So schmeckt die Zukunft: Die Gewinner

Die Ausgezeichneten:
Wie schmeckt die Zukunft? Was werden Köchinnen und Köche in den kommenden Jahren servieren? Flüssignahrung, KI-generierte Menüs oder eine Variation von Insekten? Um das herauszufinden, haben wir in unserer Ausgabe 7/26 einen Aufruf gestartet. Wir wollten wissen, wie sich der Nachwuchs in der Gastronomie ein typisches Gericht im Jahr 2050 vorstellt – und was Küche braucht, um auch morgen noch relevant zu sein. Die Resonanz hat uns regelrecht überwältigt. Hier sind unsere fünf Gewinner. Mit großem Einsatz haben sie Gerichte entwickelt, die unsere Jury beeindruckt haben. Spitzenkoch Sven Elverfeld, die Rezeptentwickler Marion Swoboda, Andreas Neubauer und Manuel Weyer sowie die Feinschmecker-Redaktion haben alle Einsendungen gesichtet, diskutiert und schließlich ihre fünf Favoriten gekürt. Es zeigte sich schnell: Hier wächst eine Generation heran, die mit Kreativität und Fachwissen die Branche bereichern wird.
1. Platz – Niclas Weber

Niclas Weber über sein Gericht:
„Dieses Gericht spiegelt mein Verständnis von moderner Küche wider: Es verbindet handwerkliche Präzision mit einer tiefen Wertschätzung für die Natur und zeigt, dass anspruchsvolle Kulinarik nicht von tierischen Produkten abhängig ist. Ich finde, dass man dennoch keine Kompromisse eingehen sollte. Genuss, Gesundheit und die Schonung von Ressourcen schließen sich nicht aus.“
Das sagt die Jury:
„Die Idee einer Küche der Zukunft wird hier besonders konsequent umgesetzt. Niclas Weber rückt mit der Erbse ein vermeintlich einfaches Produkt in den Mittelpunkt und nutzt es nahezu vollständig – von der Frucht bis zur Schote. Unterschiedliche Texturen, Kräuterseitling, eingelegte Pfifferlinge und der ungewöhnliche Feigenblatt-Schaum zeugen von Kreativität und handwerklichem Können. Ein Rezept, bei dem Nachhaltigkeit nicht nach Verzicht schmeckt, sondern zum Ausgangspunkt für ein eigenständiges, modernes Gericht wird.“
Gewinn: JUNGHANS Uhr Modell Meister MEGA Solar
2. Platz – Anna Lea Gies

Anna Lea Gies über ihr Gericht:
„Die nachhaltigste Zukunft der Gastronomie liegt oft in unserer kulinarischen Vergangenheit: Indem wir radikale Regionalität, konsequente Ganzheitlichkeit und vergessene Techniken wie die Fermentation wieder wertschätzen, zeigen wir, dass echter Genuss dort entsteht, wo wir aufhören zu verschwenden und beginnen, Verantwortung zu übernehmen – für unsere Gesundheit, den Boden und die Tiere.“
Das sagt die Jury:
„Anna Lea Gies denkt Nachhaltigkeit konsequent vom gesamten Produkt aus. Innereien, Hühnerhaut und -fett finden ebenso Verwendung wie Gemüsegrün und Fermentationssud. Besonders überzeugt hat uns die Verbindung von Nose to Tail und Root to Leaf mit traditionellen Techniken wie Fermentation sowie einer modernen, anspruchsvollen Zubereitung. So entsteht ein komplexer Teller mit vielen Aromen, Texturen und spannenden Kontrasten.“
Gewinn: Topfset Original Profi-Collection® 5-teilig von Fissler
3. Platz – Eva Beikert

Eva Beikert über ihr Gericht:
„Mit dieser Kaltschale verbinde ich kulinarischen Anspruch mit echter Verantwortung. Durch den Einsatz saisonaler, regionaler Zutaten, die Aufwertung von Molke und eine energiearme Zubereitung haben wir ein zukunftsfähiges Konzept entwickelt, das beweist, dass ambitionierte Gerichte auch ohne Verschwendung möglich sind.“
Das sagt die Jury:
„Eva Beikert zeigt mit ihrer Sauerkirsch-Kaltschale, wie selbstverständlich Regionalität, Saisonalität und kulinarischer Anspruch zusammenspielen können. Besonders überzeugt hat uns die Idee, Molke, ein Nebenprodukt der Käseherstellung, nicht nur weiterzuverwenden, sondern ihr als Granité eine eigenständige Rolle auf dem Teller zu geben. Die Kombination aus Sauerkirsche, Rauchforelle, Schinken und Dill ist ungewöhnlich, aber schlüssig. Gleichzeitig kommt das Gericht mit vergleichsweise wenig Energieeinsatz aus. Ein leichter, zeitgemäßer Entwurf, der zeigt, dass die Zukunft nicht immer mehr Technik und Komplexität bedeuten muss.“
Gewinn: Ein Wochenende für zwei im Hotel Bülow Palais in Dresden
4. Platz – David Kübler

