Kellermeister: 5 Weinsammler erzählen von ihrem Hobby

Ihre Passion ist Wein. In ihren Kellern lagern Hunderte und Tausende Flaschen aus aller Welt. Fünf Sammler erzählen, wie sie die Leidenschaft gepackt hat, und verraten ihre persönlichen Tipps.

weinsammlung

 

1. Amir Darabi: „Mein Keller ist ein Raum der inneren Ruhe.“

Mein Weinkeller ist ein eigener Raum in unserem Keller. Er wurde mit viel Liebe von einem Schreiner eingerichtet, die Regale sind aus Echtholz, links liegen die Rotweine und rechts die Weißen. Bereits bei der Bauplanung habe ich mich auf diesen Raum gefreut. Ich wollte eine Veranda, um Weine zu trinken, und einen Keller, um meine Schätze zu lagern.

Der Raum ist klimatisiert bei 15 Grad, das Licht geht automatisch an, ein Soundsystem ist verbaut, und ich kann die Farbe der Hintergrundbeleuchtung ändern. Er ist so schön geworden, dass ich darin auch gern Zeit verbringe.

Foto: David Maupilé

Ich zelebriere meine Leidenschaft gern. Das ist ein echtes Hobby. Mir gibt dieser Raum eine innere Ruhe, ich kann hier abschalten. Auch wenn er so kühl ist. Klimatisierung ist wirklich ein Thema bei Wein. Als ich anfing, mich für Wein zu interessieren, lebte ich in einer Loft-Wohnung in München, die war tagsüber im Sommer über 30 Grad warm. Da sind mir viele Flaschen kaputtgegangen. Das waren tolle, wertvolle Weine. Hinüber.

Ich besitze mittlerweile über 900 Flaschen, aber genau weiß ich das nicht, weil ich sie nicht archiviert oder erfasst habe. Ich bin in erster Linie Genießer. Wenn Freunde da sind und wir ein paar Flaschen Wein trinken, dann will ich die nicht am nächsten Tag aus der Datenbank löschen. Ich habe eine gewisse Ordnung nach Farbe und Region, und ich weiß auch grob, welche Flaschen ich habe. Das muss reichen.

Ein Problem ist mittlerweile die Größe des Raums. Er ist fast voll. Wenn man einmal mit dem Sammeln anfängt, findet man immer noch was Neues. Aber normalerweise gehen bei einer Party schon mal zehn bis zwanzig Flaschen weg. Ich teile meine Weine unglaublich gern. Ich habe kein Problem damit, ganz im Gegenteil, es ist mir eine Freude, mit Freunden einfach mal ein paar teure Flaschen Wein aufzumachen und zu genießen.

 

2. Dr. Imtiaz Alikhan: "Mein Keller kostete mich Kämpfe mit dem Bauamt."

Foto: David Maupilé

Meine Londoner Freunde haben mich ausgelacht: "Wie kann man nur 125 Pfund für eine Flasche ausgeben?!“ Das war 1989, meine erste Investition in Wein, in den 1949er Château Pétrus aus meinem Geburtsjahr, meine erste Liebe. Noch nie zuvor hatte ich so einen himmlischen Wein getrunken – die Aromen habe ich jetzt noch auf der Zunge. Und wenn man bedenkt, dass er heute etwa 6000 Pfund kostet, würde wohl niemand mehr lachen.

Schon damals war mir klar: Ich möchte Wein sammeln, um ihn zu genießen, nicht, um damit zu spekulieren. Der legendäre Pétrus war und ist für mich das Maß aller Dinge, fünf Flaschen habe ich bereits ersteigert. Wichtige Ereignisse sind ihm verbunden: So feierten meine Frau Karina und ich unsere Silberhochzeit mit einer 1961er Magnum.

Nachdem ich mich in Hamburg niedergelassen hatte, baute ich meine Sammlung strategisch auf – in unserem 25 Quadratmeter großen Keller mit zwölf Grad und 70 Prozent Luftfeuchtigkeit. Dafür habe ich eine Mauer unverputzt gelassen (was mich Kämpfe mit dem Bauamt gekostet hat). Die Regale habe ich von einem ehemaligen Weinladen übernommen, ich liebe diese Patina mit all den Weinflecken.

