Kinder im Restaurant? Ein Interview mit Marcel Kazda

Kinder im Restaurant? Ja, bitte!

Marcel Kazda vom „garbo zum Löwen“ bei Karlsruhe kocht liebevoll für junge Gäste – und hat damit Erfolg. Im Interview spricht er über Gastfreundschaft, den Geschmackssinn von Kindern und sein virales Reel.
Text Julius Schneider
Datum09.04.2026

Marcel Kazda ist Küchenchef und Inhaber des Restaurants „garbo zum Löwen“, in dem es Kindermenüs mit drei bis sieben Gängen gibt (€ 45–85).

Herr Kazda, Sie bieten im „garbo zum Löwen“ ein eigenes Menü für Kinder an. Wie kam es dazu?
Auslöser war ein Besuch im „Celler de Can Roca“ der Roca-Brüder in Girona. Wir waren mit unseren Kindern dort essen. Mein Sohn ist Autist und trägt nur Jogginghosen. Ich hatte Sorge, ob das in einem Drei-Sterne-Restaurant akzeptiert wird. Es war kein Thema. Kinder waren selbstverständlich willkommen. Am Nebentisch saß eine Mutter, die mitten im Service ihr Baby stillte – völlig selbstverständlich. Da habe ich gemerkt: Es funktioniert – und zwar richtig gut.

In Deutschland ist das anders?
Ja, man bekommt schnell den Eindruck, dass Kinder im Fine Dining unerwünscht sind. Viele Restaurants schreiben „Kinder ab 16“. Aber Familie gehört zum Leben – warum also nicht auch im Restaurant?

Was bedeutet das konkret bei Ihnen?
Bei uns bekommen Kinder kein abgespecktes Extra, sondern echtes Essen – nur anders gedacht. Unsere doppelt geklärte Consommé gibt es auch für sie. Unser pochiertes 64-Grad-Ei mit Spinatpüree und Nussbutterschaum gibt es ohne Meeresfrüchte. Oder eine perfekte Pasta in Butter mit Tomatensauce zum Selberdosieren. Ein echtes kleines Wiener Schnitzel, schön souffliert, haben wir auch. Alles in Topqualität.

Unterschätzen wir den Geschmackssinn von Kindern?
Absolut. Zwischen vier und acht Jahren sind Kinder extrem offen. Sie probieren alles aus, wenn man sie ernst nimmt. Was sie nicht mögen, sind zu starke Kräuter oder zu viel Ätherisches. Ein Basilikumblatt obenauf kann sie überfordern. Geschmackliche Tiefe verstehen sie aber sehr wohl.

Wie begegnen Sie Kindern am Tisch?
Wir sprechen sie direkt an. Nicht die Eltern. Wir fragen: „Was möchtest du?“ Meist schreien Kinder nur, wenn sie nicht beachtet werden. Wenn sie Teil des Erlebnisses sind, funktioniert es wunderbar. Kinder müssen gesehen werden.

"Familie gehört zum Leben – warum nicht auch im Restaurant?"

Ihr Instagram-Reel dazu ist viral gegangen. Wie haben Sie das erlebt?
Das war unser bisher erfolgreichstes Reel: über 129 000 Aufrufe und rund 350 Kommentare. Viele Eltern haben geschrieben, dass sie sich dank unseres Reels endlich trauen würden, mit ihren Kindern gut essen zu gehen. Es gab aber auch kritische Stimmen: Was ist, wenn ein Kind schreit? Aber genau darüber muss man sprechen. Es geht um die Verantwortung der Eltern und die Offenheit der Restaurants.

Gab es eine Reaktion, die Sie überrascht hat?
Ja, ein Mädchen hat unser Reel gesehen und wollte unbedingt ihren Geburtstag bei uns feiern, nur weil sie ihr Dessert in der Küche selbst anrichten darf. Dann kommen auch die Eltern und Großeltern mit. Und plötzlich kommt es durch ein Reel zu einer echten Begegnung – und vor allem mit echten Gästen.

Wann wissen Sie, dass Sie mit Ihrem Konzept alles richtig gemacht haben?
Wenn ein Kind am Tisch sitzt und es ihm schmeckt – und die Eltern entspannt sind. Wenn niemand das Gefühl hat, hier nicht hinzugehören. Es geht doch in der Gastronomie darum, Menschen – egal wie alt – willkommen zu heißen.

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