Die 100 besten Olivenöle: Olio Award 2026
Die Ehre der Ölnation Portugal retten die Schweizer Andreas Behrend und Alfred Zehnder mit ihrem Öl-Unternehmen Risca Grande. Das Familienunternehmen arbeitet auf 220 Hektar Land bei Serpa im südlichen Alentejo, geerntet wird von insgesamt 35 000 Olivenbäumen, und zwar in Bio-Qualität und ausschließlich von neun autochthonen Olivensorten. Das “Reserva da Familia” wird rein aus Cobrançosa-Oliven hergestellt und gefällt uns sehr gut mit seinen Noten von Gras, grüner Banane, Artischocken und Kräutern wie Salbei und Thymian.
Monte Novo de Fonte Corche, Sta. Iria / Apartado, 7830-304 Serpa, Portugal
Das Öl aus der autochthonen Olivensorte Istarska Bjelica überzeugt die Jury mit seinen feinen floralen Noten – Obstblüten und Kamillen – und dem schönen Bukett von frisch gemähtem Gras, Oregano und Zitronenschale, auf der Zunge fügt sich noch ein Ton reifer Mandeln an.
Gianvito Galantino kann auch diesmal ein “Grand Cru” aus der apulischen Paradesorte Coratina unter den Besten platzieren. Dabei haben die 50 Hektar großen Haine bei Bisceglie an der Adria uner Wärme und Trockenheit gelitten. Beachtlich aromatisch gelingt dennoch das Öl: Es duftet schön nach Oregano, frisch geschnittenem Gras, grünen Mandeln und grüner Banane mit Noten von Feldsalat und Artischocke.
VIA VECCHIA CORATO, 76011 BISCEGLIE, Italien
Francesco Gaudenzi schickt ein neues Öl ins Rennen: Seven. Hergestellt wird es aus den Olivensorten Dolce Agogia, Frantoio und Leccino – wie erwartet schmeckt es reichlich herb und scharf mit Aromen von reifen Mandeln, Vanille, Minze und hübschen Blütennoten (Orangenblüte, Kamille). Die Minzente bleibt lange bestehen, interessant!
Für die Brüder di Gaetano lief dieses Jahr leider nicht so gut wie erhofft, anhaltender Regen zur Unzeit verwässerte die Aromatik der Oliven im herrlichen Hain oberhalb von Bolgheri buchstäblich. Die Hausabfüllung für den Importeur Gustini, eine Cuvée aus Frantoio und Mariolo, schillert immerhin schön grün und mandelig mit Aromen von gemähtem Gras, grünem Apfel, Artischocken, grüner Banane, Radicchio und Rauke. Wir drücken fest die Dauen, dass die Fonte di Foiano im nächsten Jahr wieder ganz vorn mitspielen wird.
Loc. Fonte di Foiano, 57022 Castagneto Carducci, Italien
Was verbirgt sich hinter “Signor Oil”? Zwei Männer, Denis Okore und Giuseppe Sacco, die von Berlin aus ihr Ölprojekt in Apulien realisiert haben. 50 Hektar Olivenhaine werden bei Torremaggiore, 30 Kilometer von der Adriaküste entfernt, geerntet, und zwar vor allem die Sorte Peranzana. Deutlich grün wirkt das Öl in nase und auf der Zunge, die Noten erinnern an Artischocken, Rosmarin, Spinatblätter und Kiwi. Auch an Bitterkeit und Schärfe fehlt es nicht. Sehr gelungen für den Anfang!
Der geschätzte Kollege Andreas März, Herausgeber der Zeitschrift Merum, ist wieder mit von der Partie mit einem wie gewohnt sehr guten Olivenöl, gewonnen in den Hainen (20 Hektar) um Lamporecchio, eine halbe Autostunde südlich von Pistoia. Das Baduccio bio wird aus den Sorten Frantoio und Leccio del Corno gewonnen und gefällt uns gut, mit seinen deutlich herben Aromen von Radicchio, Chicoree, Olivenblätterm und Bittermandeln.
Drei Öle in den Top 100, zwei davon weit vorn platziert – es lief nach einem mageren letzten Jahr diesmal wieder erfreulich für Salvatore Cutrera, einen der besten und wichtigsten Ölproduzenten Siziliens. Sein rein aus Nocellara-Oliven gepresstes Öl aus der jüngeren Serie “Salvatore Cutrera” erfreut mit schönem Bukett von Gras, Tomaten, Salatblättern und Salbei mit einem Geschmack von Avocado und etwas Minze. Gut für viele Zwecke in der Küche.
Etwas schwächer als im Vorjahr, kann sich Oleocampo immerhin mit seinem Picual-Öl in unseren Top 100 platzieren. Die Besitzer gewaltiger Oliven-Landschaften von 300 Hektar Größe hatten ebenso wie viele andere spanische Ölbauern unter anhaltenden Regenfällen im Herbst gelitten – gut zwar für die Menge an Öl, schlecht aber für die Spitzenqualität. Wir schmecken beim mittelkräftigen Öl Pinienkerne, grüne Bananen, Spinatblätter und Olivenblätter sowie eine gute scharfe Peperoncino-Spitze. Schönes Allrounder-Öl.
Noch nie was von Palagianello gehört? Aber jetzt: Die Kleinstadt hat 7500 Einwohner und liegt 27 Kilometer landeinwärts von Tarent und dem gleichnamigen Golf im Ionischen Meer. In der Antike haben viele Griechen hier Kolonien gebildet, bis heute sprechen 20 000 Einwohner griechische Dialekte. Hier also bewirtschaftet Giovanni Mazzarrino 27 Hektar Land mit 12000 Bäumen, für die Olivenpressung kann er eine eigene Ölmühle im Ort nutzen. Der eigentümliche Name des Öls verweist auf die Adresse und bedeutet übersetzt “spitzer Bergrücken”. Die Cuvée aus den Sorten Frantoio und Nocellara Messinese bietet schöne mittelkräftige Fruchtnoten von grünem Apfel, Kiwi, grüner Bananenschale und grüner Mandel mit einem Akzent von Pinienkernen und Walnüssen.
C.da Serrapizzuta, 19A, 74018 Palagianello, Italien