Ich sammle Wein, weil dies ein lebendiges Produkt ist, das sich entwickelt, immer besser wird. Das Warten auf die Reife macht den Reiz aus. Jeden zweiten Tag gehe ich in den Keller und verbringe viel Zeit mit meiner Excel-Tabelle, mit der ich Kauf- und Marktpreise jeder Flasche vergleiche. Ich liebe es, mich mit Freunden auszutauschen, und schaue mir auf Reisen Weinkeller an, während meine Frau ins Museum geht. Im Wiener Palais Coburg fühlte ich mich wie "Charlie in der Schokoladenfabrik" und wollte nicht mehr weg.

Neulich haben wir einen 2005er La Mouline von Guigal getrunken. Einfach so. Man muss nicht auf ein Ereignis warten, um eine große Flasche aufzumachen, der Wein ist das Ereignis.

 

3. Thomas Reifenrath: "Ich mache das alles für den Genuss."

Als Investmentbanker habe ich neun Jahre lang unter der Woche in London gelebt, da kommt man mit Kunden oft in Kontakt mit gutem Essen und Wein. Ich war bei einer spanischen Bank und habe meinen Wein zum Abendessen in der Regel selbst bezahlt. 2019 habe ich die Investmentbranche verlassen und möchte beruflich die Themen Wein und wirtschaftliche Beratung kombinieren.

Foto: David Maupilé

Es war auch ein berufliches Ereignis, welches mich zum Wein gebracht hat. Ein französischer Kollege kam im Zuge eines Joint Venture nach Düsseldorf und nahm mich unter seine Fittiche. Bei seiner Familie habe ich das erste Mal an einem Abend im Sommer 1998 französische Gastlichkeit erfahren: Champagner zum Aperitif, leichte Burgunder zur Vorspeise, Bordeaux zum Hauptgericht, kombiniert mit französischer Küche. Alle Weine kamen aus dem eigenen Keller.

Rund drei Jahre später habe ich dann einen Weinhändler in Düsseldorf kennengelernt und angefangen, im Laden regelmäßig Weine zu probieren und zu kaufen. Diese beiden Erlebnisse haben mich zum Genießer gemacht. Zum Sammler war es dann nur noch ein kleiner Schritt.

Wenn mir ein Wein gefallen hat, habe ich meistens eine Kiste mit sechs Flaschen gekauft. Ich will Weine begleiten über Jahre und auch gereift trinken. Dann kauft man Folgejahrgänge, und irgendwann packt einen die Sammelleidenschaft. Zu Beginn habe ich klassisch Rotwein gekauft: Bordeaux, Châteauneuf-du-Pape, Piemont. Da füllt sich der Keller schnell, und langsam erweitert sich der Geschmack.

Ich habe auch Riesling für mich entdeckt. Inzwischen sind 50 Prozent meiner Flaschen Riesling. So ist das als Sammler. Warum macht man das? Für den Genuss! Ich verbinde Wein mit besonderen Momenten: viele tolle Weine mit guten Freunden an einem ausgelassenen Abend. Wenn man wieder und wieder in den Keller geht und noch eine Flasche holt. Ich sammle Weine genau für solche Abende: Alle Jahrgänge des Idig von Christmann oder die Weine von Klaus Peter Keller, die werden mit Freunden zu besonderen Gelegenheiten getrunken. Viele spekulieren auch mit Wein. Meine Rendite ist der Genuss.

 

4. Mario Melchert: "Jeder Wein ist wie ein Foto."

Gutes Essen auf dem Tisch, guter Wein auf dem Tisch, ich war glücklich. Es war mein erstes großes Weinmenü, im Castello Banfi in der Toskana. Aha, dachte ich, jetzt macht vieles Sinn! Dies war vor 25 Jahren der Moment, in dem ich Wein in mein Herz schloss, speziell die Toskana. Begleitet von Brunello habe ich später geheiratet und Sangiovese & Co. zu einem Herzstück meiner Sammlung erklärt, neben der Rhône und der Provence.

