Verliebt in die Provence

Fünf Genießer, die eng mit der Provence verbunden sind, verraten ihre Lieblingsplätze.

Verliebt in die Provence_Blick über Gordes

Tipps von Krimi-Autorin Heike Koschyk für die Übernachtung und gutes Essen

Die Provence ist wunderbar abwechslungsreich, mit Lavendelfeldern, Olivenhainen, pittoresken Dörfern, kulinarischen Entdeckungen. Ob im Gartenrestaurant inmitten von Weinbergen, in der einladenden Èpicerie mit den hausgemachten Pasteten oder im Bistro, dessen Inhaber selbst geerntete Trüffeln auf die Speisen hobelt – hier kann man die aromatische Küche Südfrankreichs in allerschönster Umgebung genießen.

Ein besonders kulinarisch-atmosphärischer Platz liegt am Rande von Gordes. Wenn die Route de Cavaillon die letzte Kurve nimmt, schaut man automatisch nach rechts, gefangen von der Aussicht auf das hoch über dem Tal thronende Dorf. Die mittelalterliche Burg, die terrassenförmig in den Fels gebauten Häuser, der weite Blick über den Flickenteppich aus Weinbergen und Feldern bis hin zu den Hügeln des Luberon ist atemberaubend. Nie habe ich mich diesem Schauspiel entziehen können – und dabei meinen jetzigen Lieblingsplatz beinahe übersehen. Wie oft bin ich den Weg gefahren, ohne die Häuser zur Linken wahrzunehmen. Den Platz, der sich oberhalb der garriguebewachsenen Felsen verbirgt. Der einen weit schöneren Blick bietet als den allseits bekannten und an dem man zudem auch noch hervorragend speisen kann. Zu meiner Überraschung wird dieses Kleinod kaum in Reiseführern erwähnt. Es ist ein Geheimtipp, den ich hier mit Ihnen teilen möchte.

Die erste Begegnung mit meinem Lieblingsplatz liegt erst wenige Jahre zurück. Wir waren auf dem Weg zum Wochenmarkt, um Kräutersalami, Fougasse (flaches, provenzalisches Brot mit charakteristischen Schlitzen) und Tapenade für ein Picknick zu kaufen. Die Autokarawane, die sich an jenem Morgen die Straße zum Dorf hochzog, stockte, und da wir ahnten, dass sämtliche Parkplätze im Ort belegt sein würden, bogen wir in die Route de Senanque, die zur gleichnamigen Abtei führt. Tatsächlich fanden wir einen Platz – direkt gegenüber der Einfahrt zu einem kleinen Hotel, dem „Le Mas des Romarins“, das mir bis dahin noch nie aufgefallen war, dessen bezauberndes Ambiente mich aber sofort neugierig machte. Und so gingen wir hinein, um es uns genauer anzusehen.

Es war Liebe auf den ersten Blick. Das charmante Hotel bietet nicht nur individuell eingerichtete Zimmer, sondern auch ein Restaurant, das höchsten Ansprüchen genügt: das „L’Esprit des Romarins“. Im Inneren eleganter Landhausstil mit grau gekalkten Steinwänden und Panoramafenstern, außen eine kiesbedeckte Terrasse mit schmiedeeisernen Möbeln. Hier sitzen wir uneinsehbar auf einem Logenplatz mit sensationellem Blick auf Gordes, während wir die provenzalisch inspirierten Köstlichkeiten des Küchenchefs Lorenzo Ferro genießen, der seine wöchentlich wechselnden Menüs mit marktfrischen regionalen Zutaten kreiert. Die Gerichte sind bodenständig und zugleich raffiniert abgestimmt. Karotten werden in vier verschiedenen Texturen serviert: cremig, kandiert, knusprig gebraten und verfeinert mit einem aromatischen Rosmarin-Crumble. Die auf eine Safranjus gebettete Dorade ist mit bunten Blüten garniert, weil auch das Auge hier mitisst.

Der Inhaber Alexandre Deshaies nennt es Bistronomique, eine moderne Kombination aus Bistroküche und anspruchsvoller Gastronomie, die bei aller Raffinesse bezahlbar bleibt. Das dreigängige Menü „Retour du Marché“ gibt es schon für 35 Euro. Den Auftakt macht zum Beispiel eine Linsencreme mit krossen Speckchips, Knoblauchcroûtons und einer Muscheleinlage, gefolgt von langsam geschmorten Schweinebäckchen mit Schalottenjus auf luftigem Kartoffelschaum. Zum Abschluss gibt es einen verführerisch cremigen Amaretto-Budino mit Eis. Und während wir mit einem Glas Rosé in der Hand zusehen, wie sich der Himmel über dem Luberon pastellig verfärbt, ahnen wir, dass genau hier das Paradies liegen muss: vor den Toren von Gordes.

Weitere Tipps von Heike Koschyk

L‘Orangerie“ in Gordes 
Sonntagsbrunch auf der Terrasse des Hotels „La Bastide de Gordes“ mit Panoramablick über das Luberon.

„Boulangerie de Mamie Jane“ in Gordes
Herrliche Auswahl an Gebäck und Süßem sowie verschiedenen Tartes.

„Fromagerie Lea“ in Goult
Eine exquisite Auswahl an regionalem Käse und Trüffelspezialitäten.

Le Jardin dans les Vignes“ in Gargas
Das Gartenrestaurant im „Bistrot Coquillarde“ ist bei gutem Wetter ein wunderbares Ziel.