David Kübler über sein gericht:
„Mit meinem Gericht habe ich versucht, den Geschmack von Fisch und Krustentieren zu imitieren – auch vor dem Hintergrund von Artensterben und Überfischung der Meere. Durch die Neuinterpretation eines Klassikers möchte ich Hemmschwellen abbauen und dazu animieren, Alternativen auszuprobieren. Mit Algen verwende ich dabei ein besonders nachhaltiges Lebensmittel, dessen kulinarisches Potenzial noch viel zu selten genutzt wird.“
Das sagt die Jury:
„David Kübler greift mit seinem ‚Meer ohne Fisch‘ einen vertrauten Klassiker auf und interpretiert ihn mit einer konsequent pflanzlichen Idee neu. Besonders spannend fanden wir den Ansatz, typische Aromen und Texturen von Fisch und Meeresfrüchten mithilfe von Algen, Pilzen und Gemüse nachzuempfinden. So wird beispielsweise der Kräuterseitling zur Jakobsmuschel, die Wassermelone zum Thunfisch und die Aubergine zum Wolfsbarsch. Dabei geht es nicht um bloßen Ersatz, sondern um die Frage, wie wir bekannte Gerichte angesichts begrenzter Ressourcen neu denken können.“
Gewinn: Ein großer Präsentkorb vom italienischen Feinkostspezialisten Andronaco
5. Platz – Salvatore Vittorio Stagno

Salvatore Vittorio Stagno über sein Gericht:
„Für mich ist die Chuta-Nuss weit mehr als eine neue Zutat – sie steht für Innovation, Genuss und die Zukunft einer bewussten Ernährung. Mit meinem Rezept möchte ich einen Blick in die Zukunft werfen – eine Zukunft, in der Spitzenküche Verantwortung übernimmt, ohne ihre wichtigste Aufgabe zu vergessen: Menschen zu begeistern. Ich möchte zeigen, dass Nachhaltigkeit kein Verzicht ist, sondern dass die spannendsten kulinarischen Entwicklungen oft mit einer einzigen außergewöhnlichen Zutat beginnen.“
Das sagt die Jury:
„Bei diesem Dessert stehen Zutaten im Mittelpunkt, die künftig eine größere Rolle in unserer Ernährung spielen könnten. Im Fokus steht die Chuta-Nuss, ein proteinreiches pflanzliches Produkt, dessen geschmackliches Potenzial hier konsequent ausgelotet wird – als Füllung, in Form von Eiscreme sowie im Zusammenspiel mit Hafer und strahlenloser Kamille. Besonders überzeugt hat uns die Idee, unser kulinarisches Repertoire zu erweitern. Es ist ein ungewöhnliches Dessert, das Neugier weckt und zeigt, wie neue Zutaten Impulse für die Zukunft geben können.“
Gewinn: Produkte für die Hausbar von Brown-Forman
Sonderpreis – Johanna Falke

Johanna Falke über ihr Gericht:
„Meine Austernpilz-Bites mit Miso-Mayonnaise sind wunderbar vielseitig. Die Verbindung von knuspriger Panade, saftigem Umami-Kern und salziger Miso-Note hat Suchtfaktor: Sie sind perfekt als lässiges Fingerfood für zu Hause oder als innovativer Akzent in anspruchsvollen Gerichten. Ein einfacher und geschmackvoller Einstieg in die nachhaltige Küche.“
Das sagt die Jury:
„Zukunftsküche muss nicht kompliziert sein – und genau deshalb sind auch Johannas ‚Pulled Austernpilz Bites‘ ein Liebling unserer Redaktion. Das Gericht ohne tierische Zutaten besticht mit seinen Umami-Noten – und lässt sich auch zu Hause gut umsetzen: als Fingerfood zum Snacken, als Topping für Salate oder als vegane Alternative zu Pulled Pork. Die knusprige Panade, die saftige Pilzfüllung und die würzige Miso-Mayonnaise passen perfekt. Ein Rezept, das zeigt, wie selbstverständlich pflanzenbasierte Küche sein kann – und das uns auf Anhieb begeistert hat.“
Gewinn: Eine Magnumflasche Champagner von Laurent-Perrier