Weintipp des Monats: Alles im herrlichen Trink-Fluss

Gerhard Retter liebt Wein – und liebt es, über ihn zu schreiben! Hier gibt es jeden Monat einen neuen Weintipp vom Sommelier aus purer Leidenschaft. 

DerWeinRetter

Weinbauregionen haben immer einen besonderen Zauber, die ganz großen Anbaugebiete liegen dabei an Flüssen – und einer der beeindruckendsten ist für mich der Douro in Portugal.

Weltklasseweine vom drittlängsten Fluss der iberischen Halbinsel

Wer den Douro mit dem Boot hochfährt, taucht in eine unglaublich romantisch-felsige Welt ein, die wie aus der Zeit gefallen scheint: steile Terrassen mit oft uralten knorrigen Rebstöcken, ab und an eine stattliche Quinta, die zeigt, dass Weinbau früher wie heute durchaus rentabel sein kann. Eines der historisch bedeutungsvollsten und für mich herausragenden Weingüter Portugals überhaupt ist die Quinta do Vale Meão. 

Die Weine der Familie Olazabal gehören zu den präzisesten, elegantesten des Landes – und feinsten der Welt. 
In der Regel sind sie von Schiefer und Granit geprägt, allerdings schlängelt sich der Douro hier spektakulär und bildet sogenannte Mäander, sprich: Flussschlingen. Und genau nach diesem geologischen Phänomen ist unser April-Wein benannt: 2019 Meandro do Vale Meão.

Eine verführerische Vermählung

Die Cuvée wurde aus „local hero“-Trauben gemacht: Touriga Nacional, Touriga Franca, Tinta Roriz, Tinta Barroca und Alicante Bouschet – gewachsen auf Schwemmlandböden mit typischen Kiesel- und Sandablagerungen. Diese Rebsorten müssen Sie nicht auswendig lernen, aber dies vergessen Sie garantiert nicht:
 
Sattes Kirschrot mit violetten Rändern im Glas, wohlig warme Noten nach Vanille, Brombeere, Kakao, Mokka und reife Zwetschge in der Nase. Erdige, kräuterig-würzige Noten (Rosmarin, Zitronenthymian), gepaart mit Frische und einer perfekten Tanninstruktur, sorgen mit feiner Säure für einen herrlichen Trinkfluss! Der Charme dieses Weins liegt in der Vermählung seiner Kraft mit der verführerischen Frucht in Nase und Gaumen. Willkommen im Rotweinmilieu – ab 18 Jahren!

Wer es noch genauer wissen möchte: Der Wein wurde in klassischen Granit-Lagares gemaischt, im Stahl vergoren und anschließend für 14 Monate in zwei- und dreijährigen 225-Liter-Allier-Fässern aus französischer Eiche ausgebaut.

Perfekt zu gegrilltem Fleisch, Wild und orientalisch würzigen Gerichten wie Hummus, Baba Ghanoush oder Couscous mit Minze und Lamm.

Jetzt zu Ostern schon ein Genuss – aber er reift noch locker 5 bis 8 Jahre. Ein Tischwein, der allen Ansprüche mehr als genügt – auch dem Budget! Nicht umsonst ist er Dauergast in den Rankings der besten Weine unter 20 Euro.

Saúde!