Test: Die besten Bio-Champagner

Aufbruchstimmung in der Champagne: Es etablieren sich immer mehr kleine Winzer, die auf Bio setzen. Stimmt auch der Geschmack? Wir haben 45 Bio-Champagner, die aktuell auf dem Markt verfügbar sind, blind getestet
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Südlich von Reims liegen die geschwungenen Hügel der Champagne inmitten goldener Kornfelder, bis die Rebzeilen übernehmen und die Landschaft in sattes Grün tauchen. Grund und Boden ist hier teuer, und die Preise für Trauben sind hoch. Wenn sie ihre Ernte an die großen Champagnerhäuser verkaufen, können Weinbauern hier auch im Nebenerwerb ein gutes Einkommen erzielen. Doch seit einiger Zeit wagen immer mehr von ihnen den Schritt von der Traubenproduktion zur Selbstständigkeit und machen Winzer-Champagner. Damit geht einher, dass sie sich auf ihr größtes Kapital besinnen: ihre Böden.

Der einfache und effizienter Weg zu sicheren Erträgen

Nachhaltige und ökologische Bewirtschaftung wird zum Zukunftsfaktor. Die Zahl der Biobetriebe steigt, doch die Umstellung ist herausfordernd: In der Champagne fühlen sich Rebkrankheiten besonders wohl. Für viele Winzer galt der Griff zu synthetisch hergestellten Pflanzenschutzmitteln als einfacher und effizienter Weg zu sicheren Erträgen, der langfristige Schaden für Boden und Umwelt als nachrangig. Der Bio-Anbau verbietet den Einsatz dieser Spritzmittel, und das führt für die Winzer zu enormem Mehraufwand. Der FEINSCHMECKER hat 45 Champagner aus zertifiziert biologischem Anbau mit einer Expertenjury in „Essers Gasthaus“ in Köln verkostet. Getestet wurden nur Weine, die in Deutschland verfügbar sind. Unser Fazit: Die Mühe des Bio-Anbaus zahlt sich aus.
 
 
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Vier Jahre für ein Bio-Label

Bio ist kein Marketing, sondern das Mittel der Wahl, um gesunde Reben zu erhalten, und gesunde Reben liefern gesundes Lesegut. Bereits einige Jahre nach der Umstellung ernten die Winzer kleinere und aromatischere Beeren. Die Rebstöcke werden widerstandsfähiger, sie wurzeln tiefer, da sie nicht mehr gedüngt werden, die Weine werden extraktreicher. Drei Jahre dauert die Umstellung zum zertifiziert biologischen Betrieb. Dazu kommt in der Champagne die Tradition, Reserveweine älterer Jahrgänge für den Verschnitt zu verwenden – auch sie müssen aus zertifizierter Produktion stammen.
Das bedeutet mindestens vier Jahre gebundenes Kapital, bis eine Flasche Champagner ein Bio-Label tragen darf. Die Fläche der biologisch und biodynamisch arbeitenden Champagner-Betriebe hat sich in den letzten zehn Jahren zwar verzehnfacht, macht aber immer noch keine zwei Prozent der Gesamtproduktion aus. Doch der Wandel der kleinen Häuser strahlt auf die großen aus: Roederer hat sich mit seinen Rebflächen 2018 für die Biozertifizierung angemeldet. Anfang dieses Jahres kündigte der Luxuskonzern LVMH an, ab 2021 in den eigenen Rebbergen auf Herbizide zu verzichten. Zu dessen Portfolio gehören etwa Moët & Chandon, Ruinart und Dom Pérignon und damit ein Fünftel der gesamten Champagnerproduktion.
 
 
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Gute Gründe, auf Bio umzusteigen

Quantitativ ist Bio-Champagner noch klein, die geschmackliche Vielfalt dagegen groß. Das zeigte unsere Verkostung. Viele der Weine sind niedrig im Restzucker oder ohne Dosage abgefüllt, um ihre Herkunft möglichst puristisch abzubilden. Sie sind aromatisch eine reizvolle Alternative, aber auch preislich attraktiv. Gute Gründe, auf Bio umzusteigen.
 
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Die 10 besten Bio-Champagner
45 Champagner hat unsere Jury blind verkostet und bewertet. Hier sind die zehn Sieger, plus der Top-Rosé
 
#1 2009 VIEILLE VIGNE DU LEVANT, BLANC DE BLANCS GRAND CRU EXTRA BRUT, Larmandier-Bernier
Pierre Larmandier ist einer der Pioniere des Bioweinbaus an der Côte des Blancs. Caro Maurer attestierte dem 100-prozentigen Chardonnay eine „röstig nussige Nase und gelben Apfel“, Antonios Askitis ergänzte um „einen Löffel Quittengelee“. Am Gaumen krachtrocken mit ätherisch kühlem Finish und langem Nachhall.
€ 93, www.wein-kreis.de, Tel. 0711-76 28 39
 
#2 2013 CUVÉE SÈVE, BLANC DE NOIRS BRUT NATURE, Olivier Horiot
Der in Holz ausgebaute reinsortige Pinot Noir überzeugte die Jury durch seine unmittelbare Präsenz: „Sofort offen und zugänglich“, notierte Boris Maskow, „dabei sehr sauber mit kräftiger und fruchtbetonter Nase.“ Iris Giessauf gefiel die Ausgewogenheit bei guter Säurestruktur und gleichzeitiger Saftigkeit.
€ 53, www.champagne-character.com, Tel. 0177-490 05 19
 
