Die 100 besten Olivenöle: Olio Award 2026
Wein und Olivenöl – das sind die beiden Säulen, auf denen die Tenute Manduano beziehungsweise das Weingut Mandwinery bei Cerignola, rund 40 Kilometer südlich von Foggia, ruhen. Michela und Vito Manduano zitieren hier Michelangelo und Ernst Jünger, setzen auf Rebsorten wie Nero di Troia, Susumaniello, Negroamaro und Bombino Bianco, aber auch auf Pinot Nero und Chardonnay. Bei den Oliven vertrauen sie auf Coratina und Bella Cerignola. Letztere bildet die Basis für ein großartiges Extra Vergine, das grasig-frisch und sortentypisch nach jungen Erbsen, Kräutern, grüner Banane und Mandeln duftet und schmeckt. Hinzu kommen markante, zugleich harmonisch austarierte Bitter- und Schärfenoten. Wir gratulieren!
Via Michele D’Emilio, 71042 Cerignola, Italien
Immer wieder Maestro Americo Quattrociocchi! Das Welt-„Classico“, das sich heuer vor den Boliden „Superbo“ und „Olivastro“ sowie den – wie immer hervorragenden – Auftragsarbeiten „Antico Frantoio della Fattoria“ und „La Bella dell’Oliveto“ platzieren konnte, ist ein sortenreines Itrana, come si deve: ein Öl für alle Küchenlebenslagen. Herrlich grasig, kräuter- und tomatengrün, dazu Mandeln, Banane, ein Hauch Avocado und eine Spur Artischocke – dabei stets schlank, präzise und beeindruckend komplex. Im Finish zeigt sich eine anregende Bitterkeit, und das Mehr an Piccantezza ist hochwillkommen!
S.S. 148 Pontina km 99,000, 04019 Terracina, Italien
Das „Epicure“ kann ja nur gut sein. Warum? Dahinter steckt derselbe Produzent, der auch für Platz 26 unseres Wettbewerbs verantwortlich zeichnet: die Familie Yévenes, deren klassische Linie unter dem Etikett „Hispasur“ vermarktet wird. Seit 1858 widmet sich die Familie dem Olivenöl – Zeit genug also, um neben der Tradition auch eine zeitgeistige und qualitativ hervorragende Zweitmarke zu etablieren. Der Blend aus Hojiblanca und Picuda duftet grasig-frisch und zeigt zugleich deutlich fruchtige Noten von Apfel, Tomate und Olivenblättern. Am Gaumen folgen Avocado und erneut Tomate, dazu sehr präsente und raumgreifende Bitternoten von Artischocke und Radicchio. Die Schärfe entwickelt sich von Rauke und Rettich hin zu moderatem schwarzem Pfeffer, ehe im Nachhall deutlich mehr Chili zum Vorschein kommt.
Auch das zweite, aus Coratina-Oliven gepresste Öl von Michela und Vito Manduano ist eine wahre Schau! In der Nase zeigen sich Mandeln satt – nicht von ungefähr trägt das Öl den Namen „Addurè“, was im apulischen Dialekt so viel wie „duften“ bedeutet –, dazu frisches Gras, Tomatenblätter und ätherisch-würzige Kräuternoten. Am Gaumen folgen erneut Mandelaromen, dazu Chicorée, eine ausdrucksstarke Bitterkeit mit komplexen Anklängen von Radicchio, grünen Mandeln und Walnüssen sowie eine sich stetig steigernde Piccantezza bis hin zu fast feuriger Peperoncino-Schärfe. Ein ziemlich famoses Extra Vergine!
Via Michele D’Emilio, 71042 Cerignola, Italien
Nach dem OLIO Award für das zweitbeste intensiv fruchtige Öl 2024 und einem 20. Platz im Vorjahr trumpft Andrea Serrilli nun auch in Sachen Coupage auf. Nach den Coratina-Wonnen der vergangenen beiden Runden begeistert diesmal sein Jubiläumsblend – wir vermuten überwiegend Coratina, ergänzt durch ein gerüttelt Maß Ogliarola Garganica. Das neue Öl ist quasi aus dem Stand ein großer Wurf! In der Nase zeigen sich grasige Noten, dazu Artischocke, grüne Paprika, grüne Banane und Oregano. Am Gaumen präsentiert sich das Öl komplex und harmonisch, von allem ein wenig mehr, ergänzt durch Artischocken- bis Mandelbitternoten und ein sehr persistentes, angenehm pikantes Finale.
