NYC: So sieht der Restart in New York aus

Nach dem längsten Lockdown der Stadtgeschichte starten die Restaurants in New York City jetzt wieder neu durch – anders, aber besser denn je.

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Text | Stefan Elfenbein

Die prominente Ecke der 42nd Street am westlichen Eingang des Grand Central Terminal ist kaum mehr wiederzuerkennen. Ein Teil der Vanderbilt Avenue ist nun eine gepflegte Grünanlage. Gegenüber des Bahnhofs spiegeln sich Himmel und Wolken spektakulär in der Glasfassade von One Vanderbilt, New York Citys neuem 427 Meter hohem Wolkenkratzer und Wahrzeichen von Midtown. Ein Highlight im wahrsten Sonne des Worts – und zwar innen wie außen: Starkoch Daniel Boulud hat hier im vergangenen Mai unter viel Beachtung sein Restaurant "Le Pavillon" eröffnet. Und er ist nicht allein: Seit dem Restart gibt es einige spannende. Neuzugänge.

Das "Le Pavillon" befindet sich im ersten Stock von One Vanderbilt. Wer auf den Fahrstuhl verzichten kann, nimmt die Treppe, die eindrucksvoll zwischen steilen, dunklen Wänden hinauf in eine lichtdurchflutete Halle des Restaurants führt: Echte Bäume, Farne und Moose wachsen hier in Erdstreifen mitten im Raum, wilder Wein bedeckt die Wände. Dazwischen stehen die weiß eingedeckten Tische mit sandfarbenen Ledersesseln. Einen Paradeblick auf das Chrysler Building bietet dazu die große, quadratische Bar.

Im "Le Pavillon" ist nicht nur die Aussicht spektakulär, sondern auch das, was auf dem Teller landet. Hier zum Beispiel porchierter Heilbutt.
Foto: Thomas Schauer

Soulfood vom Drehspieß

Die Speisenauswahl ist dreigeteilt, es gibt ein

  • Fischmenü,
  • ein vegetarisches Menü
  • sowie eine Karte mit 30 Gerichten – nur drei davon mit Fleisch. 
Jeder Gast kann sein individuelles Drei-Gänge-Menü zusammenstellen. Ein gelungener Einstieg mit typisch Bouludscher Handschrift ist die "Oyster Vanderbilt", eine sanft gratinierte Johns-River-Auster mit Haselnuss und einem Topping aus Petersilie und Alge als Hommage an den Bauherren der Grand Central Station. Gerösteten halben Maine-Hummer akzentuiert das Team kräftig mit Liebstöckel, lila Kartoffeln und samtiger Brunnenkresse-Velouté.
 
Das krosse, saftige Landhuhn vom Drehspieß mit grünem Spargel, Spinat, gefüllten Pilzen und Champagner-Sauce ist ein echtes Wohlfühlgericht. Und wenn der Starchef in diesen Tagen in tannengrünen Turnschuhen aus der Küche kommt und von Tisch zu Tisch geht, um die Honneurs zu machen, sonnengebräunt wie gewohnt und lächelnd, dann wogt nicht selten eine Welle der Emotionen durch das Restaurant. Gäste applaudieren, manche stehen sogar auf – so überwältigend sind die Erleichterung und die Freude, dass endlich wieder ein wenig Normalität zurückgekehrt ist. "Die Menschen sind so froh, wieder ausgehen und gemeinsam genießen zu können", sagt Boulud.

Neue Projekte beleben die Food-Szene in New York

Seit Mai tat sich viel am Hudson. Nachdem die Schockstarre sich löste, eröffneten etliche neue Restaurants. Dabei halfen vielerorts die Unterstützung von Banken und Vermietern, die realisierten, dass das Leben im Big Apple nur dann zügig zurückkehren kann, wenn der Gründergeist gefördert wird.

Zwei Vorzeigeprojekte machten dabei anderen Mut – und symbolisierten wie wenige andere den Neuanfang. John Fraser eröffnete das "Iris" am Broadway, und der Weindirektor aus dem legendären "Eleven Madison Park", Dustin Wilson, ging mit dem "One White Street" in Tribeca an den Start. Im "Iris" beeindruckt eine ganz neue, aromenstarke "ägäische Küche", die Einflüsse aus Griechenland und der Türkei vereint.

Wohnzimmerflair im historischen Townhouse auf vier Etagen.
Foto: Colin Clark / The New York Times / Reduxlaif

Im "One White Street" prägt legeres Wohnzimmerflair das historische Townhouse auf vier Etagen, in denen in je einer offenen Küche für die Gäste gekocht wird. Hausgemachte Udon-Nudeln mit Tomaten alter Sorten zum Beispiel, die in Variationen kommen: gedünstet, geräuchert, als Püree und mit Yuzu; oder eine sehr gute Gänseleberpastete aus dem Hudson Valley mit Roten Johannisbeeren und Trüffelmousse. Im Zentrum der Gerichte von Austin Johnson stehen die guten Produkte von der eigenen Farm Rigor Hill im Hudson Valley.

Von der Qualität profitieren nicht nur die Restaurantgäste, sondern auch die Nachbarschaft: Jeden Donnerstag lädt das Team vor dem Restaurant zu einer kleinen Version eines Farmers Market und verkauft Gemüse und mehr an Gäste und andere Kunden. Was bis zum Abend keine Abnehmer fand, wird auch schon mal verschenkt, um die Qualität zu promoten.