Olivenöl aus aller Welt

Wie schmecken eigentlich Olivenöle Erzeugnisse aus der Provence? Wir skizzieren den Geschmack der wichtigsten Anbauregionen.

Woran erkennt man gutes Olivenöl - Feinschmecker - Kersten Wetenkamp

Text: Kersten Wetenkamp

Wenigstens grob lassen sich – mit vielen Ausnahmen! – die verschiedenen Anbauregionen Europas jeweils einem Geschmacksprofil zuordnen, da traditionell nur bestimmte Olivensorten in den Regionen angebaut werden.

Olivenöl aus Norditalien

Äußerst mild sind die Olivenöle vom Gardasee (Venetien und Lombardei) und aus Ligurien. Sie duften dezent nach Kräutern und schmecken am Gaumen nach süßen Mandeln. Die Olivenöle (meist aus den Sorten Frantoio, Leccino oder Taggiasca) sind ideal für Einsteiger und all jene, die weder bitteres noch scharf-pikantes Olivenöl mögen. Diese Öle verlieren leider früh ihre Aromatik, sie sollten innerhalb von sechs Monaten verbraucht werden. Diesen Ölen entsprechen meist auch die milden nord-spanischen Öle aus Arbequina-Oliven.


Olivenöl aus Apulien

Die nahe der Adriaküste gewonnenen Olivenöle schmecken meist mittelfruchtig, im Körper also kräftiger als die norditalienischen Öle. Typisch ist ihr pfeffriger bis scharfer Abgang – vor allem bei dem frischen Öl aus der neuen Ernte.

Olivenöl aus der Toskana, Umbrien

Sehr kräftig sind Olivenöle aus Mittelitalien – vor allem aus der Toskana und aus Umbrien. Typische Noten von frisch geschnittenem Gras, grünen Äpfeln, unreifen Tomaten und Minze prägen den Duft. Am Gaumen zeigt sich fast immer ein markanter, durchaus angenehmer Bitterton, der an Walnüsse oder Bittermandel erinnert, sowie ein pikanter Nachhall. Frantoio, Leccino, Moraiolo und Correggiolo sind klassische Sorten.


Olivenöl aus Süditalien

Olivenöle aus der Gegend um Neapel sind meistens kräftig strukturiert, mit Walnussbitterton am Gaumen, aber auch süßlichen Mandelnoten und einem pfeffrigen Abgang. In Kalabrien schmecken die Öle intensiv fruchtig mit süßen Aromen.


Olivenöl aus Sizilien

Sizilianische Olivenöle nehmen eine Sonderstellung ein: Sie gehören zu den intensivsten Olivenölen der Welt, sind kräftig strukturiert (in der geschlossenen Flasche bleiben sie über ein Jahr aromatisch-fruchtig), dabei am Gaumen süßlich und im Nachhall deutlich pfeffrig. Aus frischer Ernte begeistern die Öle mit dem Duft von frisch gemähtem Gras, Kiwi, grüner Banane und Zitronen. Die Sorten heißen Nocellara, Tonda Iblea und Biancolilla. Diese Öle eignen sich perfekt für die Zubereitung und das Würzen von Fisch und Krustentieren.

Olivenöl aus Griechenland

Gras, Salbei, Rosmarin, Lavendel und reife Tomaten finden sich in der Nase der besten griechischen Olivenöle, die zu etwa 80 Prozent aus einer einzigen Olivensorte, der Koroneiki, gewonnen werden. Am Gaumen dominiert ein süßer bis feinherber Mandel- oder Walnusston, im Abgang pfeffrige Noten. Die Öle würzen sowohl Fisch als auch Fleisch bestens, etwa Schwein oder Rind vom Grill, sowie Gemüse.

Olivenöl aus Frankreich (Provence)

Französische Olivenöle aus den regionaltypischen Olivensorten wie Aglandau, Grossane, Salonenque und Picholine schmecken am Gaumen ähnlich süß und dezent wie die norditalienischen und haben nur schwache Bitternoten. Ideal passen sie zu Röstbrot, Gemüse, Salat und Fisch. Die Provence-Öle sollten so rasch wie möglich verbraucht werden, da sie schnell ihre aromatische Frische verlieren – zumal sie oft in lichtempfindlichen, transparenten Glasflaschen abgefüllt sind.

Olivenöl aus Spanien

Die klassische Olivensorte in Südspanien ist die Picual. Das Öl duftet stark nach Rosmarin, Thymian und Wildkräutern, den Geschmack prägen Noten von Rauke, Salbei und Zitrone mit meist kräftigem Bitterton und pfeffrigem Abgang. Diese kräftigen Öle eignen sich zum Braten und Grillen von Rindfleisch. Für Salate und Fisch sollten Sie zu süßlich-milden nordspanischen Ölen aus Arbequina oder Hoji-Blanca-Oliven greifen.