Wein kaufen, um ihn zu trinken

Alte und seltene Weine sind begehrt, nicht nur zum Genuss, sondern auch als Anlageobjekt. Die Renditen auf dem Fine-Wine-Markt sind oft hoch. Das klingt verlockend, doch Risiken und Fallstricke sind zahlreich. Wir fragten sieben Experten: Würden Sie in Wein investieren, und was sollte man dabei unbedingt beachten?

Nedjelko Marcela

NEDJELKO MRCELA, 53, ist Geschäftsführer von WeinArt in Geisenheim, der Händler ist spezialisiert auf hochpreisige Weine aus Bordeaux und Burgund

WENN SIE EINEN WEINKELLER ERBEN

...und mit den vielen Flaschen überfordert sind, dann komme ich. Wir sortieren und katalogisieren Sammlungen und verkaufen sie weiter. Oft sind das Weine von hohem Wert, gereifte Bordeaux und Burgunder. Außerdem verkaufen wir aktuelle Weine von Top-Winzern aus Deutschland und Burgund. Ich kenne die steigende Preisentwicklung vieler Weine sehr gut. Dennoch: Ich kann niemandem empfehlen, Geld in Wein zu investieren. Das ist eine blödsinnige Idee, mit der schon viele gescheitert sind, vor allem private Sammler. Das liegt an zwei Dingen: dem deutschen Steuersystem und vergessenen Kosten.

DIE STEUERN:

In Deutschland zahlt ein Privatkunde für eine Flasche 100 Euro plus 19 Euro Mehrwertsteuer. Wenn er die Weine mit Gewinn weiterverkaufen möchte, muss er also über 119 Euro dafür bekommen. Ausländische Investoren lagern ihre Weine oft in steuerfreien Zolllagern in Großbritannien. Erst wenn der Wein das Lager verlässt, muss die Steuer bezahlt werden. In jedem Falle ist das Thema kompliziert, die Mehrwertsteuer kommt einem immer wieder in die Quere.

DER WICHTIGERE PUNKT

...sind vergessene Kosten. Jemand hat zum Beispiel vor zehn Jahren für 100 Euro eine Flasche gekauft und verkauft sie heute für 150 Euro. Dann schreibt er sich in seine Excel-Tabelle: 50 Euro Gewinn. Das ist falsch. Sie müssen die Flaschen einlagern, katalogisieren, wieder aus dem Keller holen, einen Käufer finden. Das kostet Zeit, und Zeit kostet Geld.

Sie müssen Weine auch fachgerecht und lange lagern, dafür brauchen sie einen geeigneten Raum und Platz, das kostet ebenfalls Geld. Wenn Sie die Flasche nicht selbst verkaufen, schalten Sie einen Händler oder Auktionator dazwischen wie mich, auch wir kosten Geld. Wenn Wein Teil Ihrer Altersvorsorge ist, müssen Sie die Sammlung versichern. Das sind Risiken und Kosten, und die preisen private Sammler oft nicht ein.

SIE MÜSSEN SICH UM WEIN SEHR VIEL KÜMMERN.

Eine Aktie macht weniger Arbeit. Es sind viele Facetten, die diese Idee kompliziert machen. Auf dem Papier ist die Wertentwicklung von Weinen gut, in der Realität verkalkulieren sich viele. Ich empfehle, Wein nur dann zu kaufen, wenn man ihn trinken will.