Warum ist Olivenöl so gesund?

Olivenöl spielt eine Schlüsselrolle in der gesunden Ernährung. Unser Autor, der Allgemein- und Sportmediziner Heinz Oehl-Voss, verordnet Patienten neben Bewegung viel gutes Olivenöl, Fisch und Wein, dazu südländische Gelassenheit – das Rezept macht Spaß! Er erklärt, was genau Olivenöl in unserem Körper bewirkt.

Warum ist Olivenöl so gesund? Jalag : Holz, Michael

Text: Heinz Oehl-Voss

Wie könnten wir uns in Deutschland gesund und doch genussreich ernähren? Zum Beispiel so: täglich 3 Esslöffel hochwertiges Olivenöl, 300 bis 500 Gramm frisches Obst oder Gemüse (oder frisch gepresster Saft daraus), zweimal pro Woche ein Fischgericht mit fettem Hering, Makrele oder Lachs aus natürlichen Gewässern. Dazu täglich ein bis zwei Glas Wein, und wir haben einen optimalen Ernährungscocktail mit vielen mediterranen Elementen, der – so belegen es hunderte von Studien – auf unseren Organismus wie ein Jungbrunnen wirken müsste.

Gutes Olivenöl, frisches Obst und zweimal pro Woche ein Fischgericht

Bei den genannten Lebensmitteln nehmen wir Fett auf, Ballaststoffe, in Wasser gelöste Vitalstoffe und hochwertige Eiweiße. Dazu kommen besonders wertvolle, offenbar medizinisch sehr wirksame Substanzen wie sekundäre Pflanzenstoffe, Polyphenole und Omega-3-Fettsäuren. Bei den gesunden Wirkstoffen, die wir in der mediterranen Kost analysieren können, ist verblüffend, dass Milligrammbereiche genügen, um erstaunlich günstige Wechselwirkungen zur Krankheitsverhütung in Gang zu setzen.

Welches Fett ist gut für den Körper?

In der Ernährungs- und Präventivmedizin wird heute das Fett längst nicht mehr pauschal verteufelt wie noch vor einigen Jahren. Gesättigte Fette sind bei Zimmertemperatur fest (zum Beispiel Butter oder Schmalz), verhalten sich aber auch im Körper träge, ungesättigte sind dünnflüssig und sorgen für Geschmeidigkeit. Bei den ernährungsphysiologisch besonders wertvollen Fetten unterscheiden wir die einfach ungesättigten Fettsäuren (wie die Ölsäure im Olivenöl) und die mehrfach ungesättigten Fettsäuren, wie sie zum Beispiel reichlich in Sonnenblumenöl, wesentlich besser jedoch in Leinöl oder Fischöl enthalten sind. Nicht nur in Europa haben sich Erkenntnisse aus der mediterranen Küche herumgesprochen: Die Harvard Medical School in Boston hat aufgrund der neuen Studienergebnisse eine neue Ernährungspyramide entwickelt.

Gutes Olivenöl besteht aus ungesättigten Fettsäuren

Basis einer gesunden Kost sollen Obst und Gemüse bilden, außerdem – das ist neu – Olivenöl, Rapsöl und Nussöl. Regelmäßig gegessen werden sollen mageres Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte. Etwas knausern sollten wir mit Reis, Vollkornprodukten und Süßigkeiten; aber auch Nudeln und Weißmehlprodukte stehen dort auf dem Index, was Anhänger der Mittelmeerküche indes sicher nicht unterschreiben würden! Früher hatten die Ernährungswissenschaftler Pflanzenöle wie Sonnenblumenöl, Distel- und Maiskeimöl als gesund propagiert, da sie das Cholesterin im Blut senken. Inzwischen weiß man, dass diese mehrfach ungesättigten Pflanzenöle nicht nur das schädliche LDL-Cholesterin senken, sondern auch das positiv wirkende HDL- Cholesterin. In Israel führte der übertriebene einseitige Konsum solcher Öle nachweislich zu Zivilisationskrankheiten wie Herzinfarkten. Seitdem sprechen die Ernährungsmediziner vom „Israel Paradoxon“, in Anspielung auf das „French Paradoxon“, das den vermeintlichen Widerspruch von fettreicher Ernährung und Weinkonsum bei gleichzeitig hoher Lebenserwartung in Frankreich bezeichnet.

OMEGA 3, OMEGA 6 - Das Rezept von guten Olivenölen

In den mehrfach ungesättigten Fettsäuren finden sich Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, die zurzeit besonders intensiv diskutiert werden. Beide Fettsäuren erfüllen im Körper wichtige Funktionen: Omega-6-Substrate aus Linolsäure verengen Gefäße und erhöhen den Blutdruck, was bei körperlicher Belastung und in Stress-Situationen wichtig ist. Omega 3 wiederum erweitert die Blutgefäße, senkt hohen Blutdruck und wirkt bei Herz- Kreislauf-Erkrankungen sehr positiv. Das empfohlene Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 von 5:1 ist in Deutschland wie in den meisten westlichen Ländern krass im Ungleichgewicht: Meist liegt es bei 20:1. Wer darüber hinaus wenig Fisch isst, viel Fleisch aus nicht artgerechter Haltung, versteckte Fette, viel Butter und Fastfood, hat dann eine ungesunde Bilanz von 50:1.