Contrada Calderoso, 71014 San Marco in Lumis, Italien
Zwei Öle unter den Top 50, ein weiteres auf Platz 79: Salvatore Cutrera ist die grün-goldene Eminenz des sizilianischen Olivenöls. Nicht ohne Grund lassen mehr als ein Dutzend national wie international preisgekrönter Produzenten der Insel ihre Oliven bei ihm mahlen. Das Biancolilla-Öl stammt von Bäumen, die in blauen, tonreichen Lehmböden wurzeln – daher auch der Name „argila blu“. In der Nase entfalten sich frisch geschnittenes Gras, grüne Äpfel, etwas Banane, Tomate, Oregano, grüne Mandeln und Olivenblätter. Am Gaumen zeigen sich erneut Tomatennoten inklusive Laub und Rispe, dazu wieder Mandeln, nun mehr grüne Banane, leichte Gewürzanklänge, zartes Mandel- und Walnussbitter sowie eine ungemein feine, recht lang anhaltende Rauke-Schärfe. Alles wirkt ausgesprochen harmonisch und animierend komplex!
Luigi und Vito Girone-Bisceglie did it again! Ein Öl, eine Sorte – Coratina – und eine echte Wucht: Das „GangaLupo“, gepresst bei Donato Conserva im Frantoio Mimì, wurde erneut ausgezeichnet und überzeugt einmal mehr auf ganzer Linie. Das Öl punktet mit einer sehr stabilen Bitterkeit von grünen Mandeln, Walnusshaut und Zichorie sowie einer etwas zurückhaltenderen Schärfe mit nur einer Prise Peperoncini. Aromatisch begeistert es vor allem mit grünen Mandeln, grasig-frischen Noten und Artischocke, ergänzt durch grüne und reife Banane samt Schale, Petersilienwurzel und grüne Kaffeebohnen. Auguri!
Via Nicholas Green, 70127 BARI, Italien
150 Hektar Olivenhaine, über drei Millionen Liter Olivenöl pro Jahr – und trotzdem „nur“ ein, wenn überhaupt, mittelgroßer Familienbetrieb: andalusische Verhältnisse! Die Familie Martos Ávila produziert nun schon in vierter Generation Olivenöl und macht spätestens seit der Einführung ihrer Marke Bravoleum alles richtig. Der beste Beweis dafür ist dieses animierend bittere und beherzt pikante „Monocultivar“ der Sorte Hojiblanca. Neben diesem Öl gibt es „Bravoleum“ auch als Picual, Arbequina, Frantoio, Nevadillo Blanco, Bio-Picual oder als Spezialität aus Ernte am ersten Kampagnentag beziehungsweise nächtlicher Lese. Das Öl erinnert aromatisch an duftendes Gras, Olivenblätter, Artischocke, grüne Tomaten und Kräuter wie Minze, Salbei, Rosmarin und etwas Oregano.
Paseo de la Estación, 13, 8º - 3ª, 23007 Jaen, Spanien
Tommaso Masciantonios aus der autochthonen Sorte Crognalegno gewonnenes Öl, das von Olivenhainen an den Ausläufern des mächtigen Majella-Massivs in den Abruzzen stammt, ist – um die ziemlich enthusiastische Jury zu zitieren – „Typ M, mandorla pur“! Dazu gesellen sich grüne Banane und Basilikum. Am Gaumen zeigt sich das Öl zunächst leicht süßlich, neben all der Mandelherrlichkeit auch mit einem Hauch Tonkabohne – allerdings ohne überbordende Vanillekomponente. Hinzu kommen ein ausgeprägt helles, glockenklares Mandelbitter sowie eine im Nachhall crescendierende, perfekt korrespondierende Chili-Schärfe. Grande!
C.DA CAPRAFICO, 66043 CASOLI, Italien
Es kann nur eines geben: Seit 2004 und dem ersten OLIO Award des Feinschmeckers in der Kategorie „intensiv fruchtig“ könnte man auf dieses Öl wetten – das meist ausgezeichnete AOVE überhaupt – und läge damit fast immer goldrichtig. 2023 bis 2025 Platz 1, 2022 Platz 2, 2020 erneut Platz 1 und so weiter. Auch dieser 20. Platz ist Weltklasse! Das sortenreine Hojiblanca präsentiert sich anregend, aber keineswegs übertrieben bitter. Die Schärfe – eine Mischung aus Guindilla Vasca und Senföl – ist ideal austariert. Dazu kommen grasige Noten, jede Menge Tomate in all ihren Facetten – Frucht, Blätter und Rispe –, Kräuter wie Zitronenthymian und Minze sowie Anklänge von grünen Mandeln, Banane und Apfel. Für dieses Olivenöl gilt ganz klar „Rincón’s Law“: einmal Hall of Fame, immer Hall of Fame!
Pol. Los Bermejales, Ctra. A 339-Km, 14810 Carcabuey, Spanien


