Die besten Weinbars in Wien

Wien für Weinliebhaber: Hier gibt es die besten Tropfen der Stadt

Junge Bistros mit hervorragender Küche und die Heurigen vieler Weingüter machen Lust auf einen genussreichen Stadtrundgang. Entdecken Sie mit Autorin Patricia Bröhm Glas für Glas die Donaumetropole: Hier finden Sie die besten Weinshops, Weingüter und Weinbars in Wien 

Die besten Weinbars in Wien: Konstantin Filippous O boufés

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Erstmal ins O boufés – unsere Autorin am Tresen im Gespräch mit Chef Konstantin Filippou

Die Türe auf und rein ins Vergnügen! Ich mag Lokale, die einen vom ersten Moment an in Bann ziehen. So wie Konstantin Filippous O boufés. Eben noch draußen in der abendstillen Dominikanerbastei zwischen eindrucksvollen Wiener Neorenaissance- und Historismus-Fassaden – jetzt mittendrin im Kosmos mediterraner Lebensfreude. Lebhaft, locker, genussvoll. Und schon früh am Abend eine Stimmung, von der andere Gastronomen selbst um Mitternacht nur träumen können. Dabei ist das Ambiente minimalistisch, mit schlichtem schwarzen Mobiliar vor dekorativ abgeblätterten Wänden. An der kleinen Bar rechts steht der Chef schon mit einem Glas, wie immer ganz in Schwarz, passend zu den dunklen Locken: "Willkommen in Wien!" 

Wer ist Konstantin Fillipou? Der Koch im Portrait

Es ist Dienstagabend, da ist das Gourmetrestaurant direkt nebenan geschlossen, und er hat Zeit, im Weinbistro mit Gästen zu plaudern. Wir stoßen mit einem Glas Pétillant Naturel vom steirischen Weingut Jaunegg an, der mit seiner prickelnden Fruchtsüße auf Anhieb Laune macht. "Weißburgunder und Müller-Thurgau", klärt uns Ester Sökjer-Petersen, Filippous Sommelière, auf. Die junge Frau mit Tattoos am Unterarm ist Schwedin, sie hat sich diesen Arbeitsplatz sehr bewusst ausgesucht: "Ich bin wegen der spannenden Naturwein-Szene hierher gezogen." Genau deswegen mag ich Wien als Weinstadt so sehr: weil sich hier alles undogmatisch mischt. Ob große Klassik, experimenteller Orangewein oder ureigener Wiener Gemischter Satz – unter den genussfreudigen Bewohnern der 1,9-Millionen-Metropole findet sich für jeden Weinstil ein Publikum. Filippous O boufés war das erste Weinbistro der Stadt, das hochwertige Küche mit einem konsequenten Naturweinangebot kombinierte. 

Naturweine entdecken in Wien

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Sommelière Ester Sökjer-Petersen empfiehlt im O boufés passende Flaschen – Schwerpunkt sind hier Naturweine junger österreichischer Winzer

Inzwischen ist dieser Lokaltypus eine feste Größe in der Donau-Metropole. Mich zieht es trotzdem bei jedem Wien-Besuch an die Dominikanerbastei, weil es hier einfach so gut schmeckt und dabei so angenehm unprätentiös zugeht: Ceviche von der Goldbrasse wird auf erfrischendem Tomatengelee serviert, dazu die Knackigkeit von eingelegtem Stangensellerie und Gurke, obenauf knuspernder Amaranth – das passt perfekt zum Grünen Veltliner "Gegenwind" vom Weingut Nord und Süd aus dem Kamptal. Obwohl ich keine Naturwein-Jüngerin bin, genieße ich es sehr, mir hier im Laufe eines Abends einen aktuellen Überblick über die Szene zu verschaffen – Rosi Schusters Cuvée "Dorfkultur" ist im Weinpairing ebenso vertreten wie der Gelbe Muskateller "Segelfalter" von Andreas Tscheppe.

Top Wein-Hotel in Wien: Hotel Rathaus Wein&Design

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Die passende Herberge für Weinfreunde ist das Hotel Rathaus Wein&Design. Jedes Zimmer ist einem Winzer gewidmet – samt gut gefülltem Weinklimaschrank

Am nächsten Morgen gibt es, als Stärkung für einen neuen Wein-Tag, erst mal ein ausgiebiges Frühstück. Im Hotel Rathaus Wein&Design gehören dazu nicht nur selbst gebackene Kuchen, sondern auch eingelegte Gemüse, ein respektables Charcuterie-Angebot und eine riesige Auswahl regionaler Käse. Das sympathische, privat geführte Haus hinter historischer Fassade im 8. Bezirk ist das perfekte Quartier für meine Wiener Weintouren.

