Die 100 besten Olivenöle: Olio Award 2026
Giancarlo Giannini aus Arezzo produziert jährlich 20 000 Liter Öl, die Ausbeute von 6000 Bäumen im wunderschönen Hügelland zwischen der Toskana und Umbrien. Sein bestes Öl ist das Vapiano, das ziemlich zuverlässig bei uns hohe Wertungen erhält. Gepresst aus den Sorten Frantoio, Moraiolo, Leccino, Raggiale und noch weiteren Sorten, erfreut es mit dem Bukett von frisch gemähtem Gras, reifer Mandel und reifem Apfel und ausgewogenem Kräutergeschmack.
Unser erfolgsverwöhnter Dauer-Sieger Americo Quattrociocchi aus Latium muss dieses Jahr einen herben Dämpfer verkraften - kein OLIO-Award ist diesmal dabei, dafür aber gute Plätze im vorderen Bereich. Auch für das “Superbo”, das letztes Mal noch den dritten Platz der Kategorie intensiv fruchtig erzielt hat, lief es nicht gut genug. Die Cuvée aus Moraiolo und Itrana wirkt leicht fruchtig, viel milder und süßlicher als sonst, mit dem Duft von Gras, Brennnesseln, Salatblättern und den Aromen von Mandeln, Artischocken und wildem Broccoli. Vielleicht mal ein Tipp für Einsteiger!
S.S. 148 Pontina km 99,000, 04019 Terracina, Italien
Mario Lamantea bewirtschaftet 15 Hektar Land in Bisceglie, zwischen Baretta und Bari an der Adriaküste. Neben Olivenöl stellt er auch Keramikgeschirr her und verschiedene Patés. Typisch für Ölproduzenten aus Apulien, konzentriert er sich ganz auf die Sorte Coratina. Sein Zero 1 schmeckt entschieden nach Artischocken, grüner Mandel, Kräutern und Radicchio mit fein-zarten Noten von Pinienkernen.
Die bekannten Winzer aus der Region Palermo bewirtschaften 70 Hektar Olivenhaine mit 20 000 Bäumen, die typische Olivensorten aus Sizilien tragen, darunte Cerasuola und Biancolilla. Bestes Öl in diesem jahr ist das Feudo Disisa, reinsortig aus der kräftigen Nocellara gewonnen. Es duftet schön nach frisch gemähtem Gras, Artischocken, reifer tomate und reifer Banane mit moderater Bitterkeit und gezügelter Schärfe. Prima Allrounder-Öl für viele Gerichte!
Auf sein Rosinjola-Öl ist Damir Vandelic besonders stolz, denn diese Olivensorte existiert wirklich nur in Istrien und steht für kräftige, aromenstarke kräuterbetonte Öle. Der - knapp vor Chiavalon – erfolgreichste kroatische Ölproduzent und umtriebiger Manager lässt das Öl in vielen grünen Farben schillern – von geschnittenem Gras über Olivenblätter bis zu grünen Tomaten und unreifen Bananen. Der pfeffrige Nachhall macht ebenfalls gute Laune.
Alle Achtung - im wirklich vom Klimawandel gebeutelten Griechenland schafft es Terra Creta, mit seinem Grand Cru deutlich vorn zu landen, Gratulation! Einmal mehr bewährt sich die Investition dieses modernen Unternehmens in neueste Ölmühlentechnik, die nicht weit von den uralten Olivenbaum-Monumenten von Vouves liegt. Das Öl wird rein aus der klassischen Sorte Koroneiki gepresst und zeigt geschnittenes Gras und grüne Tomaten im Bukett und auf der Zunge Artischocken, grüne Mandeln und reichich Kräuter, allen viran frisches Oregano.
Es lief gut in diesem Jahr auch für Avistria, das ehrgeizige Öl-Unternehmen der österreichischen Zuwanderer in Istrien, Familie Nemetschke. Die 35 Hektar Olivenhaine liegen rund 22 Kilometer nordöstlich von der Hafenstadt Rovinj und genau so weit von Bale entfernt, dem Epizentrum istrischer Öl-Exzellenz. Wir hoffen, dass das sympathische Ehepaar Nemetschke bald hier auch ein (kleines) Besucherzentrum aufbaut, um vor Ort die wunderbaren Öle zu genießen. Das reinsortige Buza-Öl erinnert mit seinen Aromen an Artischocken, Tomatenblätter, Rauke und grüne Banane mit mäßigen Bitternoten.
Es ist schon kurios, beim Spaziergang durch die Altstadt von Novigrad auf das bekannte Logo der Ölmühle zu stoßen. Hier in der Strada Contessa können Besucher nach Voranmeldung die delikaten Olivenöle zu Brot und Tapas verkosten, die am Stadtrand in der eigenen High-Tech-Mühle hergestellt werden. Genau 1854 Olivenbäume zählt die Familie Beletic auf knapp 5 Hektar. Das beste Öl in diesem Jahr ist aus der ursprünglich italienischen Moraiolo-Olive gepresst und zeigt Noten von gerösteter Mandel, reifem Apfel, Artischocken und Basilikum.
“Polifemo” nennt das Unternehmen aus Ost-Sizilien sein Öl, das rein aus der vielleicht besten Olivensorte der gegend gewonnen wird, der Tonda Iblea, die ihren Namen nach der Hügellandschaft der Ibleischen Berge bei Ragusa trägt. Die Quintessenz aus 50 Hektar Olivenhainen mit 10 000 Bäumen ist in diesem Jahr nicht so intensiv wie gewohnt, aber erfreut dennoch mit dem Bukett von Tomatenblättern, Artischocken, grüner mandel, Minze und weiteren Kräutern. Ein Hauch Zitrusschale zeigt die Herkunft an – Sizilien zwischen Chiaramonte Gulfi und Buccheri, eine wundervolle Region und Sitz berühmter Produzenten wie Cutrera und Agrestis.
Nicht ganz so exzellent wie im vergangenen Jahr verlief das Öltasting diesmal für Familie Giallonardi und ihr “Colonia Julia”. Auf dem Weg von Rom nach Neapel, gan in der Nähe der historischen Klosteranlage Monte Cassino, erntet die Familie von ganzen 7 Hektar Hainen. Das reinsortig aus Paesana bianca gewonnene Öl hatte 2025 noch den 2. Platz des OLIO-Awards erreicht, Kategorie leicht fruchtig. Ähnlich empfanden wir das Öl diesmal, nur etwas weniger intensiv. Bukett und Geschmack changieren zwischen gemähtem Gras, Artischocken, grüner Mandel und grüner Banane, dazu überzeugt ein Finish mit pfeffriger Schärfe. Beim Schlucken ist etwas Vorsicht geboten.


