Weintipp des Monats: "Porphyr"

Gerhard Retter liebt Wein – und liebt es, über ihn zu schreiben! Ab sofort gibt es jeden Monat einen neuen Weintipp mit dem Sommelier aus purer Leidenschaft.

DerWeinRetter

Für Weinfreaks war der 1. September wieder ein magisches Datum – an dem Tag kommen immer offiziell die Großen Gewächse der VDP-Weingüter (Verband der deutschen Prädikatsweingüter) in den Verkauf.

Kaufen (bzw. subskribieren) konnte man natürlich schon viel früher. Und das ist bei manchen Gewächsen auch die einzige Chance, sich das eine oder andere Fläschchen zu sichern – halbwegs bezahlbar. Denn bei den großen deutschen Weinen (Beispiel: Klaus Peter Keller aus Rheinhessen) ist die Lage so hoffnungslos wie im Burgund: weltweite Nachfrage, wenige Flaschen, und schon ist nichts mehr da für uns normale Schlucker!

Was also tun? Meine Lösung für das Dilemma sind die – wie ich sie nenne- "Kleinen Gewächse" sprich Weine der Topgüter aus weniger bekannten oder noch jungen Lagen. Abgesehen von der preislichen Attraktivität der "Kleinen Gewächse" sind diese Weine früher zugänglich, oft sind sie auch leichter und unbeschwerter – ein bisschen mehr Operette als Oper, Lehar statt Wagner. 

Auch zum Essen sind diese Weine wegen ihres Charmes gern gesehene Gäste, sie transportieren nicht nur den Stil des Hauses perfekt, sondern auch den Lagen- oder Ortscharakter hervorragend, schließlich und endlich handelt es sich meist ja auch um die sogenannten: Ortsweine.

Einen meiner Lieblingsweine dieser Kategorie möchte ich Ihnen besonders ans Herz legen: 2020 Siefersheimer Riesling "Porphyr" trocken Weingut Wagner, Rheinhessen

Zironengelb im Glas, kommt in der Nase zuerst Pfirsich, begleitet von saftiger Birne und frischer Ananas. Mit mehr Luft entfalten sich dann feine Noten von Minze und Zitronenmelisse, gepaart mit einer kühlen Steinigkeit. Am Gaumen ist der Wein schmelzig und ausbalanciert, verführerisch mischt sich die Rieslingfrucht mit den vom Boden geprägten Aromen: Sand-, Schotter- und Lehm, darunter der namensgebende vulkanische Porphyr.

Herrliche Länge im Abgang mit belebender Frische. Alles getragen von der Unbekümmertheit eines sehr guten Weines aus bestem Hause. Chapeau, lieber Daniel Wagner und Team! Locker noch 5 bis 7 Jahre in Bestform. Mehr Riesling gibt’s selten fürs Geld!

Und was passt dazu? Her mit den Garnelen in Curry, gebratener Wachtel auf Ananaskraut, pochiertem Saibling mit Yuzu oder Safran-Risotto. Aber ein gutes Leberwurstbrot mit Apfel tut's auch!