Promi-Hotels: Filmreif übernachten

Immer mehr Promis eröffnen eigene Hotels, in denen man sich ihnen als Reisender nahe fühlen kann.
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Die Liste der Hollywood-Größen mit Hotels ist lang: Robert Redford, Clint Eastwood, Michael Douglas ... Musiker wie die ABBA-Legende Benny Andersson, U2-Frontmann Bono und Rolling-Stones-Urgestein Mick Jagger spielen ebenso den Gastgeber wie der Magier David Copperfield. Sie alle sind Meister darin, ein Publikum zu unterhalten – warum nicht auch Übernachtungsgäste? Die Filmbranche bleibt auch in Zeiten der „Me Too“-Debatte ein Reich der Träume, vermischt mit Ruhm und Geld, für Normalsterbliche unerreichbar. Aber eine Nacht bei einem Promi, die ist drin, auch wenn man dafür manchmal tiefer in die Tasche greifen muss als bei vergleichbaren Häusern. Es besteht immerhin die Chance auf eine Begegnung in Sichtweite, wenn schon nicht auf Augenhöhe.

The Greenwich Hotel: Unterm Dach mit Robert De Niro

Perfektes Design, tolle Arrangements, schöne Kulissen – alles perfekt, wie im Film. Doch hier befindet sich der Besucher nicht in einem Kino oder Hollywood-Studio, sondern unter dem Dach von Robert De Niro. Der ist Mitbesitzer von „The Greenwich Hotel“ im New Yorker Stadtteil TriBeCa. Der Geschäftsmann mit dem Ruf eines ultimativen Perfektionisten schätzt die Location; man trifft ihn manchmal im Restaurant „Locanda Verde“ im Parterre, wo „My Grandmother’s Ravioli“ auf der Speisenkarte stehen, nach einem Rezept seiner Oma.

Francis Ford Coppola: Vom Regisseur zum geschäftstüchtigen Unternehmer

Auch Francis Ford Coppola, Regisseur der „Paten“-Trilogie und des Antikriegsdramas „Apocalypse Now“, ist vor Jahren in die Hotelbranche eingestiegen. Mit einigen Filmen hat er ein Vermögen gemacht und es dann mit anderen wieder verloren. Den nächsten Reichtum bescherte ihm sein Weingut im Napa Valley, und in den 80er-Jahren eröffnete er die „Blancaneaux Lodge“ in Belize, nachdem die Unterkunft im Dschungel zunächst ausschließlich als Familiendomizil gedient hatte. Genau diesen Ausgangspunkt hatten auch die nächsten vier „The Family Coppola Resorts“. Der Tenor – nachdem sich der Meister der Inszenierung den französischen Innenarchitekten Jacques Grange für die Umwandlung des Palazzo aus dem 19. Jahrhundert in ein Hotel holte – hier ist man nicht in einem Hotel, sondern zu Gast bei einer italienischen Familie.

Mamma Mia!: Benny Andersons Hotel “Rival”

Benny Andersson hat seit der ABBA-Trennung 1982 Musicals geschrieben, ein Museum eröffnet und auch sonst den Nachlass der schwedischen Band äußerst lukrativ verwaltet. Doch bis zur Komposition der ersten beiden neuen ABBA-Songs seit fast 36 Jahren war eben auch noch Zeit für ein Hotel: Das „Rival“ liegt im angesagten Stockholmer Stadtteil Södermalm. In seinem rot-samtenen Art-déco-Kinosaal fand 2003 die Premiere des Films „Mamma Mia“ statt.

Bei so vielen Möglichkeiten filmreifer Übernachtung stellt sich die Frage: Was treibt die Celebrities in die Tourismusbranche? Die Antworten sind so breit gefächert wie der Stil der Locations. Doch was die Künstler der verschiedenen Metiers eint, ist ihr ständiges Unterwegssein. Wohl kaum jemand schläft so oft aushäusig, und das über Wochen und Monate. So wissen sie einerseits genau, was einem Gast den Aufenthalt besonders angenehm macht, andererseits haben sie einen großen Stil-Erfahrungsschatz, den sie zusammen mit erfahrenen Interior Designern auswerten können.

Promi-Hotels: Sehnsucht nach Verbundenheit

Til Schweiger hat sich in Timmendorfer Strand gleich selbst kreativ betätigt, das „Barefoot Hotel“ von Mirko Stemmler komplett ausgestattet: „Ich bin privat so gern Gastgeber und habe mal in einem Interview gesagt, dass ich mir auch ein Hotel vorstellen könnte. Das hat der Betreiber des Hotels gelesen und mich kontaktiert. So ist schließlich das Design entstanden, mit viel Holz, erdverbundenen, warmen Farbtönen und nachhaltigen Materialien. Jedes Detail ist handverlesen und persönlich ausgesucht.“

Was bodenständig klingt, birgt im Kern den Ausdruck von Verbundenheit zu einem bestimmten Ort. Das ist bei Redford in Utah nicht anders als bei Eastwood in Carmel, und so geht es auch der Schauspielerin Jessica Schwarz, die 16-jährig ihren Heimatort Michelstadt im Odenwald verließ. Gemeinsam mit ihrer Schwester Sandra eröffnete sie dort 2008 das Designhotel „Die Träumerei“ in einem Fachwerkhaus, das direkt zwischen ihrem Elternhaus und dem „Rathausbräu“ der Familie Schwarz steht. Das Projekt ist so erfolgreich, dass noch in diesem Jahr die Erweiterung „träum weiter“ eröffnet werden soll. Was diese Hotels für das 16.000- Einwohner-Städtchen bedeuten? Publicity. Und für die Gäste? Schöner schlafen! Schließlich können sich gerade Promi-Hoteliers keine Geschmacksverirrungen leisten – the show must go on!