Erlebnisurlaub: Mit unseren 4 Tipps bleibt Ihre Reise in Erinnerung

Besondere Erlebnisse machen den Urlaub unvergesslich – und erweitern den Horizont. Wir stellen vier Beispiele vor, die Ihren Urlaub zur Erlebnisreise machen: Messer schmieden, Fermentieren, Brot backen, Schokolade herstellen.

Erlebnisurlaub #1 - Ein eigenes Messer schmieden

Mit einem alten Handwerk etwas Bleibendes herstellen

Uchte, Niedersachen
 
Schnell und hart schlägt der massive Federhammer auf den glühenden Metallklotz ein. Tack-tack-tack! Trotz Gehöhrschutz dringt das Hämmern in die Ohren, in der Nase liegt der Geruch von heißem Metall. Zwei Schläge noch, dann geht der Block zurück in die Gasesse, wo er wie Stockbrot an einem Metallstab in den Flammen liegt – bei 1200 Grad Celsius. „Die richtige Temperatur ist entscheidend, holt man den Stahl zu früh aus der Wärme, verbinden sich die Lagen nicht“, erklärt Wieland Schröppe, der den Messerschmiedekurs leitet. Der gut gelaunte Kursleiter entspricht nicht der Vorstellung, die man von seinem Berufsstand haben mag. Schlank und sportlich sorgt er in der Schmiede dafür, dass jeder Kursteilnehmer am nächsten Abend ein selbst geschmiedetes Damaszener-Messer in den Händen hält. 14 Stunden wird es dauern, bis das aus einem groben Stahlblock entstanden ist.

Den Alltag hinter sich zu lassen im Darlatener Moor

Die Moorschmiede steht im Darlatener Moor bei Uchte im Landkreis Nienburg in Niedersachsen. Fernab der Großstadthektik und wie gemacht für dieses alte Handwerk: keine Nachbarn, die sich über Flex und Federhammer beschweren könnten. Jeder ist hier ganz bei sich. Alles andere wäre auch fatal, wenn die Hydraulikpresse mit 60 Tonnen Druck die glühenden Stahlschichten verbindet und der urtümliche Federhammer von 1912 darauf einschlägt. „Wir verwenden zwei verschiedene hochwertige Werkzeugstähle, die sich ohne den Druck nicht perfekt verbinden würden.“ Wärme und Kraft vereinen die ersten zehn Lagen zu einem Ganzen, 160 werden es am Ende insgesamt sein, die die typische Maserung von Damaszenerstahl ergeben. Flach und länglich geklopft, ruht der Stahl in kalter Asche, die Teilnehmer sitzen auf Stühlen. Nicht weil es körperlich anstrengend ist, sondern weil jeder Schritt absolute Konzentration erfordert. Das ist eine andere Form, den Alltag hinter sich zu lassen, eine meditative fast.

Groß, schwer und kraftvoll

Alle Sinne sind geschärft, auch beim nächsten Schritt: Schutzbrille, Handschuhe und Gehörschutz sind Pflicht, wenn das flache Metallstück mit dem Winkelschleifer erst gesäubert und dann mit der Flex zerschnitten wird. Groß, schwer und kraftvoll frisst sie sich funkensprühend durch den Stahl. Vier gleich große Teile entstehen, die aufeinandergelegt und zu einem Block verschweißt werden – insgesamt 40 Lagen.

Die Herstellung des eigenen Messers

Abgewetzte Werkbänke, Furchen in den Arbeitstischen und ein Geruch aus gesägtem Holz und verbranntem Metall zeugen davon, wie viel Arbeit nötig ist, um Stahl in die gewünschte Form zu bringen. Neben schwerem Gerät und viel Arbeit braucht es auch enormes Wissen. Dafür sorgt der Tüftler unter den Moorschmieden, der Schwager des Kursleiters. Reinhard Herrmann ist Maschinenbauingenieur, hat jeden Arbeitsschritt durchgerechnet, verschiedene Metallsorten getestet und sogar die Wärmeleitfähigkeit des Öls zum Abkühlen des heißen Stahls berechnet. Grobe Fehler sind so ausgeschlossen, jeder Kursteilnehmer kann sich auf die Herstellung des eigenen Messers konzentrieren.

