Berlins beste neue Bars | Wein, Cocktails & Bar-Kultur

Fünf Bars, fünf Handschriften: Berlins neue Bar-Szene

Diese Newcomer-Bars beflügeln das Berliner Nachtleben: Von Altberliner Küche bis französischem Flair, von neuer Weinkultur bis zur Renaissance der Eckkneipe
Text Stefan Elfenbein
Datum30.01.2026

1. Pluto

Die Weinbar Pluto verbindet Eckkneipen-Flair mit großer Weinkompetenz. In drei kleinen Räumen treffen Kerzenschein, Parkett und handverlesene Naturweine auf hausgemachte Charcuterie und präzise Bar-Klassiker. Rund 300 selbst importierte Weine, kreative alkoholfreie Drinks und eine Küche, die vom Abendbrot bis zum Dirty Martini mit Stachelbeeren reicht, machen Pluto zum neuen Treffpunkt im Prenzlauer Berg.
https://www.pluto-berlin.net

2. Bar Clara

Hoch über den Dächern Berlins liegt die Bar Clara in der Kuppel von Fotografiska Berlin. Schwarzer Marmor, Art-déco-Anklänge und ein umlaufender Balkon schaffen die Bühne für elegante Cocktails und souverän interpretierte Klassiker. Das Barteam verbindet Präzision mit Leichtigkeit, alle Drinks sind auch alkoholfrei erhältlich – begleitet von einem der schönsten Ausblicke der Stadt.
https://www.bar-clara.com

3. Der kleine August

Direkt neben Clärchens Ballhaus zelebriert Der kleine August französisches Savoir-vivre in Berliner Gelassenheit. Hohe Regale, Dielenböden und Bistro-Möbel bilden den Rahmen für eine kenntnisreiche Weinauswahl mit rund 250 Positionen – von klassisch bis New Wave. Dazu gibt es Terrinen, Rohmilchkäse und feine französische Spezialitäten, serviert in entspannter Nachbarschaftsatmosphäre.
https://www.instagram.com/derkleineaugust

4. Tresen-Treff

Der Tresen-Treff ist die Wiedergeburt der Berliner Kiezkneipe – mit Anspruch. Altberliner Klassiker wie Königsberger Klopse oder Eisbein treffen auf gute Drinks, Spritz-Variationen und junge Weine. Billard, Fußball und eine rote Markise inklusive. Ein Ort, der Vergangenheit bewahrt und sie souverän in die Gegenwart holt.
https://www.instagram.com/tresentreff

5. Ernst Cave

Ernst Cave ist eine kompromisslose Naturweinbar mit Handschrift. Am Kirschholz-Tresen werden biodynamische Weine aus Frankreich und Deutschland ausgeschenkt, viele davon direkt importiert. Das Angebot ist fokussiert, die Atmosphäre ruhig, die Qualität hoch – ergänzt durch Sauerteigbrot und ausgewählte Charcuterie. Eine Adresse für Kenner und Neugierige.
https://ernstcave.com

Die Feinschmecker-Bewertungen

Der kleine August
K Q

Jahrelang waren links neben „Clärchens Ballhaus“ nur Bauplanen zu sehen. Nun hat im Erdgeschoss des schönen Gründerzeit-Gebäudes Berlins neueste Weinbar eröffnet. Hohe Wandregale, Dielen, Bistromöbel und bunte Jugend­stiltapete wirken, als seien sie immer schon da gewesen. Zelebriert wird Frankreichs Lebensart. Kenntnisreiche Gastgeberin ist Camille Darroux aus Paris, die schon als Sommelière im „Cookies Cream“ beeindruckte. Für die Weinauswahl ist Director of Wine Pierre Girard verantwortlich. 250 Weine sind im Angebot, von „Classic“ bis „New Wave“, zehn werden glasweise angeboten, darunter biodynamisch produzierter Bordeaux von Château Le Puy und spannender Gamay von Phelan Farm an Kaliforniens San Luis Obispo Coast. Zum Wein schmecken französische Spezialitäten wie Pâté en croûte (Pastete im Teigmantel), Wurst- und Schinken aus der Region Lozère oder auch Terrine vom Perlhuhn mit Sauternes. Exzellent ist die Auswahl an Rohmilch­käse. An Tischen und Tresen sitzen Anwohner aus der schicken Nachbarschaft neben Berlin-Besuchern.

