Alkoholfreier Sekt und Co.: Schaumweine im Redaktionstest

Alkoholfreier Sekt und Co.: Schaumweine im Redaktionstest

Die Korken knallen lassen, aber ganz ohne Reue – das geht mit alkoholfreiem Sekt. Die FEINSCHMECKER-Redaktion hat zusammen mit Schaumwein-Experte Jörg Geiger und Tobias Greve, Sommelier im Hamburger Restaurant "Zeik", rund 30 Schaumweine getestet. 
Text Gabriele Heins

Die Korken knallen lassen, prickelnde Momente erleben, aber ganz ohne Reue – das geht mit alkoholfreiem Sekt. Immer mehr deutsche Weingüter, Genossenschaften und Marken bieten Null-Prozent-Varianten an. Und den Genießer:innen schmeckt’s: Der Absatz wächst kontinuierlich, stellt auch das Deutsche Weininstitut (DWI) fest: "Für 2022 geht man bereits von einem Marktanteil von sieben bis acht Prozent an den hierzulande konsumierten Schaumweinen aus. Der Umsatz lag bei 91 Millionen Euro.

Deshalb hat die FEINSCHMECKER-Redaktion fast 30 Exemplare getestet. Mit dabei waren Sommelier Tobias Greve aus dem "Zeik" (vom FEINSCHMECKER mit 3F bewertet) sowie Pionier Jörg Geiger, der aus Obst, Blüten, Gewürzen und Kräutern komplexe Priseccos macht – wie auch die Linie "von Wiesen" des Sektguts Griesel mit spannenden Kreationen wie Quitte und Eisenkraut. Für die optimale Vergleichbarkeit haben wir uns allerdings auf Trauben-Erzeugnisse konzentriert.

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Am Ende unseres Tests meinte Verkoster Kenny Machaczek (DER FEINSCHMECKER) anerkennend: "Ich bin überrascht, dass uns so so viele Schaumweine gefallen haben." Fairerweise sollte man sie allerdings nicht mit klassischen Sekten und Champagner messen. Mit ihm probierten die anderen Redaktionsmitglieder Verena Kassubek, Kersten Wetenkamp und Gabriele Heins.

Das erfreuliche Fazit ist kein Zufall, wenn man sieht, wie viele Spitzenbetriebe Null-Prozenter im Portfolio haben, das DWI bezeichnet diese Entwicklung als "Trend zur Premiumisierung bei alkoholfreien Schaumweinen." Einen hochwertigen "nüchternen" Schaumwein herzustellen, ist anspruchsvoll, gilt es doch, ohne den strukturierenden Alkohol feines Aroma, Substanz und Charakter zu erzeugen und zu vermeiden, dass alles schlicht nach süßer Brause schmeckt. 

Testsieger: Alkoholfreier Sekt von Spitzenwinzern

2022 Dr. Lo, Riesling Sparkling Sekt alkoholfrei, Loosen, Mosel 

Der Testsieger aus 100 Prozent Mosel-Riesling, feingliedrig, mit Grip, Säure und Frucht. Gute Balance, schön trocken.

0,75 l, 12,20 €, shop.drloosen.de 

Zero Secco, Reichsrat v. Buhl, Pfalz 

Hinter dem Totenkopf-Etikett verbirgt sich feinaromatischer Genuss, weinig, leicht barock, aber frisch. Cuvée von hauptsächlich Riesling und Muskateller.

0,75 l, 9,90 €, weinfreunde.de*

Eins-Zwei-Zero, Sparkling Rosé, Weingut Leitz, Rheingau 

Schonend entalkoholisierter Rosé-Sekt, lebendige Säure, feine Beerennoten. 

0,75 l, 8,50 €, leitz-wein.shop.de

Secco Zero, Juliusspital, Franken 

Riesling-Prickler mit lebendiger Perlage, Aromen gelber Früchte, Süße und-Säure-Balance. 

0,75 l, € 8,50, weinfreunde.de*

V.l.n.r.: Dr. Lo Riesling Sparkling alkoholfrei, Zero Secco, Reichsrat v. Buhl, Eins-Zwei-Zero, Sparkling Rosé, Secco Zero aus dem Juliusspital

Von der Traube bis zum alkoholfreien Schaumwein-Genuss der Weingüter

"Die Entwicklung dauerte zwei Jahre, bis wir das 'Träublein' vorstellen konnten", erzählt Christoph Graf, Vorstand im Weingut Schloss Vaux (Foto und Wertung des "Träubleins" weiter unten im Text). Dabei setzt der Rheingau-Betrieb nicht, wie viele Kolleg:innen, auf das Prinzip Entalkoholisierung des Grundweins per Vakuumverdampfung. Das "Träublein" entsteht, indem Gerstenmalzsud (hergestellt von einer Brauerei) mit reduziertem Traubensaft sowie einem Hauch Saft von Schwarzer Johannisbeere vereint wird, alles dabei bio. Im Glas gefällt der Prickler mit charmant balancierter Struktur und feiner Erdbeernote.

Anders macht es Mosel-Winzer Ernst Loosen. Sein "Dr. Lo“, Testsieger der Verkostung, begeisterte mit Grip am Gaumen, stimmiger Balance von Säure und Frucht, animierendem Duft und angenehm trockenem Nachhall. "Bei uns kommt die hochmoderne Vakuum-Destillation eines externen Dienstleisters zum Einsatz", erklärte Désirée Schröder, zuständig für Sales und Marketing. "Wir verzichten auch komplett auf die Zugabe von Süßreserven wie Traubenmost." Außergewöhnlich ist ebenfalls, dass der Betrieb den Jahrgang ausflaggt. "Und auch der Blick aufs Etikett lohnt sich", sagt Tester und Sommelier Tobias Greve, "hier steht erfreulicherweise, um welche Trauben es sich handelt: Riesling von der Mosel."

