Die 100 besten Olivenöle: Olio Award 2026
„New kid on the block“ oder eine Premiere, die sich sehen lassen kann: Mercedes Santiago debütiert heuer mit Ölen, und beide gehören zu den 100 besten des Jahrgangs – herzlichen Glückwunsch! Unser Herz schlägt vor allem für das sortenreine Picual aus Olivenhainen bei Jaén, bei dem praktischerweise der Polyphenolgehalt (Antioxidantien sind etwas Feines!) auf dem Etikett ausgewiesen wird. In diesem Fall sind es 577 mg pro Liter, die in Freude, Wohlgefallen und grüner Mandel, grüner Tomate, Bananennoten, zartem Chicorée-Bitter und feiner Chili-Schärfe aufgehen. Ganz famos!
Familie Sandi-Gentilini gelingt – nach einem 80. Platz im Vorjahr – mit diesem aus einer erst in den 1960ern identifizierten Sorte die mehr als verdiente Platzierung unter den Top 50 des Jahrgangs – bravo! Das leichtfruchtige Extra Vergine in Bioqualität, das sehr harmonische reinsortige Diana-Öl, duftet nach frisch geschnittenem Gras, Mandeln (grüne und reife), Spinatblättern und Feldsalat, am Gaumen wiederholt sich dieser Eindruck, dazu Pinienkerne, eine Spur Kiwi und ein weiches Mandel-Artischocken-Bitter, das von einer feinen pfeffrigen Schärfe hübsch kontrastiert wird.
Località Belvedere, Strada Comunale delle Strette km 8, 58043 Castiglione della Pescaia, Italien
Auch das zweite Öl, das uns Rafael Alonso Aguilera hat zukommen lassen, ist eindeutig Top-50-Material: Der in diesem Jahr mittelfruchtige Picual-Reinsorter aus der Wüste von Tabernas in der andalusischen Provinz Almería präsentiert sich nicht nur optisch (ähnelt in farblicher Hinsicht verblüffend einem Kneipp’schen Erkältungsbad), sondern auch geschmacklich prächtig grün: grüne (und grünere) Mandeln, Artischocken, grüne Tomaten (Blattwerk inklusive), Mandel-Lattich-Walnuss-Bitter (grün) und Chili-Schärfe (kräftig, aber immer noch im grünen Bereich).
CTRA N340A, 4200 TABERNAS, Spanien
Premiere! Und dann gleich Top 50! Der Hain, von dem die Oliven für dieses Öl stammen, befindet sich auf der Halbinsel Barbariga gegenüber den Brijuni-Inseln und erstreckt sich über eine Fläche von 30 Hektar. Dank seiner idealen Lage an der Westküste der südlichen Halbinsel Istrien verlängert sich die Vegetationsperiode im Vergleich zur umliegenden Region um bis zu drei Wochen. Was ganz offensichtlich den präzisen Erntezeitpunkt erleichtert, denn das sortenreine Buža duftet süßlich-frisch (Gras, grüne Banane und Apfel, ein Hauch Mandel), am Gaumen ein reizvolles Miteinander von Mandelsüße, leicht adstringierendem Mandel-Bitter, fruchtigen Episoden (Banane, entfernt Birne), etwas Oregano und feiner Chili-Schärfe.
Picual? Davon kann es nicht genug geben – besonders wenn’s so wunderbar frisch (Gras, Kräuter, Olivenblätter, zitrische Noten) und aromatisch vielschichtig (Tomate, Kardone, Olivenfrucht, Schnittlauch, Kresse, Blattspinat) ist wie dieses. „Grünes“ Bitter, distinkte Schärfe – passt einfach! Das Öl aus dem familieneigenen Cortijo Virgen de los Milagros in der Sierra Mágina ist seit 2016 immer mindestens (!) unter den Top 50 des OLIO Awards – ein kleines Wunder, das Familie Montabes Vañó da zum wiederholten Male gelungen ist. ¡Felicidades!
