Deutsche Winzerinnen: Jetzt kommen wir!

Pfälzer Rebberge waren traditionell Tummelplätze für Traktoren-Machos. Noch heute führen Frauen keine zehn Prozent der Güter – aber es werden mehr, und sie sind gut! Wir stellen deutsche Winzerinnen vor, die Sie sich gut merken sollten.

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Hätte Yvonne Libelli auf ihre Eltern gehört, wäre sie keine Winzerin geworden. Franz und Elisabeth Lucas sahen in ihrem Sohn Martin den geeigneten Nachfolger, Yvonne sollte lieber „etwas mit Sprachen machen“ oder Lehrerin werden. „Ich hatte“, sagt sie, „lange Zeit nicht das Gefühl, dass es möglich sei, Winzerin zu werden.“ Doch genau das hatte sie sich in den Kopf gesetzt. Besondere Rieslinge aus den berühmten Forster Lagen wollte sie erzeugen.

Am ersten Wein versuchte sie sich mit acht Jahren, klärte den Most mit einem Kaffeefilter und gestaltete eigenhändig ein Etikett „mit Schnörkeln und Trauben drauf“. Ob der Wein geschmeckt hätte, hat sie nie erfahren, denn die Mama hat ihr „den Saft abgenommen, als er anfing zu gären“. Es brauchte lange Diskussionen und schlagkräftige Argumente, aber inzwischen führt Yvonne Libelli den familieneigenen Margarethenhof gleichberechtigt mit ihrem Bruder. Weinbau und Kellerwirtschaft seien keine Männerdomäne mehr, sagt sie.

Wein ist auch weiblich

Yvonne Libelli ist nur eine der jungen Pfälzer Winzerinnen ihrer Generation, die von sich reden machen. Aber ob Libelli, Katrin Wind, Sophie Christmann, Victoria Lergenmüller, Regine Minges oder Karoline und Dorothee Gaul: Alle mussten sich ihren Platz gegen viele Widerstände erkämpfen. „Einer Frau traut man nicht so viel zu wie einem Mann“, sagt Sophie Christmann, „und mit Frauen in Führungspositionen haben ohnehin viele ein Problem.“ Obwohl in Geisenheim inzwischen rund 30 Prozent Frauen Weinbau und Önologie studieren und der Studiengang Internationale Weinwirtschaft sogar zur Hälfte von Frauen belegt wird, werden noch keine zehn Prozent der Pfälzer Güter von Winzerinnen geführt. „Das wird sich bald ändern“, glaubt Christmann, Paradebeispiel einer gut ausgebildeten und selbstbewussten Weinmacherin, die sich auch als Unternehmerin versteht.

Die Pfalz – eine von PS und Testosteron geprägten Weinregion

Die Pfalz galt lange Zeit als kerniger und etwas derber Landstrich, dessen Winzer stolz ihren Maschinenpark zur Schau stellten. In der von PS und Testosteron geprägten Weinregion schien kaum Platz für Frauen zu sein, sie schob man gern ins Büro ab, für Kaffee und Marketing. Es ist nicht lange her, dass Katrin Wind zu hören bekam, sie könne kein Weingut leiten, „weil sie sich nicht mit Maschinen auskennt“.

Hinterfragt man den aktuellen Wandel in der Pfalz, fällt immer wieder der Name Stefanie Weegmüller, die das elterliche Gut in Neustadt schon 1988 übernahm und Traditionen und Regeln trotzte. „Sie hatte es viel schwerer als wir“, sagen Karoline und Dorothee Gaul, „sie hat den Weg für uns Frauen geebnet.“ Weegmüller hielt ihre weiblichen Auszubildenden zur Selbstständigkeit an, um sich nicht von einer Horde auf Technik und Maschinen fixierter Männer abhängig zu machen. Sie gilt als Vorbild für die heutige Generation von Winzerinnen, die fachkundig, elanvoll und schlagfertig auftritt.