Der mächtigen Hammer von 1912

Erneut kommen Gasesse, Hydraulikpresse und Federhammer zum Einsatz, um die Metallschichten zu vereinen. Bekannte Arbeitsschritte, doch von Routine keine Spur. Alle starren auf die zischenden Flammen, beobachten genau, wie die anderen Teilnehmer ihren orange glühenden Block unter dem mächtigen Hammer von 1912 manövrieren. Tack­-tack-­tack! So alt wie diese Maschine ist die Moorschmiede nicht. 2018 wurde sie von Wolf Schröppe, dem Vater des Kursleiters, gegründet. Der gelernte Metallverarbeiter hat so ziemlich alles gemacht, was man mit Metall machen kann. Heizungsbau, Bronzeguss und Kunstschmieden. „Irgendwann will jeder, der mit Metall arbeitet, sein eigenes Messer schmieden, so war es auch bei meinem Vater“, sagt der Sohn.

Der frühe Vogel…

Die Kurse sind weit im Voraus gebucht, wer mitmachen will, braucht Geduld – genau wie beim Messerschmieden. Schnell geht hier gar nichts. „Was die Menschen an unserem Handwerk fasziniert, ist die konzentrierte Arbeit an nur einer einzigen Sache; dazu an etwas, das man am Ende nutzen kann“, weiß Wieland Schröppe aus vielen Gesprächen mit seinen Kurteilnehmern.

Geduld – und Demut

Auch die nächsten Arbeitsschritte verlangen volle Aufmerksamkeit: Säubern und flexen. Dann werden die vier Teile wieder übereinandergelegt und verschweißt – wir sind jetzt bei 160 Lagen. Ein Damaszener-­Messer zu schmieden lehrt Geduld – und Demut. Feilen und Schleifen, so lässt sich der zweite Tag zusammenfassen. Mit dem Topfschleifer, einer rotierenden Keramikplatte, die in zügigen Bewegungen über den fixierten Stahlrohling gezogen wird, verringert sich die Stärke auf 2,5 Millimeter. Glatt und glänzend, aber von einem Messer noch immer weit entfernt, liegt der Stahl jetzt auf dem Arbeitstisch.

Ein Schnitt in die Fingerkuppe

Die gewünschte Messerform wurde ganz am Anfang auf Papier aufgezeichnet, sie ist die Vorlage, die jetzt auf das geschliffene Metall übertragen wird. Dann kommt die Bandsäge zum Einsatz. „So nah wie möglich an der Linie schneiden, aber nicht hinein, sonst wird die Klinge schmaler.“ Die Worte noch im Ohr, richtet sich die ganze Aufmerksamkeit respektvoll auf die surrende Säge. „Bei den Kursen ist noch nie was passiert“, beruhigt der Schmied. „Außer mal beim allerletzten Schritt, beim Einölen der frisch geschärften Klinge.“ Ein Schnitt in die Fingerkuppe, mehr glücklicherweise nicht.

Erholung bei Tisch

Das vielleicht schönste Erlebnis, vor der finalen Fertigstellung, ist die Arbeit mit dem Bandschleifer. Hier bekommt die Klinge ihre eigentliche Form. Allein durch sanften Druck gegen das rotierende Schleifband wird das Metall nach den eigenen Wünschen geformt. Man sieht zu, wie es weicht, und spürt, dass es sich durch die Reibung erwärmt. Kurz in Wasser tauchen, weiterschleifen und der Versuchung widerstehen, die Grenzen auszuloten. Zu groß ist die Gefahr, dass die Klinge eine andere wird als die gewünschte. Nach der Erwärmung für sechs Minuten bei 820 Grad und der Abschreckung in Rapsöl entspannt sich das Messer im Umluftofen bei 175 Grad, und wir erholen uns beim Mittagessen. Die Hühner ruhen auf der Wiese, der Hund interessiert sich für die Gäste, und das Essen kommt aus der heimischen Küche vom Haus gegenüber – ein echter Familienbetrieb.

