Deutschlands Wein-Champion 2022

Deutschlands Wein-Champion 2022

600 Bewerbungen, drei Vorrunden und das große Finale in Frankfurt: Die begehrte Trophäe unseres Wettbewerbs für Leser:innen geht an Nils Echterhoff.

„Im Grunde habe ich mich seit 20 Jahren auf diesen Tag vorbereitet, seitdem kaufe und trinke ich Wein“, schmunzelt Dr. Nils Echterhoff. Der Kommunikationswissenschaftler und Geschäftsbereichsleiter an der Universität Essen liebt Rieslinge von Mosel und Saar; sicherheitshalber hatte er sich aber noch einmal gezielt mit Silvaner aus Franken beschäftigt. Das hat sich gelohnt: Nach einem Prüfungsmarathon wurde der 50-Jährige zu „Deutschlands Wein-Champion 2022“ gekürt, einem Wettbewerb für Leser:innen (und Hobby-Weinfans), den DER FEINSCHMECKER zum sechsten Mal mit dem Deutschen Weininstitut (DWI) organisiert hat. 

Auf Platz 2 kam Marc Girlinger, 32, Unternehmensberater aus München, auf Platz 3 Beatrix Becker, 34, Sanitätsoffizierin bei der Bundeswehr aus Bad Reichenhall. Sie schafften den Weg durch ein Nadelöhr: Mehr als 600 Leser:innen waren unserem Aufruf gefolgt und hatten im ersten Schritt einen Fragebogen rund um Weinwissen ausgefüllt. Wer hier gut abschnitt, erhielt vom DWI deutsche Weiß- und Rotweine ohne Etikett, die es zu bestimmen galt. Die Besten aus dieser Verkostung trafen sich dann zu Vorrunden in Hannover, München und per Zoom – bis die 14 besten Kandidat:innen für das Finale im „KochWerk“ in Frankfurt feststanden: acht Frauen und sechs Männer – eine tolle Runde von Weinenthusiast:innen, die sich auf Anhieb blendend verstanden und sich mit sportlich-freundschaftlichem Ehrgeiz durch den Parcours der mündlichen und schriftlichen Prüfungen kämpften. „Durch den Wettbewerb habe ich viele Leute kennengelernt, die die gleiche Leidenschaft teilen“, freut sich Marc Girlinger.

So galt es etwa, blind Jahrgänge renommierter deutscher Weine oder Rebsorten wie Weißburgunder, Chardonnay und Riesling zuzuordnen. Außerdem wurde jede/r Teilnehmer:in zum „Wein-Speed-Dating“ gebeten, bei dem Gabriele Heins, stv. Chefredakteurin DER FEINSCHMECKER, und Eberhard Abele, Ressortleiter Werbung und Marktforschung beim DWI, abklopften, wie groß die Leidenschaft, wie tief das Wissen und wie ernsthaft die Beschäftigung mit Wein ist. Beatrix Becker offenbarte dabei ihr Faible für die oft verkannte Scheurebe, Claudio Bertschinger erwies sich als Raritäten-Liebhaber, der auch gern nach Israel oder Georgien blickt. „Ich bin beeindruckt von dem enormen Fachwissen der Teilnehmer:innen. Noch mehr begeistert hat mich die Leidenschaft für unsere deutschen Weine und Winzer:innen, die weit über eine akademische Beschäftigung damit hinausgeht“, freute sich Abele. Und sein Kollege Florian Koch, Ressortleiter Aus- und Weiterbildung beim DWI, pflichtet bei: „Besonders die verdeckte Riesling-Verkostung, bei der die Finalist:innen die Anbaugebiete zuordnen mussten, wurde von fast allen souverän gemeistert. Beeindruckend!“

Spannender Höhepunkt zum Schluss: Die drei Finalist:innen mussten noch einmal live vor allen einen Wein blind bestimmen und in einer Minute so viele Stakkato-Fragen wie möglich beantworten (Beispiel: Wie nennt man einen weiß gekelterten Wein aus Rotweintrauben?)

Nach der Siegerehrung samt Vergabe der Urkunden und Preise konnte deutscher Wein nun endlich nicht mehr nur analysiert, sondern ganz entspannt genossen werden, garniert von einem Flying Dinner und dem Blick auf die Frankfurter Skyline. Der Clou: Michael Hoppe, „Wein-Champion 2021“, war wie viele andere Finalist:innen seines Jahrgangs ebenfalls angereist, um symbolisch das Zepter an Nachfolger Nils Echterhoff zu übergeben. 

Hoppe hatte (wegen der coronabedingten Verschiebung des Finales auf Juni 2022) leider nur eine sehr kurze Amtszeit, nutzte diese aber effizient: Er vernetzte alle bisherigen Finalist:innen, etwa auch über eine WhatsApp- Gruppe. Der Austausch für die Zukunft ist gesichert!

5 Fragen an den Wein-Champion 2022

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Wein-Champion 2022: Nils Echterhoff

DER FEINSCHMECKER: Glückwunsch, lieber Nils Echterhoff, was bedeutet Ihnen der „Champion“-Titel?

Nils: Echterhoff: Das war eine große Überraschung für mich und bedeutet mir viel. Ich habe beim Wettbewerb auch spannende Weine abseits meines Trinkkorridors kennengelernt, etwa aus Württemberg.

Was planen Sie in Ihrer Amtszeit?

Die Weincommunity aller bisherigen Finalist:innen, die mein Vorgänger Michael Hoppe so toll mit der WhatsApp-Gruppe aufgebaut hat, möchte ich weiter ausbauen. Dafür habe ich eine virtuelle Wein-Champions-Landkarte erstellt, auf der ersichtlich ist, wo die Finalist:innen wohnen, damit wir uns regional vernetzen können.

Was raten Sie Einsteiger:innen in die Weinwelt?

Beim Fachhändler einkaufen, vorher, aber auch nachher mit ihm reden und Eindrücke austauschen. Sinnvoll ist es auch, verschiedene Weine aus einem Anbaugebiet zu verkosten oder eine Rebsorte, wie etwa den Spätburgunder, aus der Pfalz, aus Baden oder Franken zu vergleichen.

Was waren Ihre Weine des Jahre 2022?

Der Saar-Riesling 2020 von Nik Weis und der 2018er Riesling Fass 3 von Peter Lauer.

Und worauf freuen Sie sich 2023?

Auf die 2022er Kollektion von Markus Molitor. Unter seinen feinherben Rieslingen funkeln immer Juwelen! Aber die Weinwelt hat mehr Schätze, als man in einem Leben trinken kann.

Das war der Wein-Champion 2022

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