Food-Trends 2026: Was kommt auf Teller und in Gläser?

1. Gemüse voraus
Die klassische Menüabfolge in Restaurants wird zunehmend von pflanzlichen Produkten geprägt, Fleisch oder Fisch stehen bei vielen Köchinnen und Köchen nicht mehr automatisch im Mittelpunkt. Dabei geht es nicht um Verzicht, sondern um eine neue Dimension von Kreativität, Geschmack, aber auch Nachhaltigkeit. Der englische Begriff „Plant Forward“ trifft die Essenz des Konzepts am besten: Pflanzen stehen im Vordergrund. Im „1950 Bio Fine Dining Restaurant“ von Simon Tress in Hayingen etwa ist dieser Ansatz seit Jahren gelebte Praxis, ebenso in der „Gutsküche“ Wulksfelde – Fleisch ist hier Beilage, Gemüse der Hauptdarsteller. Auch im Hamburger „Heimatjuwel“ ist das Menü vegetarisch angelegt, Reh oder Huhn gibt es als Upgrade. Selbst Ikonen wie das „Eleven Madison Park“ in New York – nicht mehr rein vegan – setzen heute überwiegend auf pflanzenbasierte Gerichte.
Weniger Fleisch, dafür bewusst ausgewählt und eingesetzt, ist oftmals das Credo. Die neue Gewichtung auf dem Teller degradiert tierische Produkte keineswegs zur Nebensache – im Gegenteil: Gerade weil sie nicht mehr die Hauptrolle spielen, werden sie mehr wertgeschätzt und ins Rampenlicht gesetzt.
2. Dessert beliebter als Vorpeise
54 % der Befragten würden, wenn sie in einem Restaurant zwei Gänge wählen sollten, neben dem Hauptgericht lieber ein Dessert als eine Vorspeise wählen. Das passt zum Comeback der Patisserie.
Quelle: YouGov
3. Regionales Seafood
Der Fokus auf regionale Lebensmittel zeigt sich auch bei Krustentieren. Der Helgoländer Hummer zählt zu den besten europäischen Arten: streng limitiert im Fang, Tiere unter zwei Kilogramm werden konsequent zurück ins Meer gesetzt. Eine mineralisch-süßliche Delikatesse vom Felssockel der Nordseeinsel.
"Jedes Mal, wenn wir essen, entscheiden wir uns für die Welt, in der wir leben möchten."
4. Lust auf Lagensekt
Deutscher Winzersekt ist in den vergangenen Jahren zu einer wahren Erfolgsgeschichte geworden – und erreicht eine neue Qualitätsstufe mit Lagensekt. Volker Raumland, rheinhessischer Pionier des neuen deutschen Sektwunders, setzt auch hier Maßstäbe mit seinem Chardonnay aus der Einzellage Mölsheimer Silberberg. Aber auch die Terroir-Sekte von Christmann & Kauffmann (Pfalz) sowie Griesels Schaumweine (Hessische Bergstraße) von den Lagen Auerbacher Fürstenlager und Auerbacher Höllberg demonstrieren die neue Klasse.
5. Crêpe Suzette und Beurre blanc
In Zeiten von Instagrammability macht ein Klassiker wie der am Tisch flambierte Crêpe Suzette Eindruck – und feiert ein Comeback. Die Beurre blanc war nie weg, ist heute jedoch präsenter und variantenreicher denn je. Beispiel: Auf Dashi-Basis (von Louis Linster) und mit Fenchel, Sake oder Koji aromatisiert, umschmeichelt sie Gerichte im besten Sinne.
6. Die Rückkehr der Torten
Die Freude am süßen Handwerk kehrt zurück. In Konditoreien trifft Retro-Ästhetik auf moderne Technik und Kreativität. Kundinnen und Kunden schätzen es, wenn Handwerk sichtbar wird – etwa in aufwendigen Kreationen wie dem Zitronentörtchen aus der „Patisserie Johanna“ in Hamburg mit feinen Baiserhäubchen. Auch Konditor-Cafés feiern ein Comeback: opulente Sahnetorten, Signature Slices und nostalgische Buttercreme-Dekore werden präsenter. Von Berlin über Köln bis München zeigen Cafés, dass sich klassische Torten modern interpretieren lassen – weniger süß und handwerklich perfekt.
