Glasmacherei: Pia Hoff macht Feines aus Feuer

Ein Regalbrett voller guter Laune: Etwa im Studio aneinander, einige der mundgeblasenen Unikate aus feinwandigem Glas tragen fröhliche Tupfen, „Confetti“ nennt ihre Erfinderin Pia Hoff diese Serie, die aus „reiner Experimentierfreude“ in der Corona-Zeit entstanden ist und heute zu den Bestsellern ihrer Kunst zählt. Zur Hoff-Familie gehören auch Vasen, Kerzenständer, Schalen und neuerdings sogar Tische. Minimalistisch, aber immer auch verspielt und durch Details wie kräftige Ränder unverwechselbar. „Von manchen Stücken trenne ich mich nur schwer“, erzählt die Macherin. Schließlich ist keines wie das andere.

Pia Hoff, geboren 1987 in Fulda, wollte ursprünglich Kunst- und Englischlehrerin werden. Doch es kam anders, als sie im Rahmen eines Auslandssemesters im Mittleren Westen der USA zufällig einen Heißglas-Kurs besuchte. „Es dauerte nur einen Funkenschlag, und ich war von diesem unvergleichlichen Material angetan“, erzählt sie. Zurück in Deutschland, schloss sie das Lehramtsstudium zwar noch ab, doch statt des Referendariats startete sie mit der Ausbildung zur Glasmacherin in Zwiesel im Bayerischen Wald. Drei Jahre lang und als einzige Frau im Jahrgang. Nur etwa 400 Glasmacher gibt es in Deutschland.
Von Italien über Spanien bis Dänemark
Bis sie ihre eigen Handschrift entwickelte, volontierte sie in berühmten venezianischen Werkstätten auf Murano, lernte ein Jahr bei Glasmachern in Spanien und arbeitete bei Ikonen des Handwerks wie Jeremy Maxwell Wintrebert in Paris oder mit der Designerin Trine Drivsholm in Dänemark. „Von ihr lernte ich vor allem den Umgang mit Farbe“, so Pia Hoff. Mittlerweile blickt sie auf ein erfolgreiches Jahrzehnt des Schaffens zurück und plant für 2026 eine neue Serie von Lampenschirmen, die ihr viel abverlangt. „Diese Objekte wiegen bis zu sieben Kilo, da brauche ich wirklich kein Fitnessstudio“, so Hoff. Die Hände der zierlichen Designerin erzählen von manch einer Verbrennung am heißen Eisen. „Es ist zwar ein potenziell gefährlicher Beruf, aber heute passiert mir zum Glück kaum noch etwas“, sagt sie lächelnd. Denn jeder Griff sitzt.
Heißes Arbeitsmaterial: 1200 Grad

In der Werkstatt setzt Pia Hoff die Schutzbrille auf und holt mit der Glasmacherpfeife, ein anderthalb Meter langes Metallrohr, den glühenden Klumpen aus dem Ofen. Sie bläst und fast mühelos entsteht ein Hohlraum. „Je feiner das Glas werden soll, desto vorsichtiger muss ich vorgehen. Wichtig ist, dass ich dabei entspannt bleibe.“ Zügig dreht sie das Rohr, rollt das Material über die Arbeitsfläche, zieht und drückt es, bis die Form „einem inneren Bild“ entspricht. Das Glas wabert wie eine Seifenblase. 1200 Grad heiß ist ihr zähflüssiges Arbeitsmaterial.
Handgefertigte Confetti-Gläser mit Signatur

Für ihre Confetti-Gläser arbeitet die 37-Jährige farbige Glassplitter in die weiche Form ein. Jedes einzelne Stück wird nacheinander auf diesem Weg erstellt. Ein Vorgang, der Konzentration fordert. Nach einigen Produktionstagen in der Werkstatt veredelt Hoff ihre Kunst im Dortmunder Studio: Die Objekte werden dort feingeschliffen und handsigniert. Hier managt Pia Hoff auch ihren Onlineshop und versendet persönlich die Bestellungen. An weiteren Tagen tourt sie von Messe zu Ausstellung. Außerdem gibt sie Workshops – dies knüpft auf eine Art an den ursprünglichen Berufswunsch als Lehrerin an.
Märchenhafte Malerei als Inspiration

Doch was inspiriert zu einem Design, das den Alltag auf so poetische Weise reflektiert? „Mode ist schon immer wichtig für mich gewesen, genau wie Kunst und die Natur“, sagt sie. Die märchenhafte Malerei von Peter Doig etwa oder ein Spaziergang durch olivgrüne Tannenwälder … schon entstehen neue Ideen für Farbkombinationen und Formen. „Positive Gefühle und Erinnerungen stecken in all meinen Objekten.“ Wie „Confetti“ – ihre Glasobjekte mit bunten Tupfen, die sofort gute Laune verbreiten.

