Wein-Guide 2023: Aufstieg an die Spitze

Das erwartet Sie hier:
Die Verkostung des Jahrgangs 2021 hat gezeigt, in welch glänzender Form der deutsche Weinbau ist, viele Weingüter – von der Basis bis zur Oberliga – konnten wir aufwerten. Die 16 Namen in der Tabelle glänzen besonders: Sie sind mit 4, 4,5 und 5 FEINSCHMECKER-Punkten in die Spitze der 500 besten Weingüter Deutschlands aufgerückt.
An den Gipfelstürmern lassen sich Tendenzen ablesen – etwa der Höhenflug handgemachter Spitzensekte, wie vom jungen Weingut Griesel oder Norbert Bardong, seit 1984 Schaumwein-Experte. Auch die Mosel hat, vor allem mit dem Kabinett, Klasse gezeigt, beispielhaft stehen dafür gleich vier Weingüter wie Ansgar Clüsserath, Christoffel Erben, Geltz-Zilliken und Willi Schäfer.
Unter den Aufsteigern sind überwiegend renommierte Traditionsbetriebe, die sich nicht auf ihrem guten Ruf ausruhen, sondern unermüdlich an Qualität und Stilistik feilen. Oft setzt jetzt die junge Generation Maßstäbe, wie der voranpreschende Moritz Haidle aus Württemberg. Philipp Kuhn aus der Pfalz darf sich aktuell besonders freuen: Er hat jetzt nicht nur 5F, sondern jüngst auch den FEINSCHMECKER Riesling-Cup gewonnen. Grund zum Feiern, am besten mit einem deutschen Sekt von Griesel, Bardong oder dem Pionier Raumland!
5F – Höchstwertung: Diese Weingüter haben es an die Spitze geschafft
Battenfeld Spanier, Rheinhessen
Wer über das deutsche Weinwunder und speziell den Qualitätsschub in Rheinhessen spricht, muss Hans Oliver Spanier (und natürlich seine Frau Carolin Spanier-Gillot) einbeziehen: Sehr früh setzte er auf Biodynamie, seine Weine sind Resultat eines fulminanten Zusammenspiels von Handwerk, Intuition und Feingefühl für das jeweilige Terroir, das hier aus Kalkstein besteht. Applaus für diesen Sturm auf den Gipfel – mit langem Atem und kompromisslosem Qualitätsstreben!
Kühling-Gillot, Rheinhessen
Geboren als Winzertochter eines gut 200 Jahre alten Betriebs, hat Carolin Spanier-Gillot das Weingut in den deutschen Olymp geführt. Beste Lagen entlang des Rheins und am Roten Hang sind ihr Kapital, der Fokus liegt auf Riesling und Pinot noir, schon 2005 wurde auf Biodynamie umgestellt. Mit ihrem Mann Hans Oliver Spanier, Inhaber des ebenfalls ausgezeichneten Weinguts Battenfeld-Spanier, setzt sie seit langem Maßstäbe in Rheinhessen.
Weingut Philipp Kuhn, Pfalz
Doppel-Gold für Philipp Kuhn: Er hat mit seiner aktuellen Kollektion nicht nur den deutschen Weingipfel erklommen, sondern auch den Riesling-Cup 2022 des FEINSCHMECKERS gewonnen. Seit 30 Jahren prägt Philipp Kuhn den Pfälzer, wie auch den deutschen Weinbau insgesamt – mit strahlend trockenen Rieslingen sowie komplexen weißen und roten Burgundern. Pure Handarbeit im Weinberg ist für ihn und sein Team selbstverständlich, ganz im Sinne seiner „Fair’n Green“-Zertifizierung. Tipp: Unbedingt den Riesling oder Pinot blanc aus der Lage Kirschgarten probieren.

