurant im Frankfurter Nordend. Mit Experimentierlust und Gespür für Aromen und Texturen arbeiten sie ausschließlich mit regionalen Produkten. Zur Wahl stehen ein veganes und ein vegetarisches Menü.
Tomate wird frisch und getrocknet mit pikanter Essenz, Bärlauch und Kapuzinerkresse inszeniert. Crunchige Kartoffelklößchen treffen auf süß-marinierten Rettich, cremigen Dip und feuriges Paprikachutney. Im Hauptgang wird Baba Ganoush zum Burger-Patty, begleitet von würzigem Kichererbsensalat und Koriander-Mayonnaise. Einzig der Cheesecake mit Tofu statt Sahne und Quark überzeugt nicht. Der Service ist kompetent und ausgesucht freundlich, die Wartezeiten noch etwas lang.
Fazit: Lustvolle, bunte Küche mit aromatischen Effekten.
smith fine dining, Regensburg

In seiner Gourmetlounge „smith“ bietet Maximilian Schmidt 14 Gästen Fine Dining in weltstädtischem Ambiente. Am „Chef’s Tresen“ erlebt man hautnah, wie Schmidt und Souschef Jonas Fechner finessenreiche Kreationen in 16 hochspannenden Szenen servieren.
Jeder Teller fokussiert sich auf einen Hauptdarsteller, globale Aromen stützen oder kontrastieren. Brillant der „Macaron-Burger“ mit Entenlebermousse im Apfelbaiser-Bun, Bratapfel-Gel und Pekannuss. Das krosse pulled Schweineschwänzchen wird mit Grillgurke, Sauerklee, Chimichurri und Dashi zum elaborierten Streetfood. Ein fein ausbalanciertes Meisterwerk ist die dry-aged Impérial-Taube mit Szechuan-Pfeffer-Lavendel-Lack, Baba Ganoush und Sauce vierge. Sommelier Julian Potschacher pflegt eine spannende, 270 Positionen starke Weinauswahl. Kleines Manko: Die Preise glasweiser Weine fehlen auf der Karte.
Fazit: Beflügelte Kulinarik in extravaganter Location.
Waldhaus Deininger Weiher, Straßlach (bei München)

Idyllischer geht es kaum: Das traditionsreiche Waldhaus liegt direkt am Deininger Weiher, umgeben von Wald und Spazierwegen. Ein junges Team hat Gasthaus und Gästezimmer zeitgemäß neu gestaltet, bei schönem Wetter sitzt man auf der großen Terrasse direkt am Wasser.
Die Küche interpretiert alpine Traditionen persönlich und modern. Knusprige Tafelspitzpraline überzeugt ebenso wie das Niedrigtemperatur-Ei mit Brennnesselcreme und Kartoffel-Espuma. Experimenteller ist Blumenkohl mit Kirsche – überraschend stimmig, nur die Kohlröschen etwas bissfest. Im Hauptgang kommen gegrillter Saibling auf Emmerkornrisotto oder rosa Kalbsrücken mit Kräuterkruste, Selleriecreme und Rahmjus. Mousse au Chocolat erhält durch Olivenölkaramell, Pistazie und Fleur de Sel besonderen Kick. Dazu gibt es frisch gezapftes Helles, Cocktails und eine freundlich kalkulierte Weinkarte. Draußen lockt zudem der klassische Biergarten.
Fazit: Zeitgemäß-engagiertes Gasthaus an Bilderbuch-Location.
Wirtschaft Traube, Klösterle am Arlberg

In einem kleinen Holzhaus oder auf der Terrasse servieren Tanja und Tobias Schöpf maximal 25 Gästen, was die Region zu bieten hat. Gemüse wird fermentiert und konserviert, Pilze, Kräuter und Beeren sammeln sie für ihre kreative Alpinküche selbst. Er kocht finessenreich, sie serviert charmant-warmherzig.
Fermentierter Fenchel trifft auf Rote-Bete-Creme, Krenschaum und eingelegten Spargel, dazu kross gebratener Zander. Selbst die hausgemachte alkoholfreie Begleitung aus Spargel, Kombuchaessig, Holunder und Roter Bete harmoniert ideal. Vom Lamm gibt es geschmorte Stelzen und feines Fleischküchle mit Zwiebelpüree und Rosmarin-Nockerl aus Vorarlberger Riebelmais. Zum Abschluss verbindet ein erfrischendes Verjus-Sorbet Kiwibeere, weiße Schokolade und Joghurtmousse. Der gut bestückte Weinkeller setzt vor allem auf Bioweine aus Österreich und Frankreich. Die Bezeichnung „Wirtschaft“ ist für dieses Niveau pures Understatement.
Fazit: Beste Zutaten aus der Heimat, Kreativität und Leidenschaft in heimeliger Atmosphäre.