"CORDO" Berlin: Die Metamorphose der Cordobar

Das Wort "Bar" ist weg. Geblieben ist „Cordo“. Gekommen ein neues Konzept.

Cordo_Berlin

Wie eine wilde Weinbar erwachsen wurde

Die berühmte „Cordobar“ in Berlin-Mitte hat fünf Jahre lang Weinfexe, Winzer, Sommeliers, Weinschreiber versammelt, eben die ganze Szene rund um die Flasche. Gerhard Retter, der Gastgeber, lebt längst mit seiner Familie am idyllischen Lütjensee in Schleswig-Holstein, wo sie die schöne „Fischerklause“ betreiben, ein Restaurant mit Zimmern. Eine gewisse Berlin-Sehnsucht führte dann einst zur „Cordobar“ mit mehreren Teilhabern. „Aber wie lange will man das machen?“, fragt Retter. Irgendwann ist es wohl einfach genug: „Wir wollten keine Bar mehr sein.“ Stattdessen Abschied vom Kompagnon Willi Schlögel. Drei Monate Umbau, dazu junges talentiertes Personal auftreiben.

Mit dem "CORDO" ist ein rustikales Restaurant mit 40 Plätzen entstanden, das an das frühe „Noma“ erinnert: blanke Holztische, die berühmten „Ypsilon“-Stühle mit Lammfellen auf den Sitzen, Silberbesteck vom Flohmarkt, Musik in dezenter Lautstärke. „Alles a bisserl Shabby Chic“, grinst Retter, der Österreicher.

Nordic Cuisine im Restaurant "CORDO"

Küchenchef Yannic Stockhausen ist verantwortlich für die ganze Karte. Da er Hamburger ist, hat er sich zwei „Jungs“ in die Küche geholt, die auch von dort kommen. Mit großem Ernst und professioneller Präzision hat das Team Gerichte ausgetüftelt, die man Nordic nennen könnte: keine Luxusprodukte, dafür Hingabe bei den Zubereitungstechniken.

Überhaupt erkennt man Stockhausens gute Schule, etwa an sehr fein gewürzten Ölen, Cremes und Emulsionen, die bei vielen Gängen seiner beiden Menüs den Gaumen auskleiden. Unbedingt probieren: Zander mit Kalbskopf, Spitzkohl und Grünkohlpesto, ein delikates Wintergericht. Famos auch das schmackige Short Rib, sous vide gegart, obendrauf ein Crunch aus Fladenbrot und Koriander. Zum Kaffee gab es ein winziges Franzbrötchen – und einen violettroten Blutwurst-Waldfrucht-Macaron. Wow!

Adam Purnell, Ex-Werber und -Fotomodell, hat einst London entnervt verlassen und sein Leben in der „Cordobar“ als Tellerwäscher neu sortiert. Jetzt leitet er mit seinen Kolleginnen sehr charmant den Service. Weine mit Bio- und Natur-Schwerpunkt aus Österreich und Deutschland.

OT Mitte, Große Hamburger Str. 32, 10115 Berlin, Tel. 030-27 58 12 15, www.cordobar.net, nur Abendessen, So, Mo geschl., zwei Menüs (4 Gänge 55€, 8 Gänge 95€)

Tipp: An der kleinen Bar mit vier Plätzen kann man auch Kleinigkeiten bestellen.