Weingut Salwey, Baden
Wer Grauburgunder der Meisterklasse sucht, findet sie im badischen Weingut Salwey. Die Großen Gewächse Henkenberg und Eichberg gehören zum Besten, was in Deutschland aus dieser Rebsorte auf die Flasche kommt. Aber auch Weißburgunder und Spätburgunder haben solch eine Klasse, dass man Konrad Salwey gut den „Burgunder-Flüsterer“ nennen kann. In seiner Freizeit spiel der Winzer, der das Gut in dritter Generation führt, Pétanque – und auch da sind natürlich Feingefühl und Augenmaß gefragt.
Weingut Willi Schaefer, Mosel
Nur 4,5 Hektar, auf denen ausschließlich Rieslinge in Steillagen wachsen, bewirtschaften Andrea und Christoph Schaefer. Mosel at it’s Best lautet das Motto. Und so beeindruckt jeder Wein mit moseltypischer Restsüße und Eleganz, die Stars sind Graacher Himmelreich und Domprobst. Diese Spitzenqualität kommt nicht von ungefähr: Vor der Lese werden die Trauben in allen Parzellen ständig per Hand gepflückt, probiert und dann – je nach Bauchgefühl – im optimalen Zustand geerntet. Technik und Zahlen sind hier nicht das Maß aller Dinge. „Wir nehmen das, was die Natur uns gibt“, so Christoph Schaefer.
Diese Weingüter glänzen mit 4,5F

Weingut Bergdolt, Pfalz
Bei „Fluxus“ sollten Sie jetzt nicht mehr an Kunst, sondern an Carolin Bergdolt denken – denn so heißt ihr berühmter, mehrfach ausgezeichneter Sekt, der auch für die neue Klasse deutscher Schaumweine steht. Qualität hat hier Tradition: Seit 1754 existiert das – mittlerweile biozertifizierte – Familienweingut, das sich auch mit Weißburgunder (St. Lamprecht!), Riesling und Spätburgunder einen Namen gemacht hat. Elegant, saftig, mineralisch und fruchtig: Die aktuelle Kollektion überzeugt auf ganzer Linie.

Weingut Ansgar Clüsserath, Mosel
Eva Clüsserath-Wittmann liegt Riesling im Blut, und aktuell wirken Charakter und Finesse jedes einzelnen Exemplars nahezu unübertrefflich. Die Winzerin (verheiratet mit dem Spitzenwinzer Philipp Wittmann aus Rheinhessen) arbeitet das Profil jeder ihrer Steillagen an der Mittelmosel perfekt heraus, in der naturnahen und handwerklichen Arbeit wird sie dabei von ihrem Vater Ansgar unterstützt. Die Rebanlagen sind bis zu 80 Jahre alt, besonders renommiert ist die Lage Trittenheimer Apotheke – hier unbedingt den Kabinett probieren!
Weingut Joh. Jos. Christoffel Erben, Mosel
Nur vier Hektar Rebfläche gehören zu dem Traditionsgut an der Mittelmosel, aber die haben es in sich: Schiefersteillagen und alte, wurzelechte Reben sind Markenzeichen. Die aktuellen Rieslinge strotzen vor Eleganz, Saftigkeit, feiner Fruchtigkeit und werden gekonnt gepaart mit erfrischender Säure. Der klassische Moselstil wird hier vom Kabinett bis zur Auslese wunderbar ausgelotet, die Paradelage ist der Ürziger Würzgarten. Wer sich noch nicht in die Moselweine verliebt hat, wird es hier tun.

Weingut Karl Haidle, Württemberg
Der junge Moritz Haidle führt das Familienweingut mit Enthusiasmus in die Top-Liga Württembergs – mit zwei Rebsorten (Riesling und Lemberger), Demeter-Zertifizierung und einem klaren Fokus auf die Stärken des Terroirs. Einzelne Qualitätsstufen arbeitet der Winzer sauber und fein heraus, es macht Spaß, das ganze Sortiment durchzuprobieren. In der jungen Szene ist Haidle auch durch seine Hobbys bekannt: Graffiti-Kunst, Rap und Hip-Hop.

