Die 100 besten Olivenöle: Olio Award 2026
Margherita und Graziano Decimi besitzen 23 Hektar Olivenhaine mit 7000 Bäumen im umbrischen Bettona, 20 Kilometer südlich von Perugia. Die aromatische Brillanz früherer Jahre hat etwas nachgelassen, womöglich hat auch in Umbrien Regen auf die Qualität der Oliven gedrückt. Wie dem auch sei,punktet das rein aus Moraiolo hergestellte Öl mit den Aromen frisch geschnittenen Grases, grüner Mandel, Artischocken und Oregano, bem Schlucken stellt sich eine anhaltende pfeffrige Schärfe ein. Auf jeden Fall eine schöne Würze für Fleischgerichte und Beilagen.
Paola Orsini aus Priverno im Herzen Italiens – Latium – hat drei Öle ins Rennen geschickt, auch das drittbeste gefällt uns gut. Das Öl mit dem schlichten Namen “Bio” wird rein aus Itrana gewonnen, einer mittelkräftigen Olivensorte, typisch für Mittelitalien und in diesem Jahr durchweg gut bewertet. Das Öl gefällt uns mit seinen Aromen von Gras, reifen Mandeln, Artischocken, grüner Banane, Olven und einem Bündel Kräutern, darin Thymian, Oregano und Salbei.
Roberto Perrone Capano erntet von nicht mehr als drei Hektar Land, bepflanzt mit 600 Olivenbäumen. Die Haine liegen um Corato, 40 Kilometer westlich von Bari. Natürlich gibt Capano für das Santa Lucia die klassisch apulische Sorte Coratina in die Ölpresse. In die Flaschen fließt dann ein Öl mit subtil-feinen Noten von Mandel, Banane, gelbem Apfel und Basilikum, auch etwas Salbei ist dabei und Walnuss. Ein Öl, das wir gern auf Brot genießen, auf Früchtesalaten und zu sahniger Burrata.
55 Kilometer südlich von Madrid bewirtschaftet Maria Pilar 60 Hektar Land mit verschiedenen Olivensorten. Cornicabra und Manzanilla Cacereña hat sie in das Öl Laguna de Blas gegeben, das uns gut gefällt mit seinem mandel-Charakter, dem Ton unreifer Tomaten, dem kräftigen Salbei-Aroma und dem Bukett von Gras, grünen Äpfeln und Zitrusschale. Die Bitternote ist kräftig, aber harmonisch eingebunden. Ein Öl, mit dem sich gut braten und backen lässt.
C/ VICENTE MARTINEZ TORRES, 28360 Villaconejos, Spanien
Kostas Pramtaris und Nikos Katsos ernten ihre Oliven auf 15 Hektar in Monemvasia im südlichen Peloponnes. Die Region Lakonia (mit der Hauptstadt Sparta) gab in der Antike den Namen für knappe, sachliche Äußerungen, die wir bis heute lakonisch nennen. Nicht allzu knapp müsen wir bei der Beschreibung des Koroneiki-Öls sein: Es duftet zart grün und grasig mit Noten von Rosmarin, schmeckt deutlich nach Mandeln und reifen Äpfeln, am Gaumen schwingen Mandeln und Walnuss- und Haselnussnoten mit. Die junge, vom deutschen Manager Thomas Schramm beratene Firma lädt Leser zum Besuch auf den Hain ein und dem Herstellen eines eigenen Olivenöls – Details hierzu auf Seite XX.
Agia Sofia Estate, 23070 Monemvasia, Griechenland
45 Hektar besitzt die Fattoria in San Gennaro bei Lucca - man könnte neidisch werden. Zumal 20 Hektar, wie es heißt, Weinbergen vorbehalten sind und 17 Olivenhainen. Ideales Resieziel für Gourmet-Urlauber, denn die alten Bauernhöfe und die Villa aus dem 17. Jahrhundert wurden liebevoll zu komfortablen Ferienwohnungen restauriert. Hinter dem Weinkeller und der Ölmühle steht der Schweizer Unternehmer Alfred Schiller, der seinen technischen Perfektionismus aus der Medizintechnik auf Weon- und Ölherstellung aufs beste übertragen hat. Das Olivenöl bringt Freude mit Aromen von grüner Banane, grüner Mandel, auch etwas Bärlauch, Rosmarin und Rauke, nur etwas mehr Fruchtintensität könnte es haben. Feines Öl für Brot und Antipasti!
Via di Tofori "Fubbiano", 55012 San Gennaro, Italien
Der Firmenname ergibt sich als Abkürzung für Olivareros y Almazareros de España, Olivenbauern und Ölmühlen Spaniens also. 1988 wurde der Verband in Jaén als kleine Genossenschaft gegründet, erst seit 1995 verkauft man Olivenöl in Flaschen und nicht mehr lose oder in Kanistern. Das Gaulos-Öl ist eines von mehreren in einer Prestige-Reihe, es wird rein aus der kräftigen Picual-Olive gepresst. Das Öl duftet und schmeckt stark nach Kräutern wie Thymian, Majoran, Minze und Rosmarin und gefällt mit feinherben Noten von Rauke und Radicchio, Salbeiblättern und Estragon. Zu Antipasti oder Fleischgerichten!
Mercedes Santiago leitet hier ein Öl-Unternehmen mit Sitz in Madrid, das vor allem Olivenöl als Heilmittel und Genussmittel für die Gesundheit sieht und entsprechend vermarktet. Aus 50 Hektar eigener Haine werden etwa 20 000 Liter Öl im Jahr hergestellt, und zwar nur zwei Sorten: Picual und Hojiblanca. Unsere Jury favorisiert Letzteres – und genießt den Duft von Brennesselblättern, die Aromen von Lattich, grünen Äpfeln und Kräutern wie Majoran, Sauerampfer, Bärlauch sowie Rauke und Feldsalat. Mehrmals täglich einzunehmen – auf Ziegenkäse oder auf einem Raukebett mit Parmesanspänen.
Zwölf Hektar Olivenhaine mit 4000 Bäumen bewirtschaften Tommaso und Andrea Dami in Pistoia. Die Besonderheit der Firma Ager: “Vier Millionen verlassene Olivenbäume sollen für Klima und Nachhaltigkeit gerettet werden”, und zwar durch Adoption einzelner Bäume oder, natürlich, durch den Kauf von Olivenöl. Das Öl, das wir jedenfalls empfehlen können, wird in einer Mühle in Massa e Cozzile verarbeitet – es ist ein Blend aus den wichtigen Sorten Frantoio und Moraiolo, auch weitere Sorten werden hineingegeben. Im Geschmack und Duft zeigen sich Mandeln, Bananen, Äpfel und grüne Tomaten – kein schlechter Einstieg für einen Newcomer mit sehr begrüßenswerten Ideen . Das Öl würzt viele Sorten Pasta oder Salate.


