Die 100 besten Olivenöle: Olio Award 2026
Von mittlerweile mehr als 200 Hektar Olivenhainen produziert und vermarktet die Familie Gálvez González seit Ende 2004 ihre Olivenöle auf den Fincas Los Juncales und La Casa del Agua in den Ausläufern der Sierra Morena. Der ganze Stolz des Hauses sind die AOVEs der „Oro Bailén“-Linie, deren Picual-Varianten wir in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten immer wieder ausgezeichnet haben – mehrere OLIO Awards inklusive. Diesmal jedoch ist das spektakuläre Hojiblanca der Liebling der Jury. In der Nase zeigen sich Agrumen, grüne Tomaten, Rosmarin und Zitronenmelisse. Am Gaumen wird all dies noch intensiver, ergänzt durch grüne Banane, helles Mandelbitter und grüne Chilis, die für ein lang anhaltend pikantes Finish sorgen.
Ctra. Plomeros, Casa del Agua, 23730 VILLANUEVA DE LA REINA, Spanien
Wie schon im Vorjahr eine Bank und erneut unter den Top 50: Der Quattrociocchi-Gustini-Klassiker – für die Kampagne 2025/26 setzt der Weltklasseproduzent bei dieser Abfüllung auf ein sortenreines Moraiolo – präsentiert sich angenehm herb, was sowohl die feine Piccantezza als auch die aromatische Ausdruckskraft zusätzlich verstärkt. In der Nase und am Gaumen zeigen sich grüne und reife Tomaten, Kräuter – insbesondere Thymian –, Olivenfrucht und Olivenblätter, frische junge Spinatblätter, gelbe Äpfel, Radicchio, Mandel sowie eine gewisse Nussigkeit. Ein Juror notierte dazu treffend: „grüne Haselnuss – nicht als Fehlton!“ Wie gesagt: immer exzellent!
S.S. 148 Pontina km 99,000, 04019 Terracina, Italien
Nummer zwei des diesjährigen Almazaras-de-la-Subbética-Schaulaufens ist die enorm harmonische Bio-Cuvée der „Gold“-Serie aus Picuda und Hojiblanca. Wie alle Öle der Genossenschafter aus der D.O. Priego de Córdoba überzeugt auch dieses Extra Vergine mit geradezu atemberaubender Konstanz und Konsequenz und zählt erneut zu den Besten des Jahrgangs. In der Nase zeigt sich eine sehr frische und animierende Mischung aus grasig-tomatigen Noten, Artischocke, Blattspinat und grüner Mandel – allerdings ohne ausgeprägte Bitterkeit. Am Gaumen wirkt das Öl etwas breiter, mit Schnittlauch, Kiwi- und Zitrusaromen, moderaten Bitternoten sowie einer grün-pikanten, recht distinkten und zunehmend intensiven Peperoncini-Schärfe – spanisch korrekt: Guindilla vasca –, die dem Finish zusätzliche Komplexität verleiht.
Pol. Los Bermejales, Ctra. A 339-Km, 14810 Carcabuey, Spanien
Das Monocultivar des Palazzo di Varignana aus 100 Prozent Nostrana di Brisighella – einer autochthonen Sorte mit großen, recht kälteresistenten Früchten – stammt von Olivenbäumen, die gemeinsam mit Weinbergen und Obstgärten zu einem 650 Hektar großen Latifundium gehören. Das DOP-zertifizierte Extra Vergine steht seiner Herkunft in nichts nach: leicht dickflüssig, aromatisch geprägt von frisch geschnittenem Gras, Artischocken, etwas Spinat sowie ätherisch-balsamischen Kräutern – ein Juror notierte treffend „macchia“. Am Gaumen setzt sich dieser Eindruck fort. Im Finale zeigt sich das Öl grünlich-herb, mit deutlichem und zugleich schönem Lattich- und Artischockenbitter. Rauke und Peperoncini verbinden sich zu einer moderaten, angenehm wärmenden Schärfe.
VIA CA' MASINO, 40024 Castel San Pietro Terme Loc. Varignana, Italien
Ein Dauergast auf den oberen und obersten Rängen: jenes Öl, das aus der Wüste kommt – dem Desierto de Tabernas. Unser Favorit aus dem „Wüstengold“-Portfolio von Olivenölflüsterer Rafael Alonso Aguilera ist, wie schon im Vorjahr, ein Blend aus Picual, Hojiblanca und Arbequina. Das Öl wuchert geradezu mit seinen aromatischen Pfunden: grasig-grüne, balsamisch-frische Noten treffen auf Schnittlauch. Am Gaumen changiert es zwischen Artischocken- und Kardenbitter und einer fröhlich-pikanten Aromatik von noch unreifer Tomate, Spinat- und Olivenblättern, grüner Banane samt Schale sowie Agrumen.
