Anton Schmaus: Die Gastronomie im Blut

Die private Küche wurde bei Familie Schmaus nur zu Weihnachten genutzt. Für den Rest des Jahres. Die Küche des elterlichen Gasthauses war der zentrale Ort der Familie Schmaus. Hier stand der Vater Tag für Tag am Herd und die Großmutter schenkte hinter der Theke den Gästen Bier ein. Das Leben der Familie Schmaus drehte sich um das Gasthaus, das Hotel, die Gäste. Es ist eine echte Gastronomiedynastie, denn Anton Schmaus ist bereits die 13. Generation von Köchen in Folge.

Der Weg war vorherbestimmt
Für Gastwirtskinder wie ihn waren Arbeit und Privatleben untrennbar miteinander verbunden. Erst kamen die Gäste, dann die Familie. Gearbeitet wurde sieben Tage die Woche, Wochenenden und Urlaub gab es kaum. Weihnachten war der einzige Tag, an dem die Eltern nicht arbeiteten. Der Rhythmus der Arbeit bestimmte das Leben, und in diesem Kosmos wuchsen sie auf. Mit zehn Jahren kam Anton Schmaus in ein Internat, sein Wunsch, Koch zu werden, stand bereits fest. In einem Umfeld, in dem die meisten seiner Mitschüler studierten oder eine kaufmännische Lehre absolvierten, entschied sich Schmaus für das Handwerk.

Einmal um die Welt und wieder zurück
Sein Vater, selbst ein erfahrener Gastronom, vermittelte ihn an Franz Feckl, einen renommierten Sternekoch und alten Freund, der das Landhaus Feckl in Ehningen bei Stuttgart führte.
Der Eintritt in Feckls Küche war ein abrupter Wechsel von einem unbeschwerten Leben voller Partys zum stressigen Arbeitsalltag in einer Spitzenküche. Unter Feckls strenger Führung lernte Schmaus Demut und die Realität des Berufs kennen.
Es folgten Stationen in der Schweiz, wo er die italienische Lebensart aufsaugte und seine Risotto- und Pasta-Künste perfektionierte. In Stockholm lernte er 2007 im F12 den Umgang mit der Molekularküche und schnelles, präzises Arbeiten. Caterings für das schwedische Königshaus gehörten ebenso dazu wie für ABBA oder Roxette. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei Thomas Keller in New York vermisste er seine Heimat. Für kurze Zeit kochte Anton Schmaus wieder im elterlichen Betrieb, merkte aber, dass er dort seine Vorstellungen von Küche nicht umsetzen konnte.

Der Unternehmer Anton Schmaus
Als ihm das Historische Eck am Watmarkt angeboten wurde, musste er nicht lange überlegen. Schon nach kurzer Zeit hatte sich sein Restaurant etabliert und es sprach sich schnell herum, dass hier einer kocht, der sein Handwerk versteht. Nach nur 16 Monaten wurde das Restaurant mit einem Stern im Guide Michelin ausgezeichnet. Das heutige Storstad befindet sich gegenüber seinem ehemaligen Restaurant im 5. Stock. Der Umbau erforderte seinen ganzen unternehmerischen Mut, aber das war erst der Anfang.
Sprudelnd vor Ideen eröffnete er das Sticky Fingers, seit 2022 mit dem angrenzenden Tipsy Wine Concept Store. Seine Faszination für Japan, insbesondere für Sushi, lebt er in seinem Restaurant Aska aus - der ehemaligen Bar im Storstad. Handwerklich perfektes Sushi, das sich nicht an Trends orientiert und von Meister Atsushi Sugimoto zubereitet wird. Und weil sich einer wie Anton Schmaus nicht auf einen Stil festlegen lässt und gerne reist, passt er perfekt zur deutschen Fußballnationalmannschaft - für die kocht er seit 2017.
Konzept: Casual Fine Dining im skandinavisch urbanen Interieur. Ein Menü, 5/7 Gänge.
Küche: Lieblingsadresse all derer, die außergewöhnliche kulinarische Kreationen schätzen: einfallsreich vielschichtig, asiatisch grundiert, zubereitet mit Können, Präzision und erstklassigen Produkten. Das kongeniale Köcheduo Anton Schmaus und Josef Weig beizt und flämmt Saibling und kombiniert ihn unwiderstehlich mit Kürbis-Tahin-Creme, gepickeltem Kürbis, Kürbiskernöl und Umami-Schliff von Yuxiang-Vinaigrette. Die Küche spricht kulinarisch aber auch aufregend Französisch. Soufflierte Wachtelbrust mit Kartoffel-Époisses-Creme, weißem Trüffelschaum und Pom-Pom-Pilz ist ein Meisterwerk.
Wein: 180 Positionen mit Bestem aus Europa und Übersee. Fokus auf kleinen Newcomer-Güter. Viele Rieslinge, alkoholfreie Alternativen.
Atmosphäre: Jugendlich lässig, sympathisch luftige Nischen, Panoramafenster mit Blick auf den Dom.
Fazit: Lässig elegante Location für raffinierten Hochgenuss.
Konzept: Casual Fine Sushi für zwölf entdeckungsfreudige Gäste. Ein Menü, 8/10 Gänge, Sake Pairing.
Küche: Regensburg goes Japan, näher und originärer an Nippons Genusswelt kann man hierzulande kaum sein. Pointierte Überraschungsmomente gehören dazu. Was daran liegt, dass Atsushi Sugimoto, welterfahrener Sushi Meister und vormals in Diensten eines Formel-eins-Teams gerne Neues abseits der Konvention wagt. So nimmt Sashimi vom geflämmtem Wolfsbarsch an Stelle des gewohnten Rettich-Ponzu-Toppings mit Trüffel und seinem Salz betörend mediterrane Akzente auf. Zu den wunderbar wärmenden Genüssen im Menü zählt Tai Chazuke, marinierte Brasse mit grünem Tee und Dashi auf Reis. Highlight des Menüs ist die Kombination von magerem, mittelfettem und fettem Thunfischrücken wie -Bauch.
Atmosphäre: Hippe Blackbox für 12 Gäste. Der Tresen ist buchstäblich der „Fensterplatz“ hautnah am virtuosen Sushi-Meister.
Fazit: Mittendrin statt nur dabei in elaborierter Sushikultur.