#3 BRUT RÉSERVE, ASSEMBLAGE, Leclerc Briant
Die Brut Réserve von Leclerc Briant aus den drei klassischen Hauptrebsorten Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay ist die Visitenkarte des Hauses aus der Region Vallée de la Marne. „Frisch, mit saftiger Frucht“, fand Antonios Askitis: „Apfel, Mandarine und Orangenschalen.“ Ein perfekter Allrounder für den Aperitif, aber auch zu leichten Vorspeisen eine gute Wahl.
€ 49,95, www.vinoc.de, Tel. 07774-93 13 93
 
#4 FIDÈLE, BLANC DE NOIRS BRUT NATURE, Vouette & Sorbée
Der Grundwein dieses reinsortigen Pinot Noir aus dem Jahrgang 2015 wurde in 400- und 228- Liter-Holzfudern ohne Zusatz von Hefe vergoren, nach der Reifung unfiltriert und ohne Dosage abgefüllt – ein puristischer Ausbau. Ein „klassisch kräftiger Blanc de Noirs mit guter Spannung im Nachhall“, vermerkte Falk Schlüter. Präsente Säure, trocken und geradlinig am Gaumen. Weckt auf!
€ 56, www.weine-visentin.de, Tel. 040-39 81 50 55
 
#5 2013 MILLÉSIME EXTRA BRUT, Leclerc Briant
Dieser Jahrgangs-Champagner von 2013 zeigt sich in der Nase aufgeräumt mit zarten Hefenoten und vereint die saftige Frucht mit Finesse und feinperligem Mousseux. Sehr frisch, leicht cremig. „Im Antrunk grüner Apfel sowie Fenchelsaat und Gewürznoten“, notierte Rienne Bilz und fuhr fort: „Am Gaumen viel frischer Apfel mit extraktsüßem und fruchtbetontem, langem Finish.“
€ 56,95, www.vinoc.de, Tel. 07774-93 13 93
 
#6 L’ASCENDANT SOLERA GRAND CRU, BRUT NATURE, Mouzon-Leroux
Hergestellt nach dem Solera-Verfahren, als ein Verschnitt aus mehreren Jahrgängen: 50 Prozent des Basis-Champagners „L’Atavique“ von 2014 und insgesamt 50 Prozent „L’Atavique“ aus den vier Jahren davor. Ein außergewöhnlicher, fast salziger Champagner, gekennzeichnet durch „kräftigen Körper und treibende Säure“, wie Thomas Sommer bescheinigte.
€ 49,90, www.alleswein.com, Tel. 0511-45 96 09 00
 
#7 CUVÉE MÉTISSE, R-15 EXTRA BRUT, Olivier Horiot
Die Cuvée aus vier Fünfteln Pinot Noir und einem Fünftel Pinot Blanc stammt zu 80 Prozent aus dem Jahrgang 2015 – R-15 steht für récolte (Ernte) 2015 –, nach dem Solera-Verfahren mit Reserveweinen aus vorherigen Jahrgängen aufgefüllt. Ein vielschichtiger und saftiger Champagner mit würzig unterlegter Frucht, lebendigem Finish und feinperligem Mousseux.
€ 43, www.champagne-characters.com, Tel. 0177-490 05 19
 
#8 2013 EFFLORESCENCE, BRUT NATURE, Marie-Courtin
Der Grundwein aus 100 Prozent Pinot Noir dieses puristisch geradlinigen Jahrgangs-Champagners wurde im Holz mit eigenen Hefen vollständig durchgegoren. Der kraftvolle Schaumwein mit cremiger Textur polarisierte durch wildwürzige Aromatik. „Nussig mit quengeliger Säure, aber sehr sexy“, notierte Boris Maskow, und Caro Maurer ergänzte: „Ungewöhnlich, zum Nachdenken, spannend!“
€ 56, www.champagne-characters.com, Tel. 0177-490 05 19
 
#9 BLANC DE BLANCS GRAND CRU BRUT RESERVE, De Sousa et Fils
Der Blanc de Blancs, ein reinsortiger Chardonnay, stammt aus den fünf besten Gemeinden der Côte des Blancs. Die Nase verbindet Haselnuss, Brioche und Zitruszesten mit reifem Kernobst und zart salzigen Noten. „Guter Grip am Gaumen mit dezentem, zitrisch-frischem Säurenerv“, befand Iris Giessauf.
€ 44, www.gute-weine.de, Tel. 0421-696 79 70
 
#10 VIOLAINE, Benoît Lahaye
Der Wein aus je 50 Prozent Pinot Noir und Chardonnay stammt von zwei enorm kalkhaltigen Einzellagen in Bouzy. Spontan vergoren in Holzfässern mit anschließendem biologischen Säureabbau, ist er am Gaumen druckvoll mit geschliffener Säure und feiner Hefewürze. Marian Henß erkannte einen „positiv oxidativen Ausbau im Stile von Jacques Selosse mit enormem Druck am Gaumen“. Ungeschwefelt und ungefiltert.
€ 84, www.weine-visentin.de, Tel. 040-39 81 50 55
 
EVERYBODY’S DARLING: Rosé
DER BESTE IM TEST
ROSÉ DE MACÉRATION EXTRA BRUT, Benoît Lahaye
Rosés sind auch als Champagner sehr beliebt. Dieser schaffte es zwar nicht unter die Top Ten, ist aber von den vier getesteten der Beste: Ein Pinot Noir aus einer Einzelparzelle in Bouzy. Die Rotweintrauben werden leicht eingemaischt und in Barriques und Amphoren gefüllt, wo sie spontan mit wilden Hefen vergären – das ergibt mildere Gerbstoffe. Nach zwei Jahren im Keller wird der trockene Champagner ungefiltert abgefüllt. Laut Marian Henß „am Gaumen karg mit zurückhaltender Frucht, zarten Kräuternoten und saftigem Nachhall“. Perfekt als Aperitif und zu gehobener Küche.
€ 49,90, www.weine-visentin.de, Tel. 040-39 81 50 55
 
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