7. Taste the Waste
„Essbarer Abfall“ lautet die Übersetzung von Taste the Waste. Was sich dahinter verbirgt, ist nicht provokant, eher konsequent. Lukas Jakobi verarbeitet in seinem Restaurant „Zwanzig23 by Lukas Jakobi“ gezielt Küchenabfälle und kreiert daraus neue Gerichte. Schalen oder Abschnitte werden nicht entsorgt, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit verarbeitet.
8. Wurst vom Wild
Während der Fleischkonsum in Deutschland leicht zurückgeht, verzeichnet Wild einen Aufwärtstrend. Es wird als regionales Produkt mit nachvollziehbarer Herkunft wahrgenommen. Auch verarbeitete Produkte wie etwa Wildschweinsalami erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Für viele ist Wild die nachhaltigere Alternative.
9. Kreatives Länder-Crossover
Japanische Elemente gehören in der Spitzenküche fast schon zum guten Ton. Doch der kulinarische Horizont weitet sich und wird spürbar internationaler. Jens Madsen vom „The Cloud“ in München ist in Tansania geboren und bringt afrikanische Einflüsse in seine Gerichte ein. In Hamburg vereint das „Criss Studio“ polnische und jamaikanische Küche, während im Wuppertaler „Shiraz“ Reyad Danah seine syrischen Wurzeln sichtbar macht – mit Seezunge, Couscous und Spinat. Eine eigene persönliche Handschrift statt klassischer Länderküche.
10. Grüne Eleganz
Tiefgrün und von frischem, pflanzlichem Aroma geprägt, bereichert Feigenblattöl süße und salzige Gerichte. Im „Irori“ in Knittelsheim parfümiert es ein Physalis-Mousse mit Mohn, in der „Schlosswirtschaft“ in Heitzenhofen veredelt es eine Tomatenessenz. Im „The First“ in Blankenhain profitiert die Lila Garnele mit Soffrito von dem feinen Aroma.
11. Zapfen statt gießen
Der Alkohol für den Drink kommt hier nicht mehr aus der Flasche. Über ein präzises Dosiersystem wird die Spirituose direkt ins Glas gefüllt – exakt und reproduzierbar. EcoSPIRITS setzt dafür auf wiederbefüllbare Behälter, die Teil eines geschlossenen Mehrwegsystems sind. Glasflaschen werden so ersetzt, Abfall und Emissionen deutlich reduziert. Besonders für Hotels und große Bars ist das System attraktiv. Und die Qualität? Die großen Hersteller sind längst Teil des Systems. Hochwertige Brände, edle Whiskys oder Gins aus Manufakturen wird es weiter in der Flasche geben.
21,5 Liter Wein wurden im Jahr 2024/25 pro Kopf getrunken. Das ist etwa eine Flasche weniger als im Vorjahr, was den Trend des rückläufigen Alkoholkonsums bestätigt.
Quelle: Deutsches Weininstitut (DWI)
12. Spritzig ohne Alkohol
Verjus, Saft aus unreifen Trauben, ist in der Barszene längst angekommen. Nun erobert er als erfrischend alkoholfreier Aperitif das Publikum. Renommierte Weingüter wie Prinz Salm und Grans-Fassian aus Deutschland oder Tement aus Österreich veredeln ihn mit Kohlensäure, Zantho aus dem Burgenland mildert die markante Säure mit einem Schuss Traubensaft. So entsteht ein feinherber Genuss, der Leichtigkeit und Anspruch verbindet.
13. Tagesbars
Bars, die nicht mehr nur abends, sondern auch tagsüber öffnen, werden populärer. Mittagessen sowie Snacks und Drinks am Nachmittag machen sie zu ganztägigen Treffpunkten. Bei der Hamburger „Tagesbar“ steckt das Konzept im Namen, die „Amari Bar“ in München verbindet Bar, Café und Restaurant und ist samstags von 10 bis 2 Uhr geöffnet.
14. Espresso 2.0
Kaum Säure, kein Koffein: Espresso aus der Rooibos-Pflanze ist die Alternative für sensible Genießer. Fein gemahlen, schmeckt Rooibos-Espresso aus dem Siebträger nussig und mit Milch wie ein Cappuccino.
15. Der Matcha-Hype hält an
Matcha gehört in vielen Cafés zum Standard – oft in mehreren Varianten, von Matcha Strawberry Latte bis Tonic. Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigt, weiß jedoch: Für den traditionellen Genuss braucht es keine Zusätze. Zeremonieller Matcha aus Anbaugebieten wie Uji in Japan wird pur mit Wasser getrunken.