Weingut Fritz Waßmer, Baden
Als Autodidakt hat Fritz Waßmer Großes erreicht – und seit Gründung des Weinguts 1998 vor allem mit Burgundersorten, aber auch Chardonnay und Auxerrois Ausrufezeichen gesetzt. Auch den in Deutschland seltenen Viognier baut er meisterhaft aus. Für den Weinmacher ist Burgund das große Vorbild, und so sind die hervorragenden Lagen auch sein Kapital, besonders großes Renommee genieß dabei der Spätburgunder aus der Sommerhalde Bombach. Nicht nur dieser Wein, die ganze Kollektion beeindruckt durch Präzision und Schliff.
Weingut Martin Waßmer, Baden
„Liebe, die durch die Traube geht“, ist das Motto von Martin Waßmer aus dem sonnigen Markgräflerland. Zwei Generationen arbeiten hier Hand in Hand – und das mit Erfolg. Die feinen, charakterstarken Weine spiegeln die Liebe zum Burgund wider, hohe Pflanzdichte und geringe Erträge gehören zur Philosophie des Betriebs, gut 40 Jahre alte Rebstöcke sind der Schatz, und nur bestes Lesegut, von Hand selektiert, kommt in die Flasche. Auch die Barrique-Fässer stammen von berühmten Küfern im Burgund. Chapeau!
Weingüter, die mit 4F ausgezeichnet wurden
Sektkellerei Bardong GbR, Rheingau
Dürften wir auf eine einsame Insel nur einen Sekt von Norbert Bardong mitnehmen, es wäre der Erbacher Marcobrunn. Zeigt er doch, wie sensibel und ausdrucksstark der Schaumwein-Spezialist Lagen ausbaut. Die Sekte werden nach der Champagner-Methode hergestellt – und können sich mit den Vorbildern aus Frankreich durchaus messen. Sie reifen in urigen Gewölben aus dem 19. Jahrhundert und sind nur in kleiner Menge auf dem Markt erhältlich (rund 25 000 Flaschen im Jahr) – daher ist schneller Zugriff unbedingt empfohlen!
Weingut Bickel-Stumpf, Franken
Silvaner gewinnt in Deutschland immer mehr Fans – völlig zu Recht. Und vor allem bei diesem Familienbetrieb hat die Rebsorte in den vergangenen Jahren immer mehr an Eigenständigkeit und Ausdruck gewonnen. Zu dem Betrieb gehören viele Steillagen, deren Potenzial hier akribisch herausgearbeitet wird. Am besten verkostet man die gesamte Kollektion direkt vor Ort in der Vinothek mit idyllischem Innenhof.
Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken, Mosel
Riesling, Riesling und nochmals Riesling: Familie Zilliken hat sich ganz dieser Rebsorte verschrieben, das Weingut, das von Tochter Dorothee geleitet wird, verfügt ausschließlich über Süd-Steillagen, die als VDP Große Lage klassifiziert sind. Von geradezu betörender Qualität ist die aktuelle Kollektion dieser Saarweine – sie tanzen förmlich über die Zunge, sind seidig, elegant und dabei zurückhaltend im Alkohol. Der Saarburg Rausch ist ein Paradewein der Extraklasse, ob als Kabinett oder Auslese.
Griesel & Compagnie, Hessische Bergstraße
Wer hätte das gedacht?! Das kleine Anbaugebiet Hessische Bergstraße ist in den vergangenen Jahren aus dem Dornröschenschlaf erwacht – und zwar mit einem Donnerhall. Verantwortlich dafür ist vor allem das Sektgut Griesel mit dem Quereinsteiger Niko Brandner an der Spitze. Seine Schaumweine begeistern mit individueller Klasse, sind geradlinig, schlank und von Mineralität geprägt. Spannend sind auch seine Obstschaumweine der Line „Von Wiesen“.

