Olio Awards 2021: Das sind die 9 Siegeröle dieses Jahrgangs

Auch im Pandemiejahr konnten wir den OLIO Award organisieren – mit einer kleinen, aber feinen Jury. 500 Olivenöle in vier Tagen zu verkosten war eine Herausforderung, aber Spaß war auch dabei!

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Spanien und Italien galten als Risikogebiete, die Einreise von Juroren kam wegen der zwangsläu­figen Quarantäne nicht infrage – der OLIO Award 2021 des FEINSCHMECKERS stand im Corona­jahr (Februar 2021) unter keinem guten Stern.

Trotzdem hielten wir an der Organisation der großen Ölverkostung mit einer Expertenjury fest – schließlich hatten uns etwa 500 Olivenöle aus acht Ländern erreicht, von Spanien bis Marokko. Und das bleibt ja die Hauptsache.

Die Jury mussten wir wegen der behördlichen Auflagen klein halten – nur zwei Gäste aus Deutschland durften wir zur Ölverkostung einladen. Unsere Wahl fiel auf die spanische Expertin Carmen Sánchez García aus Köln und Richard Wolny, Leiter des Deutschen Olivenöl Panels, aus Nürnberg. Erstmals testeten wir nicht in einer Gruppe, sondern getrennt voneinander in den Büros der Redaktion.

Unsere Ergebnisse waren dennoch eindeutig. Hier kommen die neun Siegeröle des Jahrgangs 2021.

 

Siegeröle: Intensiv fruchtig

 

Platz 1: Americo Quattrociocchi "Classico"

Americo Quattrociocchi gehört zum Besten, was Olivenöl zu bieten hat. Mit dem „Classico“ schafft es der Ausnahmeerzeuger auf dem ersten Platz der intensiv fruchtigen Öle: Bravo, bravissimo!

Die neue Nummer eins ist ein herrlich harmonischer Itrana-Reinsorter, mit dem es Signor Americo in aller Mandelglorie krachen lässt: Mandel, Mandel und noch mehr Mandel, dazu Artischocke, duftendes Gras und weiße Blüten. Am Gaumen im Ansatz leicht süßlich, ein Hauch Banane, schlank, sehr präzise, im Finish ein helles, sehr schönes Bitter und eine ausgesprochen feine, wärmende, spät einsetzende Schärfe.

Famoses Extra vergine für alle Küchenlebenslagen, daher: Beherzt experimentieren und den geschmacklichen Horizont erweitern – alles geht, alles ist erlaubt.

Erhältlich im FEINSCHMECKER-Shop

 

Platz 2: Palacio Marqués de Viana "Palace Blend Limited Edition"

Die Mischung – Picual-, Arbequina- und Royal-Oliven aus Hainen im Guadalquivirtal zwischen den Naturparks von Cazorla und der Sierra Mágina – duftet nach frisch geschnittenem Gras, Olivenblättern, grüner Tomate, Artischocke, Apfel und noch unreifer Banane.

Am Gaumen dann elegante, frische Bitternoten von grünen Mandeln und Artischocken, als Kontrapunkt dazu fruchtige Noten von Granny-Smith-Äpfeln und eine bemerkenswert feine, sanft ansteigende Schärfe.

Fazit eines Jurors: „sehr schöne Länge, hohe Komplexität, großes Öl!“ Wir möchten es mit Nachdruck zu Gerichten mit Fisch und Meeresfrüchten empfehlen.

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Platz 3: Nobleza del Sur "Centenarium Premium"

Ein klassisches Familienunternehmen aus dem andalusischen Jaén, das auf der Finca Vista Alegre ein sortenreines Picual nach allen Regeln der Kunst produziert. Die früh im Oktober geernteten Oliven für das „Centenarium Premium“ stammen, wie es der Name andeutet, von mehrhundertjährigen Bäumen, die sich seit Generationen im Besitz von Familie Peñuelas-Sagra befinden.

Ein herrlich aromatisches, komplexes, sehr klares, sehr harmonisches Picual mit grün-grasigen Noten: grüne Tomaten nebst Tomatenblättern, (Bitter-)Mandel, Olivenblätter, etwas Rauke und grüne Banane, ein Hauch Bergamotte, im langen Nachhall zunehmend leuchtend-schönes, straffes Mandelbitter und persistente Chilischärfe.

Dazu? Hauptsache gut, Hauptsache mediterran.

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Siegeröle: Mittelfruchtig

 

Platz 1: Olearia Schiralli "Crudo SeiCinqueZero"

Coratina-Wunder! Familie Schiralli, die am Fuß der Murgia ihre großartigen „Crudo“- und „Culto“-Öle produziert, ist mit dem formidablen „SeiCinqueZero“ (die Essenz von 650 Oliven in einem 0,25-Liter-Fläschchen) nach ihrem OLIO Award von 2017 wieder ein großer Wurf gelungen.

Das traumhaft elegante Öl „grünmandelt“ auf allen Kanälen (laut Jury „Mandel vom Allerfeinsten“), dazu grüne Kaffeebohne, Artischocke, grüne Banane (nebst Schale), Walnussbitter (auch recht grün), ätherische Kräuternoten ... und noch mehr Mandel. Im Finish („Tiefe!“, „Länge!“) sehr helles – also nicht trocknendes oder adstringierendes – Bitter, dazu eine recht spät einsetzende, sehr harmonische Peperoncino-Schärfe.

Küchentipp: grandios zu italienischem Comfort Food.

