Portwein: Sorten, Herstellung und Geschmack des Süßweins

Portwein: Was Sie über den Süßwein aus Portugal wissen sollten

Im 17. Jahrhundert kamen findige Briten auf die Idee, Wein beim Verschiffen von Portugal nach England mit Branntwein zu versetzen. Das Ergebnis: ein lagerfähiger, wohlschmeckender Likörwein, den wir heute als Portwein kennen. Lesen Sie hier, was Sie über den Süßwein aus dem Douro-Tal wissen müssen.
Datum26.10.2023

Was ist Portwein?

Portwein, in Kurzform auch als Port bekannt, gehört zur Kategorie der Süßweine. Am weitesten verbreitet ist roter Portwein, seltener sind weißer Portwein und neuerdings Rosé Port. 

Allen gemein ist ihre Herkunft: Echter Portwein stammt aus dem Flusstal Alto Douro (auf Deutsch: "Hoher Douro") im Norden Portugals. Im Douro-Tal, der ältesten Weinbauregion der Welt, wachsen die knapp 50 für Portwein zugelassenen Weinreben, wie Touriga Nacional, Tinta Barroca, Touriga Francesca, Tinta Roriz, Tinta Amarela und Tinto Cão. Oder, für weißen Portwein, Malvasia Fina, Codega, Arinto, Cercial und Rabigato.

Das Tal der Douro-Weinregion gehört zum Weltkulturerbe.

Auf Portugiesich heißt Portwein übrigens "Vinho do Porto". Sein Name leitet sich von der Hafenstadt Porto an der Mündung des Douro-Flusses ab. Hier wurde der Likörwein ursprünglich bis zu seiner Reifung und anschließenden Verschiffung gelagert.

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Herstellung von Portwein

Portwein reift in Holzfässern bzw. Holztanks – wie in diesem Portweinkeller in Porto.

Basis für Portwein sind traditionell rote Rebsorten. Üblicherweise ist der Süßwein zudem ein Verschnitt aus verschiedenen Reben und Jahrgängen. 

Die handverlesenen Trauben werden zu Most gepresst und im Anschluss vergärt. Das Besondere an Portwein ist, dass es sich um einen sogenannten aufgespriteten Wein handelt. Das bedeutet, dass die Gärung durch Zugabe von hochprozentigem Alkohol frühzeitig gestoppt wird. Die Gärung von Portwein unterbrechen Winzerinnen und Winzer mit 77-prozentigem Weindestillat. Dieses Verfahren sorgt für einen hohen Fruchtzuckergehalt im Wein, der Portwein lange lagerfähig macht und ihm seinen typisch fruchtig-süßen Geschmack verleiht.

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Bei der Herstellung von Portwein gilt: Je weiter die Gärung fortgeschritten ist, desto weniger Weinbrand kommt zum Einsatz, da fertiger Portwein einen Alkoholgehalt von maximal 19 bis 22 Volumenprozent haben darf.

Auf das Aufspriten folgt die Reifung, zunächst für mindestens zwei Jahre im Fass. Anschließend altert Port entweder in Fässern, in sogenannten Pipas bzw. Pipes, oder wird in Flaschen abgefüllt. Das Verfahren – fass- oder flaschengereift – entscheidet maßgeblich über den Stil des Portweins. 

Von Tawny bis Vintage: Die wichtigsten Portweinsorten

Die verschiedenen Portweinsorten glänzen in unterschiedlichen Farben und Nuancen.

Die unterschiedlichen Portwein-Typen lassen sich grob in fass- und flaschengereift unterteilen. Letztere machen nur einen geringen Prozentsatz der gesamten Produktion von Portwein aus und entwickeln sich – nach ihrer recht kurzen Reifezeit im Fass – während ihrer Lagerung in der Flasche weiter, wie klassischer Wein.

Darüber hinaus gibt es roten Portwein, White Port – also weißen Portwein – und Rosé Port. Jede Sorte hat eine einzigartige Stilistik und Komplexität.

Was alle Portweine eint, ist ihre fruchtige Süße, die unterschiedlich intensiv zum Ausdruck kommt. 