Weingut Pfeffingen, Pfalz
Hinter dem Namen Pfeffingen stehen die beiden Diplom-Ingenieure und Önologen Doris und Jan Eymael, ihr Betrieb befindet sich direkt an der Deutschen Weinstraße, auf zwei Dritteln der Rebflächen wächst Riesling –und die sind, fruchtig und mineralisch, gleichermaßen durch Klasse wie wunderbaren Trinkgenuss gekennzeichnet. Auch für Fans aromatischer Scheureben ist das Gut eine exzellente Adresse, und bei Burgundern wie auch den Rotweinen kann man ebenfalls „blind“ zugreifen – bei der aktuellen Kollektion gelang durch die Bank alles.
Alle Aufsteiger im Überblick
Dreißig Jahre rackern und riskieren haben sich gelohnt. Das Weingut von Hans Oliver Spanier steht heute ganz oben. Die frühe Erkenntnis, dass das abgeschiedene Zellertal ein fantastisches Terroir darstellt, die Fokussierung auf Riesling und Spätburgunder, die Überzeugung, dass es nur mit Biodynamie geht, später der neue Keller - all diese Entscheidungen waren riskant, aber richtig. Heute sind die Weine von H.O., wie er gerufen wird, Weltklasse. Die 2024 Kollektion beweist das wieder einmal. Wir probierten die ganze Phalanx der GG, vom saftig-mineralischen Kirchenstück über den kargen Frauenberg bis zum überragenden Zellerweg Am Schwarzen Herrgott, dazu den in der Pfalz liegenden Kreuzberg – sie alle sind aus einem Guss. Wer etwas tiefer ins Regal greift, findet mit dem Mölsheimer Riesling „Aus den Ersten Lagen“ eine alltagstaugliche Alternative. Voller Anerkennung sind wir für den neuen Chardonnay aus Mölsheim.
Seit 2006 leitet Carolin Gillot das elterliche Weingut im alten Ortskern von Bodenheim. Nach ihrer Heirat mit Hans Oliver Spanier hat sich Kühling-Gillot mit dem Zellertaler Weingut Battenfeld-Spanier zusammengetan. Vinifiziert und ausgebaut werden die Weine in Hohen-Sülzen im Zellertal, in Bodenheim befinden sich die schicken Probe- und Veranstaltungsräume, in denen hochkarätige kulinarische Events stattfinden. Kühling-Gillot ist gesegnet mit besten Lagen im Roten Hang. In 2024 sind wieder spektakuläre Rieslinge entstanden. Das GG vom Hipping ist bei aller Fülle fast puristisch. Beim Ölberg GG ist die Mineralität in schmelzigen, süßen Extrakt eingebettet. Das GG vom Pettenthal ist straff und macht mehr Druck. Es ist bei aller Kompaktheit filigran. Das Rothenberg GG aus Trauben von wurzelechten Rebstöcken ist unglaublich dicht, kernig, muskulös: der vertikalste Wein aller fünf GG. Wir schätzen aber auch die genialen Riesling Ortsweine aus Nierstein und – mehr noch – aus Nackenheim.
Der Laumersheimer Kirschgarten ist die Keimzelle des Schaffens von Philipp Kuhn. Schon mit 16 durfte er dort seine ersten Pinots pflanzen, heute gilt ihm die Lage als bester Ausdruck seines Terroirs, egal ob für die weißen Rieslinge und Weißburgunder oder seinen roten Spätburgunder. Seine trockene Stilistik ist allumfassend und im besten Sinne französisch inspiriert. Sein Schaffen erstreckt sich bis in die nördlichen Ausläufer der Pfalz, wo er im Zellertal einen rauchigen und reduktiven Riesling keltert, mit viel steiniger Mineralität, eine gelungene Verbindung aus Leichtigkeit und druckvollem Abgang. Noch mehr Power, noch mehr Säurestruktur zeigt das GG aus dem Saumagen, anfangs noch verschlossen, dann mit Würze und kernigem Zug. Kommen wir zum Kirschgarten: ein verschlossener Riesling, der ätherische Kühle mit feiner Frucht und Eleganz verbindet und auf jeden Fall noch Zeit braucht. Der Spätburgunder aus der gleichen Lage punktet mit nahezu perfekten Tanninen, viel satter Frucht und wunderbarer Säure. Ein Kraftpaket mit kühler Eleganz. Eine beeindruckende Kollektion aus einem Guss.