Gute Weine potenzieren die Wirkung von gesunder Ernährung

Nicht zu unterschätzen ist dabei auch der Nutzen von Wein, der in Maßen – etwa ein bis zwei Gläser pro Tag – die mediterrane Diät ergänzt: Rotwein schützt vor Lungenkrebs (durch Tannin und Resveratrol), Weißwein hat eine antibakterielle Wirkung und beugt Viruserkrankungen vor; beide können durch ihre Polyphenole die Entstehung von Arteriosklerose verhindern helfen. Auch hier gilt ähnlich wie beim Olivenöl: Qualität des Weins oder des Öls ist entscheidend.

Oleuropein und Oleocanthal machen Olivenöl so gesund

Olivenöl spielt bei der bewussten gesunden Ernährung eine Schlüsselrolle. Als Mediziner können wir uns dabei an die Seite des FEINSCHMECKERS stellen und zum bewussten, uneingeschränkten Ölgenuss einladen! Die Komponenten, die man schmeckt, entsprechen zugleich hochpotenten Wirkstoffen. Hinter einer sanft-bitteren Geschmacksnote steckt zum Beispiel das Oleocanthal, das entzündungshemmende Eigenschaften aufweist und dem Schmerzmittel Ibuprofen ähnlich ist. Das Oleuropein ist ebenfalls ein Wirkstoff, der den Organismus vor Oxidation und Alterungserscheinungen schützt und die Durchblutung anregt. Die Entzündungshemmer Vitamin E, Tyrosol und Hydroxytyrosol sowie viele noch nicht weiter aufgeschlüsselte Phenole halten den Blutkreislauf in Schwung und schützen die Gelenke vor Verschleißerscheinungen. Emulgatoren fördern in Verbindung mit den besonderen Fettstrukturen die Verdauung und helfen dem Organismus, die gesunden Pflanzenstoffe aus Obst und Gemüse effektiver herauszulösen.

Fisch und Olivenöl - Positive Auswirkung auf die Gesundheit

Der Anti-Ageing-Effekt von guten Olivenöl macht sich bei fast allen Körperzellen bemerkbar, auch bei Denkprozessen im Gehirn. In zahlreichen Studien wurden insgesamt mehr als 200 relevante Wirkkomponenten aus naturbelassenem Olivenöl isoliert. Damit ist Olivenöl das gesündeste aller Pflanzenöle und eines der besten Lebensmittel. Wichtig ist allerdings, dass Olivenöl ein Naturprodukt bleibt! Wer im Discounter zu manipuliertem, thermisch und chemisch aufbereitetem Billig-Öl greift, kann eine positive gesundheitliche Wirkung nicht mehr erwarten! Optimal ist die Kombination von Fisch und einem Olivenöl mit guter Qualität. Bei der Verstoffwechslung im Körper bilden sich Verbindungen, die günstige Gewebshormone entstehen lassen oder anregen. Bei gleichzeitigem Verzehr von Fisch kommt ein antientzündlicher Mechanismus in Gang, den wir bis in die Zellmembranen von Blutplättchen und Blutgefäßen verfolgen können. Diese gerinnungshemmenden und durchblutungsfördernden Effekte sind, zusammen mit der günstigen Wirkung für das Cholesterin (siehe oben), ein erstklassiger Schutz für Herz und Arterien.

Was macht gutes Olivenöl auch gegen Krebs wirksam?

Ihm wird etwa ein nennenswerter Gehalt an Vitamin E nachgesagt. Olivenöl verfügt im Verhältnis zu (therapeutisch) bis vor kurzem noch propagierten Mengen eher über bescheidene 7–10 mg/100 ml, die sich jedoch, so die Forscher, im Verbund mit all den anderen in ihm enthaltenen Substanzen (insbesondere den Polyphenolen) zu einem hochwertigen „Cocktail“ zu verbinden scheinen. Immer neue Anti-Krebs-Potenziale werden beim Olivenöl entdeckt, wohingegen Hochdosisgaben von Vitamin E (400–1000 mg) inzwischen eher das Krebswachstum zu begünstigen scheinen. Eine neue Studie der Brustkrebsforschung hat 2005 in Chicago gezeigt, dass Olivenöl die Aktivität eines gefährlichen Brustkrebsgens um 46 Prozent senken kann. Olivenöl unterstützt darüber hinaus die Wirkung eines wichtigen neuen Behandlungsstoffes, Trastuzumab, der ebenfalls das Wachstum von Krebszellen hemmt.

Plädoyer für einen mediterranen Lebensstil mit Ruhe und guten Olivenöl

Zur mediterranen Ernährung gehören auch Gelassenheit und wohl dosiertes Dolcefarniente (Nichtstun). Unsere lebensfrohen Empfehlungen zum gesunden Genuss nehmen unsere Patienten gerne an, bedeuten sie doch zugleich eine Anregung der Sinne und keine strikte Reglementierung von Verhaltensmustern mit dem Rezeptblock!