Zugegeben, mein Keller ist, verglichen mit jenen ganz großer Sammler, bescheiden. 801 Weine zähle ich aktuell, dafür sind mit vielen Exemplaren Menschen, Begegnungen oder Feste verknüpft, jede Flasche ist für mich wie ein Stück Zeitgeschichte oder wie ein Foto. Die Highlights aus meinem Keller sind der 2000er Hermitage La Chapelle von Jaboulet-Aîné, der 2000er 50 & 50 Avignonesi von Capannelle und der 2014er Batàr von Querciabella.

Weine zu sammeln bedeutet für mich nicht einfach nur trinken, sondern eine lebenslange Fortbildung. Ich spreche intensiv mit Händlern und Winzern, lerne, wie sich Weine entfalten, deren Geschichte, Anbau und Geografie. Auf dem Weinfass in meinem Keller stehen immer meine aktuellen Studie objekte, etwa eine Riege Spätburgunder aus Deutschland, die ich über einen gewissen Zeitraum verkoste, analysiere und mir Notizen mache. Es ist spannend zu sehen, wie sich manche entwickeln – oder zusammenbrechen.

Foto: David Maupilé

Seitdem ich Wein entdeckt habe, koche ich auch viel, manchmal auf Familienfesten für 40 Personen. Und es ist immer ein wohliges Gefühl, im Keller den passenden Wein herauszupicken. Ich bin zu einem Prozent an einem Weingut in Südfrankreich beteiligt – eines Tages als Hobbywinzer Weine zu kreieren wäre mein Traum.

 

5. Volker Wanda: "Schmeckt mir oder schmeckt mir nicht."

Wenn ich in den Keller gehe, dann muss jede Flasche zittern, egal, was sie gekostet hat. Ich sammle Weine nicht zum Spekulieren oder Anschauen, ich will sie trinken und genießen. Ich arbeite als leitender Notarzt und weiß: Das Leben kann jeden Tag zu Ende sein.

Mein Weinkeller ist wie mein privater Weinladen, ich kann mir immer eine Flasche aussuchen, auf die ich Lust habe. Das ist für mich purer Luxus. Aber ich habe auch zwanzig Dienste im Monat als Notarzt, da ist Alkohol natürlich tabu, außerdem noch fünf Kinder zu Hause im Alter von 15 bis 5 Jahren. Wenn ich dann an freien Tagen in ruhigen Momenten ein Glas trinken kann, dann soll es etwas Besonderes sein – doch selbst dann in Maßen. Ich sage immer, die Dosis macht das Gift. Meine betriebsärztliche Untersuchung hat übrigens ergeben, dass die Leberwerte picobello sind.

Foto: David Maupilé

Ich suche einen speziellen Stil. Weine mit Körper und Opulenz, die trotzdem Struktur und Tiefe haben. Solche Weine zu finden, die Kraft haben, die dabei etwas fett sind, aber nicht überfordernd, das ist schwer. Ich mag vollmundige, schmatzige Weine. Chardonnay aus dem Burgund ist mir zu salzig und karg. Ich liebe dagegen Riesling aus der Wachau.

Das ist atypisch, die meisten Weinsammler suchen immer noch feinere Weine, noch mineralischer, salziger, karger. Aber daran habe ich keine Freude, und am Ende ist die Entscheidung für einen Wein ja einfach: Schmeckt mir oder schmeckt mir nicht.

Ich trinke und kaufe mittlerweile mehr Weißweine als Rote. Ich finde, dort erlebt man bei exklusiven Weinen ab 50 Euro weniger Niederlagen. Mit Rotweinen habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass eine Flasche, die 100 Euro kostet, trotzdem nicht meinen Erwartungen entspricht. Das passiert mir bei Weißweinen deutlich seltener.

Die schönsten Weinmomente erlebe ich beim Essen mit Freunden oder der Familie. Ich habe eine relativ große Weinclique hier in Pforzheim, und wir treffen uns einmal pro Monat. Es gibt immer ein Motto. Wenn dabei jeder eine besondere Flasche mitbringt, dann sind das außergewöhnliche Momente. Da geht mir bei einem Wein das Herz auf.