Konrad Salwey lässt seinen Spitzenweinen Zeit; die Weißen aus dem Jahrgang 2022 erreichen uns als Fassproben, und auch die Spätburgunder werden künftig drei Jahre im Keller bleiben, ehe sie in den Verkauf gehen. Das ist eine konsequente Entwicklung für den puristischen Winzer, der kein Interesse an der Primärfruchtigkeit hat, sondern in die Tiefe seines Terroirs vordringen will. In der Verkostung ist es eine Hürde, noch unfertige Weine auf den Tisch zu bekommen. Dennoch vermitteln sie einen Eindruck, wie Salwey auch 2022 seine Klasse behauptet: Der Käsleberg Grauburgunder präsentiert sich offen mit präsenter Frucht und schöner Säure, das GG Henkenberg beweist einmal mehr, warum der eleganteste Grauburgunder Deutschlands von Salwey kommt. Bei den Spätburgundern begeistert das GG Eichberg mit funkelnden Ecken und Kanten.
Es gibt nicht viele deutsche Weingüter, um nicht zu sagen ganz wenige, die mit ihren Gewächsen nicht nur in der nationalen, sondern in der internationalen Champions League spielen und mit den Besten der Besten mithalten können. Die Weine von Andrea und Christoph Schaefer gehören auf jeden Fall dazu! Was aus dem kleinen Familienbetrieb an Rieslingen kommt, ist seit Jahren unzweifelhaft Weltklasse. Und es ist restsüß! Die Kabinett-Weine und Spätlesen aus Wehlener und Graacher Spitzenlagen sind perfekt zwischen Frucht, Süße und Säure ausbalanciert, dazu kommt eine exakt prononcierte Säure, die mit elegantem Schwung und Leichtigkeit den harmonisch in sich ruhenden Fruchtkörper in himmlisch saftige Geschmacksphären katapultiert. Besser kann man restsüße Rieslinge nicht machen!
Obwohl David Golitko in den USA geboren und aufgewachsen ist, spricht er einen astreinen Pfälzer Dialekt. Grund dafür sind seine Pfälzer Wurzeln und die haben den ehemaligen Musiker nach einem geplatzten Plattenvertrag zurück in die Pfalz gebracht. Dort studierte er Weinbau und ist heute für Carolin Bergdolt im gleichnamigen VDP-Weingut verantwortlich für alles in Weinberg und Keller. Im ehemaligen Klostergut St. Lamprecht gibt allerdings Carolin Bergdolt die stilistische Marschrichtung vor. Schlanke Weine, die feine Frucht mit Frische, Saftigkeit Mineralität verbinden und dabei nie die Konzentration verlieren. Von den beiden Sekten gefiel uns der delikate Blanc de Blanc brut nature mit viel Saft, floralem von weißen Blüten, jodiger Mineralität und sehr feiner Perlage. Auch die Burgunder sind sehr gelungen: pfeffrig und floral der Weißburgunder GG mit Grip, Apfelblüte, Mandelkern und tänzelnder Leichtigkeit. Der Chardonnay ein wenig zu brav, mit sanfter Haselnuss, Holzsüße und schlotzigem Abgang. Als einziger Roter machte der Spätburgunder aus dem Kalkberg seiner Herkunft alle Ehre: geröstete Kaffeebohnen, satte Kirschfrucht, seidige Tannine und das alles mit Saftigkeit und Struktur.
