Action, bitte: Ein Besuch im „Eatrenalin“

Action, bitte: Ein Besuch im „Eatrenalin“

Das Restauranterlebnis der Zukunft? Im „Eatrenalin“ in Rust gleiten die Gäste mit Floating Chairs in verschiedene Genusswelten – und erleben das nächste Level der Event-Gastronomie. Unsere Redakteurin hat das spektakuläre Restaurant besucht und war begeistert.

Text: Verena Kassubek

Ein dunkler Raum, ein sanftes Rauschen, eine strömende Wassersäule in der Mitte – in die mystische Umgebung dringt eine helle Stimme: „Welcome. My name is Lina and I will be your host this evening!” Die schemenhafte Silhouette einer KI-basierten Figur leuchtet im Wasser hell auf – und gibt den Gästen einen Vorgeschmack auf eine futuristische Gourmetreise. 

Ist der klassische Restaurantbesuch überholt? Internationale Event-Gastronomie-Konzepte wie das holistische Dinner im „Alchemist“ in Kopenhagen oder die Multivision-Show im „Ultraviolet by Paul Pairet“ in Shanghai zeigen, dass Köch:innen heute immer öfter mit spektakulären Ideen arbeiten, um sich vom Durchschnitt abzuheben und anspruchsvolle Gäste nachhaltig zu begeistern. 

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Fusion aus Spitzenküche und Multimediashow

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Die Lobby im "Eatrenalin"

Der leidenschaftliche Erlebnisexperte Thomas Mack von dem familienbetriebenen Europa-Park und Gastronomiekenner Oliver Altherr (Marché International) haben deshalb das neue Gourmetkonzept „Eatrenalin“ direkt an dem Freizeitpark entwickelt. Am 4. November 2022 in Rust eröffnet, bietet das innovative Restaurant ein Zusammenspiel aus Spitzenküche und Multimediashow. Während der Fahrt in automatisch gesteuerten Sesseln – Floating Chairs – erleben Gäste eine Show aus visuellen, akustischen und haptischen Eindrücken. 

Die zweistündige Reise durch acht Genussbereiche findet in kleinen Gruppen von bis zu 16 Personen ab 195 Euro statt. Die Küchencrew rund um Chefkoch Pablo Montoro serviert ein anspruchsvolles und minutiös getaktetes Acht-Gänge-Menü – auch als vegane Variante wählbar. Montoro schärfte seine Expertise für Außergewöhnliches im „El Bulli“ von Ferran Adrià. 

Das „Eatrenalin“ befindet sich auf 1600 m2 in einem kubischen Gebäude. Unscheinbar steht auf einer Tür der kleine Schriftzug „Welcome“. Durch schwere Vorhänge tritt der Gast in die in Goldtönen gehaltene Lounge mit eleganten Bistrotischen und Hockern. Hier regen drei Amuse-Bouches den Appetit an: eine rote Linsensuppe mit Ingwerschaum und Tandoori, aromatischer Topinambur mit Pastinake und Trüffel sowie ein knuspriger Pilz mit Sellerie und fermentierten Zwiebeln als würziger Abschluss. 

Die Reise im "Eatrenalin" beginnt

Die Lichter in der Lounge wechseln von Gold zu Violett – die Farben sind Signal für den Reisestart. Zu Fuß geht es in den Vorraum „Waterfall“, wo sich Lina als virtuelle Gastgeberin vorstellt. Es gibt eine erfrischende Praline aus Granny Smith, Shiso und Macadamia – dazu einen Pinot noir Rosé. Der Service reicht warme Handtücher, um den letzten Rest des Alltags abzustreifen. 

Geleitet von Lina enthüllen im nebenan gelegenen Raum „Discovery“ schneeweiße Tücher in wellenartigen Bewegungen und unter epischer Musik die „Floating Chairs“. In ihnen gleitet man durch die Welten und das Menü. Ein integrierter Beistelltisch bietet Platz für Getränke. Kellner:innen reichen eine weiße, kunstvoll gefertigte Form mit einer kleinen Vertiefung, aus der man säuerliche Tigermilch mit Szechuan-Pfefferblüte schlürft. Die Sessel setzen sich sanft in Bewegung und formieren sich in der ersten Genusswelt „Ocean“ zu kleinen Sitzgruppen. Projektionen von Unterwasserszenen und Meeresklänge nehmen mit Emotionen und Faszination gefangen. Wie von Zauberhand fährt eine perlmutt glänzende Muschelschale mit Algensalat, Ingwer-Dashi und Plankton aus dem Tisch.

