Wein ist wie ein Sparbuch

Alte und seltene Weine sind begehrt, nicht nur zum Genuss, sondern auch als Anlageobjekt. Die Renditen auf dem Fine-Wine-Markt sind oft hoch. Das klingt verlockend, doch Risiken und Fallstricke sind zahlreich. Wir fragten sieben Experten: Würden Sie in Wein investieren, und was sollte man dabei unbedingt beachten?

Richard Aichwalder

RICHARD AICHWALDER, 36, ist Verkaufsleiter für das Gebiet Westösterreich bei Wein Wolf in Salzburg. Privat sammelt und verkauft er gereifte Weine

WEIN WAR SCHON FRÜH MEINE LEIDENSCHAFT.

Bereits während meiner Ausbildung als 17-Jähriger an der Hotelfachschule war ich begeistert von den Geschmackswelten, die Wein bietet. Ich habe mich freiwillig als Servicekraft für ein Weinseminar gemeldet, nur um dort Weine verkosten zu können. Jeder Wein erzählt eine Geschichte und kann Emotionen wecken.

Mit 20 Jahren habe ich eine Ausbildung zum Diplomsommelier drangehängt, dann die Gastronomie verlassen und bin hauptberuflich in den Weinhandel gewechselt. Der typische Handel bietet nur selten die Möglichkeit zur Flaschenlagerung, da Kunden die Weine recht schnell und aktuell kaufen möchten. Ich habe rasch gemerkt, dass ich selbst lieber ältere, gereifte Weine trinke. Die bekommt man in der Regel bei Auktionshäusern. Dort habe ich meine ersten älteren Flaschen ersteigert und so noch einmal eine völlig neue Weinwelt kennengelernt.

ICH GEHE BEI AUKTIONEN STRUKTURIERT VOR,

...studiere die Kataloge der Auktionshäuser und suche mir Flaschen und Kisten, die mich interessieren und deren Marktwert ich einschätzen kann. Ich möchte unter Marktwert ersteigern und setze mir vor der Auktion eine persönliche Grenze. Man kann sonst in einen kleinen Rausch kommen und sein Budget ausreizen. Viele fragen mich, wie das funktioniert, wieso bekommt man manchmal Weine unter Wert? Es gibt zig Gründe: Vielleicht dauert die Auktion schon lange, und am Anfang haben die Bieter bereits bei den sehr teuren Weinen ihr Budget überreizt. Manchmal interessiert sich auch einfach keiner der Anwesenden für ebenjenen gereiften Wein oder das Anbaugebiet. Man braucht Geduld, Akribie und Wissen.

EINE WEITERE MÖGLICHKEIT SIND SUBSKRIPTIONEN.

Das heißt, ich kaufe bei Händlern oder Winzern Wein auf Vorbestellung, obwohl diese noch gar nicht auf der Flasche sind. Ich zahle heute einen günstigeren Preis, weil ich die Ware erst später bekomme. Wenn die Weine dann regulär auf den Markt kommen, ist der Preis bereits gestiegen. Das ist für mich in Zeiten der Nullzinspolitik eine sichere Angelegenheit, und nur sehr selten sind die Weine später weniger wert. Der Jahrgang 2010 in Bordeaux war so ein Pechfall, die Preise waren durch den Hype der Bordeaux-Weine in China so aufgeheizt, dass die Weine später auf dem freien Markt weniger wert waren. Aber auch für 2010 wird die Zeit kommen.

OB AUKTION ODER SUBSKRIPTION,

...ich schreibe akribisch jeden Wein und den Einkaufs- und Verkaufswert auf. Grundsätzlich tausche oder verkaufe ich Weine im Internet, meist an andere private Sammler. Es gibt da auf verschiedenen Plattformen diverse Möglichkeiten. Mein Weinkeller ist mein Sparbuch. Und ich würde jedem empfehlen, ein bisschen von seinem Ersparten in Wein anzulegen. 2017 habe ich zum Beispiel noch mal ein Masterstudium absolviert: Marketing und Vertrieb. Das habe ich teilweise über den Verkauf von Weinen finanziert.

EIN SCHÖNES BEISPIEL FÜR WERTENTWICKLUNG

...ist eine Kiste Château Mouton Rothschild aus dem Jahrgang 1990. 12 Flaschen für 1200 Euro bei einem Schweizer Auktionshaus. Drei Jahre später wurde mir dafür das Dreifache geboten. Jetzt wäre sie noch mal mehr wert. Der erste Käufer hatte damals um die 25 Mark pro Flasche bezahlt. Das fasziniert mich. Und selbst wenn man sich mal verkalkuliert und der Wein weniger Wert ist, trinke ich ihn eben. Risiko habe ich auch bei Aktien, aber eben keinen Genuss.