Die 100 besten Olivenöle: Olio Award 2026
Der Feinschmecker testet und bewertet jedes Jahr die besten Olivenöle mit dem Olio Award. Von leicht fruchtig über mittel fruchtig bis intensiv fruchtig ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Die Vorstellung von der Toskana als Sehnsuchtsort? Absolut kein Klischee, wenn man sein geografisches wie kulinarisches Fernweh mit einem solchen Öl kurieren kann – zumindest für die Dauer eines langen Mittag- oder Abendessens unter gleichgesinnten Freunden. Das famose sortenreine Frantoio der Tenuta Gardini, einem idyllisch gelegenen Landgut bei Bibbona mit ebenso idyllischem Relaishotel, stammt von 22 Hektar Olivenhainen mit rund 5000 Bäumen – und könnte kaum reizvoller sein: ätherisch-frisches Gras, grüne Mandeln, Artischocken und Kardonen, dazu Zitrone sowie Noten von Thymian und Oregano. Im Nachhall zeigt sich eine herrliche Kombination aus ausgeprägtem Mandelbitter und distinkter, lang anhaltender Schärfe – perfekt ausbalanciert. Das ideale Siegeröl für die einzig sinnvolle Toskana-Therapie: kochen, essen und genießen!
Zeitgeist, Lifestyle, ein wenig Glamour – warum nicht? José Miguel Ramírez, ein spanischer Entrepeneur, setzt mit seiner jüngst ins Leben gerufenen Unternehmung auf „einen jungen und internationalen Ansatz, auf modernes Design und zahlreiche Kooperationen mit Influencern aus verschiedensten Bereichen, um ein junges Publikum anzusprechen.“ Glücklicherweise setzt er ganz offensichtlich auch auf ein gerütteltes Maß an Know-how und exzellente Oliven, denn sein sortenreines Bio-Hojiblanca ist eine Wucht! Es duftet wunderbar grünmandelig, dazu grüne und reife Tomaten, jede Menge Kräuter (Rosmarin!) und etwas Blattspinat, am Gaumen Apfel, wieder Tomate, Rauke, kräftiges Artischockenbitter (etwas Mandel ist auch dabei) und crescendierendes, herrlich nachhaltig scharfes Finish (Chili in großzügiger Dosierung).
Sieh einer an: Aller guten Dinge sind offenbar vier! 2023 die OLIO-Award-Premiere mit der „Glückszahl“ 13, ein Jahr später bereits Platz 11, im Vorjahr dann das Podium und der erste Platz unter den mittelfruchtigen Ölen – und jetzt die Königsklasse „intensiv fruchtig“: Platz 2 und der zweite Award für den Coratina-Kracher von Andrea Amadori! Das Öl aus den vor Biodiversität strotzenden Hainen rund um die mittelalterliche Gemeinde Cancellara duftet nach grünen und reifen Mandeln und zeigt dabei ein herrlich sattes, präzise konturiertes Bitter. Die grünen Noten sind ausgesprochen präsent. Am Gaumen entfalten sich neben viel Mandel auch Basilikum- und Apfelaromen, ehe ein kräutrig-würzig-herbes Finish übernimmt, das glücklicherweise ebenso animierend wie pikant ausfällt – auguroni!
Nach Nonno Umberto und Papà Edoardo lenkt nun Paola – gemeinsam mit ihrem Ehemann Paolo und unterstützt von Tochter Anna Silvia – die Geschicke der Azienda Agricola Orsini, die über Olivenhaine mit gut 10 000 Bäumen verfügt. Das sortenreine Itrana präsentiert sich anregend bitter und moderat pikant – wobei dieses „moderat“ ausgesprochen hübsch ausfällt. In der Nase zeigen sich frisches Gras, Olivenblätter, Artischocke und Rosmarin. Am Gaumen setzt sich dieser Eindruck fort: erneut Artischockenbitter, das immer schöner und ausdrucksvoller wirkt, dazu Kräuternoten, nun auch Apfel sowie eine feine Schärfe. Alles ist vorhanden, alles hervorragend ausbalanciert – bravo!
Von Platz 29 im Vorjahr nun der Sprung zum OLIO-Award: ¡Enhorabuena! ¡Y más que merecido! Und wieder begeistert das „Oleosubbética“ – 100 Prozent Hojiblanca – mit seiner balsamisch-frisch-fruchtigen Ader. Das aromatische Profil dieses sortenreinen, recht mandelbitteren und ausgesprochen scharfen AOVEs – schwarzer Pfeffer und grüne Peperoncini lassen grüßen – reicht von grünen und reifen Mandeln sowie Kräutergrün wie Rosmarin, Verveine und Zitronenthymian über grasige Noten bis hin zu grünen Äpfeln, unreifer Banane, Tomatenblättern, Olivenfrucht und Artischocken. Alles bewegt sich also überwiegend im grünen Aromenspektrum – und wir sind most amused!