Jedes der 40 Zimmer ist einem anderen österreichischen Winzer gewidmet, der mit einem gut gefüllten Weinkühlschrank im Zimmer vertreten ist. Dazu gibt es im Haus eine eigene Weinbar mit rund 400 Kreszenzen auf der Karte. George, der charmante Sommelier des Hauses, hatte es nicht schwer, mich gestern Abend beim Nachhausekommen noch zu einem Gläschen Blaufränkisch zu überreden.

Die besten Weinhandlungen in Wien

Die Lage des Hotels ist perfekt für einen kleinen Bummel über die Lange Gasse, die den 8. Bezirk einmal quert. Obwohl der von Touristen bevölkerte 1. Bezirk in Laufweite liegt, sind hier die Wiener:innen eher unter sich. Ich nehme bei Jumi Käse gereiften Emmentaler mit, studiere im Vorbeigehen die Speisekarte des Gasthauses Schnattl und stehe kurz darauf in der Tür zur Weinhandlung Vinodea. Madlaina Dosch hat sie 2021 eröffnet und bietet ausschließlich Gewächse von Winzerinnen an, vorwiegend aus Österreich. 

"Es gibt immer mehr tolle Frauen im Weinbusiness, ihnen möchte ich eine Plattform bieten", sagt die Quereinsteigerin, die ohne Zwischenhändler arbeitet und jede Winzerin persönlich kennt. "Aber natürlich geht es in erster Linie um guten Wein." Im Regal stehen Flaschen von jungen Winzerinnen-Kollektiven wie den "Weinblüten" aus dem südsteirischen Vulkanland, aber auch etablierte Namen wie Heidi Schröck, Birgit Braunstein oder Silvia Heinrich. Von ihrem Blaufränkisch Ried Goldberg Reserve 2017 nehme ich gleich eine Flasche mit, weil er mit seiner dunklen, saftigen Frucht wie gemacht ist für Wildgerichte. 

Kleine Weinhandlungen mit zugespitztem Programm – so etwas läuft nur in ausgeprägten Weinstädten wie Wien. Das gilt auch für Central European Wine Art am Rudolfsplatz: Ex-Sommelier Adám Bencze, der aus der Slowakei stammt, hat sich auf osteuropäische Weine spezialisiert. Seine Entdeckungen aus Rebsorten wie Furmint, Hárslevelü oder Kadarka sind so spannend, dass ich bei jedem Wien-Besuch vorbeischaue – quasi eine Fortbildungsmaßnahme. Diesmal überrascht Adám mit einem Sekt aus Transsylvanien, der mit so manchem Winzerchampagner mithalten kann – und das zum Preis eines Prosecco.

Der größte Weinshop Österreichs: Wein&Co

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Willi Klinger ist in Österreich einer der bekanntesten Experten für Wein. Er führt das Unternehmen Wein & Co mit sieben Filialen allein in Wien

Nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel (Erholung vom Verkosten und Verstauen der Einkäufe) stehe ich am frühen Abend vor dem Stephansdom, dem mächtigen Wahrzeichen der Stadt. Aber fürs Sightseeing ist keine Zeit, um die Ecke wartet in der Jasomirgottstraße Willi Klinger, exzellenter Kenner und wortgewaltiger Maestro der österreichischen Weinszene. Viele Jahre leitete er das Österreich Wein Marketing (ÖWM), heute ist er Geschäftsführer von Wein&Co

Mit sieben Shops allein in Wien und einem Sortiment von rund 2.000 Flaschen ist das Unternehmen der größte Anbieter von Fine Wine in Österreich. Hier, im Herzen der Stadt, liegt der Flagshipstore mit drei Etagen. Im Untergeschoss gehen einem die Augen über angesichts der Auswahl, ganz zu schweigen von der Raritätenkammer. Hier lagert, was gut und teuer ist, vom 2002 Ornellaia bis zum kultigen 2015er Club Batonnage aus dem Burgenland. Jeden einzelnen Wein aus dem Shop kann man sich oben im Bistro gut gekühlt für ein Korkgeld von 12 Euro servieren lassen. "Je teurer der Wein, desto günstiger trinkt man", sagt Klinger mit einem Grinsen.

