Bienen & Honig – beliebt wie nie

DER FEINSCHMECKER über die Biene, ihr wertvolles, natürliches Gold – den Honig – und wie wir ihre Existenz schützen können.

Biene am Honigglas

Die Bedeutung von Bienen als Nutztiere

Bienen sind nach Rindern und Schweinen die drittwichtigsten Nutztiere der Erde. Schließlich produzieren sie nicht nur Honig, sondern bestäuben weltweit Milliarden von Pflanzen. Ohne die Bienen gäbe es nicht so reichlich Äpfel, Birnen, Kirschen oder Mandeln. Experten schätzen, dass ein Drittel der weltweiten Agrarproduktion von den Bienen abhängt.

Um die Bedeutung der Insekten zu demonstrieren, hat eine „Penny“-Filiale bei Hannover kürzlich alle Produkte weggeräumt, die nur dank Bienenbestäubung entstehen können – 60 Prozent der Waren fehlten plötzlich, auch Schokolade. Allein in den USA erwirtschaften Bienen jährlich Werte von rund elf Milliarden Euro, weltweit sollen mehr es 100 Milliarden sein.

Rund 30.000 Tiere leben in einem Bienenstock. Damit ein Kilo Honig entsteht, müssen sie rund 80.000 Mal ausschwärmen, dabei führt sie ein One-Way-Flug bis zu drei Kilometer weit von ihrem Stock weg.

Ein Bienenvolk produziert rund 30 Kilo Honig. Wenn der Imker die süße Masse nicht erntet, verfüttern die Bienen sie an ihren Nachwuchs oder futtern sie im Winter selbst. Auch für den Menschen ist Honig gesund: Die Enzyme der Bienen wirken wie eine Art natürliches Antibiotikum.

Honig – das älteste Süßungsmittel der Welt

Honig ist das wohl älteste Süßungsmittel der Welt. Bereits König Ramses II. (1279 bis 1213 v. Chr.) ließ in Ägypten Löhne in Honig, Waben und Honigkuchen auszahlen. Die Griechen schöpften den goldenen Sirup aus den Waben, verfeinerten damit Speisen oder ließen ihn zu einer Art Likör gären. Der süße Trank, Met genannt, diente auch dazu, die Götter milde zu stimmen. Und die Römer begrüßten einander mit „Mella fluant tibi“ – „Möge dir Honig fließen“.

Deutsche Laibspeise Honig

Die Deutschen sind die emsigsten Honigesser der Welt. Etwa 1,4 Kilogramm verzehrt der Durchschnittsbundesbürger jährlich. Das ist mehr, als die deutschen Bienen produzieren können, 80 Prozent der hier verkauften Honiggläser müssen importiert werden.

Das braucht kein Nachteil zu sein: Lavendelhonig aus der Provence oder Orangenblütenhonig aus Spanien gelten zu Recht als Delikatessen. Aber auch die heimischen Sorten schmecken toll – der blassgelbe Akazienhonig, der milchigweiße Kleehonig oder der tiefbraune Waldhonig. Letzterer zählt wie der Heidehonig zu den edelsten deutschen Sorten, zwischen acht und neun Euro kostet ein 500-Gramm-Glas. Dabei besteht Waldhonig gar nicht aus Blütennektar, sondern aus Honigtau, dem süßen Sekret der Blattläuse.

Woraus besteht das süße Gold?

Honig besteht hauptsächlich aus Wasser und Zucker. Das Mengenverhältnis der beiden Zuckerarten Fruktose (Fruchtzucker) und Glukose (Traubenzucker) variiert je nach Sorte: Fester Honig enthält mehr Glukose, flüssiger Honig mehr Fruktose. Außerdem sind im Honig rund 200 weitere Inhaltsstoffe enthalten: Mineralien, Proteine, Enzyme, Vitamine, Pollen und Aromen. Diese entscheiden, wonach der Honig schmeckt – und wie er heißt.

Was ist guter Honig?

Achten Sie auf die Herkunft: Honig aus China oder Argentinien muss nicht nur absurd weit transportiert werden, er kann auch geschmacklich und qualitativ nicht mit europäischem Honig mithalten.

Eine mittelfeste Konsistenz gilt als perfekt. Sehr flüssig darf nur Akazien- oder Tannenhonig sein, sonst ist das ein schlechtes Zeichen: Dann wurde er stark filtriert.

Am besten kaufen Sie Honig auf dem Wochenmarkt oder direkt von einem Imker in der Region. Auch in Supermärkten finden sich gut bestückte Regale mit regionalen Sorten: Achten Sie darauf, dass der Name eines Imkers auf dem Glas steht und nicht bloß der eines Abfüllers.