Im Folgenden stellen wir Ihnen die wichtigsten Portweinsorten näher vor:

  • Tawny Port
  • Ruby Port
  • White Port
  • Rosé Port
  • Vintage Port
  • Late Bottled Vintage

Tawny Portwein – je älter, desto spannender

Tawny Portwein oder Tawny Port ist ein fassgereifter Süßwein. Je älter ein Tawny, desto intensiver der Geschmack. Dieser zeichnet sich durch ein holzig-nussiges Aroma sowie Noten von Feige, Himbeere und Karamell aus. Auch Nuancen von Schokolade und Kaffee lassen sich mitunter ausmachen. Im Alter entwickeln Tawnies kräftigere Aromen, die beispielsweise an Apfel, Zimt und Vanille erinnern können. 

Optisch präsentiert sich ein junger Tawny Portwein rötlich-braun bis bernsteinfarben. Oder eben “tawny”, was übersetzt goldbraun oder blondgold bedeutet. Je älter ein Tawny, desto heller ist seine Farbe.

Tawny Portweine eignen sich als Digestif, machen sich aber ebenso gut als Begleiter zu kräftigen Fleischgerichten oder fruchtig-nussigen Desserts.  

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Ruby Portwein – der wohl klassischste Vinho do Porto

Ruby Port, der Klassiker unter den Portweinen, zählt zu den flaschengereiften Portweinen. Durch diese Art der Herstellung bleiben die tiefrote Farbe und das fruchtbetonte Aroma erhalten.

Ruby Portweine heißen deshalb so, weil sie rubinrot und damit deutlich farbintensiver sind als Tawny Ports. Am Gaumen entfalten sich Aromen von roten und schwarzen Beeren, wie Kirsche, Johannisbeere, Brombeere und Himbeere, sowie von Schokolade, Honig und teilweise Zimt. 

Kombinieren lassen sich Ruby Portweine sehr gut mit würzigem Käse und süßen Nachspeisen.   

Von Expert:innen empfohlen: Messias Port Ruby und Niepoort Ruby

Weißer Portwein – dezente Süße, geringerer Alkoholgehalt

Weißer Portwein oder White Port, hergestellt aus weißen Trauben, präsentiert sich typischerweise in einem strohgelben Farbton. Im Vergleich zu roten Portweinen sind White Ports nicht nur optisch, sondern auch geschmacklich zurückhaltender. 

Sie schmecken weniger süß und entfalten am Gaumen meist exotisch-fruchtige Aromen sowie blumige Nuancen und mitunter einen Hauch Honig. 

Durch seinen harmonischen, weniger komplexen Geschmack passt weißer Portwein wunderbar zu Salaten, Früchten und süßem Gebäck. 

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Rosé Portwein – am besten gekühlt im Sommer genießen

Eine Neuentdeckung ist Rosé Portwein oder Pink Port: Er reift zwei Jahre im Fass und ist dann trinkfertig. Der junge Portweinstil präsentiert sich in einem lebendigen Hellrosa bis Pink und zeichnet sich neben der für Portwein typischen Süße durch eine frische Fruchtnote und dezente blumige Aromen aus. Einige Sorten haben einen leicht bonbonartigen Geschmack. 

Rosé Ports eignen sich hervorragend für Cocktails oder Longdrinks. Ein Beispiel hierfür ist Porto Tonic, Rosé Port mit Tonic Water aufgegossen. 

Von Expert:innen empfohlen: Messias Rosé Port

Vintage Port – die Spitzenklasse unter den Portweinen

Als seltener Premium-Portwein gilt der sogenannte Vintage Port, die Königsklasse der flaschengereiften Portweine. Das Besondere: Es handelt sich um jahrgangsreine Portweine. Hier werden, anders als bei Standard Ports, ausschließlich Trauben aus einem einzigen, herausragenden Jahrgang verarbeitet. Ihr volles Potenzial enthalten die Vintage Ports erst nach vielen Jahren. Mindestens 20 Jahre sollten Sie auf den einzigartigen Genussmoment warten.

