48 Stunden in Urbino

In unserer Serie "48 Stunden in" empfehlen wir Ihnen Restaurants, Highlights und Übernachtungsmöglichkeiten. Dieses Mal geht es nach Urbino. Mit uns bleibt Ihr Wochenende unvergesslich.

Samstag

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Restaurant L'Angolo Divino in Urbino

10 Uhr

Ankunft im Hotel San Domenico, vis-à-vis des Palazzo Ducale. Urbino ist eine uralte Universitätsstadt in den Marken, mit intakter Renaissance-Kulisse – da will man doch mittendrin wohnen! Das Hotel in einem ehemaligen Kloster hat einen etwas gestrigen Charme. Das große Plus: Die Gäste dürfen in der autofreien Altstadt vorfahren und im Innenhof parken. Jetzt erst mal bequeme Schuhe hervorkramen, Urbino ist auf steilen Hügeln errichtet.

10.30 Uhr

Bummel hinunter zur Piazza della Repubblica: Hier treffen alle aufeinander, die gerade in der Stadt sind. Weiter die steile Via Raffaello ganz hinauf bis zum Standbild des Malers Raffaello Sanzio, ein Sohn Urbinos. Er steht heute im Getümmel, samstagvormittags ist hier oben Markt. Den kleinen Hunger stillt eine gepflegte Pasta im „Caffè dell’ Accademia“ im Eckhaus an der Via Raffaello. Schräg gegenüber ruht Raffael in dem Kirchlein Santissima Annunziata. Jetzt aber nicht schlappmachen, es sind nur noch 200 Meter bis zur Fortezza Albornoz. Vor der Festung belohnt uns eine großartige Gesamtansicht der Backsteinstadt.

13 Uhr 

Der ideale Platz für Leute, die gern Leute beobachten, sind – zurück auf der Piazza della Repubblica – die Terrassenplätze des „Caffè Basili“ mit der betagten Campari-Reklame an der Fassade. Aperitivo Time! (Aber auch, wer italienischem Hotelfrühstück nichts abgewinnen kann, ist hier morgens richtig.)

14 Uhr

Erfrischt zum Corso Garibaldi und im Schatten der Arkaden schlendern. Am Ende ragt da plötzlich das Wahrzeichen der Stadt direkt vor uns auf: die imponierende Fassade des Herzogpalasts mit zwei himmelstürmenden schlanken Rundtürmen. Der Gestus eines Mächtigen: Seht her, ich bin Duca Federico da Montefeltro, Renaissancefürst, hochdotierter Condottiere, der anderer Leute Kriege erledigt, und persönlich bekannt mit Europas Geistesgrößen aller Fakultäten. Dieser Mann hatte seine begehbare Marmorbadewanne hinter dem zweigeteilten Fensterchen links in der Turm-Fassade. Bedienstete füllten ihm und seiner Gesellschaft diskret heißes Badewasser nach: durch ein Loch in der Wand. Für uns ist es nun Zeit für einen pisolino, ein Nickerchen.

16.30 Uhr 

Palastbesichtigung, Teil eins: Hinab in die tiefen Kellergewölbe, wo eine Infrastruktur aus dem 15. Jahrhundert einen staunen lässt: vom Heizungssystem über den Eiskeller bis zu den Ställen und Küchen. Eine Stadt in der Stadt, für einen Riesenhaushalt mit damals zeitweise mehr als 1000 Bewohnern.

18 Uhr  

Delikatessen-Shopping bei Raffaello Degusteria, Via Bramante 6. Regionale Spezialitäten wie Wildschweinsalami, Prosciutto di Carpegna oder den Käse Casciotta di Urbino kann man sich vakuumieren lassen. In der Via Raffaello sinken wir in die Drahtsessel der winzigen Caffetteria I Dolci di Battista. Den fälligen Sundowner bringt man uns über die Straße.

20 Uhr  

Abendessen im hübschen L’Angolo Divino mit Carpaccio mit Haselnüssen und einer Emulsion von kantabrischen Sardellen sowie Goldbrasse im Safran-Fischsüppchen: So gute Adressen sind in einer kleinen Studentenstadt rar. Auf dem Weg ins Hotel wandern wir – ein romantisches Muss! – durchs nächtliche Urbino, müssen dabei über die Tische und Stühle vor den Lokalen schmunzeln. Sie haben zwei kurze und zwei lange Beine. So überlistet man in den Straßen und Gassen das Gefälle.

Sonntag

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Kürbis-Frittata mit Steinpilzen und Fossa-Käse in der Trattoria del Leone

10 Uhr  

Das Geburtshaus Raffaello Sanzios gibt einen sehr guten Eindruck davon, wie komfortabel bürgerliche Familien zu seinen Lebzeiten hier wohnten.

11.15 Uhr 

Ein unvergessliches Erlebnis sind die Fresken der Brüder Lorenzo und Jacopo Salimbeni, die sie 1416 im Oratorio di San Giovanni Battista in der Via Barocci vollendeten: Kraftvoll, farbenfroh und mit amüsanten Details wird hier das Leben von Johannes dem Täufer nachgezeichnet.

12.30 Uhr  

Über die steilen Scalette San Giovanni hinunter zur Via Giuseppe Mazzini, dann links ansteigend Richtung Piazza della Repubblica und einen Zwischenstopp in der „Casa del Formaggio di Bussu“ machen: Vielleicht doch noch vom netten Chef ein Stück vom höhlengereiften Pecorino einschweißen lassen?

13.30 Uhr  

Pause in der kleinen Trattoria del Leone in der Via Cesare Battisti. Ein Könner am Herd bereitet lokale Gerichte wie Kürbis-Frittata, mit Steinpilzen und Fossa-Käse oder Kaninchen aus dem Ofen mit wildem Fenchel zu. Nach dem caffè schön langsam hochschnaufen zum Hotel, die müden Beine hochlegen.

16.30 Uhr 

Die zweite Runde im sehenswerten Palazzo Ducale, in der auch die Pinakothek der Marken untergebracht ist. Besondere Schätze: „Die Stumme“ und die „Heilige Catherina“ von Raffael wie auch Piero della Francescas „Madonna von Senigallia“. Unbedingt das studiolo anschauen, das mit frappierenden Intarsien ausgeschmückte Studierzimmerchen des Duca Federico. Der Palast ist übersät mit seinem Kürzel Fed Dux: Eigenmarketing – in Marmor gemeißelt oder über Türen gemalt.

20 Uhr 

So viele Eindrücke, so viel Pflaster getreten – das verlangt nach einem sehr guten Abendessen im von Giuseppe und Silvia Portanova mit einem jungen Team geführten Portanova. Risotto, über Kirschholz geräuchert, mit Ziegenkäse, Pollen und Lavendel; butterzartes Zwerchfell vom Rind, gegrillt, dazu Ponzu-Infusion und Wasabi-Mayonnaise – auch das alles Gründe, Urbino zu Hause Freunden ans Herz zu legen. Vielleicht zusammen mit einem Wildschweinwürstchen?

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