Weintipp September: Oh „Sol” mio: Dieser „kleine Nebbiolo” will hoch hinaus!

Es wird Herbst – und das bedeutet, dass wir uns den kraftvolleren, ja, man könnte auch sagen: charaktervolleren Gewächsen zuwenden. (So mancher „Sommerwein“ befürchtet ja schon, er ende als „Verlegenheits-Weihnachtsgeschenk!)  

Wir ziehen gen Süden und dabei geht’s bergauf: Im Norden Italiens, an der Grenze zur Schweiz, liegt das zur Lombardei gehörende Anbaugebiet Valtellina. Die Brüder Luca und Matteo Sega bewirtschaften hier mit Papa Angelo sechs Hektar Rebflächen in extremer Steillage, hoch hinauf geht’s hier bis auf 800 Meter. Auf Treppen und Trockenmauern werden die Trauben in Körben auf dem Rücken zum Weingut getragen. Das Bio-Weingut Barbacàn arbeitet eben nach dem Motto: so wenig menschliche Intervention wie möglich!

Kulturellere Identität spiegeln auch die Etiketten wider, auf denen Felsgravuren der Region zu sehen sind. Die Hauptrebsorte in dieser alpinen Landschaft ist Chiavennasca – und schon an der ziegelroten Farbe und den mahagonifarbenen Rändern des Weins sehen Kenner, dass es sich um den guten alten Nebbiolo handelt, der im Piemont für so einzigartige Weine wie Barolo und Barbaresco sorgt. Auch in der Nase finden sich vertraute Noten nach Lakritze, Thymian, Wildkirsche, Preiselbeere, Pfeffer, Veilchen und Heckenrose.

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Barbacàn Sol

Am Gaumen ist der „Sol“ (Dialekt für Sonne), der samt Stilen spontan vergoren wird und ein Jahr im 500 Liter-Fass reift, ein typischer Vertreter seiner Rebsorte: gute Säure, deutliches, sehr feines Tannin, saftige Textur im Abgang. Lang und druckvoll, aber doch ziseliert und vielschichtig. Zeit in der Karaffe oder rechtzeitiges Belüften tun ihm gut, dann ist er perfekt zu Wildgerichten wie geschmorter Rehkeule, aber auch Wachtel oder Taube. Pilz- und herzhafte Gemüsegerichte à la  Beluga-Linsen mit Bauchspeck sorgen gar für himmlische Hochzeiten.  

Diese Weine als Alternative zu den Gewächsen des Piemonts anzupreisen, würde beiden nicht gerecht  werden – aber hier gibt’s schon eine Menge Wein fürs Geld! Zumal sie früher „erblühen“ als die „harten Jungs um Turin“. Salute!

2019 Sol – Valtellina Superiore
Agricola Barbacàn, Valtellina, Italien 
32 Euro (0,75 l)
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