CTRA N340A, 4200 TABERNAS, Spanien
Der OLIO-Award-Gewinner der Kategorie „mittelfruchtig“ von 2016 sowie Top-30-Platzierte der Jahre 2022, 2024 und 2025 beweist eindrucksvoll qualitative Konstanz. Angesichts des Produzenten – der Familie Yévenes, die sich seit 1858 der Herstellung von Olivenöl widmet und mit „Knolive Oils“ vor einigen Jahren eine von Beginn an vielfach prämierte Zweitmarke etablierte – überrascht das allerdings kaum. Das sortenreine Picual aus den Sierras Subbéticas, einer Grand-Cru-Region für fulminante Olivenöle, präsentiert sich ausgesprochen grün: frisch geschnittenes Gras, grüne Mandeln, Olivenblätter, etwas Limettenschale und reichlich Artischocke prägen das Aromabild. Am Gaumen folgen Feldsalat, weißer Pfeffer, ein präsentes Artischocken- bis Walnussbitter sowie ein leicht chili-scharfer, zunehmend pikant werdender Nachhall.
Für die Familie Orsini begann alles mit einer gewissen Großtante Olivia, die Ende des 19. Jahrhunderts einen Olivenhain mit alter Mühle bei Priverno erwarb. Das Städtchen liegt auf dem Rücken des Monte Saiano, einem Ausläufer der Monti Lepini. Die meisten der rund 4000 Olivenbäume, die sich auf über 120 Hektar gemeinsam mit Mandel- und Zitronenbäumen erstrecken, sind inzwischen weit über 200 Jahre alt. Dass sich dies positiv auf die Qualität des Extra Vergine auswirkt, zeigt dieses Riserva-Öl eindrucksvoll. Hier stimmt einfach alles: grüne Tomate, frisch geschnittenes Gras, grüner Pfeffer, Chicorée, Spinatblätter, grüne Peperoni und Limette samt Schale treffen auf ein herb-grünwürziges Bitter sowie eine fast ätherische, längst nicht mehr ganz moderate Schärfe. Itrana at its best!
Unternehmensberatung und Investment Banking war gestern bzw. 2014: Denn seit 2015 machen Beatrix und Rudolf Nemetschke im istrischen Sveti Lovrec in Olivenöl. Hier, auf von alten Steinmauern umgebenen Parzellen, haben sie etwa 400 z. T. jahrhundertealter Olivenbäume um mehr als 9000 Jungpflanzen ergänzt – und offensichtlich alles, aber auch alles richtig gemacht. Denn – herzlichen Glückwunsch zum zehnjährigen Jubiläum und zum Einstand beim OLIO-Award! – denn das aus der autochthonen Sorte Buža gepresste, sehr harmonische Öl, ist ganz hervorragend! Gras, grüne Äpfel, grüne Banane (auch Schale), am Gaumen eine reizvolle Kombination von Kräutern, jungem Spinat und Kiwi, im Nachhall moderate Radicchiobitternoten und eine sehr kultivierte Schärfe. *mittelfruchtig*
Das von den Corsinis – Clemente und Gabriella sowie ihren Kindern Lodovico, Niccolò und Dianora – auf ihrem Landsitz rund zehn Kilometer nördlich von Florenz reinsortig aus der Sorte Leccio del Corno gewonnene Öl ist bemerkenswert gelungen. Insgesamt stehen der Familie dort 15 verschiedene Olivensorten zur Verfügung. „Bold & complex“, verspricht das Etikett – und wir bestätigen das gern. Das sortenreine Extra Vergine duftet frisch grasig, nach grünen Mandeln, etwas Banane, grüner Tomate und Oregano. Am Gaumen legt das Öl mit herben Radicchio- und Bittermandelnoten sowie reichlich Pfefferschärfe und pikanten, im Finish angenehm lang anhaltenden Peperoncino-Akzenten noch einmal nach.
Das grandios gelungene, gefühlt ewige „Picual-Referenzöl“ der Familie Gálvez González, die auf ihren Fincas in den Ausläufern der Sierra Morena in der Provinz Jaén seit Ende 2004 ihr „flüssiges Gold von Bailén“ produziert, duftet anregend grün: grasig, intensiv nach Tomate – wohlgemerkt grün, inklusive der Blätter der Pflanze –, dazu Minze, Rosmarin und Spinat. Am Gaumen wiederholt sich dieses Spektakel, ergänzt durch viel Rauke und Peperoncini, die für eine lang anhaltende, dabei angenehm moderate Schärfe sorgen. Hinzu kommen zarte Zitrusnoten, Avocado sowie ein feines, angenehm klares Artischocken- bis Chicorée-Bitter.
Ctra. Plomeros, Casa del Agua, 23730 VILLANUEVA DE LA REINA, Spanien