Der neue, leisere Trend kommt weniger giftgrün daher: Hōjicha. Dafür wird Matcha-Pulver schonend geröstet, wodurch sich Farbe, Aroma und Wirkung verändern. Statt leuchtendem Grün zeigt sich das Getränk in warmen, bräunlichen Tönen, der herbe Grüntee-Geschmack weicht schokoladigen, nussigen Noten, die an Kakao oder Kaffee erinnern. Hōjicha ist reich an Antioxidantien und durch seinen niedrigen Koffeingehalt auch abends gut verträglich. Das passt zum aktuellen Zeitgeist: mehr auf den Körper achten.
Dennoch zieht der Hype um das Grüntee-Pulver weiter Kreise: Smoothies, Cookies, Bagels, Torten, Pasta – und immer neue Läden. Grüner wird’s nicht!
16. Künstlicher Kaffee
Der Klimawandel bedroht den Kaffeeanbau weltweit. Einen Ausweg sucht das Start-up Atomo aus San Francisco: Kaffee aus Dattelkernen, Hirse und anderen Zutaten. Schon in 60 US-Cafés wird er serviert.
17. Longevity in Hotels
Dass Gesundheit der moderne Luxus ist, haben auch Hotels erkannt und bieten ihren Gästen entsprechende Treatments an. In den Roomers-Hotels (Baden-Baden, München, Frankfurt) etwa locken moderne Technologien wie Kälte- und Lichttherapie, Sauerstoffanwendungen und individuell abgestimmte Infusionen weg von Bars und Restaurants. Das historisch-luxuriöse See-Anwesen Hotel Rosewood Schloss Fuschl in Österreich bietet im Wellnessbereich „Biohacking“, „Detoxification“ sowie eine Fülle von Behandlungen und Programmen für Körper und Seele.
18. Bunte Küchen
Gelb strahlt die neue Küche von Spitzenkoch Thomas Bühner in Düsseldorf, rosa ist sie im Frankfurter „Rausch“. Keine Frage, zwischen Spüle und Kühlschrank kommt Kreativität auf. So sind auch bunte Fliesen beliebt, Holzreliefs und belebender Materialmix, etwa Holz mit Edelstahl oder mit neu entdecktem Rauchglas.
„Es gibt derzeit eine Renaissance der natürlichen Oberflächen wie Holz oder Stein in der Küche. Das Ultraminimalistische ist gerade nicht mehr so gefragt, stattdessen sehnt man sich nach Wärme.“
- Tina Wendl, Geschäftsführerin Dross & Schaffer Ludwig sechs, München
19. Hommage an die Omas
Wer an Großmütter denkt, hat sofort positive Assoziationen: Wärme, Zuwendung und mit Liebe gekochte Traditionsgerichte. Viele Gastronomen greifen diesen Gedanken auf: „Oma Wilma“ heißt ein Lokal auf Sylt, „Oma und Enkel“ das Bistro von Alexander Herrmann in Wirsberg, im österreichischen Hotel „Stanglwirt“ ist das „Leni’s“ der Großmutter gewidmet, bei Tim Raue in Berlin schmeckt „Oma Gerdas Eisbein“.
Ein konkretes Projekt, das diese Erzählung als Erlebnisformat umsetzt, ist der „OmaLiebe Lunch Club“ in Hamburg (Pop-up im Café Lorenz). Hier kochen Seniorinnen im Alter zwischen 65 und 86 Jahren Familien- und Heimatgerichte nach eigenen Rezepten – von Senfeiern über Kohlrouladen bis zu Borschtsch.
20. Trendfarbe: Weiß wie eine Wolke
Die frisch gekürte Pantone-Farbe 2026 ist der sanft gebrochene Weißton „Cloud Dancer“ – er vermittelt Klarheit und Eleganz und bildet sich als Trend auch auf dem Tisch ab – mit feinen weißen Porzellanserien wie den extravaganten „Pépites“-Behältern aus der berühmten französischen Manufaktur Raynaud. Außen matt, innen glasiert, sind sie zum kreativen Anrichten von Häppchen, Dips oder Suppen gemacht.
21. Asien im Glas
Der Trend asiatischer Aromen erreicht inzwischen auch die Barszene. Jörg Meyer vom Hamburger „Le Lion“ mixte für unser Jubiläum den „Itameshi“, einen italienisch-japanischen Cocktail. In der „Bā Nomu“ in Hamburg setzt Dustin Le konsequent auf Aromen aus Fernost: Shiso, Miso, Szechuanpfeffer oder Sake prägen dort die Drinks.