Welcher Wein zu welchem Gericht?

Wir starten in den Abend mit einem Langenlois Große Reserve 2016, ein Blanc de Blancs Brut Nature von Fred Loimer aus dem Kamptal, der mit seinem ultrafeinen Mousseux an einen großen Champagner erinnert. "Mit die absolute Spitze bei österreichischen Bubbles", so Klinger. Wir sprechen über die Entwicklungen der letzten Jahre, die vielen Spielarten von Grünem Veltliner als Aushängeschild Österreichs in der Welt, den anhaltenden Trend zu steirischen Weinen, die Renaissance des Wiener Gemischten Satzes und die hohen internationalen Bewertungen für österreichischen Süßwein. Gerade schwärmt Klinger von seinem Lieblingsbeisl (Grünauer im 7. Bezirk, "Super-Weinkarte und herzhafte burgenländische Küche“), da wird die Charcuterie-Etagere serviert und lässt uns verstummen: 

Beinschinken von der Wiener Manufaktur Thum, Ibérico von Joselito, Lardo vom Südtiroler Pretzhof – ein Fest der Metzgerkunst. Womit wir bei Klingers Lieblingsthema wären: "Welchen Wein zu welchem Gericht? Eine Wissenschaft für sich!" Was ist das Lieblingspairing des begeisterten Hobbykochs? Da fallen ihm gleich mehrere ein: Paprikaschnitzel mit einem mineralischen Weißburgunder vom Leithaberg oder Lammkeule mit Kartoffelgratin und dem toskanischen Kultwein Sassicaia. Und neulich gab es bei Klingers zu Hause zum piemontesischen Gericht Pesce e Porcini (Fisch mit Steinpilzen) einen kräftigen gereiften Riesling von F.X. Pichler: "Das war das Nirwana!" Dann muss Klinger los, und auch ich ziehe weiter.

Kult-Weinbistros und Weinbars in Wien

Wenigstens auf ein Glas möchte ich noch bei Heunisch & Erben im 3. Bezirk vorbeischauen, dem nach einer europäischen Ur-Rebe benannten Kult-Weinbistro. Solche jungen, betont lockeren Weinbars mit Top-Weinkarte und richtig guter Küche schießen in Wien nur so aus dem Boden, zuletzt gern im 7. Bezirk, wo die Pachten noch erschwinglich sind. Vor allem die R&Bar (gesprochen "Rundbar"), geführt von den Betreibern der Szene-Weinhandlung Weinskandal, macht dort von sich reden. 

Mich aber zieht es am nächsten Mittag ins Mast Weinbistro, die wohl erfolgreichste Eröffnung in diesem Genre der letzten Jahre. "Bei uns kommt nur ins Glas, was wir selbst gern trinken!" Matthias Pitras Ansage ist für seine Gäste die beste Qualitätskontrolle, denn er und Kompagnon Steve Breitzke zählen zu den jungen Spitzensommeliers der Stadt. Vor fünf Jahren starteten sie mit 350 Positionen auf der Karte, heute sind es über 1.000. 

Allein Jean-François Ganevat, der Meister des Vin Naturel aus dem französischen Jura, ist mit 65 Positionen vertreten. "Nur biozertifizierte Weine, weg von den klassischen Namen, viel Jahrgangstiefe", so beschreibt Breitzke die ausgesprochen lebendige Karte, die sie im Schnitt zweimal pro Woche verändern. Zur roh marinierten Lachsforelle mit gelben Rüben, Physalis und Thymian-Miso probiere ich einen Argile Blanc der Domaine des Ardoisières aus Savoyen, ein saftiger Wein, der mit seiner gelben Frucht und Salzigkeit toll harmoniert.

