Rosina Ostler im Restaurant Alois in München|Feinschmecker

Köchin des Monats: Rosina Ostler

Rosina Ostler war noch ein kleines Mädchen, als sich ihre Bestimmung abzeichnete: Köchin werden. Die kompromisslose Handwerkerin huldigt im „Alois“ des Münchner Feinkosthauses Dallmayr den Produkten der Saison in allen Facetten.
Text Patricia Bröhm
Datum14.04.2026
Bei der Küchenchefin im "Alois" in München schmeckt das Essen nicht nur erstklassig, es wird auch künstlerisch angerichtet. Hier: Salzerdbeere, Waller und Szechuan

Wenn Rosina Ostler über ihre Kindheit spricht, wird schnell klar: Sie hatte gar keine andere Wahl, als Köchin zu werden. Denn es geht immer ums Essen: Da sind die Kräuterbeete im Garten ihrer Eltern, wo sie den Liebstöckel als kleines Mädchen pur aß.

Da sind die Weihnachtsfeste bei den Großeltern, wenn die Gans im Ofen briet und sie mit ihrer Schwester viele kleine Schüsselchen mit Beilagen herrichten durfte, Knödel, Calvadosäpfel, Selleriesalat. Da sind die zahllosen Reisen und Restaurantbesuche mit der Familie, sie von klein auf mit am Tisch. Da ist der Spielzeugherd (mit Strom!), auf dem sie als Erstklässlerin sonntagmorgens Spiegeleier für die Familie briet. Und da sind vor allem die Eltern, begeisterte Gastgeber, die Mutter, eine begnadete Köchin: „Sie hat mich stark geprägt.“ 

Ein signifikanter Hauptgang im Alios: Fasan, Getreide und Liebstöckel

Wenn Ostler heute Fasan auf die Karte setzt, dann denkt sie an ihre Mutter: „Wir haben viele Jäger in der Familie, es gab oft Fasan, ganz klassisch, mit Champagnerkraut, Trauben, geschmolzenen Zwiebeln und brauner Butter.“ 

Im „Alois“ schmeckt das Geflügel heute natürlich anders: Sie lässt die Tiere trocken reifen, confiert und zupft die Keulen für ein herzhaftes Ragout, grillt die Brüste über Holzkohle und serviert sie in Tranchen auf einer Art Risotto von Perldinkel und -graupen – mit viel Liebstöckel und brauner Butter, eingerahmt von gegrillten Spinatblättern.

Trotz kulinarischer Kindheit: warum zunächst an die Uni?

Blick in das Restaurant Alois in München

„Unsere Familie ist stark akademisch geprägt, es war klar, dass wir Töchter studieren.“ Also belegte sie in München Seminare in Medien- und Kommunikationswissenschaften („es fühlte sich nie richtig an“) und kochte in ihrer Freizeit – von Anfang an mit Ambition. Bald betrieb sie neben dem Studium ein kleines Catering, schrieb einen Foodblog, bewarb sich bei der Kochshow „The Taste“ und kam bis ins Finale. Irgendwann gab es keinen Zweifel mehr: „Kochen ist mein Leben.“ 

Den Ausbildungsplatz nach dem Studium wählte sie zielsicher aus: die Traube Tonbach, wo sie nach Abschluss der Lehre noch ein Jahr bei Torsten Michel in der „Schwarzwaldstube“ blieb: „Ich habe dort alles von der Pike auf gelernt, echtes Kochen, mit viel Hitze und großer Demut vor dem Handwerk. Ohne die ‚Traube‘ wäre ich nicht die Köchin, die ich heute bin.“

Wie hat die Zeit in Oslo sie geprägt?

Eingelegte, saisonale Produkte spielen in Rosina Ostlers Küche eine wichtige Rolle

Auf dem Weg in den Gastraum des „Alois“ kommt man an einem Regal mit Einweckgläsern vorbei: „Salzbergamotten“, „Habanero Pickle“ oder „Rhabarberblüten“ steht auf den Etiketten. 

Im Sommer für den Winter einlegen, ein Leitmotiv nordischer Küche, ist Rosina Ostler in Fleisch und Blut übergegangen. Fast drei Jahre arbeitete sie in Oslo, zuletzt als Küchenchefin im Drei-Sterne-Restaurant „Maaemo“. Den bewusst gelebten Regionalismus, den sie dort kennenlernte, brachte sie mit nach München und münzte ihn auf bayerische Verhältnisse um: „Wir arbeiten mit vielen kleinen, lokalen Produzenten. Das ist aufwendig, macht aber viel mehr Spaß, als einfach im Großhandel zu bestellen.“ 

Wie sieht ein Menü im „Alois“ aus?

Süßes Finale: Variationen von Honig-Fudge über konversierte Aprikosen bis Miso-Karamell.