Gratulation nach Trittenheim! Mit diesem Jahrgang gibt es die Höchstbewertung für das Weingut von Eva Clüsserath-Wittmann. Schon seit Jahren kommen aus dem Familienbetrieb erstklassige Rieslinge, die aktuellen Weine sind nun endlich ganz oben angekommen. Und das gilt für die trockenen ebenso, wie für die restsüßen, spontan vergorenen Qualitäten. Eva Clüsserath-Wittmann kann beides. Im Vordergrund ihrer durchaus straffen Rieslinge steht immer diese betörende mineralische Eleganz, die die blitzsaubere und sehr präsente Frucht adelt. Dazu setzt die talentierte Winzerin eine Säure, die voller Dynamik steckt, erfrischend jugendlich das ganze Riesling-Konstrukt zum Schwingen und Klingen bringt. Wenn man Wein hören könnte, wäre das eine Mozart-Symphonie. Riesling at its best, finessenreiches großes Gaumenkino aus besten Trittenheimer Lagen, die damit ihr Renommee als Top-Terroir mehr als bestätigen.
Wie ein Fels in der Brandung steht dieses Weingut in Ürzig, eines der ältesten an der Mosel. Ein Monument der Riesling-Kultur, hier konzentriert sich alles auf diese eine Rebsorte. Kellermeister Philippe Conzen hat uns mit seinen 2024er Qualitäten wieder einmal überrascht und eine nachhaltige Brillanz in alle seine Weine gebracht, die gekonnt zwischen Mineralität und feinfruchtiger Würze wandelt, traumsicher in Richtung betörender Eleganz. Da muss man lange und intensiv probieren, um den einen Favoriten herauszuschmecken. Immer eine Klasse für sich sind die fruchtsüßen Kabinette und Spätlesen in ihrer finessenreichen Stilistik, die schlanke Eleganz in blitzsaubere Aromen packt. Mit den beiden trocken ausgebauten Riesling Großen Gewächsen aus dem Ürziger Würzgarten und dem Erdener Treppchen setzt Philippe Conzen im aktuellen Jahrgang noch einmal Akzente und lässt die feinreife Rieslingfrucht in vollmundiger Saftigkeit strahlen.
Moritz Haidle gehört zu den prägenden Winzern des jüngeren Württemberg, vor allem für die eigenständige Wahrnehmung des Rieslings hat er viel erreicht. Seine Weine baut er im großen Holzfass aus und gönnt ihnen ein langes Hefelager. Haidles Rieslinge sind dabei immer puristischer geworden und profitieren von etwas Flaschenreife, der Jahrgang 2023 wirkt aktuell noch recht verschlossen. Das GG Pulvermächer lässt feine Würze erkennen, das GG zeigt sich offener – beides sind sehr feinnervige Riesling-Interpretationen mit Zukunft. Deutlich präsenter zeigen sich die Lemberger, die Erste Lage Häder ist wunderbar Brombeer-saftig, begleitet von feinem Tannin. Das GG Berge duftet nach Kirschschale, ist tief und feinkörnig, das GG Gehrnhalde präsentiert sich kompakt und noch verschlossen.
Im vergangenen Jahr haben Fritz Waßmer und Schwiegersohn (und Kellermeister) Armin Ritter den Olymp der 5 F erklommen. Vom Spargel- und Erdbeerbauern zu einem der besten Winzer Deutschlands führt ein beeindruckender Weg, der sich nicht nur mit der Herkunft des Rebmaterials an Burgund orientiert. Auch der Einsatz von Holz beim Ausbau der Weine ist erstklassig und scheut keine Investitionen. Dennoch kann man in die wunderbare Fritz-Waßmer-Welt schon mit zehn Euro einsteigen und bekommt dafür einen reintönigen, straffen Spätburgunder ins Glas. Erhaben das Lagen-Paar aus dem Roten Berg Kenzingen und der Steingrüble Bad Krozingen, dichte Kirschfrucht verflochten mit Würze und Pikanterie. Auch der vibrierende Chardonnay aus dem Roten Berg erfüllt, was man sich von einem Grand Cru erträumen kann.
