48 Stunden in Toulouse

Toulouse im Süden Frankreichs ist eine Stadt mit einer lebendigen Kultur- und Foodszene.

Riesenrad im Stadtzentrum von Toulouse, Frankreich bei Nacht

FREITAG

15:40 Uhr: 

Vom Flughafen Blagnac-Toulouse fährt das Taxi etwa 20 Minuten ins Zentrum. Jetzt im Nachmittagslicht leuchten die Backsteinbauten der Ville Rose nicht rosa, sondern in einem warmen Rotton. Toulouse im Süden Frankreichs ist eine Stadt mit einer lebendigen Kulturszene und 120.000 Studenten. 

16:00 Uhr: 

Eigentlich wollten wir im 2017 eröffneten Boutiquehotel „Villa du Taur“ wohnen, aber darum herum wird gerade viel gebaut – die Stadt erweitert die Fußgängerzone. Also entscheiden wir uns für den Klassiker „Grand Hôtel de l’Opéra“ in der Altstadt. Im 17. Jahrhundert diente das Gebäude an der Place du Capitole noch als Kloster, später als Ballettschule für das benachbarte Opernhaus. Heute bietet es theatralischen Glamour, nostalgisch und gemütlich. Viele der Zimmer sind in imperialem Rot gehalten, in den Bädern glänzt heller Marmor. Die Direktion zeigt sich charmant österreichisch. 

16:30 Uhr: 

Ein kleiner Spaziergang führt vorbei am Kapitol, einem prachtvollen Palast, in dem zugleich Rathaus und Oper untergebracht sind, und in das Labyrinth aus schmalen, gebogenen Straßen, das die filmschöne Altstadt durchzieht und größtenteils Fußgängern vorbehalten ist. Berühmt und reich wurde Toulouse durch den Anbau von Färberwaid: Die Pflanze lieferte ab 1463 den Tuchmachern Europas die damals meist verwendete Farbe Blau. 

17:00 Uhr: 

Kurzer Besuch in der Fondation Bemberg: In einem prächtigen Renaissancepalast werden Meisterwerke von Canaletto bis Bonnard gezeigt. Danach spazieren wir an der Garonne entlang, mit Blick auf den abends effektvoll beleuchtete Pont Neuf. 

20:00 Uhr: 

Pünktlich wird im „Les P’tits Fayots“ die Tür aufgeschlossen. Die Atmosphäre ist entspannt, schnell ist das Restaurant bis auf den letzten Stuhl besetzt. Der 28-jährige Chefkoch Aziz Mokhtari gilt als Wegbereiter der hiesigen Bistronomie-Szene. Inzwischen wird auch in anderen jungen Restaurants ganz unprätentiös auf hohem Niveau gekocht. Neun Holztische haben im kleinen Raum Platz, drei weitere stehen im Keller. Was auf weißem Geschirr aus der offenen Küche kommt, ist kreativ, aber ohne Schnickschnack. Mokhtari liebt die Verbindung von vermeintlich Gegensätzlichem und kombiniert etwa Languste mit Endivien und einer Zwiebelsauce. Die mit Heringskaviar garnierte Jakobsmuschel liegt auf einer Kürbiscreme mit Maronenstückchen. 

23:00 Uhr: 

Direkt am Pont Neuf bietet die Bar „Le Filochard“ einen Absacker bei guter Musik.

SAMSTAG

10:00 Uhr:

Nach einem Espresso starten wir auf dem „Marché Victor Hugo“ gleich mit ein paar Austern im Stehen. Von außen erscheint die Markthalle seit 1959 als klobiger Klotz mit Parkdeck, im Inneren offenbart sich eine Fülle an feinen Köstlichkeiten: Würste, Geflügel, Cassoulet (Bohneneintopf) in Gläsern, Fische, Meeresfrüchte und Hunderte von Käsesorten. Als Mitbringsel sind Veilchen-Produkte allgegenwärtig – Bonbons, Likör, Tee, Essig. Toulouse ist bekannt für seine Winterveilchen, die jeden Februar mit einem Fest gefeiert werden. 

12:30 Uhr: 

Direkt gegenüber der Markthalle hat „La Gourmandine“ frisch renoviert als Bistrot Urbain wieder geöffnet. Hell und freundlich ist der Gastraum mit Holztischen und samtbezogenen Stühlen. Ossobuco wird mit kräftiger Sauce auf einer Portion Tagliatelle serviert, als Dessert überzeugt ein feiner Käsekuchen mit Kokoscreme. 

15:00 Uhr:

Eine kurze Pause im Hotel wäre dank der zentralen Lage kein Problem. Doch wir entscheiden uns für einen Milchkaffee in der Wintersonne. Auf einem der schönsten Plätze der Altstadt, der Place St-Georges, reiht sich Café an Café. In der „Boulangerie Saint-Georges“ kann man sich auch Sandwiches selbst zusammenstellen, wir genießen zum Kaffee noch ein kleines Zitronentörtchen. Danach spazieren wir durch die Altstadt zur romanischen Basilika Saint-Sernin, die mit ihrem achteckigen Turm zum Unesco-Weltkulturerbe zählt.

20:00 Uhr:

Wir haben einen Tisch im „Py-R“ reserviert. Pierre Lambinon gehört zu einer neuen Generation von Köchen, welche die Gastronomie in Toulouse in den letzten Jahren verändert haben. Nach Stationen etwa bei Alain Ducasse in London und Monaco hat er sich in seiner Heimatstadt als junges Talent einen Namen gemacht. Unter weißem Ziegelgewölbe lässt der 32-Jährige feinsinnig komponierte Menüs servieren. Keiner der weiß eingedeckten Tische bleibt frei. Zu den Höhepunkten zählen Seeteufel auf hauchdünnen Mascarpone-Ravioli mit Enten-Nuss-Sauce, Seehecht mit geraspeltem Blumenkohl und Sauerampfercreme zu Foie gras, die mit Pilzen auf einer Apfeltarte liegt.

23:00 Uhr:

Einen letzten Wein trinken wir am Tresen in der exzellenten „N° 5 Wine Bar“. Allein um die 500 Weine werden glasweise ausgeschenkt, bis hin zum Bordeaux von 1961. Wer eine Flasche möchte, hat rund 3.800 Positionen zur Wahl.

SONNTAG

12:00 Uhr:

Brunch in der lockeren Brasserie „Nino“, die Pierre Lambinon („Py-R“) im September 2018 eröffnet hat – eins der wenigen Restaurants, die am Sonntag nicht komplett geschlossen bleiben. Es gibt kein Buffet, sondern kleine Gerichte à la carte: Austern, Foie gras, zart geräucherten Lachs, Hummus. Ein genüsslicher Schlusspunkt.

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