Gin & Tonic Bars

Der Gin-Boom ist nicht aufzuhalten. Hier sind unsere Lieblingsorte für den Longdrink-Klassiker in Deutschland und Europa

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Gin Tonic - Der Lebensdurstlöscher

Warum kehren wir immer wieder zum Gin Tonic zurück? Unser Kolumnist über seine jahrzehntelange Verbindung mit einem zuverlässigen Freund.

Die Einfachheit in Person

Von meiner Tochter habe ich gelernt, mich nicht dafür zu schämen, dass ich basic bin. Meine Tochter ist 14. Ich bin bedeutend älter. „Basic“ ist das Gegenteil von „extra“ und bedeutet, dass man eher naheliegende, weitverbreitete Dinge mag. Im Zweifelsfall lieber Vanilleeis als Basilikum-Zitronengras. Bequeme Schuhe. Pullover in Dunkelblau. Urlaub an der Ostsee oder auf Mallorca. Beatles und Abba. Pasta und Käsebrot. Und: Gin Tonic. Das Getränk, zu dem ich immer wieder zurückkehre, der Longdrink, auf den sich alle einigen können, die Wörter, die mir in der Bar automatisch über die Lippen kommen. Komme ich deshalb nicht von ihm los, weil ich so basic wie der Gin Tonic bin? Oder gibt es andere Gründe dafür, warum er der zuverlässigste Drink überhaupt ist?
 
 

Die britische Errungenschaft

Zuverlässig ist ein Schlüsselwort. Ich weiß nicht, wie viele Zehntausende Gin Tonic die Queen Mum bis zu ihrem Tod mit hundertundeinem Jahr getrunken hat, aber er muss ihr wieder und wieder das geboten haben, was sie von ihm erwartet hat. Waren das bei ihr Erinnerungen an das britische Imperium, das im Laufe ihrer Lebenszeit hinwegschmolz wie Crushed Ice im Highball Glas, und dessen einzige nicht mörderischen Errungenschaft der Gin Tonic ist?
 
 

 

 

 

 

 

 

Der Gin-Tonic-Effekt

Britische Kolonialsoldaten, die chininhaltiges Tonic-Wasser zur Malaria-Prophylaxe trinken mussten, kamen auf die Idee, die damals noch sehr viel bitterere Flüssigkeit mit zumeist gesüßtem Gin zu mischen. Auf diese Weise lief das, um es technisch auszudrücken, besser rein. Als Kind schien mir das Erwachsenenleben außerordentlich verheißungsvoll (diese Einschätzung musste ich leicht revidieren), und Tonic-Wasser war das erwachsenste Getränk, das mir erlaubt war: giftig, tropisch, und eines Tages würde es durch Alkohol noch sehr viel interessanter und erwachsener werden. Deshalb war ein Gin Tonic auf Klassenfahrt in England der erste ernsthafte Alkohol meines Lebens. Der Effekt war unmittelbar erstaunlich, und in dieser einzigen Hinsicht ist es mir ein Leben lang genauso gegangen wie der Queen Mum: Der Gin-Tonic-Effekt ließ sich von da an endlos und ohne Verschleißerscheinung wiederholen.
 
 

Die Bitternote und die Süße

Gin Tonic ist ein Durstlöscher, so würde ich den Effekt mit einem Wort beschreiben. Er löscht unmittelbar körperlichen Durst, weil er durch die bittere Note und die Kohlensäure, abgemildert durch die Weichheit der Wacholder- und Kräuter-Aromen, mehrere Erfrischungstasten auf einmal drückt. Er löscht aber vor allem Lebensdurst und stillt Erlebnishunger, weil das Zusammenspiel seiner grundsätzlichen Geschmacksnoten auch bei wechselnden Sortenzutaten ganz ähnlich bleibt: immer wieder fremd und herausfordernd durch die Bitternote, tröstlich und vertraut durch die Süße, dabei tief und nie endgültig begreifbar durch den Wacholder, der sich stets entzieht, wenn ich ihn gerade zu schmecken scheine. Gestützt durch Zitrone oder Gurkenscheibe.
Mehr Entscheidungen als zwischen diesen beiden Einlagen muss man nicht treffen, auch dafür liebe ich den Gin Tonic. In seiner Einfachheit hatte er alle Getränke-Moden der letzten Jahre überstanden. Ich dachte, wir hätte ihn uns übertrunken, als wir ihn Anfang der Nullerjahre bei unserer Hochzeit neben Wein und Bier als einzigen Drink anboten. Aber er ist geduldig, man kann immer zu ihm zurückkehren.
 
 

Auf die zweite Hälfte

Natürlich kann man mit Manufaktur-Gins und CraftTonics experimentieren, aber für einen Gin-Tonic-Trinker, der so basic ist wie ich, kommt es auf vielfältige Durstlöschung an, nicht auf kennerischen Zeitvertreib. Daher habe ich mich vor Jahren für eine überall erhältliche Gin-Marke entschieden und dafür, beim Tonic ein Banause zu bleiben. Das reicht, um sich 101 Jahre lang auf den grundsätzlichen Drink zu verlassen. Die Hälfte habe ich schon rum, ich freu mich auf die zweite mit meinem zuverlässigen Freund