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Platz 2: Frantoio Franci "Grand Cru"

Giorgio Franci, in unserer Hall of Fame verewigter Olivenöl-Großmeister, untermauert mit dem „Grand Cru“ seinen Ruf als Weltklasseproduzent und OLIO-Award-Dauerabonnent!

Das sortenreine Frantoioöl ist ein hinreißend subtiler Vertreter der in diesem Jahr unter den toskanischen Ölen häufig anzutreffenden „tipologia M“ („Mandel über alles!“): im Duft ungeschälte wie süße Mandeln, ein Hauch Artischocke, frisch geschnittenes Gras sowie Oliven- und Feigenblätter, am Gaumen wieder süße Mandeln, Salbeinoten, ein glockenhelles, weiches Bitter und weißpfeffrige Schärfe: sehr elegant!

Küchentipp: Die Jury plädiert für toskanisch-regionale Genüsse.

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Platz 3: Frantoio Franci "Villa Magra"

Auch das „Villa Magra“-Öl vom Großmeister des „olio extra vergine“ Giorgio Franci begeistert. Es trägt den Zusatz „Riserva di Famiglia“ und ist eine Coupage aus Frantoio, Moraiolo und Leccino: im Duft grüne Mandeln, etwas Kaffee, grasige Noten, dazu grüner Apfel und Banane (inklusive Schale) sowie leicht zitrische Noten, am Gaumen im Ansatz süße Mandel, ein Hauch Mango, Banane, wieder mittleres Mandel- bis Walnussbitter, die zarte Schärfe (weißer Pfeffer, eine Winzigkeit Peperoncini) ungemein elegant – ein „wunderschön ausgewogenes Öl!“

Küchentipp: Großartig zu einem Vinsanto-Eis mit karamellisierten Pinienkernen oder in der Marinade zu einem Salat mit Galiamelone und Brombeeren.

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Siegeröle: Leicht fruchtig

 

Platz 1: Chiarentana "Confini Blend"

Das kleine Kastell, das im Mittelalter Pilgern auf dem Weg nach Rom Schutz und Herberge bot, ist heute ein Landgut unter Leitung der Familie di Origo. Es liegt mitten in der Val d’Orcia, einer Hügellandschaft südlich von Siena, die zum Welterbe der Unesco zählt. Die gut 2500 Bäume sind die Grundlage für fünf reinsortige Öle und drei Blends.

Die Cuvée „Confini“ aus den Sorten Morcona, Borsciona, Don Carlo und den beiden weniger romantisch benannten I79 und FS17 gehört seit Jahren zu unseren Favoriten. Das aromatische Profil war in diesem Jahr besonders komplex: Limette, kräftige Kräuternoten (Rosmarin und Salbei), dazu viel „Grünzeug“ (frisches Gras, Spinat, Feldsalat und Lauch), am Gaumen grüne Paprika, Schnittlauch, Avocado und Kiwi. Im Finish kräftiges Mandel- und Kaffeebitter und eine noch moderate Schärfe.

Küchentipp: Köstlich zu Fenchel-Blutorangen-Salat mit Kapern und Sardellen oder Spaghetti mit Pinienkernen, Walnüssen, Knoblauch, Sultaninen und Olivenöl.

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Platz 2: Sucesores de Hermanos López "Morellana Picuda"

Seit 1978 existiert das Unternehmen Sucesores de Hermanos López, seine Ursprünge reichen allerdings bis 1845 zurück, als die erste, noch winzige Parzelle von einem Vorfahren der heutigen Eigentümer erworben werden konnte, der damit den Grundstein für diese Öle aus der D. O. Baena legte. Die eigentliche Mühle errichtete dann im Jahr 1918 Antonio López Ortiz – der Rest ist Erfolgsgeschichte.

An Zustimmung und Eindeutigkeit kaum zu überbieten: „kräuterwürzig, dicht – groß!“ und „schöne Komplexität!“ Das prächtige Picuda-Öl lässt tatsächlich keine Wünsche offen: Tomatenfrucht und -blätter, grasige Noten, Apfel, Olivenblätter, üppig Kräuter (vor allem Basilikum, dazu etwas Minze und Kresse), Artischocken- und Chicoréebitter und eine noch moderate, dafür länger anhaltende pfeffrige Schärfe.

Küchentipp: Perfekt in einem „ajo blanco“, der Gazpacho-Verwandten auf Basis von gemahlenen Mandeln, Brot und Knoblauch, oder an kalten Tagen zur Graubündner Gerstensuppe.

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Platz 3: Francesco Mandelli "Caresér"

Von Platz 185 im letzten Jahr auf einen Podiumsplatz beim OLIO Award 2021: Glückwunsch! Die Oliven für dieses Öl stammen von einem Hain, der wesentlicher Bestandteil des direkt am Gardasee gelegenen Campeggio Bellavista ist.

Das sortenreine, im Duft besonders weiche Frantoio-Öl von in den 1950ern gepflanzten Bäumen gefällt der Jury ausgesprochen gut: Oliven- und Feigenblätter, zarte Mandelnote, ein Hauch Birchermüsli, am Gaumen deutlich mehr grüne Mandel, grüne und reife Banane, zurückhaltendes Mandel- und Artischockenbitter und eine fein abgestimmte Kresse- bis Peperoncino-Schärfe – sehr harmonisch!

Küchentipp: Ein Gedicht zu glasig gegartem Steinbutt, Ricotta- Spinat-Walnuss-Crespelle oder pikantem Geflügel- salat mit grüner Papaya und karamellisiertem Ingwer

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