Koch des Jahres – Felix Schneider

„Sosein“, Heroldsberg

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Unter den Köchen der deutschen Topliga gehört Felix Schneider zu den kompromisslosesten Vertretern seiner Zunft; oder auch zu den konsequentesten. Im Heroldsberger Gasthaus von 1536 hat er seine stringente Interpretation der Regionalküche kontinuierlich weiterentwickelt. Er sammelt nicht nur wie viele andere auch Pilze im Wald, baut Gemüse an und backt Brot. Er stellt Butter her und produziert eine Variante der altrömischen Würzsauce Garum aus fermentierten Fischabschnitten. Vor allem aber geht es Felix Schneider um den absoluten Höhepunkt eines Produktes. Deshalb arbeitet er mit zahlreichen Bauern, Gärtnern und Jägern eng zusammen, um die besten Zutaten zum perfekten Zeitpunkt zu bekommen – und diese dann genauso konsequent durchdekliniert zu servieren.

Bei dem Gericht „Ein Jahr Karotte“ kommt das Gemüse zum Beispiel in allen Wachstumsstufen auf den Teller, vom Samen bis zur Wurzel, vom sprießenden Grün bis zur Blüte. Differenzierter und bewusster kann man ein Naturprodukt kaum erschmecken. Beim Wildhasen serviert er in bester Nose-to-tail-Tradition sowohl Rücken und Keule als auch Herz und Leber mit Erbsen-Miso und gesalzenen Traubenkirschblüten. Die Tiere werden bei Felix Schneider grundsätzlich ganz verarbeitet, aus den großen Fettmengen des Mangalitza-Schweins etwa entsteht wunderbarer Lardo, gewürzter weißer Speck. Alle im Restaurant servierten Tiere werden stressarm geschlachtet, Fisch etwa nach der Ike-Jime-Methode. Kochen ist für Felix Schneider nicht einfach eine Zubereitungsmethode, sondern eine Einstellung.

Das vielgängige Menü beginnt für alle Gäste zur gleichen Zeit. Das gemeinschaftliche Erlebnis, das mit dem gemeinsamen Brotbrechen als Ritual beginnt, steht für Schneider im Mittelpunkt. Auch deshalb hat er sein Restaurant „Sosein“ genannt, weil es ihm um nichts weniger geht als um das Wesen der Dinge.

Mit seiner Konsequenz regt Felix Schneider zum Nachdenken an – und leistet so einen wertvollen Beitrag für bewussten Genuss und Wertschätzung von Ressourcen.

Locations
Sosein
H I K M N R Q F
H Garage oder Parkplatz vorhanden
I Mittags geschlossen
K Keine Terrasse und/oder Garten vorhanden
M Übernachtung nicht möglich
N Kein Weinangebot
R EC-Zahlung möglich
Q Kreditkartenzahlung möglich
F Keine Bar vorhanden

Konsequent, nachhaltig, mit Pioniergeist und teils klassischem Wohlgeschmack de­finieren Felix Schneider und sein treues Team im modern-urigen Fachwerkhaus den Regionaltrend neu. Sie produzieren eigenes Signalkrebs-Garum (Würzsauce), fermentieren, sulzen und intensivieren Geschmack mit dem Schimmelpilz Koji. Ungewöhnlich und süffig ein Emu-Ei mit Spinat; zart, intensiv als Sashimi sanft Ikejime-geschlachtete, 16 Tage trocken gereifte fränkische Lachsforelle. Sauerteig-Fladenbrot mit Ochsenfett und fermentiertem Rahm spielte auf Döner an – freudvoll wie das spektakuläre Hausbrot-Brechen. Nach dem Erwerb einer Gänseherde pökelte und räucherte man das Fleisch zum Haltbarmachen im Sinne von nose to tail, servierte aus der Brust köstliches Gänsekasseler, milchsauervergorener Navettensaft spielte auf Sauerkraut an, frittierte Kümmelkörner wie die fränkische Schlachtschüssel zu Beginn auf avancierte Deftigkeit. Erfrischende Desserts mit Kräutern und Gemüse erfordern ein Einlassen, wie die Getränkebegleitung von Sommelière Monique Steinke aus charakterstarken Biodyn- und Naturweinen, Bier, Cidre.

Hauptstr. 19, 90562 Heroldsberg
+49 (0) 911 95699680
www.sosein-restaurant.de
nur Abendessen, So-Mi geschl.
Menüs ab € 195