Hoch die Tassen – Kaffeevollautomaten im Test

Die neuen Vollautomaten bieten enorm viel Komfort auf Knopfdruck – Funktionalität und Design haben allerdings auch ihren Preis. 
Wir haben Newcomer und Topgeräte unter die Lupe genommen:
Für welchen Bedarf sich welche Maschine lohnt, verrät unser FEINSCHMECKER-Test
 
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Der Kaffee am Morgen

Morgens um sieben schlägt die Stunde des Vollautomaten. Noch im Halbschlaf wollen wir Kaffee heiß und frisch aufgebrüht genießen – ohne komplizierte Handgriffe wie Bohnen mahlen, Filter aufsetzen, Wasserkocher in Gang bringen oder gar eine Espressomaschine nach allen Regeln des Baristakünstlers bedienen, vom Mahlprozess über das „Tampern“ (andrücken des Kaffeemehls im Siebträger) bis zum Milchschäumen von Hand. Nein, ein Tastendruck, fertig – und schon fließt Kaffee in die Tasse samt feinporigem Milchschaum. Herrlich.

Auch deshalb boomen derzeit der Verkauf von Vollautomaten in Deutschland, und die Covid-Krise hat diesen Trend noch einmal verstärkt. Zu Hause guten Milchkaffee zu trinken wie im Café nebenan, das aber ohne viel Aufwand, ist zu einer Art Grundbedürfnis geworden, und die Maschinenhersteller gehören dank neuer Homeoffice-Lösungen zu den Gewinnern der Pandemie. Der italienische Hersteller De Longhi etwa hat seinen Umsatz 2020 um 25 Prozent steigern können – und der Erfolg hält an. Kein Wunder, dass die bekannten großen Marken wie De Longhi, Saeco, Krups, Nivona, aber auch Gastroback, Melitta, Miele und Siemens jedes Jahr die Kunden mit Neuheiten zum Kauf animieren.

 

Wir haben für Sie getestet

Wir testeten die neuen Geräte mit integrierter Mühle und Dampfdüse oder Milchschaum-System und stellen fest: alle Achtung! Die Maschinen werden stetig perfektioniert, immer komfortabler und auch vorzeigbarer. Vorbei die Zeit, da man den Automaten in der Küche versteckte – jetzt prunken sie mit Edelstahlfront, schickem Vollfarb-Display und raffiniertem Lichtdesign im Wohnstudio, gleich neben High-End-Lautsprechern und Designerleuchte. Der Komfort wird großgeschrieben –die meisten Automaten sind intuitiv bedienbar und haben eine WLAN- oder Bluetooth-Anbindung, eher eine Spielerei als notwendig, da man ja zwingend vor der Maschine stehen muss, um den Kaffee vom Automaten zu holen. 

Für Geräte im Büro ist dagegen die Funktion des „Favoriten“-Speicherns sinnvoll, sodass Kollegen mit ganz unterschiedlichen Kaffeevorlieben hier einfach ihren Wunschkaffee abrufen können. Bedenken sollte man aber: Vollautomaten müssen regelmäßig gepflegt, gereinigt und aufgefüllt werden. Das ist durchaus mit etwas Zeitaufwand verbunden. Sind Kollegen oder Familienmitglieder dazu bereit? Wenn nein, besser Finger weg – schnell kann ein teurer Vollautomat dann, unreparierbar, wegen akuter Milchverstopfung den Geist aufgeben. Und wer braucht solche Automaten? Alle, die auf größte Bequemlichkeit beim Milchkaffeezapfen Wert legen. Tüftler und Fans des italienischen Espressos sind dagegen besser mit Siebträgermaschinen bedient – nur mit ihnen ist wegen der anderen Brühtechnik (neun Bar Pumpendruck) die perfekte Crema hinzubekommen und Milchschaum für Latte Art. An die langwierig erlernten Künste eines Baristas kommen Automaten eben nicht ganz heran.

 

5 TIPPS FÜR DEN KAUF

 

MILCH ODER NICHT?

Ein Vollautomat ist nur dann sinnvoll, wenn man oft und gern Cappuccino Latte Macchiato & Co zubereiten möchte. Geräte ohne Milchschaumfunktion wie die Tchibo Esperto Caffè sind schon ab 199 Euro zu haben.

 

LAUT ODER LEISE?

Wer lärmempfindlich ist oder plant, das Gerät im Büro oder Wohnzimmer aufzustellen, sollte vor dem Kauf die Lautstärke prüfen, zum Beispiel bei einer Vorführung. Leise sind im Test nur die Geräte von Siemens, Miele und Melitta.

 

PFLEGEFÄLLE

Milch ist wegen seines Fettanteils für Geräte gefährlich. Schlauchsysteme verstopfen rasch. Technisch vorbildlich sind die Lösungen von Siemens, Philips und De Longhi EVO. Auch Kalk ist ein Killer – sehr sinnvoll ist der Einsatz eines Wasserfilters im Wassertank, der regelmäßig erneuert werden muss.


HELL ODER DUNKEL?

Meistens gibt ein Vollautomat einen „Caffè Creme“ aus, ein Mittelding zwischen Filterkaffee und Espresso. Das beste aus zwei Welten bietet die Melitta-Maschine: Zwei Bohnenkammern zum Beispiel für helle und für dunkle Röstungen. Vor allem für Büros prima.


ZEIT NEHMEN

Die Geräte sind zwar meist selbsterklärend, aber die Lektüre der Gebrauchsanleitung lohnt sich trotzdem, bevor womöglich durch falsche Handhabung ein Schaden entsteht.