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Anfangs tiefrot und fruchtbetont, hellen die Vintage Portweine im Alter auf. Zudem entfalten sich mehr und mehr geschmackliche Tiefe und Komplexität. Das Aromenspektrum reicht von Trockenfrüchten über Honig und Karamell bis Vanille. Im Finish präsentieren sich holzig-rauchige Nuancen.

Vintage Ports sind pur ein wahrer Genuss, passen aber auch zu würzigem Käse oder in Begleitung zu kräfitgen Gerichten.

Von Expert:innen empfohlen: Messias 84er Vintage Portwein

Late Bottled Vintage LBV – preiswerte Alternative zum klassischen Vintage Port

Late Bottled Vintage (LBV) gilt als Geheimtipp unter Genießer:innen von Portwein, da er hochwertig, aber günstiger als klassischer Vintage Port ist.

Wie der Name bereits vermuten lässt, wird der LBV im Vergleich zum echten Vintage Port deutlich später in Flaschen abgefüllt (nach vier bis sechs Jahren Fassreifung, nicht schon nach zwei bis drei Jahren). Was beide allerdings gemein haben, ist, dass sie aus Trauben eines einzigen Jahrgangs gewonnen werden und damit jahrgangsrein sind.

LBV-Weine werden in jenen Jahren produziert, in denen es keinen Vintage gibt, und werden meist direkt nach der Abfüllung gefiltert. Damit sind sie fertig für den Genuss – eine weitere Lagerung im heimischen Vorrat würde in der Regel nicht zu einem verbesserten Geschmack führen. Das ist nur bei einem ungefilterten Late Bottled Vintage der Fall, der noch etwa fünf bis sechs Jahre durch Flaschenlagerung nachreift. 

Die Farbe des Late Bottled Vintage ist schwarz-rot, leicht heller als der klassische Vintage. Sein Geschmack ist fruchtig und körperreich – ideal für Fans von fruchtigen Rotweinen.

Was ist der Unterschied zwischen Portwein, Sherry und Madeira?

Ebenso wie Portwein zählen auch Madeira und Sherry zur Kategorie der Likörweine. Das heißt, sie alle bringen einen hohen Grad an Süße und Volumenprozent mit. Der erste offensichtliche Unterschied zwischen beiden ist die Herkunft: Während Portwein in der Region Douro produziert wird, stammt Madeira von der gleichnamigen portugiesischen Insel und Sherry aus der spanischen Stadt Jerez de la Frontera in Andalusien. Das jeweilige Terroir hat massiven Einfluss auf das Endergebnis. 

Madeira, Sherry, Portwein: Weiße oder rote Trauben

Darüber hinaus gibt es weitere Unterschiede: Madeira (ca. 17 bis 22 Volumenprozent) und Sherry (ca. 15 bis 19,5 Volumenprozent) werden überwiegend aus weißen Trauben hergestellt. Daraus ergeben sich Farbspektren zwischen Goldgelb, Bernstein und Mahagoni. Portwein basiert dagegen traditionell auf roten Trauben. Das Ergebnis ist zumeist ein tiefroter Likörwein. Inzwischen gibt es aber auch weißen Port, der farblich kaum von Sherry und Madeira zu unterscheiden ist. 

Unterschiedliche Herstellung bei Madeira, Sherry und Portwein

Madeira und Portwein haben gemeinsam, dass sie aufgespritete Weine sind. Das heißt, die Gärung wird unterbrochen. Im Anschluss wird Madeira allerdings, anders als Portwein und Sherry, wechselnder Hitze ausgesetzt, was Einfluss auf das Aroma hat. Der Geschmack von Madeirawein erinnert typischerweise an süße Fruchtmarmelade, häufig mit Noten von Vanille, Toffee und Schokolade. 

Bei Sherry erfolgt die Zugabe von hochprozentigem Weinbrand nicht auf halber Strecke, wie bei Madeira und Portwein, sondern erst am Ende des Gärungsprozesses. Dadurch ist Sherry nicht ganz so reichhaltig und hat eine eher trockene Textur. Das Besondere an Sherry: Der Likörwein reift oft für mehrere Jahre unter starkem Luftkontakt im sogenannten Solera- oder Anada-Verfahren. Dadurch entwickelt sich der charakteristische Geschmack: Im Gaumen entfalten sich Aromen, die an Mandeln und Hefe erinnern, teilweise auch an Haselnüsse und Walnüsse.