Es brodelt, Blasen steigen auf - faszinierend

Es folgt der Moment, der die Damaszener-Maserung sichtbar macht: das Säurebad. Während die Abluftanlage rauscht, versinkt die Klinge in 30 ­prozentiger Schwefelsäure, die auf 50 Grad erhitzt wurde. Es brodelt, Blasen steigen auf, und die Säure legt die unterschiedlich legierten Stahlschichten frei. Beim Herausziehen wird die wilde Maserung sichtbar – faszinierend. So schön die Klinge auch ist, ohne Griff wird es kein Messer. Die Auswahl reicht von Kunststoff über Hirschgeweih bis zu durchgefärbtem Holz. Zweikomponentenkleber verbindet Klinge und Griff, der noch in Form gebracht werden muss. Die Absauganlage brummt, während der Bandschleifer wenige Zentimeter vor den Fingerkuppen entlangrast. Wieder in der Arbeit versunken, pulverisieren die Kanten des Holzes unter der Kraft der Maschine, Holzstaub legt sich auf die Hände. Innehalten, einen Schritt zurücktreten – das Messer ist fertig. Die letzte Politur bringt den Eichenholzgriff auf Hochglanz, geschärft wird das Messer auf einem japanischen Wasserschleifstein, der obligatorische Schärfetest an den Armhaaren ist erfolgreich. Bleibt nur das Einölen der Klinge. 
 
 
Hotel Golfpark Wagenfeld in Wagenfeld

Erlebnisurlaub #2 - Brot backen auf der Kalchkendlalm

Eine Investition in die eigene Zukunft

Wörth, Österreich

Hier fängt jeder bei null an“, sagt Roswitha Huber, die Gründerin der Schule am Berg. Was sie damit meint, versteht man, wenn man ihren zweitägigen Holzofenbrotbackkurs auf der Kalchkendlalm im Salzburger Land besucht. Und das tut, wer eintauchen möchte in die Tradition des Bäckerhandwerks, um mehr zu erleben, als zwei Bücher am Hotelpool zu durchblättern. Ihre Kurse sind gefragt: Zu Beginn setzt jeder Teilnehmer einen eigenen Sauerteig aus Mehl und Wasser an, der, wenn er gut gepflegt wurde, am Sonntag aktiv und eine Investition in die eigene Zukunft als Hobbybäcker ist. In der Zwischenzeit wird gebacken: Roggenbrot, Mischbrot, Weizenbrötchen und Hefegebäck. Das Getreide kommt von ihrem Cousin, wird frisch vermahlen und mit Sauerteig, Salz und Wasser angesetzt. „Mir ist wichtig, dass der Ursprung eines Lebensmittels und der Bezug dazu wieder ins Bewusstsein rückt.“

Ein Gefühl für die Arbeit

Auf 1200 Meter Höhe steht die Alm umgeben von saftigen Wiesen, auf denen Kühe grasen. Bereits 1996 startete die ehemalige Lehrerin die Initiative, weil sie feststellte, dass ihre Schüler nichts über Lebensmittel wussten. Eigentlich nur für Kinder gedacht, zeigte sich, dass auch Erwachsene Interesse hatten. „Die Menschen wollen etwas mit den Händen schaffen, die sitzen zu viel vor dem Computer.“ Die 65 ­Jährige sprüht vor Energie und ermutigt die Teilnehmer von Hand zu kneten. So bekommt man ein Gefühl für die Arbeit, die in gutem Brot steckt.

Moped oder Porsche - mit beiden kommt man ans Ziel

Gebacken wird in zwei Holzöfen, einen davon hat Roswitha Huber selbst gebaut, den anderen ein Fachmann. „Meiner ist das Moped, der andere der Porsche – mit beiden kommt man ans Ziel.“ Die Öfen werden direkt befeuert, Holzscheite verbrennen im Backraum, der sich bis zu drei Stunden aufheizt, je nach Jahreszeit und Brotsorte. „Die Temperatur stimmt, wenn kein schwarzer Rußfleck mehr zu sehen ist.“

Zauberwort Zurückhaltung

Roggenbrot, Mischbrot, Kleingebäck – das ist die Reihenfolge, in der gebacken wird. „Das fertige Roggenbrot lassen wir über Nacht ruhen, da muss ich die Teilnehmer zurückhalten, die kennen so was nicht.“ Saftiges, hocharomatisches Brot nimmt jeder Teilnehmer mit nach Hause, dazu einen aktiven Sauerteig. Wer möchte, kann weiterbacken – auch ohne Holzofen.
 