Es lebe die Kooperative! Das Öl der Genossenschafter von Agrestis gehört nach zwei Jahren „Pause“ wieder zum Besten, was man an sizilianischem Extra Vergine bekommen kann. Bei diesem Bellolio, einer Cuvée aus 80 Prozent Tonda Iblea und 20 Prozent Biancolilla, ist alles da, was Olivenölfans an Aromen lieben: Kräuter (Thymian und Rosmarin), grasige Noten, grüne und reife Tomate nebst Tomatenblättern, ein Hauch Avocado, feines, etwas zurückhaltendes Mandel-Bitter, dafür umso präsentere (noch moderate) Rauke- bis Chili-Schärfe für ein ebenso komplexes wie harmonisches pikant-herbes Finish.
Ein halbes Dutzend Olivensorten für ein Halleluja: Andrés García und Alberto Molinero setzen seit 2013 auf so bewährte (von Arbosana über Hojiblanca bis Picual) wie rare Olivensorten (Cornezuelo, Lucio und Royal). Klarer Favorit dieser Kampagne ist das biozertifizierte Royal: Im Duft und am Gaumen wird das Thema Tomate in all seinen Facetten durchdekliniert: Frucht in allen Reifegraden, Blätter, Rispe, alles. Dazu Kräuter (Oregano, Thymian, ein Hauch Kamille), etwas Banane (Schale inklusive) und grüne Paprika. Das Finish wenig bitter (etwas Artischocke), etwas distinktere Schärfe (Peperoncini).
Zweimal OLIO Award (2024 und 2025), jetzt unter den besten 50 Ölen des Jahrgangs – was die Kooperative La Purísima aus der DOP Priego de Córdoba in diesen drei Jahren „gestemmt“ hat, ist Weltklasse! Das „kräutersatte“ Öl (100 Prozent Hojiblanca) wuchert im Duft mit seinen Minze-, Thymian-, Salbei- und Rosmarinpfunden sowie allerlei Tomatigem, am Gaumen präsente, aber moderate Bitternoten (Artischocke) und eine spät einsetzende, recht persistente, dabei feine Chili-Schärfe. Wie schön, dass sich das Öl dieser 1945 gegründeten Kooperative – same procedure as every year! – immer wieder in Hochform zeigt!
CTRA. PRIEGO A LUQUE, KM. 1,6, 14800 Priego de Córdoba, Spanien
Die genialischen Brüder Chiavalon haben wir zum ersten Mal 2010 im Rahmen des OLIO Awards auszeichnen können, dann auch 2013, 2016, 2017, 2023, 2024 und 2025. Auch diesmal hat’s mit dem „Oberhaus“, unserer Top 50, geklappt: Unser liebstes „Ekstra djevičansko maslinovo ulje“ ist heuer sein „Organic“. Die Bio-Cuvée aus den autochthonen und wohlklingenden Schönheiten Buža, Crnica, Istarska bjelica, Rožinjola und Moražola duftet nach Artischocken, Gras und Tomatenblättern und zeigt sich auch am Gaumen von seiner grünen Seite: wieder Artischocke, grüner Apfel, Rauke sowie etwas grüne Banane (plus Schale). Das Finish dann moderat bitter und angenehm pikant.
Die Initialen BB, die sich auf den geschmackvoll bunt gestreiften Flaschen finden, stehen für Bosiljka Belić und für einige der besten Olivenöle Kroatiens. Insgesamt 14 verschiedene sind’s, davon 13 reinsortig: von Ascolana tenera, Buža und Casaliva über Cipressino, Frantoio, Istarska bjelica und Itrana, Leccino, Moraiolo, Pendolino sowie Picholine bis hin zu Rosulja und Vodnjanska crnica. Unser Best of Belić ist ohne Zweifel das reinsortige Buža. Die Verkostungsnotizen nennen als mögliche Gründe grüne Mandeln und Tomaten, immer wieder Kräuter (süße wie leicht bittere), frisch geschnittenes Gras, Paprika, Rauke- und Pfeffer-Schärfe und ein pikantes, distinkt Chicorée-bitteres Finish.