Noch besser als im Vorjahr: vom dritten auf den ersten Platz in der Kategorie „mittelfruchtig“ – bravo! Donato und Michele Conserva haben mit ihrer ölgewordenen Hommage an ihren viel zu früh verstorbenen Vater Domenico, genannt Mimì, erneut Maßstäbe gesetzt. Das Öl hat sich längst als einer der beständig besten Coratina-Reinsorter Apuliens – wenn nicht ganz Italiens – etabliert. Die beiden Brüder verwirklichten den Traum ihres Vaters von eigenen Olivenhainen und eigenem Extra Vergine in beeindruckender Konsequenz. Vier verschiedene Produktlinien bilden das Beste der Sorten Ogliarola, Cima di Melfi, Coratina, Peranzana und Nocellara ab. Und wieder einmal begeistert uns dieses 100 Prozent Coratina mit 100 Prozent intensiver, vollkommen beglückender Aromenfülle: Bittermandel, Thymian, grüne Banane, grüne Paprika, Apfel und Kiwi treffen auf Radicchiobitter mit leichtem Einschlag von Walnuss sowie auf eine stetig ansteigende Brunnenkresse- und Chili-Schärfe.
Und noch ein Lorbeerkranz für ein weiteres prachtvolles Öl aus enorm ausdrucksstarken Coratina-Oliven – wenn man es so vortrefflich beherrscht wie Giuseppe Ciccolella. Sein im Ansatz seidig-süßliches Extra Vergine „Cagnara“, das aus der Gegend um Giovinazzo, Molfetta und Terlizzi stammt, zieht alle Register eines nahezu klassischen Aromenspiels: jede Menge Mandeln, dabei komplexe Noten von grüner bis reifer Banane und Apfel, florale Anklänge sowie ein Hauch von Tonkabohne. Dazu gesellen sich verspielte Variationen von Radicchio und Bittermandel – komplex und lang anhaltend. Die gekonnt abgetönte Coda verbindet sehr schöne, klare Bitternoten mit animierend präsenter Chilischärfe und einer bemerkenswerten Frische, die an Minze denken lässt. Ciccolella – so gut wie nie zuvor!
Strada Vicinale Fondo Favale, 70056 Molfetta, Italien
67 Jahre Olivenöl und noch immer kein bisschen müde – im Gegenteil. Was 1959 recht bescheiden begann, ist heute in qualitativer Hinsicht geradezu modellhaft: 2007 investierte das Unternehmen in dem für seine Pistazien berühmten sizilianischen Städtchen Bronte in eine „Mühle“ – eigentlich eine hypermoderne Extraktionsanlage. Das hervorragende Ergebnis „in Öl“ brachte der Jury den OLIO-Award für das beste leichtfruchtige Öl 2026 ein. Waren es in der Vergangenheit hauptsächlich die „Le Sciare“-Öle, schlägt unser Herz heuer für eines aus der „Romano“-Linie: Das zart süße, sortenreine Nocellara dell’Etna duftet nach grünen Tomaten samt Rispen, eingehüllt in Rosmarin, Salbei und Minze. Am Gaumen zeigt sich eine feine, dafür umso ausgeprägtere, über die Distanz zunehmende und lang anhaltende Schärfe sowie ein moderater, dennoch markanter Bitteranteil mit recht grüner Ausprägung – absolut gelungen!
C.da Corvo-S. Nicola, 95034 CATANIA, Italien
Unglaublich, aber war: Seit 2004 und dem ersten OLIO-Award des Feinschmeckers in der Kategorie „intensiv fruchtig“ könnte man auf dieses Öl, das meistausgezeichnete AOVE (Aceite de Oliva Virgen Extra) überhaupt, wetten und läge damit, wie unser Dauersieger, goldrichtig! Und wieder ein 1. Platz, allerdings, und das ist ein Novum, als bestes Öl der Kategorie „leicht fruchtig“. Aber auch hier bleibt es Weltklasse! Das in der Tat im Vergleich zum Vorjahr fast schon subtil duftende Hojiblanca, hält sich auch in Sachen Bitter geradezu vornehm zurück, die Schärfe allerdings rollt fröhlich in kleinen, aber stetigen Wellen an (wie gehabt eine Mischung aus guindilla vasca und Senföl): grüne und reife Tomaten, Artischocken, Olivenblätter, etwas Kamille und leicht zitrische Noten (Limettenschale, Zitronenthymian), am Gaumen dann Minze, grüne Paprika und ein Hauch Banane.
Ctra.A 339-Km, 14810 Carcabuey, Spanien
Im Vorjahr konnten sich drei Öle der Familie Vanđelić unter den besten 50 Ölen des Jahrgangs platzieren. Diesmal heißt es – neben Rang 55 beziehungsweise 83 – Siegertreppchen für das „Monosort“ aus der Istarska Bjelica, das wir über den grünen Klee und sämtliche anderen Olivensorten loben. Es duftet nach frisch geschnittenem Gras und grünen Mandeln, dazu offenbaren sich enorm mandelige, fast frostig-rauchige Noten sowie Anklänge von grüner Paprika. Am Gaumen erneut grüne Mandeln und kräutrige Akzente von Thymian. Wie schon im Vorjahr stehen Süße und Bitterkeit in schönstem Einklang, die Schärfe ist im Finish quasi nahtlos integriert. Potenz und Persistenz sind auch hier perfekt proportioniert.