Portwein zum Kochen: Wofür eignet er sich?

In Porto befinden sich sämtliche Portweinkellereien am Südufer des Flusses Douro, im historischen Viertel Vila Nova de Gaia. Dazu gehören unter anderem folgende Hersteller mit langer Tradition: Quinta do Noval, Cálem, Sandeman, Taylor's, Porto Cruz, Burmester, Graham’s, Ferreira.

Portweine bringen eine fruchtige Süße mit. Daher eignen sie sich hervorragend als Aperitif, als Begleitung zu würzigen Speisen oder zum Dessert sowie als Abschluss nach einem Mehr-Gänge-Menü.

Außerdem lässt sich Portwein zum Kochen verwenden. Besonders Saucen lassen sich damit wunderbar verfeinern und durch das fruchtig-süße Aroma abrunden.

Rezept zum Nachkochen: Burger mit Blauschimmelkäse und Portweinzwiebeln

Anders als herkömmlicher Wein bringt Port weniger Säure mit, was ihn etwas bekömmlicher und flexibler in der Verwendung macht. Der Klassiker ist eine Portweinsauce. Für eine kräftige Bratensauce oder Jus eignet sich roter Portwein. Für weniger würzige Saucen ist der dezentere weiße Portwein eine gute Wahl.  

Ob Sandeman, Delaforce, Grahams, Niepoort, Calem, Taylor's oder Ferreira: Es lohnt sich, die feinen Tropfen der bekannten Portweinkellereien einmal ihre kulinarischen Talente ausspielen zu lassen. 

FAQs zum Thema Portwein

Was Sie als Weinkennerin oder Weinkenner über den Genuss und die Produktion von Portwein wissen sollten:

Kann man Portwein pur trinken?

Sie können Portwein zum Kochen verwenden, ihn als Begleitung zu einer beliebigen Speise genießen oder auch pur trinken. Die opulenten Aromen und die charakteristische Süße kommen so noch klarer zum Ausdruck. 

Wie trinkt man Portwein richtig?

Portwein wird häufig als Dessertwein serviert. Rote Portweine werden bei Zimmertemperatur getrunken, helle Portweine schmecken auf 10 bis 12 Grad heruntergekühlt am besten. Besonders flaschengereifte Ports wie Ruby oder Vintage Port sollten Sie vor dem Servieren wie einen herkömmlichen Rotwein in eine Karaffe umfüllen und dekantieren. 

Verwenden Sie für den maximalen Genuss Portweingläser. Diese fassen zwischen 80 und 140 Milliliter, sind also etwas kleiner als klassische Weingläser, und ihre Form erinnert an die Blüte einer Tulpe. 

Früher wurden die für Porto charakteristischen Rabelos zum Transport von Weinfässern genutzt – heute verkehren die Boote in erster Linie zu touristischen Zwecken auf dem Douro.

Wie lange hält sich Portwein nach dem Öffnen?

Wie lange sich ein Portwein nach dem Öffnen hält, ist vom Stil abhängig. Die meisten Standard-Portweine wie Ruby und Tawny Ports sind robust und überstehen eine Lagerung von drei bis vier Wochen problemlos. 

Wie viel Alkohol enthält Portwein?

Portwein hat in der Regel einen Alkoholgehalt von durchschnittlich 20 Volumenprozent, wobei 22 Volumenprozent das Maximum sind. Er enthält also deutlich mehr Alkohol als Rotwein, Weißwein oder Rosé: Hier liegt der Alkoholgehalt bei maximal 15 Prozent.

Warum enthält Portwein so viel Alkohol?

Portweine sind gespritete Likörweine. Das bedeutet: Anders als bei der Herstellung von Rot- oder Weißwein wird Portwein innerhalb des Gärungsprozesses ein hochprozentiger Weinbrand beigemischt. Dieser stoppt die Gärung, so dass der Wein seine Süße behält und einen deutlich höheren Alkoholgehalt aufweist.

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