Bedrohung und Hilfe für Bienen

Hierzulande gilt die Varroa-Milbe als größter Feind der Bienen. 1977 haben deutsche Forscher das winzige Spinnentier aus Asien eingeschleppt. Seitdem hat Varroa destructor Tausende Bienenvölker dezimiert. Ihre Taktik: Sie entert den Stock, beißt sich an den Bienen und ihren Larven fest und saugt ihr Blut aus. Fünf bis zehn Prozent Völkerverluste pro Jahr gelten als normal; der natürliche Schwarmtrieb begrenzt die Ausbreitung der Milbe.

Wer den Bienen helfen will, kann auf Balkon oder im Garten bienenfreundliche Blütenpflanzen aussäen, etwa „Bienen-Wiese“ oder „Bienen- und Hummelmagnet“. Infos per App vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

Urban Beekeeping

Imkern ist zum Trendhobby geworden, vielleicht auch durch den überraschenden Bestseller „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde und den Kinoerfolg „More than Honey“. Etliche Initiativen bieten Kurse an, zum Beispiel Mellifera oder Stadtbienen.org. Andere wie Bee Careful arbeiten mit dem Deutschen Imkerbund zusammen, und auch der gute alte Imkerverein ist eine bewährte Anlaufstelle, um Bienen-Know-how zu erwerben. Übrigens muss jeder Halter sein Volk beim Veterinäramt anmelden.

Viele Kurse orientieren sich am natürlichen Jahreslauf des Bienenhandwerks, beginnen im März und dauern ein ganzes Jahr. Noch Unentschlossene können für etwa 50 Euro eintägige Schnupperkurse besuchen, ein Jahreskurs kostet rund 300 Euro. Berliner haben die Möglichkeit, im Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität gratis Imkerkurse zu besuchen; auch eine Anmeldung ist nicht nötig. Wer gern etwas für die Insekten tun würde, sich aber die Imkerei nicht zutraut, ist gut aufgehoben bei der Initiative „Deutschland summt“. Da warten Bienenpatenschaften und Anleitungen, wie man einen Bienengarten anlegt – sehr sinnvoll und auch ohne Bienenfleiß machbar.

Erstaunliche Bienen-Standorte

Bienen können fast überall leben – sogar auf dem Dach eines 220 Meter hohen Wolkenkratzers mitten in Manhattan. Ertragreiche Stöcke stehen auch am Hamburger Flughafen, auf dem Abgeordnetenhaus in Berlin und im Garten des Bundespräsidenten im Schlosspark von Bellevue.

Bienenvölker: Ressourcen teilen und mieten

Bei so viel Enthusiasmus für die Stadtimkerei könnte man glatt vergessen, dass die Landwirtschaft dringend auf die Völker angewiesen ist. Allein im Gartenbau gibt es 80.000 Hektar Anbauflächen, die von ihrer Bestäubungsleistung abhängen. Bienenvölker sind Ressourcen, die man teilen kann. Man kann ihre Stöcke dorthin verfrachten, wo sie gebraucht werden. Die Tiere brauchen nur ein verlockendes Blütenangebot, um an Ort und Stelle die Bestäubungsarbeit aufzunehmen. Das ist ein Segen für die Bauern, denn mittlerweile gibt es deutlich weniger Wildbienen auf Agrarflächen als noch vor einem Jahrzehnt. Auch die Imkerschaft auf dem Land verliert ihre Nachwuchskräfte, nur die Zahl der Stadtimker wächst rasant.

Da tut sich also eine Lücke auf, und in die stößt das Start-up „Beesharing“. Wer einen Obsthof hat und sich Sorgen um seine Ernte macht oder auch nur den Ertrag steigern möchte, kann sich bei dem 2016 gegründeten Unternehmen melden. Die Betreiber sind sogenannte Bestäubungsimker, also Bienenfachleute, die nicht so sehr auf Honig aus sind, sondern die Dienstleistung ihrer Tiere zur Geschäftsgrundlage machen. Im Fall von „Beesharing“ gehören dazu auch die Bienen und Hummeln der Imker im Netzwerk. Auf der Plattform kommen nun Halter, Händler, Bauern und Bienenfreunde zusammen. Die Firma übernimmt dabei die Rolle des Mittlers und Beraters, sie analysiert den Bedarf der Landwirte und transportiert die Insektenvölker zu ihrem Einsatzort, etwa auf die Insel Rügen zu den Süß- und Sauerkirschen eines Demeter-Hofs.

Ein wenig anders funktioniert das Modell „Bee-Rent“ des Imkers Dieter Schimanski aus Bremen: Bienen-Miete auf Zeit. Bei Schimanski kann sich melden, wer Platz für Bienen, aber sonst wenig Know-how hat. Dann kommen Profis vorbei, stellen ihre Stöcke im Garten auf (oder auf Schulhöfen, in Kleingartenvereinen ...), imkern vor Ort und reichen den gewonnenen Honig an die Insekten-Mieter weiter, die für all das eine Gebühr zahlen (ab 199 Euro im Monat für zwei Jahre). Darin enthalten sind auch die behördliche Anmeldung, Krankheitsvorsorge und liebevolle Pflege der Mietbienen.