Auf die entspannte Einstimmung folgt mit „Taste“ ein komplett dunkler Raum – bis unzählige bunte Gewürzgläser aufleuchten. Jeder Gast bekommt eine schwarze Schatulle gereicht, die vier Köstlichkeiten in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen enthält: süß, sauer, bitter und salzig. Wechselndes Licht leitet die Reihenfolge des Genießens an, Animationen von Honig, Zitronen, Gewürzen und Gemüse an Decke und Wänden untermalen die Aromen. 

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"Eatrenalin": Genuss für die Sinne

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Nach süß, sauer, bitter und salzig folgt im "Eatrenalin" die Erkundung des fünften Geschmackssinns in asiatischer Umgebung: Umami!

Die Sessel gleiten weiter in einen asiatischen Bereich mit rötlicher Lichtstimmung und langer Esstheke – „Umami“. Mitsuki, ein Mitarbeiter des Serviceteams in traditioneller Mönchskutte, serviert den ersten Hauptgang aus Sashimi, Nigiri, Dim Sum sowie Misosuppe und reicht dazu Sake. Hier gibt ein Gongschlag den Essrhythmus vor – ein charmantes Ritual für bewussten Genuss. 

Ein virtuelles Raumschiff führt in die folgende Geschmackswelt. Die Sessel vibrieren, Dampf verteilt sich im Raum, und eine Projektion lässt die Gäste einen Weltraumflug nachempfinden. Angekommen im „Universe“ geht es an einen großen runden Tisch, der jetzt die absolute Konzentration auf das Essen zulässt. Eine mit Kohle geschwärzte Monolith-Brioche, ein geschmorter Blumenkohl oder ein in silbernes Esspapier gehülltes Rinderfilet zitieren die galaktische Atmosphäre. 

Zum Finale bittet Lina ihre Gäste schließlich, an etwas zu denken, was sie erfüllt. Grelles Licht erscheint, ein süßlicher Rosenduft strömt in den Raum, und Lina verwandelt sich in eine reale Person. Elegant um die Sessel tänzelnd, übergibt sie wortlos eine Rose und entschwindet lautlos. Die letzte Genussstation ist ein großer Konferenztisch, der von der Decke herabschwebt. Bunte Farbkleckse verteilen sich durch Animationen kunstvoll auf dem Tisch. Patissière Juliana Clementz präsentiert das Dessert persönlich: eine Rose aus weißer Schokolade mit Tahiti-Vanille. Ein Fahrstuhl bringt die Gäste zurück in die Realität – mit Digestif an der Bar eine denkbar sanfte Landung.

5 Event-Restaurants

Ultraviolet by Pairet, Shanghai

Somewhere in Shanghai – ein Chauffeur bringt bis zu 10 Gäste an einen geheimen Ort. Ein Raum mit langer Tafel wird durch eine Multivision-Show zur Projektionsfläche für abstrakte Fantasiewelten. Lichter, Geräusche und Düfte sind perfekt auf das 20-Gänge-Menü abgestimmt. Alles ohne Speisekarte: eine Überraschung für alle Sinne. uvbypp.cc

Sublimotion im Mandarin Jumeirah, Dubai

Teil der Show sein: Bei Paco Roncero im „Sublimotion“ werden bis zu 12 Gäste von Schauspieler:innen und einer 360-Grad-Projektion umgeben. Das Event- Restaurant serviert 10 Gänge aus der Molekularküche – manche davon schweben in Halbkugeln von der Decke, andere sind in Glasschalen auf Samtkissen angerichtet. mandarinoriental.com

Alchemist, Kopenhagen

Spannendes Spektakel: 50 Gänge mit Musik, Videokunst und Showeinlagen – inszeniert unter einer riesigen Kuppel mit Projektionen von Polarlichtern oder einem Himmel voller Schmetterlinge. Im „Alchemist“ serviert Küchenchef Rasmus Munk Gerichte auf Silikon-Zungen oder im Look eines menschlichen Augapfels. Spitzenküche, die polarisiert und etwas bewegen will! alchemist.dk

Alinea, Chicago

Großes Theater, großartige Küche – Chefkoch Grant Achatz erschafft durch duftende Dämpfe und experimentelle Gerichte ein unvergessliches Erlebnis. Gepökelter Saibling, in Salz gebackener Kohlrabi und im Rauchgel schwimmender Rogen werden von Licht, Akustik und Düften begleitet. Dramaturgischer Abschluss: ein gemaltes Dessert auf dem Tisch. alinearestaurant.com

Intense, Deutschland

Traditionen neu erleben: Im „Intense“ in der Pfalz erleben die Gäste auf einer Reise durch zwei Räume die archaische Magie des offenen Feuers. Beginnend in der „Guud Stubb“ serviert Küchenchef Benjamin Peifer seine Interpretation der Pfälzer Küche. Im Hauptrestaurant sitzt man um das offene Feuer und kann den Tauben beim Vorgaren zusehen. restaurant-inten.se

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