Wie viel kostet gutes Olivenöl aus Italien?

Gutes Olivenöl gibt es nicht zum Dumpingpreis! Wir berechnen die Kosten am Beispiel eines Öls aus Italien – von der Baumpflege bis zum Händler in Deutschland.

Korrekter Preis für Olivenöl aus Italien-Jalag : Bernhardi, MichaelSeasons_11389750_HiRes

 

Text: Horst Schäfer-Schuchardt

Wer in einem Lebensmittelladen, in einem Feinkostgeschäft oder in einem Supermarkt ein Natives Olivenöl Extra kaufen möchte, hat die Wahl zwischen Preisen von 1,95 Euro bis mehr als 30 Euro für die 0,75-Liter-Flasche. Was soll man kaufen und woran erkennt man gutes Olivenöl? Ein realistischer Preis für ein Olivenöl aus Italien setzt sich folgendermaßen zusammen:

Wie ergibt sich der Preis eines guten Olivenöls aus Italien?

Die Kosten für den Produzenten beginnen bei der Pflege des Hains. Diese Pflege umfasst den Frühjahrsschnitt der Olivenbäume, eine dreimalige Behandlung zum Schutz vor Krankheiten und Schädlingen, das Pflügen des Bodens, das Grasschneiden, Düngen und Bewässern. Dazu kommen Fahrzeuge, Leitern, Netze, Tücher und vieles mehr. Bei einem Besitz von 1000 Bäumen errechnet sich dafür ein Kostenaufwand von rund 60 Euro pro Doppelzentner (100 Kilo) Oliven. Für einen Arbeiter muss der Produzent pro 6,5-Stunden-Arbeitstag 40 Euro aufbringen, zusätzlich 17 Euro an Sozialabgaben, also insgesamt 57 Euro. In dieser Zeit erntet er im Durchschnitt zwischen 150 und 200 Kilo Oliven – je nach Region, Beschaffenheit des Olivenhains (ob terrassiert oder weitflächig angelegt). Einfluss nimmt auch die Ernteart, sei es durch Abstreifen der Oliven per Hand oder durch Rüttelmaschinen. Ein Arbeiter kann pro Tag maximal 200 Kilo Oliven pflücken. 100 Kilo Oliven haben also Erntekosten von 28,50 Euro – teilt man die 57 Euro durch zwei. Rechnet man 4 Euro Transportkosten pro 100 Kilo vom Olivenhain zur Ölmühle hinzu, dann er- geben sich 32,50 Euro an Arbeitskosten pro 100 Kilo Oliven. In der Ölmühle müssen für das Mahlen von 100 Kilo Oliven zehn Euro aufgebracht werden.

Ein Endpreis zwischen acht und zwölf Euro für einen halben Liter Olivenöl ist daher realistisch

Damit sind wir bei 42,50 Euro. Plus die Kosten von 60 Euro für die Pflege des Olivenhains – macht 102,50 Euro für 100 Kilo Oliven. Diese 100 Kilo ergeben je nach Olivensorte 16 bis 25 Liter Öl. Ein Liter Olivenöl würde damit etwa 5 Euro kosten. Zieht man davon die von der Europäischen Union gewährten Subventionen von 1,30 Euro pro Kilo Öl ab, ergibt sich ein Betrag von 3,70 Euro pro Liter Olivenöl. Das sind aber nur die reinen Herstellungskosten für das Öl. Dazu kommen betriebswirtschaftliche Ausgaben für das Abfüllen, für Flaschen, Etiketten und Kartons. Der halbe Liter Olivenöl würde sich damit auf durchschnittlich 3 bis 4 Euro, der Liter bei etwa 8 Euro einpendeln. Das wäre der Preis „ab Werk“ oder „ab Ölmühle“. Es fehlen dann noch die Fracht- und Versicherungskosten, die Kosten des Zwischenhandels und die des Verkaufsgeschäfts. Ein Endpreis zwischen acht und zwölf Euro pro Halbliterflasche ist daher realistisch – nicht aber ein Preis unter fünf Euro für ein italienisches Olivenöl. Bei den oben genannten Herstellungskosten sind sol- che Angebote zu Dumpingpreisen unseriös und ein Hinweis darauf, dass diese Olivenöle keine Qualitätsansprüche erfüllen.