Die Weine von Martin Waßmer sind nichts für zartbesaitete oder ungeduldige Trinker. Der Winzer schreckt nicht davor zurück, üppige Frucht auf sattes Holz prallen zu lassen – im Vertrauen darauf, dass die geballte Qualität am Ende zu einem harmonischen Ganzen führt. Auch die Flaschen der aktuellen Kollektion signalisieren eindringlich: Gib mir Zeit! Der Pinot Noir aus dem Maltesergarten zeigt sich mit leicht blutiger Nase kompakt, beim Castellberg stößt prächtige Frucht auf gegenwärtig noch viel Holzeinfluss, auch der Spätburgunder Steingrüble mit Frische und Kirschkernkick muss sein Holz noch veratmen. Der Weiße Burgunder aus dem Castellberg ist intensiv und vollreif, von hoher Konzentration und Dichte. Hier sind alle Regler auf Anschlag. Kräftig auch der Chardonnay aus gleicher Lage mit einem Hauch Reduktion.
Matthias Stumpf gehört mit seinen Weinen zu den großen Konstanten im fränkischen Weinbau. Seine Weine haben immer einen unverwechselbaren Charakter, sind präzise, klar, druckvoll und würzig. Das ist auch in dieser aktuellen Kollektion des Weinguts, das Lagen im Buntsandstein sowie im Muschelkalk zum Portfolio zählt, klar ersichtlich. Die Ortsweine stammen aus 2024, die Ersten Gewächse aus 2023 und die Großen Gewächse aus 2022. Die Weine bauen ganz klar aufeinander auf, sind terroirgeprägt mit viel Druck und Würze beim Buntsandstein und mehr zitrischer Helligkeit und Cremigkeit beim Muschelkalk. Das wird beispielsweise beim großartigen Kapellenberg Silvaner sowie dem Mönchshof Silvaner GG offensichtlich.
Zu Griesel & Compagnie gehört an der Bergstraße auch das Weingut Schloss Schönberg, beide eint die Handschrift der Familie Streit. Die feinen Perlen für die Sektproduktion zaubern Kellermeister Niko Brandner und sein Team in die mit Art déco-Etiketten gestalteten Flaschen. Das Ergebnis ist eine durchweg gelungene Kollektion, bei der wir nicht umhin kommen auf 4,5F aufzuwerten. Den Auftakt bildet die Linie „Tradition“, besonders der 2022 Blanc de Noirs Brut – mit seinen üppigen Bratapfelnoten, herrlich trocken, zugleich opulent und mundfüllend ein wunderbarer Aperitif. Aus der „Prestige“ Reihe begeistert uns der 2020 Pinot Noir Brut Nature. Nach 44 Monaten auf der Hefe zeigt er appetitliche Noten nach Rosinen, Früchtebrot und Brioche, die vibrierende Säure setzt den perfekten Frischekick. Als Highlight zeige sich die 2019 Grande Cuvée aus der Exquisit Reihe mit 59 Monaten auf der Hefe und in kleiner Auflage. Ein eleganter Prickler, herrlich trocken und auf seine leise, feine und delikate Art unfassbar einnehmend. Das ist Sekt auf hohem Niveau für einen fairen Preis.
Riesling und Scheurebe gelten als Steckenpferde von Jan Eymael, keine Wunder also, dass die Ungstein Scheurebe den Abschluss einer von Riesling dominierten Probe macht. In der ist das GG aus dem Weilberg kräutrig, jodig, mineralisch und vor allem erstaunlich leicht. Besser gefällt uns das GG aus dem Herrenberg, mit dunklem Honig und frischer Minze, dabei saftig und würzig. Richtig Spaß machen aber vor allem die Ersten Gewächse, der saftige Riesling aus dem Nussriegel mit dunkler Aromatik, kräutrig und mit viel heller Frucht, vom Wachenheimer Schlossberg geht es eher in mineralische Richtung, mit crisper Säure und satter roter Apfelfrucht. Die Scheurebe ist typisch von Holundersaft und grüner Würze geprägt, wirkt aber ein wenig unreif.

