Verliebt in die Provence

Fünf Genießer, die eng mit der Provence verbunden sind, verraten ihre Lieblingsplätze.

Verliebt in die Provence_Rote-Bete-Chips im "L'Oustau de Baumaniére"

Tipps von Spitzenkoch Johannes King für die Übernachtung und gutes Essen

Es ist zwar gefühlt schon Ewigkeiten her, dass ich in Südfrankreich gearbeitet habe, unter anderem im „Negresco“ in Nizza, aber dennoch hat mich diese Zeit intensiv geprägt. Ich war seither oft dort und habe vieles kennengelernt. Die alten Klassiker und neue Adressen, und unter uns: Für die alten Klassiker braucht man heute eine große Portion Nostalgie und mindestens ebenso viel großmütige Gelassenheit. Voriges Jahr fuhren meine Frau Selina und ich durch die Provence, anschließend verbrachten wir ein paar Tage an der Küste. Vor allem Les Baux-de-Provence im Landesinneren hat einen besonderen Zauber, seiner bizarren Felsformationen wegen, aber auch wegen der spektakulären Ausstellung „Picasso und die spanischen Meister“ im „Carrières de Lumières“ – kein einziges Bild, alles Computeranimationen!

Wir wohnten nahe Les Baux in einem ehemaligen Bauernhof und fuhren von dort auch nach Arles und Avignon und durch Moustiers-Sainte-Marie, ein traumhaft schönes Dörfchen, eine tolle Landschaft.

Dann kam der Geburtstag meiner Frau, und den feierten wir im „L’Oustau de Baumanière“. Oustau ist ein Wort der regionalen Sprache Okzitanisch (die keinesfalls nur ein Dialekt ist!) und bedeutet so viel wie Gasthaus. Tatsächlich kann man im „L’Oustau de Baumanière“ auch nächtigen, ganz vortrefflich sogar. Aber natürlich ist das Haus seiner Restaurants wegen Legende – allerdings eine, die in der Vergangenheit ihre Höhen und Tiefen hatte. Zuletzt schien es, als ginge es nach einem Tief aufwärts. Die Bewertungen waren wieder hoch, und man hörte plötzlich allenthalben Gutes. So saßen wir nun dort am Abend auf der Terrasse unter Platanen, sie im Sommerkleid und ich mit offenem Hemd, ein laues Lüftchen wehte. So, wie man sich die Provence eben vorstellt. Doch dann: Die ersten beiden Gänge nicht wirklich Highlights. Ich sagte zu Selina, wenn das so weitergeht, bestelle ich zum Trost eine zweite Flasche. Aber was dann kam, war herausragend: Rotbarbe, Ente – Weltklasse! Und ein Millefeuille mit Haselnuss, Zitrone, Nougat und dem feinsten Blätterteig, als wäre es nicht von dieser Welt!

Am nächsten Mittag lagen wir faul am Pool, und Selina fragte: „Hast du Hunger?“ Wir sahen uns an, es war klar, wo wir hinwollten: „L’Oustau“! Die Milchlammkeule war großartig, in einer solchen Qualität gibt es das Lamm bei uns einfach gar nicht. Vorher bestellten wir Gambas, leicht mariniert und mit Gambacreme, Salatblättern und Gambajus raffiniert angerichtet. Herrlich! Grandios war auch die Poularde in der Blase: toll am Tisch präsentiert unter einer Metallgitter-Cloche, die an einen Käfig erinnerte. Der Saint-Pierre war so saftig und glasig gegart, dass der Service ihn mit dem Messer schneiden musste. Unglaublich gut. Und auch der Service war tadellos. Wir waren insgesamt viermal in drei Tagen dort, immer draußen auf der Terrasse. Mittags ist es nach unserer Erfahrung noch besser als abends – danach sollte man allerdings möglichst ein, zwei Stündchen ruhen ...

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