In Lutz Geißlers Almbackbuch gibt es Geschichten und Brotrezepte von der Kalchkendlalm.
 
 
Sonnhof by Vitus Winkler in St. Veit im Pongau
 
Vitus Cooking im Hotel Sonnhof by Vitus Winkler

Erlebnisurlaub #3 - Fermentieren - Vom Feld ins Glas

Schnelles Grünzeug oder gut Ding will Weile haben

Grammendorf, Mecklenburg-Vorpommern
 
Schnelles Grünzeug heißt die Gärtnerei, in der viele alte Gemüsesorten wachsen und fermentiert werden. Der Name scheint so gar nicht zu den langwierigen Prozessen zu passen, ist aber dem Inhaber Olaf Schnelle geschuldet. Der Gartenbauingenieur hat sich hier sein kleines Paradies aufgebaut, mitten im Trebeltal von Mecklenburg­-Vorpommern, in ursprünglicher Natur lädt er zu Workshops ein. Zum Fermentieren kam Schnelle, weil er sein überschüssiges Gemüse nicht wegwerfen wollte und eine bessere Lösung suchte als es im Kompost zu entsorgen. „Für mich ist Gemüseanbau ganzheitlich, gesunde Ernährung beginnt mit einem gesunden Boden“, erklärt er und erläutert Teilnehmern die Zusammenhänge zwischen Bodengesundheit und der eigenen. Das Fermentieren selbst findet in seiner Manufaktur statt.

Ein Andenken, das mit der Zeit immer besser wird

Dort lernt man, welche Schnitttechniken für welches Gemüse geeignet sind, um es möglichst im eigenen Saft zu fermentieren. Die einzige Zutat, die neben Gewürzen zum Einsatz kommt, ist Salz: „So entsteht die richtige Umgebung, in der sich die Milchsäurebakterien wohl fühlen.“ Drei Wochen dauert es, dann kann man probieren.
Für das unmittelbare Erlebnis wird vor Ort verkostet, was Schnelle zuvor schon eingelegt hat. „Jeder Teilnehmer nimmt Gläser mit dem frisch geschnittenen Gemüse mit, die zu Hause weiterreifen sollen.“ Ein Andenken, das mit der Zeit immer besser wird.
 
 
 
Der Butt in Rostock – Internationale Küche auf französischer Basis

Erlebnisurlaub #4 - Bean-to-bar

Schokolade – trinken und essen

Bad Kohlgrub, Oberbayern
 
Wer lernt, wie lange es braucht, um richtig gute Schokolade herzustellen, bedauert, dass sie so schnell aufgegessen ist. „Der Kurs dauert zwei Tage, aber der Kakao für den Verkauf wird bis zu 72 Stunden gemahlen. Dadurch wird die Schokolade noch mehr ausgearbeitet“, erklärt Harald Biehler, Inhaber von Biehlerschokoladen in Bad Kohlgrub in Oberbayern. Die kleine Schokoladenmanufaktur ist spezialisiert auf die Herstellung von hochwertiger Schokolade, die Kurse dafür waren in der Form nie geplant.
 
„Angefangen habe ich mit Verkostungen, aber schnell kam die Nachfrage nach kompletten Kursen“, erzählt Biehler, dessen Kakaobohnen größtenteils aus Südamerika kommen. Der Konditormeister betrieb zehn Jahre lang eine Konditorei, entschloss sich vor fünf Jahren, auf selbst produzierte Schokolade umzusteigen. Der Kurs startet mit einer Tasse heißer Schokolade und Infos zum Anbau und Ursprung von Kakao. Anschließend werden getrocknete Bohnen geröstet und im Melangeur vermahlen. Zwei große, runde Steinplatten rollen über die Bohnen und vermahlen sie so lange, bis keine Partikel mehr zu sehen sind, im Kurs 24 Stunden. Am nächsten Tag werden Kakaobutter und Zucker hinzugefügt. „Am Ende steigt die Freude, wenn sich jeder seine eigenen Tafeln gießt.“ Nach dem Aushärten kommt der beste Teil: aufessen.
 
 
Alpenhof Murnau in Murnau am Staffelsee
 
Mundart in Oberammergau

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