Übrigens bieten immer mehr Restaurants anspruchsvolle, alkoholfreie Alternativen zu Wein an. Menübegleitung ohne Alkohol liegt im Trend. Mehr zum Thema lesen Sie bei uns: Kreative Rezepte für Tee und alkoholfreie Cocktails.

Unsere Testsieger in der Kategorie Marke & Genossenschaft

König & Krieger, Cuvée Rosé Mousseux

Lachsfarben, mit Extrakt, Charakter und feinem Duft nach roten Beeren und Blumen. Das Unternehmen ist Experte für alkoholfreie Erzeugnisse. 

0,75 l, 8,90 €, mein-weinhandel.de 

Zero Mousseux, Genossenschaftskellerei Heilbronn, Heilbronn

Auch die Genossen können "Zero": trocken, ausgewogen im Süße-SäureSpiel. Weiche Perlage. Schön frisch am Gaumen. 

0,75, 7,91 €, wuerttemberger-weine.de

Testsieger "Marke & Genossenschaft": Zero Mousseux aus der Genossenschaftskellerei Heilbronn und Cuvée Rosé Mousseux von König & Krieger

Alkoholfreier Schaumwein aus Premiumhäusern

Auch renommierte Sekthäuser haben längst Alkoholfreies im Portfolio. So präsentiert der Familienbetrieb Raumland aus Rheinhessen mit "Zerozzante" (siehe Foto und Wertung weiter unten) eine junge Linie, die nicht etwa nebenbei gemacht wird: "100 Prozent gesundes Lesegut" ist das Motto von Marie-Luise Raumland. Für die Cuvée No. 1 verwendet sie aromatische weiße Bacchus Trauben, der Saft wird nicht entalkoholisiert oder erhitzt, sondern ausschließlich "verperlt", schmeckt animierend feinfruchtig mit Noten von Aprikose, weißem Pfirsich und Blüten. 

Die Sektmanufaktur Strauch lässt bei ihren beiden akoholfreien Produkten in Weiß und Rosé auch höchste Sorgfalt walten: Für den veganen "Blanc Pur Bio" etwa (siehe Foto und Wertung weiter unten) werden ausschließlich eigene makellose Trauben von Hand geerntet. Sie nennen ihn übrigens "schäumendes Getränk aus alkoholfreiem Bio-Wein" und vermeiden offiziell, wie viele Weingüter, das Wort Sekt, sprechen stattdessen von "prickelndem Saft", "Sparkling" oder, wie Reichsrat von Buhl aus der Pfalz, von "Secco". "Es findet keine zweite Gärung in der Flasche statt, der Grundwein wurde lediglich verperlt, deshalb ist die Bezeichnung Sekt nicht zulässig", stellt Andrea Müller, zuständig für das Marketing, klar. 

Die besten alkoholfreien Sekt-Spezialitäten

Zerozzante, Cuvée No. 1, weiße Trauben verperlt, Raumland, Rheinhessen (Fruchtsecco alkoholfrei)

Animierend feinfruchtig mit Noten von Aprikose und Blüten; Säure-Punch und schöne Länge.

0,75 l, 9 €, raumland.de

Blanc Pur Bio alkoholfrei, Strauch Sektmanufaktur, Rheinhessen 

100 % bio, 100 % eigene Rieslingtrauben und vegan: Strauchs wissen, was sie tun! Elegante Perlage, prägnante Statur, animierendes Pfirsich-Aroma. 

0,75 l, 11,50 €, strauchsektmanufaktur.de

Träublein, Schloss Vaux, Rheingau 

Traubensaft, gepaart mit Gerstenmalz und Johannisbeersaft (alles bio), ergibt ein fein-fruchtiges Geschmacksbild. 

0,75 l, 9 €, schloss-vaux.de

Auf dem Bild zu sehen: "Zerozzante" von Raumland, "Blanc Pur Bio" aus der Strauch Sektmanufaktur und das "Träublein" von VAUX.

Abgrenzung der Null-Prozent-Schaumweine vom alkoholischen Segment

Das traditionsreiche Spitzenweingut Reichsrat von Buhl hat dabei keine Scheu, mächtig aufzufallen: Der Secco kommt in einer schneeweißen Flasche daher, auf der ein großer Totenkopf prangt, das Emblem der jungen „Bone Dry-Linie“ des Hauses (siehe Foto und Wertung weiter oben). Bei der Sektmanufaktur Schloss Vaux hat man sich für das auffällig farbenfrohe Etikett des "Träubleins" von einer Brokattischdecke inspirieren lassen. Auch beim ersten Blick auf den "Zerozzante" käme vermutlich niemand darauf, dass es sich hier um einen Spross aus dem berühmten Hause Raumland handelt. Die Abgrenzung zum etablierten (alkoholischen) Segment ist bewusst gewollt. "Wir wollen uns von der Schloss Vaux-Range abheben", betont Christoph Graf. Gleichzeitig haben die Weingüter damit neue, vor allem junge Zielgruppen im Blick, für die bewusster Genuss Priorität hat. 

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Auf jeden Fall machen sich berühmte Winzer:innen mit alkoholfreiem Sekt auch mal locker. Riesling-Meister Johannes Leitz bezeichnet seinen "Eins-Zwei-Zero" als "Trinkspaß par excellence" und lobt "den alkoholfreien Lifestyle". Und ganz unbekümmert empfiehlt von Buhl sogar, den Secco auch mit spritzigen Cocktails zu genießen.

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