Auguststraße 23, 10117 Berlin
Di-Sa 17-0 Uhr
Pluto
K Q

Drei kleine Räume, Parkett, ochsenblutfar­bene Wände, Kerzenschein. Wenn es voll ist, sitzen Gäste auch in den Fensternischen oder stehen in zweiter oder dritter Reihe an der Bar. Im Handumdrehen ist die Weinbar mit Eckkneipenflair, die Vadim Otto Ursus Henselder mit Sören Zuppke führt (im Foto von r.), zum angesagten Treffpunkt in Berlins Osten avanciert. „Jeder kann kommen, ohne Regeln oder Reservierungen, auch auf nur einen Wein, Drink oder zum Abendbrot“, sagt der Küchenchef. Rund 300 selbst importierte Weine sind im Angebot, darunter Naturweine wie die Silvaner von Konni & Evi aus Saale-Unstrut. Wer es alkoholfrei möchte, trinkt Verjus-Spritz oder Cherry Shiso Soda. Die Charcuterie wie Rinderzunge, Bresaola oder geräucherten Schweinebauch stellt Henselder natürlich selbst her. Knackiger Chicorée kommt mit Demeter-Käse und einer Vinaigrette aus fermentierten Maränen aus dem Stechlin-See auf den Teller. Klasse ist der Dirty Martini mit unreif gepflückten und gesalzenen Stachelbeeren statt Oliven.

Kastanienallee 27, 10435 Berlin
(0) 30 -67380753
www.pluto-berlin.net
Fr, Sa 17-1 Uhr, So, Mo, Do 17-0 Uhr
Bar Clara
K Q

Mit dem Fahrstuhl in den 5. Stock, dann noch eine Etage höher: Berlins schönste neue Cocktailbar findet man in der Dachkuppel von „Fotografiska Berlin“, dem Museum für Fotografie in der spektakulär umgebauten Kriegsruine der einstigen Friedrichstraßenpassage, in der auch das Kunsthaus Tacheles war. Schwarzer Marmor, Pilzleuchten und rosa Farnwedel erinnern an die Golden Twenties. Stars hinter dem Tresen sind Alessandro de Vellis und Yaman Abed El Nour. Ihre Cocktails sind tipptopp – Klassiker sowie Eigenkreationen wie der „Tacheles 54“ aus Schlehen­likör, Himbeere, Litschi, Rose, Birne und Verjus. Alle Cocktails gibt’s auch ohne Alkohol. Vom umlaufenden Balkon (auch im Winter offen) hat man einen weiten Blick. Wein und Food bietet einen Stock tiefer die „Bar Verō­ni­ka“, bis 23 Uhr sind die Galerien offen.

Oranienburger Straße 56, 10117 Berlin
(0) 30 400698211
www.bar-clara.com
Di-Sa 18-1 Uhr
Tresen-Treff
K Q

Die rote Markise ist schon von Weitem zu sehen, „Lang lebe die Kiezkneipe“, steht auf einem Schild neben der Tür. Wer will, kann Billard spielen oder am Tresen Fußball gucken. Serviert wird überall. Für einen der Tische sollte man jedoch frühzeitig reservieren. „Wir haben einen Nerv getroffen“, sagt Laurens Friedl, der mit Partnerin Julia Bentzien und Josha Karlborg den 85 Jahre alten Traditionsort vor dem Aus bewahrt hat. Friedl und Karlborg bringen Erfahrung aus der gehobenen Gastronomie mit: Altberliner Gerichte wie Matjessalat, Königsberger Klopse, Eisbein mit Erbsenpüree, zwei wachsweiche Senfeier werden in Omas gläserner Dessertschale gereicht. Für Flüssiges sorgt Tim Anders aus der „Vox Bar“ im Grand Hyatt: Longdrinks, Spritz, Spalter Biere vom Fass sowie junge Weine von Christian Luff in Rheinhessen.

Berliner Straße 167, 10715 Berlin
(0) 30 8542880
Di-Do 15-24 Uhr (Küche 16-21.30 Uhr) und Fr/Sa 12-3 Uhr (Küche 12-21.30 Uhr)
Ernst Cave
Q

Alles, was der Kanadier Dylan Watson-Brawn anpackt, ist besonders. Sein Restaurant „Ernst“ (inzwischen geschlossen) gehörte zu den besten der Welt. Auch im „Julius Ernst“ nebenan macht er zero Kompromisse bei der Qualität. Außergewöhnlich ist auch die Weinbar, die er zusammen mit Etienne Dodet, dem Mitbegründer der Naturwein-Bar „JAJA“, führt. Neun Gäste finden am Tresen aus Kirschholz Platz, Watson-Brawn schenkt selbst aus. Rund 300 biodynamisch oder naturnah produzierte Weine, das meiste aus Frankreich und selbst importiert, etwa von Stars wie Aurélien Lefort (Auvergne), Renaud Boyer (Burgund) oder Bastian Goddard (Savoyen). Auch die Moselweine von Rita & Rudolf Trossen und Julien Renard sind dabei. Dazu Sauerteigbrot mit Schinken vom Mangalitza-Schwein.

Gerichtstraße 31, 13347 Berlin
ernstcave.com
So, Fr, Sa 18-23 Uhr
Partner