So mancher Gast staunt zunächst: Nicht weniger als 16 Gänge zählt das Menü. Doch bald wird klar: Hier ist jedes Amuse-Bouche, jedes Petit Four mitgezählt, die Portionen sind übersichtlich, am Ende isst man nicht mehr als in anderen Gourmetrestaurants auch. Den Anfang macht eine Parade von sechs Miniaturen, eine hübscher als die andere, in rascher Folge serviert. 

Da ist etwa der „BBQ Sellerie“, ein aromenstarker Würfel, der die Knolle in vielen Geschmacksfacetten an den Gaumen bringt, dazu die Zitrusnoten von Kumquat und die pointierte Schärfe von Habanero-Chili. Oder eine Tartelette mit hausgemachtem Wildschweinschinken, Waldpilzen und eingelegten Preiselbeeren.

Im Alois wird ein Störleber-Parfait mit Kaviar, Apfelragout, Räucheraal-Brioche serviert

Schon diese Häppchen stecken die Parameter von Ostlers Küche ab: kreativ, aromenstark, Gemüse und Kräuter spielen eine wesentliche Rolle. Wichtig ist ihr auch, alle Teile vom Tier zu verarbeiten. Zum Beispiel beim Stör, den sie von der nahen Fischzucht Birnbaum bezieht. 

Ihm sind gleich zwei Gänge gewidmet: Zunächst gibt es die Leber als geschmeidiges Parfait, für feines Säurespiel sorgen Apfel ragout mit eingelegter Senfsaat und eine Sauce aus dem Apfelsaft mit weißem Port und Räucheraal; gekrönt ist der Teller von einer Nocke Kaviar. Als zweiter Störgang folgt das in Heubutter confierte Filet auf einem Topinambur-Ragout mit Störschinken und Topinambur-Molke-Sud.

Was trinkt man zu Ostlers vielseitigem Menü?

Störfilet, in Heubutter confiert: Topinambur-Ragout mit Störschinken, Topinambur-Molke-Sud

Dallmayr steht nicht nur für gute Küche, sondern auch für einen der besten Weinkeller weit und breit. Julien Morlat, langjähriger Maître und Sommelier in Personalunion, kennt ihn aus dem Effeff, seine Empfehlungen treffen immer ins Schwarze. Rund 1100 Positionen zählt die Karte, viele weitere Flaschen reifen in den Kellern des Traditionshauses. 

Als Dessert gibt es Braune Butter mit Mandarine und Wacholder

Um diesen Schatz abzubilden, bietet Morlat neuerdings gleich drei Weinbegleitungen an: „Klassik“, „Sommelier Special“ und „Grand Cru Special“. In allen drei Varianten kann man Entdeckungen machen, es sind Weine, die ihm besonders am Herzen liegen, etwa ein 2024er Chenin Blanc des südafrikanischen Weinguts Luddite, im Semi-Orange-Stil ausgebaut. Mit seinen Aromen von Kalkstein, Quitte und Birne begleitet er sämtliche Häppchen kongenial. 

Und natürlich hat sich Morlat auch mit dem Thema alkoholfrei intensiv beschäftigt, alle Drinks sind hausgemacht – darunter die Kombination aus geröstetem Getreide (Dinkel und Emmer) mit Haselnuss, Liebstöckel und Earl Grey, die perfekt mit Fasan harmoniert.

Steckbrief über Rosina Ostler:

Alter: 33 

Stationen: Geboren 1992, wächst Rosina Ostler in München auf. Nach dem Master-Studium an der University of Gastronomic Sciences im Piemont absolviert sie eine Kochlehre im Hotel Traube Tonbach in Baiersbronn; anschließend sammelt sie erste Erfahrungen in der dortigen „Schwarzwaldstube“ bei Torsten Michel. Über eine Station im Restaurant „Einsunternull“ in Berlin kommt sie 2021 nach Oslo in das Drei-Sterne-Restaurant „Maaemo“ von Esben Holmboe Bang, führt später unter seiner Leitung die Küche. Seit November 2023 ist sie Küchenchefin im „Alois“, dem Gourmetrestaurant des Feinkosthauses Dallmayr im Herzen von München. 

Restaurant: Die zwei ineinander übergehenden Räume im ersten Stock des traditionsreichen Hauses wirken wie ein sehr edles Wohnzimmer; Blickfang sind die Tapeten mit gelbem oder türkisfarbenem Hintergrund, auf dem Kraniche flattern. Die Gäste sitzen an runden Marmortischen auf bequemen Sesseln, mit Blick auf die Frauenkirche. 

Team: In der Küche sind sie – Rosina Ostler mitgerechnet – zu zehnt; den insgesamt sechsköpfigen Service leitet Maître Sommelier Julien Morlat. PRIVAT: Rosina Ostler lebt im Münchner Uni-Viertel, fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit. Zum Abschalten joggt sie im Englischen Garten und macht Yoga.

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