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Die schönste Weinhandlung in Wien: Unger und Klein

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Ein Magnet ist auch die Weinhandlung Unger und Klein: Patron Hartmut Unger schenkt am Hochtisch die Hausweine aus, etwa "Roter Affe" oder "Fräulein Klein"

Sehr beschwingt geht es dann nach dem Essen zu Wiens wohl schönster Weinhandlung und -bar, dort lassen sich die Vorräte für zu Hause bestens aufstocken. Unger und Klein ist nicht nur wegen der kühn geschwungenen Weinwand und wechselnden Kunstinstallationen einen Besuch wert, sondern vor allem wegen des Know-hows von Hartmut Unger. Heute empfiehlt er zwei Quereinsteiger, die sehr schnell sehr erfolgreich wurden: 

Die großartigen Blaufränkisch-Weine der Winzerin Dorli Muhr vom Spitzerberg im Carnuntum und den Grünen Veltliner aus der Ried Königsberg von Christian Fink aus dem Weinviertel. "Der hat unglaubliche Tiefe und Aromenvielfalt, dabei spielerische Eleganz." Am großen Hochtisch im Lokal werden übrigens vor allem die Hausweine ausgeschenkt, die Namen wie "Roter Affe" oder "Fräulein Klein" tragen. "Das sind einfach richtig, richtig saugute Trinkweine", sagt Unger – absolut recht hat er!

Die besten Weingüter Wiens

Für den letzten Abend habe ich mir ein besonderes Highlight aufgehoben. Denn Wien hat nicht nur eine bunte Weinszene, sondern auch sein eigenes Anbaugebiet – als einzige Metropole weltweit. Die besten Weingüter der Stadt liegen nur eine Straßenbahnfahrt entfernt. Wer am Schottentor die Linie 37 bis zur Endstation Hohe Warte nimmt, steht nach kurzem Fußmarsch in der schönsten Heiligenstadter Dorfidylle, mit Kopfsteinpflaster, viel Grün und alten Winzerhäusern. 

Hier liegt, gleich bei der alten Pfarrkirche, der Heurige des renommierten Weinguts Mayer am Pfarrplatz. Die alten Stuben wurden gerade stimmungsvoll renoviert, mit Holztäfelung und Kachelofen. Ein Ort mit viel Tradition, Beethoven lebte während seiner Wiener Jahre eine Zeit lang im ersten Stock und komponierte dort Teile der 9. Symphonie. Die Küche ist bodenständig, wie es sich für einen Heurigen gehört, aber ausgeschenkt werden nicht etwa Schunkelweine, sondern das gesamte Sortiment des Hauses, bis hin zum "Weißen Marmor", einem der Top-Rieslinge Österreichs.

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Weinberge vor den Toren Wiens

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Ein schönes Ausflugsziel ist Döbling mit dem Weingut Mayer am Pfarrplatz und seinem Shop

"Im Heurigen muss man eine gewisse Bereitschaft zum Sündigen mitbringen", sagt Geschäftsführer Gerhard Lobner und bestellt sich zum mustergültig panierten Wiener Schnitzel erst mal den Wiener Gemischten Satz DAC des Hauses: "Unsere Allzweckwaffe zur klassischen Wiener Küche." Nach alter Tradition wachsen verschiedene Rebsorten gemischt in einem Weinberg und werden auch gemeinsam gelesen. "Jede Rebsorte bringt ihre besten Eigenschaften in die Cuvée ein", sagt Lobner. 

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Grüner Veltliner sorgt für Würze, die alten Sorten Rotgipfler und Zierfandler geben Frucht und Körper, der Riesling macht die Cuvée mit seiner prägnanten Säure trinkig. Lobner und sein Team haben während der Pandemie erlebt, wie die Wiener ihre Heurigen wiederentdeckten, gerade auch junge Leute: "Die Menschen suchen wieder das ländliche Feeling, direkt vor den Toren der Stadt." Die Sommer-Dependance  Mayer am Nussberg, wo man mitten im Weingarten zwischen den Reben sitzt, ist seit Eröffnung ein Renner, aber auch hier am Pfarrplatz erlebt man Idylle pur. 

"Beim Heurigen hat der Wein nichts Elitäres", sagt Lobner. "Zu uns kommt der 18-jährige Weineinsteiger genauso wie der Kenner." Zum Abschied nehme ich mir aus dem Weinshop noch einen Riesling Ried Alsegg mit, ein kraftvoller Vertreter seiner Art, der toll zu Urwiener Gerichten wie Backhendl passt. Es ist der vielleicht wienerischste Wein überhaupt, die Reben wachsen auf acht Hektar mitten in der Stadt, im 17. Bezirk, umgeben von Häusern. Geradezu prädestiniert also, um zu Hause noch mal auf die herrlich vielseitige Weinstadt an der Donau zu trinken.

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